Ber�hmte Quarter Horses & Vererber
Old Joe Bailey
Eine Serie f�r QH-Fans - �bersetzt und bearbeitet von Heinz Langer
Um die vorletzte Jahrhundertwende gab es einen US-Senator, namens Joseph W. Bailey, der in Texas sehr popul�r war. Die Konsequenz daraus war, dass in jener Zeit, lange vor Gr�ndung der AQHA und der entsprechenden Namensregelung, etliche gute Pferde zu des Senators Ehren nach ihm benannt wurden. So gab es Pferde, die beispielsweise Gonzales Joe Bailey, Nixon�s Joe Bailey oder Weatherford Joe Bailey hie�en.
Das Pferd, das heute noch unter dem Namen Old Joe Bailey bekannt ist, war seinerzeit zweifellos der "Weatherford Joe Bailey". Der Quarter Horse-Historiker Robert M. Denhardt, der auch einer der ersten AQHA-Sekret�re war, l�sst keinen Zweifel daran offen, dass Old Joe Bailey damals, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der bedeutendste "Joe Bailey" war.
Old Joe Bailey, ein brauner Hengst, wurde 1907 geboren und lebte bis 1934. Gez�chtet wurde er von Dick Baker aus Weatherford, Texas. Der Vater von Old Joe Bailey war Eureka, ein Hengst im Besitz der Couts Ranch in Weatherford, deren Eigent�mer Colonel Bob Couts gr��ten Wert auf allerbestes Zuchtmaterial legte. 1906 war Eureka jedenfalls der Spitzenhengst der Couts Ranch.
Gezogen von E. Shelby Stanfield aus Thorp Springs, Texas, war Eureka ein Sohn von Shelby, von Tom Driver. Seine Mutter war eine sehr bekannte Zuchtstute namens Jennie Capps, von Dash, einem Sohn von Little Jeff Davis. Weitere bedeutende Nachkommen von Jennie Capps waren Pit Hart, Anti-Pro, Red Seal und Stepping On It.
Eureka war zur Zeit der Jahrhundertwende einer der bekanntesten Short Horse Runners in Zentral-Texas. Es wird erz�hlt, dass er bei den Texas State Fair-Rennen Rekordhalter der Distanzen �ber 440 Yards und die 3 1/2-Achtelmeile war. Seine Rennkarriere war so erfolgreich, dass alsbald ein Handycap erfolgte, bei dem sein Reitergewicht extrem gesteigert wurde. Das f�hrte zum Ende seiner Rennlaufbahn und er wurde an Colonel Couts verkauft, um von nun an als Deckhengst eingesetzt zu werden.
Die Pferdeherde der Couts Ranch war weit und breit bekannt f�r ihre Qualit�t. Diese Reputation begr�ndete Eureka, als er begann, Nachwuchs mit High Speed und vorz�glichen Eigenschaften bei der Rinderarbeit zu produzieren. Im Jahr 1906 brachte Dick Baker eine Stute namens Susie (oder Suzie) McQuirter zu Eureka. Als optimaler Performer hatte Susie McQuirter das Zeug dazu, eine hervorragende Zuchtstute zu werden. Gez�chtet von Webb Christian aus Big Springs, Texas, war sie eine Tochter von Little Ben Burton (auch als Old Ben Burton bekannt), von Barney, von Steel Dust. Ihre Mutter war Aury, von Old Dutchman (einem Sohn des "original" Old Rondo), aus einer Stute von Brown Dick.
Heutzutage scheinen die Namen im Pedigree von Old Joe Bailey einigerma�en verschwommen, eine Frage der Zeit. Doch zu Ende des 19. Jahrhunderts waren diese Namen einfach Synonyme f�r Spitzenqualit�t. Wenn man in der weitere Vergangenheit forscht, so scheint es, dass Old Joe Bailey sieben Mal auf Star Dust, sechs Mal auf Shiloh und zwei Mal auf die Billy-Familie zur�ckzuf�hren ist. All diese Pferde waren Begr�nder von Dynastien, die als wahre Foundation Sires der Quarter Horse-Rasse gelten.
Andererseits hatte Old Joe Bailey nicht die spektakul�re Karriere wie seine Vorfahren. Nicht zu reden von einigen Demonstrationen seiner Performance-Leistungen, wurde der Hengst ohne gro�es Spektakel einfach den Gro�teil seines 27-j�hrigen Lebens f�r die Zucht eingesetzt. Es war die Zeit, in der Autos und Flugzeuge im Vordergrund des Publikumsinteresses standen und diese die Pferdewelt eher in den Hintergrund dr�ngten. Vor der Szene aller damaligen technischen Errungenschaften wurde ein Hengst, der sein beschauliches Leben in Mitteltexas genoss, kaum beachtet. Doch gerade Old Joe Baileys Vorfahren und er selbst bildeten einen Grundstock in der darauffolgenden QH-Zucht.
In dieser Zeit dr�ngte das US Government Remount Service, zust�ndig f�r die Beschaffung der Nachwuchspferde der US-Kavallerie darauf, m�glichst viel Vollblut (TB) in die Pferdezucht einzukreuzen. Also gab es w�hrend des 1.Weltkrieges eine gewisse Diskrepanz zwischen dem augenblicklichen Bedarf und der Zucht hochwertiger Arbeitspferde, wie Old Joe sie zeugte.
Im Lauf seines Lebens hatte Old Joe Bailey hunderte oder vielleicht tausende Stuten gedeckt.
Dies geschah quasi kreuz und quer durch die Landschaft, ohne R�cksicht auf das Stutenmaterial. Doch abgesehen davon, zeugte der Hengst eine Reihe von Super-Pferden, die zu jener Zeit eine gro�e Rolle im Rodeo Business spielten. Allen voran kann man wohl "Stranger" nennen, der unter seinem Reiter, dem professionellen Rodeo Champion Mike Hastings, zur Legende wurde. Vor allem im Bulldogging war das Paar unschlagbar und gilt selbst heute noch als unvergleichlich.
Was Old Joe Bailey�s Rennnachwuchs betrifft, so waren Roan Peggy, Peggy Ray, Peggy Parker, Topaz und Ben die Erfolgreichsten. Ein Hengst namens Dan, �beraus sensationeller "Speedster" �ber die viertel Meile, wurde selbst ein gefragter Deckhengst. Dan�s Tochter, Queen H, brachte Squaw H und Hank H zur Welt, die damals ganz ber�hmte Rennpferde wurden. Au�erdem zeugte Dan Jimmie Allred, der durch seine Schnelligkeit ebenfalls Furore in der Fr�hgeschichte der AQHA machte.
Alle diese Geschichten �ber Old Joe Bailey und seine Nachzucht kursierten in Texas �ber lange Zeit. Schlie�lich hielt der bekannte Top-Z�chter W.T. Waggoner aus Vernon, Texas, Ausschau nach einem geeigneten Nachwuchshengst und stie� dabei auf Yellow Wolf, einen ganz jungen Nachkommen von Old Joe Bailey. Yellow Wolf war ein Dun mit schwarzer M�hne und Schweif. Waggoner imponierte nicht nur die Farbe des Hengstfohlens. Er erahnte die anderen Qualit�ten des Pferdes und kaufte gleich dessen Mutter Old Mary, die bereits wieder von Old Joe Bailey gedeckt war, dazu. Das Resultat aus der Paarung war Yellow Bear. Diese beiden Deckhengste und ihre Schwestern wurden schlie�lich der Grundstock f�r die Zucht optimaler Arbeitspferde der Quarter Horse-Welt.
Der Z�chter Dick Baker verkaufte Old Joe Bailey, als er noch ziemlich jung war. Der Hengst wechselte zu Bud Parker, ebenfalls aus Weatherford, der ihn den gr��ten Teil seines Daseins behielt. Die Quarter Horse-Welt verdankt Parker sehr viel Vorarbeit bis zur offiziellen Gr�ndung der Rasse. Er war ein exzellenter Pferdekenner und erkannte die Qualit�t Old Joe Baileys, der Rennstute Old Mary (einer anderen Tochter von Little Ben) und vieler anderer Pferde f�r die k�nftige Zucht von Spitzenpferden.
Parker besa� Old Joe Bailey bis zum Fr�hjahr 1928 und verkaufte ihn danach an C.D. Swearington aus Eastland, Texas. Im darauffolgendem Jahr wurde der Hengst an Jack Tindall & Sohn ver�u�ert, der ihn schlie�lich an Bus Whiteside im texanischen Sipe Springs verkaufte. Auf der Whiteside Ranch fand Old Joe Bailey 1934 seine letzte Ruhest�tte.
Obwohl Old Joe Bailey 15 Jahre vor der Gr�ndung der AQHA starb, lebten 23 seiner Fohlen doch so lange, um ins AQHA-Zuchtbuch eingetragen zu werden.
W�hrend seiner Zeit auf der Whiteside Ranch zeugte Old Joe Bailey noch den Hengst Fred Bailey, auf der Ranch als Chief bekannt, und die Stute Maudy Bailey. Aus der Anpaarung dieser beiden Pferde erwuchs Buckskin Joe, ein Leading Show Horse seiner Zeit. Buckskin Joe erreichte den H�hepunkt seiner Karriere, als er 1945 Grand Stallion bei der South West Livestock Show in Fort Worth wurde, die zu jener Zeit die gr��te und beste Quarter Horse Show war. Nur die besten Z�chter brachten damals ihre Pferde zu dieser Show. Buckskin Joe wurde nach seinem Sieg f�r damals unglaubliche USD 25.000,- verkauft. Seine Talente lagen bei Cutting und Calf Roping.
Maudy Bailey wurde eine ROM-Zuchtstute und Joe Tom Baileys Mutter, der damals die Rennbahnen beherrschte. Sein Vater war der Vollbluthengst Band Time. Joe Tom gewann unangefochten 17 Rennen. Sein Besitzer war Dr. Minton T. Ramsey aus Abilane, Texas.
Old Joe Bailey wurde auch einmal mit seiner Gro�enkelin, einer Tochter von Yellow Wolf, gepaart, wonach Beauty Bailey zur Welt kam. Als Beauty Bailey von Z�chter O.C. Holcomb aus Eastland mit Hank H., einem Enkelsohn von Dan (von Old Joe Bailey) gedeckt wurde, kamen zwei ROM Racing Horses, Gold King Bailey und Beauty Bailey II zustande. Gold King Bailey setzte die Tradition fort und wurde ein Leading Sire f�r Rennpferde.
Ein ber�hmter Pferdemann aus dem alten Texas, Earl Albin aus Comanche, bekannt als Richter, Reiter und Z�chter von Cutting Horses, bedauert, dass von der weitl�ufigen Nachzucht von Old Joe Bailey so wenig bekannt ist. Doch was man wei�, spricht B�nde. Albin stammt aus der Zeit, in der Old Joe Bailey noch der begehrteste Deckhengst in Zentraltexas und Cutting ein beliebter Sport war, bevor es noch eine NCHA gab. Als sein gro�artiger Cutting-Hengst, Royal King mit Nancy Bailey, mit einer Tochter Old Joe Bailey�s gepaart wurde, kam die sp�ter spektakul�re Cutting-Stute Miss Nancy Bailey zur Welt. Sie gewann insgesamt USD 38.084,- und war unter den Top Money Earners in den Jahren 1952, 1953, 1955 und 1957.
Bei der AQHA war sie als High Point Cutting Horse 1952 und 1953 ausgewiesen. Dar�ber hinaus war sie der Superior Cutting Horse & Performance-Sieger im Register of Merit. Andere ROM-Sieger aus T�chtern von Old Joe Bailey waren Jiggs Bailey, Romeo Dexter und Red Bubbles.
Old Joe Bailey war nie selbst ein Star auf der Rennbahn, im Show Ring und der Rodeo Arena, doch sein Nachwuchs best�tigt ihm, einer der bedeutendsten Vererber in der Quarter Horse-Zucht gewesen zu sein.