Ber�hmte Quarter Horses & Vererber

Joe Reed P-3

Eine Serie f�r QH-Fans - �bersetzt und bearbeitet von Heinz Langer

Joe Reed P-3 war das Resultat einer zuf�lligen Paarung zwischen einer flinken Stute aus Louisiana namens Della Moore und einem k�niglich gezogenen Thoroughbred namens Joe Blair. Obwohl ungewollt, sollte das Resultat f�r die QH-Zucht von gr��ter Bedeutung sein.

Ohne Joe Reed h�tte die Rasse auf so gro�artige Vererber wie Joe Reed II, Leo, Joak, Red Joe of Arizona und viele andere Super-Pferde verzichten m�ssen. Und seine Gr��e setzte sich noch in vielen erfolgreichen Generationen fort. Man nehme z.B. Red Joe of Arizona. Er zeugte die Stute Ready, die wiederum Barred gebar, der seinerseits der Vater von Miss Night Bar wurde. Miss Night Bar schlie�lich sollte die Mutter von Jet Deck werden, der den ebenso ber�hmten Easy Jet zeugte...

Joe Reed�s Mutter, Della Moore, wurde von Ludovic Stemmans aus Lafayett, Louisiana, gez�chtet. Sie war eine Tochter von Old D. J. (Dedier), einem verdammt guten Rennpferd, der sp�ter als Vater au�ergew�hnlich guter Zuchtstuten ber�hmt wurde.

Wie bei vielen anderen Quarter Horses der fr�heren Zeit, gibt es um Della Moor�s Abstammung m�tterlicherseits, einige Verwirrung. Die AQHA registriert La Hernandez als ihre Mutter. Dennoch behaupten einige Autoren der QH-Geschichte, darunter auch Bob Denhardt, das Della Moor�s Mutter Bell, von Sam Rock, einem bekannten Rennpferd, gewesen sei. Dies ist jedoch unkorrekt.

Die originale Eintragung der Zuchtstute von Joe Reed im AQHA-Stutbuch Nr. 2 war "Hernandez mare by Dewey". Diese Information kam direkt vom Registrationsantrag und wurde sp�ter auf La Hernandez ge�ndert. Der Name kam von Della Moor�s Besitzer Antoine Hernandez aus Scott.

Wie auch immer, es gibt keinen Zweifel daran, dass Della Moore eine gro�artige Rennstute wurde. Ihr Besitz wechselte von Stemmans �ber Demontan Broussard zu Boyd Simar. Als die Stute etwa 8 Jahre alt war, verkaufte sie Simar an Henry Lindsey aus Granger, Texas. Zu jener Zeit galt Della als unschlagbar, und so lieh sich Simar die Stute manchmal f�r Rennen, bei denen ihr der Sieg sicher schien. Eines dieser Ereignisse fand 1919 oder 1920 in San Antonio statt.

Es war Fr�hling und sie war neben einem extrem gut gezogenen Vollblut-Hengst, Joe Blair, aufgestallt, einem der schnellsten Sprinter jener �ra. Laut einer alten, oft erz�hlten Geschichte w�rfelten einige Stallburschen eines Nachts gerade, als die rossige Della und der erregte Joe Blair daneben einen furchtbaren Krach schlugen, so dass die entnervten Stallburschen die beiden zusammenlie�en, um ihre Ruhe zu haben.

Eine andere Version der Geschichte erz�hlt, dass beide Pferde sich zwischen zwei Rennen auf einer nahegelegenen Ranch erholten und es dabei zur Paarung kam. Welche der beiden Geschichten auch stimmen mag, niemand sprach damals mit jemand anderem dar�ber.

Nach den Rennen in San Antonio brachte Simar Della wieder zu Lindsey zur�ck und niemand ahnte, dass die Stute tr�chtig war. So musste sie weiter Rennen laufen. Einige Monate sp�ter war Della�s Trainer �u�erst �berrascht, als sich die Stute pl�tzlich hinlegte und nicht mehr zum Aufstehen zu bewegen war. Danach brachte die sie ein sorrel-farbenes Hengstfohlen mit vier wei�en Socken zur Welt, das sp�ter den Namen Joe Reed erhielt.

Die AQHA hielt das Geburtsjahr mit 1921 fest, doch viele Oldtimer behaupten, das Jahr der Geburt w�re 1920 gewesen. Tatsache ist, dass das Fohlen sehr klein, manche sagten sogar lebensgef�hrdet, war, da die Mutter nicht entsprechend gef�ttert worden war.

Lindsey, dem es um den schnellst m�glichen Renneinsatz der Stute ging, beschloss, das Fohlen so bald wie nur m�glich abzusetzen. Er tat dies, als Joe Reed erst drei Monate alt war, setzte ihn auf Kuhmilch und brachte Della ins Training zur�ck. Die meiste Zeit blieb Joe Reed auf der Weide sich selbst �berlassen und verkam �u�erlich zusehends, voll mit Kletten in M�hne und Schweif. Lindsey hatte wenig Interesse an einem Hengstfohlen mit unbekanntem Vater.

Es war ein ganzes Jahr sp�ter, als Lindsey erfuhr, wer der Vater des kleinen Hengstfohlens war. Es h�tte ihm nichts besseres widerfahren k�nnen, h�tte er doch selbst kein besseres Zuchtziel zu planen vermocht.

Joe Blair, gez�chtet von Charles B. Campbell aus Minco, Oklahoma, war ein Thoroughbred, das nicht unbedingt der Norm seiner Zuchtlinie entsprach. Geboren 1911, stellte sich bald heraus, dass er f�r k�rzere Distanzen weit mehr talentiert war, als f�r die l�ngeren, f�r Vollbl�ter typischen Rennen.

Joe Blair�s Abstammung war mit Sicherheit nicht dem Zufall �berlassen worden. Campbell war sehr finanzkr�ftig und investierte einen Gutteil seines Geldes in den Erwerb von einigen hundert hoch qualifizierten Zuchtstuten. Sein Zuchtprogramm war vom besten Sprinter-Blut jener Zeit gepr�gt und beinhaltete Hengste wie Bonnie Joe (Joe Blair�s Vater) und Bowling Green, welcher der Vater von Miss Blair, Joe Blair�s Mutter, wurde.

Joe Blair war ein Sprinter mit au�ergew�hnlichem Speed. Bert Wood aus Arizona, der sp�ter Joe Reed II erwarb, war einer der ersten Trainer Joe Blear�s.

"Er war nicht sehr gro�", erinnert sich Wood, "aber er war ein sch�nes Pferd. Er lief keine langen Vollblut-Distanzen. Seine St�rke waren die Kurzstreckenrennen. Ich trainierte ihn und mochte ihn vom ersten Augenblick an. H�tte ich damals das Geld gehabt, ich h�tte ihn sofort gekauft."

Nun, als Henry Lindsey erfuhr, wer der �u�erst respektable Vater Joe Reed�s war, brachte er das halb verhungerte Hengstfohlen in den Stall, befreite es von der Klettenlast und stopfte es mit Futter voll um es auf die 2-J�hrigen-Rennsaison 1923 vorzubereiten. Damals hatte Lindsey Della Moor gerade an den bekannten Z�chter Ott Adams nach Alice, Texas, verkauft.

Joe Reed reagierte wohl auf die bessere Behandlung, die ihm nun widerfuhr, doch die vorherige Vernachl�ssigung hatte ihren Tribut gefordert. Er war klein und unansehnlich geblieben und gewi� drehte sich niemand nach ihm um, als ihn Lindsey mit den anderen Pferden auf die Rennbahn nach Omaha, Nebraska, brachte. Die Einstellung �nderte sich jedoch schlagartig, als der kleine Sorrel-Hengst bei der Morgenarbeit einen Rekord von 5,4 lief.

Joe Reed war irrsinnig schnell, genau wie sein Vater und seine Mutter. Nur, er war schnell zu einer Zeit, wo Vollbl�ter auf lange Distanzen den Rennsport dominierten und Short Racer auf "Buschrennen" reduziert waren.

So verkaufte Lindsey den Hengst 1924 an Harve Dennison, der ihn wieder an J. W. House aus Cameron, Texas, weiterverkaufte. Er war zu diesem Zeitpunkt fast 5-j�hrig. House besa� ihn einige Jahre lang, in denen er viele Rennen lief. Es sind aus dieser Zeit keine Aufzeichnungen �ber Rekorde und Siege vorhanden, doch ist bekannt, dass er �ber die Viertelmeile kaum zu schlagen war.

In der Juni-Ausgabe 1948 der Zeitschrift "The Quarter Horse" wird House zitiert: "Ich sah noch nie, dass Joe aus einem Startfeld nicht sofort in F�hrung gegangen w�re. Er hatte einfach so viel Power vom Start weg, dass er fast seine Eisen verlor. Damit er sich nicht selbst verletzte, mussten wir ihn mit Spezialeisen beschlagen, die hinten geschlossen waren."

Als House den Hengst von der Rennbahn nahm, begann er mit ihm zu z�chten. In Nelson Nye�s Artikel �ber Joe Reed, in der Oktober-Ausgabe 1947 der Zeitschrift "The Quarter Horse", wird House wie folgt zitiert: "Ich lie� ihn die Stuten aus der Umgebung decken. Die meisten von ihnen hatten keine besondere Abstammung. Aber jedes Fohlen konnte rennen und manche von ihnen sogar sehr schnell. Ich hatte selbst zwei gute Stuten, Little Red Nell und Nellene. Ich zog Red Joe of Arizona aus Red Nell und Joe Reed II aus Nellene. Ich sah nie ein schlechtes Fohlen von Joe Reed, egal ob die Stute gut oder schlecht war."

Joe Reed II wurde 1938 geboren und House verkaufte Old Joe Reed etwa zur gleichen Zeit an Dr. Jesse J. Slakard, Veterin�rmediziner aus Elk City, Oklahoma. Dr Slakard behielt den Hengst f�r den Rest seines Lebens. Er sagt �ber ihn: "Joe hatte eine Menge guter Eigenschaften... Ich denke, Old Joe war ein sehr bedeutendes Pferd und w�re noch viel bedeutender geworden, wenn man ihm die Chance dazu gegeben h�tte."

Sklankard berichtet auch �ber einige Jungs von damals, die mit Old Joe K�lber ropen wollten. Er warnte sie, dass Joe daf�r viel zu schnell sei. Sie versuchten es dennoch, und kaum aus der Startbox, schoss Joe an dem Kalb vorbei, ehe der Roper noch das Lasso schwingen konnte.

In einer 1960er-Ausgabe des "Quarter Horse Journal" schrieb Franklin Reynolds Folgendes �ber Joe Reed: "Auf seinem H�hepunkt ma� Joe Reed ca. 145 cm Stock und wog in guter Kondition ungef�hr 500 kg. Er hatte eine Blesse und vier wei�e Socken. Sein Hals war, wie manche behaupten, eine Spur zu lang. Seine Ohren waren klein, sein Kopf klein und ausdrucksvoll. Seine Gaskins waren gut ausgebildet, und die Muskel an der Innenseite seiner Vorderbeine ungew�hnlich gut entwickelt. Auch als �lteres Pferd sah er noch vorz�glich aus."

Joe Reed P-3 starb am 17. Mai 1947 an einer Herzattacke.

Einige seiner weiteren bestens bekannten Nachkommen waren Little Fanny, Reed McCue, Joe Sunday, Joe Bob, Sue Reed, Joe Darter und Catechu.

Als die AQHA gegr�ndet wurde, bekam Joe Reed die Registrationsnummer P-3, die ihn als einen der wichtigsten Foundation Sires der Rasse auszeichnet.