Ber�hmte Quarter Horses & Vererber
Joe Reed II
Eine Serie f�r QH-Fans - �bersetzt und bearbeitet von Heinz Langer
Joe Reed II, der f�r die QH-Zucht bedeutendste Sohn des in der WN 3/99 beschriebenen Joe Reed P-3, bewies, dass er nicht nur enormen Speed (er war Champion Quarter Running Stallion 1942-43), sondern auch ein gro�es Herz hatte. W�hrend seiner kurzen Rennkarriere lief er mit einem verletzten Bein. Doch lasst uns zun�chst auf seine Geschichte zur�ckblicken.
Er wurde von J.W. House aus Cameron, Texas, dem Besitzer seines Vaters, Joe Reed P-3, gez�chtet. House hatte auch Old Joe gez�chtet und war von dessen Schnelligkeit sehr beeindruckt; aber was House wirklich brauchte, war ein Zuchthengst. Er ging den besten Weg, um die Vererberqualit�t des Hengstes herauszufinden, indem er seine beste Stute mit ihm deckte. Er w�hlte Nellene, von der es hei�t, dass sie ihr letztes Rennen lief, als sie mit Joe Reed II bereits im 6. Monat tr�chtig war. Nellene war eine Tochter eines Thoroughbred namens Fleeting Time, der wieder von High Time, von Ultimus abstammte, welcher ein Double Bred Domino war. Viele Pferdeleute aus der Gegend waren damals der Meinung, dass es keine bessere Blutlinie als "Domino" g�be.
Joe Reed II erblickte 1936 das Licht der Welt. House taxierte ihn mit den Augen eines K�nstlers, der ein wertvolles Gem�lde betrachtet. Er konnte keinen Makel an ihm entdecken und war �berzeugt, dass er mit Joe Reed II den Hengst besa�, von dem er immer getr�umt hatte, und er beschloss, ihn decken zu lassen, noch bevor er zugeritten werden w�rde. Er hatte volles Vertrauen in ihn, auch noch als er Joe Reed P-3 verkaufte, war er doch �berzeugt, dass der Sohn besser werden w�rde als der Vater.
Doch 1941 gelang es Bert Wood aus Tucson, Arizona, House zu �berreden, ihm Joe Reed II zu verkaufen. Die meisten Leute glaubten, Wood wolle Joe Reed II als Deckhengst aufstellen - schlie�lich war der Hengst schon 5 Jahre alt und nie geritten worden. Au�erdem hatte er eine Stacheldrahtverletzung aus der Zeit, als er bei House stand. Sein linkes Vorderfu�wurzelgelenk war verkr�ppelt, chronisch geschwollen und steif. Aber nein... Wood wollte das Pferd Rennen laufen lassen!
"Gut, ich hielt auch nach einem Deckhengst Ausschau", sagte Wood, "aber ich musste zun�chst herausfinden, ob er auch rennen konnte, bevor ich erwarte, dass die Leute ihre Stuten zu ihm bringen."
"Ich war �berzeugt, dass er Speed hat. Als ich noch ein halbes Kind war, trainierte ich Joe Blair (Joe Reed's Vater), als er auf der Hayes Ranch in Globe, Arizona, stand. Damals war ich mit meiner Familie von Texas nach Arizona �bersiedelt. Vater hatte eine Ranch in El Capitan, und Pferde geh�rten zum Alltag. Jedenfalls war ich von Joe Blair sehr beeindruckt und konnte ihn nie vergessen. Ich hatte Joe Reed P-3 niemals gesehen, aber ich wusste viel �ber ihn. Er war gro�, kultiviert und gut aussehend."
Wood kontaktierte House und vereinbarte einen Besuch. House zeigte ihm Joe Reed II. "Ich glaube, er war das beste Pferd, das ich je in meinem Leben gesehen habe", erinnert sich Wood 50 Jahre sp�ter. "Er war absolut sch�n, perfekt gebaut, hatte einen sch�nen Kopf und ein perfektes Wesen. Sein linkes Knie war in einem b�sen Zustand, aber ich sah ihn niemals lahmen. Ich glaube, dazu war er zu stolz. Ich zahlte House 500 Dollar und brachte das Pferd nach Arizona."
Wood war fest entschlossen, Joe Reed II auf die Rennbahn zu bringen. Doch zun�chst musste er zugeritten werden, worum sich House nie gek�mmert hatte. Wood war damals Rancher und so ritt er Joe als Ranchpferd zu, um mit ihm Rinder zu arbeiten. Joe erwies sich als klug und lernte schnell.
W�hrend des Winters von 1942 auf 1943 meinte Wood, es w�re an der Zeit, Joe auf die Rennbahn zu schicken. Er wusste nat�rlich, dass er selbst dem Pferd nichts bez�glich Rennen beibringen konnte. In diesen Tagen passierte auch noch ein Unfall. Als er gerade einer Kuh durch Treibsand folgte, stieg Joe auf eine zerbrochene Flasche und f�gte sich einen b�sen Riss am rechten Vorderfu� zu, der nie ganz verheilen sollte.
Nun, Joe war zu diesem Zeitpunkt bereits 7 Jahre alt und verkr�ppelt, doch Wood setzte nach wie vor gro�es Vertrauen in ihn... und wollte endlich sehen, wie er auf einer Rennbahn lief.
In Tucson hatte gerade eine Rennbahn namens Hacienda Moltacqua er�ffnet, und f�r Februar 1943 waren die Tucson Speed Trials ausgeschrieben. Wood meldete Joe f�r ein Class B-Rennen, an dem sechs Pferde mit dem Favoriten Brown Deacon teilnahmen. Joe in diesem Rennen starten zu lassen, erforderte eine Menge Vertrauen und Mut. Der Hengst hatte absolut kein Renntraining und noch nie eine Startbox gesehen. Er wusste �berhaupt nicht, was es sollte, eine Rennstrecke entlangzulaufen.
"Einige Pferde sind einfach dazu geboren zu rennen", zitiert Wood. "Joe Reed II war eines davon. Es spielte keine Rolle, wie alt und wie verkr�ppelt er war. Er tat, wozu er geboren war."
Die Startbox �ffnete sich und Joe stand einfach da. Der Rest des Feldes hatte bereits sechs L�ngen Vorsprung, als es dem Jockey endlich gelang, Joe in Bewegung zu setzen. Der verkr�ppelte Hengst kam ganz pl�tzlich in Schwung und beendete das Rennen, das �ber 440 Yards ging, als Sieger mit einer halben L�nge vor dem Favoriten.
Die Zuschauermenge in Moltacqua geriet geradezu in Ekstase. Sie wollte mehr sehen. Der Hengst hatte die Herzen der Leute gewonnen und ihre Fantasie befl�gelt. Sie mussten nicht lange auf eine Zugabe warten. Es geschah sieben Tage sp�ter am Valentinstag. Wood hatte Joe, aus R�cksicht auf seinen verletzten Fu�, die ganze Woche zwischen den beiden Rennen im Stall gehalten. Das Feld in Joes zweitem Rennen bestand durchwegs aus wirklich harten Gegnern. Da waren Chicaro, Arizona Girl, Red Racer, Pay Dirt und Domino. Joe sprintete diesmal vom Start weg und gewann mit zwei vollen L�ngen Vorsprung.
Eine Woche sp�ter, am 21. Februar, lief Joe Reed II sein drittes und letztes Rennen. Es war die Open Championship f�r Hengste. Die Distanz ging �ber 440 Yards. Wood hatte zwischen den Rennen wieder nicht mit Joe trainiert, um seinen Fu� zu schonen. Diesmal war der ber�hmte "Iron Horse" Clabber unter seinen Gegnern.
Joe startete aus Box 6, Clabber aus Box 3. Das Startzeichen kam, und beide Hengste gingen Kopf an Kopf ins Rennen. Clabber streifte Joe Reed II in einer Biegung unabsichtlich und versetzte ihm einen harten Schlag. Beide Hengste waren gewaltig, der Zusammenprall entsprechend enorm. Doch Joe sammelte sich augenblicklich und beendete das Rennen mit einer Nasenl�nge Vorsprung vor Clabber.
Noch heute beschreiben die Leute, die damals dabei waren, dieses Rennen mit fanatischer Begeisterung: "Die beiden gewaltigen Hengste rasten die Rennstrecke bei starkem Gegenwind entlang und Joe ging mit knapp dieser Nasenl�nge vor seinem Gegner �ber die Ziellinie."
Doch wie auch immer, Joes Fu�wunde brach w�hrend dieses Rennens wieder auf und blutete f�rchterlich, so dass ihn Wood endg�ltig von der Rennbahn nehmen musste. Aber er hatte hinreichlich bewiesen, dass das Pferd rennen konnte. Aufgrund dieser drei sensationellen Siege wurde Joe zum Champion Quarter Running Stallion 1942-43 erkl�rt.
Bert Wood hegte eine enorme Zuneigung zu Joe Reed II. Einige Leute fragten deshalb, warum er den verkr�ppelten Hengst �berhaupt Rennen laufen lie�, wenn er ihm so nahe stand.
"Weil er, wie ich schon sagte, zum Rennen geboren war. Ich wusste von Anfang an, dass er rennen konnte. Doch ich wusste nicht, wie schnell er wirklich war. Ich wollte es mir und jedem, der es in Frage stellte, beweisen."
Doch warum hatte Wood den Hengst nicht schon nach dem ersten Triumph von der Rennbahn genommen, sondern lie� ihn ein zweites und ein drittes Mal laufen?
"Diese Rennen bewiesen jedermann, dass der erste Sieg kein Zufall gewesen war. Dieses Pferd war einfach eine Kombination aus zwei �berragenden Eigenschaften - aus enormer Schnelligkeit und einem enormen Herzen. Ich denke, es ist uns nur einmal im Leben verg�nnt, ein solches Pferd zu besitzen."
Immerhin beendete Joe Reed II seine Rennkarriere bereits nach seinem dritten Start. Er wurde sp�ter ausschlie�lich in Halter-Klassen geshowt. Seine diesbez�glichen Erfolge bzw. Rekorde finden sich, wie die vieler anderer Pferde, in den Aufzeichnungen der damals noch so jungen AQHA nicht. In Tucson gewann er zweimal die Heavyweigth Stallion Class, 1944 wurde er Grand Champion Cow Horse. Dies war damals ein Halter-Titel.
Wood�s Frau Dorothy erz�hlt, dass Burt den Hengst wegen seiner Fu�verletzung nie unter dem Sattel zeigen konnte.
Doch inzwischen hatte Wood Joe als Deckhengst eingesetzt. Sein Ruf wuchs von Jahr zu Jahr, so dass Wood 1947 bereits eine Decktaxe von 100 Dollar verlangen konnte, was zu jener Zeit sehr viel Geld war.
Kaum ein Quarter Horse-Kenner wird leugnen, dass Leo, �ber den wir in der n�chsten Ausgabe der WN berichten werden, der gr��te Sohn von Joe Reed II war. Doch Joe Reed II zeugte viele gro�artige Nachkommen, darunter Little Sister W, eine Vollschwester von Leo und AAA Stakes- Gewinnerin, und Joak, aus der Navie Girl, von Cowboy P-12. Joak war AAA-dekoriert und wurde ein Leading Maternal Grandsire of ROM Race Colts.
Als Joe die gro�artige Rennstute Queenie deckte, zeugte er Joe Quenn, ebenfalls eine AAA Stakes- Siegerin, �ber die sp�ter noch zu berichten sein wird.
Andere bedeutende Joe Reed II-Fohlen waren Tonta Lad, Sierra Hotshot, Brevity Joe, Mr Joe Big, Sierra Snowman und Jody B Reed - alles AAA-Sieger.
Joe Reed II selbst wurde Leading Sire und Maternal Grandsire of ROM Race Colts sowie Leading Maternal Grandsire of AQHA Champions.
Bert und Dorothy Wood erinnern sich an Joe als ein gro�es Schmusetier. Sie erz�hlen �ber ihn: "Er half uns bei der Erziehung unserer Kinder und lud sie zum Reiten ein, indem er sich knapp an den Zaun stellte, um es ihnen zu erleichtern, auf seinen R�cken zu klettern. Dieses Pferd war einfach etwas ganz Besonderes."
1959 beschlossen die Woods, sich wieder der Rinderzucht zu widmen, nachdem sie viele Jahre haupts�chlich in der Pferdezucht t�tig waren. Sie verkauften ihren Betrieb nahe Tucson und erwarben eine Ranch in Camp Verde in Arizona.
Dorothy sagt: "Du kannst nicht Pferde und Rinder gleichzeitig z�chten, ohne dabei die Qualit�t eines der beiden zu vernachl�ssigen." So erkl�rte sich Bert widerwillig dazu bereit, mit Clarence Lindsey aus Bountiful, Utah, eine �bereinkunft zu treffen. Lindsey war zu den Woods gekommen, um sich Joe�s Fohlen anzusehen, was damit endete, dass er den "Grand Old Man" auf seine Ranch nach Fort Bridger in Wyoming mitnahm.
Lindsey�s Sohn, Clarence jr., berichtet, dass sein Vater zu jener Zeit mehr als 100 Zuchtstuten besa�, aus denen er noch einige Fohlen von Joe Reed II zog, bevor der Hengst im Jahr 1962 mit 26 Jahren verstarb. Er wurde auf der Ranch der Lindseys begraben.