Eine Serie f�r QH-Z�chter & -Enthusiasten
�bersetzung & Bearbeitung: Heinz Langer
Er war nicht nur selbst ein gro�artiges Rennpferd, sondern zeugte auch viele au�erordentliche Speedsters.
Eine geh�rige Portion aus Louisianas Vergangenheit steckt in seiner Geschichte. Sie geht zur�ck auf die vertriebenen Acadian-Familien, die wegen ihrer franz�sischen Abstammung aus Nova Scotia vertrieben wurden und im S�den Lousianas siedeln mussten, dass als Cajun Country bekannt ist. Das Wort Cajun kommt von den Eigenschaften der Bewohner, die f�r gutes Essen, ihre typische Tanzmusik, ihren weichen Dialekt, ihre Gastfreundschaft und schlie�lich ihre schnellen Pferde bekannt waren.
Anfang 1890 kam ein Fremder auf dem Weg nach Westen zu Francois Abadie, der nahe Carencro siedelte. Er suchte Unterkunft f�r sich selbst und einen Hengst, den er mit sich f�hrte. Als Gegenleistung bot er an, seinen Hengst zwei ausgesuchte Stuten decken zu lassen. Abadie suchte schnell zwei rossige Stuten aus seiner Herde aus und der Handel kam zustande.
Eine der beiden Stuten geh�rte einem Freund Abadies, namens Aurelien Brasseaux. Im weiteren Verlauf produzierte Brasseaux�s Stute ein m�nnliches Fohlen, dem man den Namen Dewey gab. Sobald Dewey auf den Rennbahnen im Cajun Country bekannt wurde, begannen die Leute �ber den mysteri�sen Vater des Pferdes zu r�tseln und tippten auf den damals bekannten Hengst Sain.
Dem jungen Dewey kam zun�chst keine besondere Bedeutung zugute. Er wurde geritten, vor den Wagen gespannt und f�r die t�gliche Arbeit benutzt, wie es damals auch mit jedem anderen Hengst geschah. Erst sp�ter profilierte er sich als Rennpferd.
Die Cajun-Pferdeleute waren damals wie heute als erfahrene Trainer und Z�chter von Kurzstrecken-Rennpferden bzw. von stabilen und schnellen Quarter Horses bekannt.
Als die Cajun-gezogenen Sprinter, sowie auch die Nachkommen von Dewey im Laufe der 1930er- und 1940er-Jahre, die Quarter Horse-Rennen bis zur Westk�ste dominierten, war es deshalb, weil die Kurzstreckenrennen seit Jahrzehnten auch ein Teil der Kultur an der Ostk�ste waren.
In seinem Buch �Foundation Sires of the American Quarter Horse� beschreibt Robert M. Denhardt die Bedeutung Dewey�s weniger romantisch. Denhardt glaubte, dass Dewey ein eingetragens Thoroughbred, Sohn des importierten Sain, von St. Serf, war, aus einer Stute mit dem ungew�hnlichen Namen Sister of Uncle Bob, von Luke Blackburn.
Denhardt erz�hlte, dass Dewey von einem reisenden Race Horseman nach Louisiana gebracht worden sein soll, um ihn gegen die schnelle Stute Lousiana Girl laufen zu lassen. Nachdem er die Stute geschlagen hatte, wurde Dewey an den Stutenbesitzer verkauft, der wie alle Cajun-Z�chter, bestrebt war, die Speed seiner Pferde zu verbessern. Nat�rlich gelangten einige von Dewey�s erfolgreichen Nachkommen sp�ter auch in den Westen.
Ein Wallach, Currency, und eine Stute namens Zeringue�s Belle waren zwei der schnellsten und bekanntesten Nachkommen von Dewey.
Zeringue�s Bell war der ganze Stolz von Noah Zeringue, einem Zuckerfarmer in der N�he der Stadt Erath. Zeringue besserte das magere Farmeinkommen als Hufschmied und durch den Renneinsatz seiner Stute auf. Man erz�hlt, dass Zeringue�s Bell 24 von 27 Rennen gewann, einmal ein totes Rennen (unentschieden) lief und ein einziges Mal verlor.
Die meisten dieser Rennen gingen am gro�en Fair Grounds Race Track in New Orleans �ber die B�hne. Dort feierte auch der ber�hmte Hengst Chicaro (TB), �ber den ich in dieser Serie bereits berichtete, seine Top-Erfolge als Short Racer.
Zeringue und der Besitzer des Hengstes, Bob Carter, verpaarten die beiden so erfolgreichen Pferde, und das daraus resultierende Produkt sollte Flying Bob werden, der zun�chst unter dem Namen Royal Bob vom Jockey Club als Thoroughbred registriert wurde.
Das Hengstfohlen kam am 12. Juni 1929 zur Welt und ging bereits im Alter von 18 Monaten auf die Rennbahn, wo er gegen alle Gleichaltrigen gewann. Bald darauf startete er gegen ein erwachsenes Rennpferd und blieb auch hier Sieger. Der Besitzer des Besiegten, Jack Herbert, war von der Leistung des Youngsters so beeindruckt, dass er zu Zeringue sagte: �Dein Pferd schien gleichsam geflogen zu sein.� � Und von da an hie� der junge Hengst Flying Bob.
Die n�chsten 13 Jahre wurden Flying Bob zwei erfolgreiche Karrieren zuteil � eine als Rennpferd und eine als hervorragender Race Horse-Vererber.
Angespornt durch diese Top-Karriere seines Hengstes baute Zeringue einen Pferdetransporter, eine Neuheit zu jener Zeit, und transportierte seinen popul�ren Hengst zu den besten Stuten der Region. Flying Bob wurde so begehrt, dass sein Besitzer die Decktaxe auf $ 25, damals ein bedeutender Betrag, erh�hen konnte.
F.S. Le Blanc schreibt in seinem ausgezeichneten Buch �Cajun-Bred Running Horses�, dass Flying Bob noch im Alter von 15 Jahren gegen andere Top-Rennpferde lief und gewann. Er startete damals in St. Martinville gegen den hoch favorisierten Thoroughbred Sprinter Bow Way. Flying Bob gewann �berlegen und beendete mit diesem Sieg seine Rennlaufbahn.
Nach langem Z�gern verkaufte Zeringue den Hengst im Oktober 1942 schlie�lich an die Randle-Familie aus Texas, nachdem die Texaner ihre Stuten bis zu diesem Zeitpunkt jeweils bis nach Louisiana transportieren mussten, um sie von Flying Bob decken zu lassen.
Jack Randle erz�hlte, dass Flying Bob ein gro�es, starkes, optimal gebautes Pferd war, dessen innere Werte in seiner Freundlichkeit und Intelligenz lagen. Er hatte 1,51m Stockma� und wog ca. 550 kg.
Der Hengst starb 17-j�hrig am 18. Februar 1946 und wurde auf Randle�s Huisache Ranch beerdigt.
Zur Zeit der Gr�ndung der American Quarter Racing Association (Februar 1945) waren die Flying Bob Horses bereits fest im Rennsport etabliert, nicht nur Flying Bob selbst, sondern auch seine S�hne und T�chter.
Flying Bob�s eigene Fohlen, welche damals Rennstreckenrekorde hielten, waren Queenie, Dee Dee, Punkin, Effie B und Billie Too. Flying Bob war auch Leading Sire of Racing Register of Merit-Qualifiers.
In der Rennsaison 1944-1945 gab es noch keinen World Champion. Stattdessen fand Flying Bob hohe Anerkennung als Vater von Dee Dee, dem Champion Quarter Running Stallion, und von Queenie, der Champion Quarter Running Mare der Saison. Dee Dee und Queenie stammten aus Stuten von Dedier, von den Cajun-Z�chtern Old DJ genannt.
In der folgenden Saison wurde Queenie World Champion Quarter Running Horse und gewann auch den Mare Championship-Titel.
Flying Bob zeugte 36 Register of Merit-Qualifiers (alle im Rennsport). Die offiziellen Rekorde in AQHA Shows brachten den insgesamt 55 startenden Nachkommen des Hengstes 26.239 Dollar ein. Diese Summe beinhaltet nicht das Geld aus den Gr�nderjahren der AQHA, bevor die AQRA (American Quarter Racing Association) 1949 in die AQHA integriert wurde.
Unter den sp�teren Fohlen von Flying Bob gab es so au�ergew�hnlich gro�artige Rennpferde wie Diamond Bob, Mayflower W, Bay Annie A, Mayfly, Shu Shu Baby Doll und Bob E.
Die illustre Queenie, ein Fohlen von 1937, wurde bei ihren 16 offiziellen Starts 10 Mal Erste und 6 Mal Dritte. Darunter war auch ein Sieg in der World Championship Quarter am Rillito Track. Sie schlug ber�hmte Pferde wie Squaw H, Jeep B und Blackout, ungeachtet der Tatsache, dass sie gehandikapt war. Ihr rechter Vorderfuss war n�mlich b�se deformiert, weil ihr im Babyalter die Mutter, die unregistrierte Little Sis, daraufgetreten war. Diese alte Verletzung verursachte Queenie nach jedem Rennen Schmerzen.
Queenie strafte sp�ter die Theorie L�gen, dass hervorragende Rennstuten keine ebenso guten Mutterstuten werden k�nnten. Sie brachte Top-Fohlen zur Welt, von denen sich 8 f�r das Racing ROM qualifizieren konnten.
Queenie�s bekanntester Sohn war Rukin String. Er wurde 1953 World Champion Stallion und 1952 World Champion 2-Year-Old Colt. Als vielfacher Stakes-Sieger und Track-Rekordhalter gewann er 21.894 $, setzte die glorreiche Blutlinie fort und wurde ebenfalls ein wichtiger Vererber.
Joe Queen war ein Stake Winning-Sohn von Queenie sowie Track-Rekordhalter, bevor er eine erfolgreiche Karriere als Deckhengst begann.
Queenie�s Stutfohlen, wie etwa Queen O�Clubs J (sp�ter begehrte Zuchtstute) und Miss Queenie, platzierten sich bei den wichtigen Futurities in Rillito und Los Alamitos. Queenie�s weitere ROM-Speedster waren Bond Issue, Alliance und Little Queeny.
Dee Dee, geboren 1939, zeugte so erfolgreiche Pferde wie Jeep B, Chester C und Noo Music. Seine Rennrekorde lief er �ber 440 Yards (in Corona, Kalifornien) und �ber 300 Yards (in Riallito). Er zeigte sein universelles K�nnen, was die Streckenl�nge betraf, indem er Idleen �ber die 220 Yards schlug. Er gewann fast alle seine Rennen und wurde unter anderem auch Pacific Coast Champion.
Als Vererber setzte er seine Erfolgskarriere fort. 1963 wurde er mit 83.000 $ Leading Sire of Money Earning Runners. Er kr�nte seine Zuchtkarriere, indem er den ber�hmten Gray Ghost, Bart B.S. zeugte.
Bart B.S., ein Fohlen von 1947, war ein sagenhafter Speedster, der seine Rennen oftmals von hinten gewann. Immer in den Geldr�ngen, gewann er 12 seiner 15 offiziellen Starts. Bart B.S. gewann, wie sein Vater �ber jede Distanz und unter jedem Gewicht. Diese Siege erlangte er �ber namhafte Rennpferde wie Savannah G, Clabbertown G, War Star, Clabber II und Black Easter Bunny. Er wurde 1951 Co-Champion Quarter Running Stallion.
W�hrend seiner Deckkarriere sorgte Bart B.S. weiter f�r die Reputation seiner Familie. Unter seinen ROM-Qualifiers gab es absolute Top AAA-Rennpferde. Bald �bertraf er seinen Vater Dee Dee und verdr�ngte ihn mit mehr als 120.000 $ von der Liste der Leading Sires of Money Earners.
Bart B.S.� Tochter Fiance verhalf der Familienehre zu weiterem Ansehen. Sie war die Gro�mutter des ber�hmten Rennpferdes und Vererbers Ichibon.
Flying Bob�s Track Record-Holding-Tochter, Effie B, war Erste, Zweite oder Dritte in allen ihren Rennen. Als Zuchtstute produzierte sie ROM-Renner, darunter Piggy Wiggy, die Mutter des sp�teren Spitzenvererbers Wiggy Bar.
Flying Bob�s Sohn Diamond Bob lief Streckenrekord �ber 440 Yards. Als Dreij�hriger gewann er 1949 vier von neun Rennen und war dreimal in den Geldr�ngen. Diamond Bob schlug Maddon�s Bright Eyes, Stymie und Little Sister W. Aufgrund seiner Erfolge wurde er 1949 Champion Quarter Running Stallion.
Bob E, von Flying Bob, war nicht nur f�r sein Racing ROM qualifiziert, sondern lief auch zweimal Streckenrekord �ber 220 Yards am Vessels Race Track.
Ein weiterer Sohn von Flying Bob war Flying Bob Jr. Er wurde zwar nicht als Rennpferd bekannt, gl�nzte aber mit seinem k�niglichen Blut als Vatertier. Unter seinen fr�hen ROM-Nachkommen waren Danger Boy C, Jim Bob, Teejo und Doc.
Andere S�hne Flying Bob�s, die schon sehr fr�h bewiesen, dass ihr Vater als Deckhengst ein �K�nig der K�nige� war, waren Bob Randl (Vater von Little Sis), Jimmy (Vater von Pep) und Bob KK.
Eine der besten Zuchtstuten unter Flying Bob�s T�chtern war Breezing Bobby. Sie gebar Sieger wie Breezing Johnny und Bobby Dial. Ihr erfolgreicher Sohn Bar None Bob setzte einen Streckenrekord im La Mesa Park und wurde gleichfalls ein popul�rer Erzeuger von Sprint-Siegern.
Weiters erw�hnenswert ist eine Tochter, namens Rosedale, die sich mit nur zwei Starts so hervortat, dass sie ihr ROM erreichte. Sie wurde die Mutter von Mackay Boy, einem Stake-Sieger und sp�teren Top-Vererber. Seine besten S�hne waren Mackay Jimmy und Jay Joe II.
Black Dale, ein anderer ROM-Sohn von Rosedale, gewann 1950 einige 10.000 Dollar, damals eine unvorstellbare Gewinnsumme.
Bedeutend waren auch die Stuten Punkin, Mud Mender und Top Maxie, Miss Bank, Hank H, Buster, Senior Bill, Prissy, Triple Bay, Bachari und Good Buddy.
Die Stute Mayflower W vereinigte gleich das Blut von zwei f�hrenden Rennpferdefamilien in sich. Sie stammte von Flying Bob und aus der Texas Pride W, von My Texas Dandy. Sie bestand 2-j�hrig ihr ROM, und lief Streckenrekord �ber 300 Yards. Als 3-j�hrige bew�ltigte sie einen Rekord �ber 330 Yards und Vierj�hrig gewann sie die Eagle Pass Championship Stakes und lief Rekordzeit �ber die 440 Yard-Strecke.
Mayflower W�s Sohn May�s Pilgrim verdiente sich den begehrten Titel Superior Race Horse.
Nachwort:
Man k�nnte die Reihenfolge von Flying Bob�s Nachkommen noch endlos bis in die Gegenwart fortf�hren, was den Rahmen meiner Berichterstattung �ber die ber�hmtesten Quarter Horses & -Vererber deutlich sprengen w�rde.
Da Short Races in Europa oder gar in �sterreich kaum oder gar keine Bedeutung haben, m�chte ich nur fallweise eine Geschichte �ber einen legend�ren Quarter Race-Vererber bringen, um aufzuzeigen, dass das American Quarter Horse nicht nur als Symbol f�r das vielseitigste Westernpferd steht, sondern von Beginn an Rennpferdequalit�ten �ber kurze Distanzen in sich tr�gt, die denen des Englischen Vollbluts (Thoroughbred � TB) durchaus gleichzusetzen sind!
In diesem Zusammenhang m�chte ich den legend�ren QH- & Paint-Z�chter Hank Wiescamp zitieren, der betont, dass die wichtigsten Eigenschaften eines guten Pferdes Conformation und Speed sind � ein Zuchtziel, dem er sein Leben lang treu geblieben ist.