Wissen rund ums Pferd

 

Eine Serie für alle, die an Pferden und am Reiten interessiert sind und nicht glauben, schon ausgelernt zu haben!

 

Buck Brannaman mit William Reynolds

„Vertraue dem Pferd“ – Auf den Spuren des Pferdeflüsterers

Kosmos-Verlag, ISBN 978-3-440-11983-9

 

Vorwort von William Reynolds

1993 saßen Buck Brannaman und ich an einem Korral auf einer Ranch in der Nähe von Nye, Montana. Es war Mai; ich war in der Nacht zuvor von der Hochzeit meines Schwagers in Los Angeles zurückgekehrt. Erst um zwei Uhr in der Nacht war ich angekommen, weil man eine Menge Flugverbindungen nehmen muss, um irgendwie nach Montana zu gelangen. Eine Hetze war es. Mit nur wenig Schlaf schien der Weckruf zum Kaffee um vier Uhr am Morgen wie ein schlechter Scherz. Mit frischen Pferden machte sich die Gruppe von Reitern mit einigen Hüpfern und Sätzen auf zum Morgenritual: das Zusammentreiben der Herde zum Brandzeichensetzen im Frühjahr.

Ich war hier, um Freunde zu besuchen und das alljährliche Wiedersehen bei einem Frühjahrszusammentrieb zu feiern, diesmal auf der Ranch eines Freundes, der Flying C Ranch außerhalb von Columbus, Montana. Es war in Wirklichkeit nur eine Ausrede, um wieder einmal mit dem Lasso zu arbeiten – egal, was man fängt. Brannaman sagt immer, ein guter Tag mit dem Lasso ist besser als ein guter Tag mit der Forke. Ich weiß zwar immer noch nicht genau, was das bedeuten soll, aber ich liebe es, mit dem Lasso zu arbeiten, sooft ich kann.

Während wir außerhalb des Korrals warteten, bis wir mit der Lassoarbeit an der Reihe waren, legte sich Stille über uns. Das einzige Geräusch dieses Frühlingsmorgens war die sich beruhigende Rinderherde und der Wind in den Bäumen, hoch oben am Rand des Canyons. Es war eine freie Stille – eine, die es erlaubte, die Gedanken fließen zu lassen, nicht eingeengt durch geordnete Erinnerungen oder bestimmte Einfälle, die auf Abruf bereitstanden.

Ich erinnerte mich daran, wie ich Buck Brannaman vor etwa acht Jahren zum ersten Mal bei einer Pferdeveranstaltung in Malibu, Kalifornien, traf. Ich entsinne mich an seinen leichten Umgang mit den Pferden und die Schüchternheit gegenüber den Zuschauern. Er ging leise seiner Aufgabe nach: den jungen Pferden dabei zu helfen, ihre Angst und ihren Widerstand abzulegen. Das war ein beeindruckender Moment – ein Wunder aus der Belohnung einer simplen Aktion, aus aufrichtiger Güte und empfangenem Vertrauen. Ich habe Buck über die Jahre immer wieder in dieser Situation gesehen.

Einige Jahre später bei einem Kurs in Colorado stellte ich fest, dass er immer noch genauso leicht mit den Pferden umging, aber jetzt auch mehr Selbstvertrauen gegenüber den Zuschauern entwickelt hatte. Wenn er ihre Fragen beantwortete und auf ihre Kommentare einging, schien er sich ihrer Sorgen mehr bewusst zu sein und zu wissen, wie diese Sorgen zu den Problemen ihrer Pferde passten. Buck gab den Leuten konkrete Werkzeuge mit auf den Weg, und sein Verständnis wurde noch mehr anerkannt. Die Belohnung war für alle umso größer. Es schien, als hielte er die Menschen in den Händen, während er in einem kleinen Korral ein neues Pferd arbeitete. Diejenigen, die zusahen, begannen, sowohl das Pferd als auch sich selbst mit anderen Augen zu sehen. Das brachte ein größeres Verständnis für beide, Pferd und Reiter. Anscheinend sollte die Entwicklung für diesen jungen Mann noch weitergehen.

Andere Szene: New York City1998 saßen Buck und ich in einem kleinen Hotelzimmer in New York City mit Videokameras und Mikrofonen, während Buck durch die Hollywood-Presse interviewt wurde. Ein Autor namens Nick Evans hatte Mitte der Neunziger-Jahre ein wenig Zeit mit Buck auf Reisen verbracht und die Hauptfigur seines Buches, Tom Booker, nach Bucks Vorbild erschaffen. Niemand dachte, dass dieses Buch nennenswerten Erfolg haben würde, aber das Buch wurde ein Bestseller und war die Basis für den sehr erfolgreichen Robert Redford-Film „Der Pferdeflüsterer“. Buck und ich waren beim Dreh des Filmes beteiligt, aber damals, 1993, in diesem kleinen Korral in Nye, Montana, hätten weder Buck noch ich uns jemals vorstellen können, dass Bucks Broterwerb solch einen Einfluss auf so viele Menschen hätte. Geschweige denn, dass Buck Modell stehen würde für einen Filmstar, der von niemand Geringerem als Robert Redford gespielt wird. Klar, Buck war natürlich etwas Besonderes – aber nur, wenn es um Pferde ging, oder?

Es stellte sich heraus, dass Buck in vielen Dingen etwas ganz Besonderes ist, wenn man ihn erst einmal kennengelernt hat. Leider kann es ziemlich anstrengend sein, ihn kennenzulernen, denn er ist dauernd unterwegs. Buck einmal wirklich zu fassen zu bekommen, ist so ähnlich wie der Versuch, einen Sechser im Lotto zu gewinnen. Ein schwieriges Unterfangen. Was auf Buck zutrifft, ist, dass ihm das Glück in die Hand fällt. Deswegen heißt es auch manchmal „Brannaman im Glück“.

In den rund zwanzig Jahren, die ich Buck nun schon kenne, ist ihm mehr Gutes widerfahren als Schlechtes. Und tatsächlich überwiegen mittlerweile die guten Dinge das Schlechte aus der Vergangenheit. Warum das so ist? Weil er sich entwickelt hat. Er hat sich selbst auf das Positive im Leben ausgerichtet. Genauso wie er den Widerstand in seinem eigenen Leben aus dem Weg geräumt hat, hat er es auch bei den Pferden gemacht, mit denen er gearbeitet hat. Und dadurch hat er es geschafft, auch den Widerstand in „deren“ Menschen abzubauen. Das Ergebnis? Jeder hat gewonnen. Inklusive Buck. Er hat festgestellt, dass es den Leuten immer wichtiger wurde und die Gefühle, die diese Menschen angesichts der Erfolge ihrer Pferde hatten, hängen geblieben sind. So tief, dass diese Menschen festgestellt haben, dass sie auch nach dem Kurs auf ihrem Weg nach Hause mehr zugehört haben und einfühlsamer mit ihren Familienmitgliedern, Ehepartnern und Freunden umgingen... einfach mit jedem. Jeder hat etwas daraus gewonnen.

Aber verstehen Sie mich nicht falsch, Buck hatte sein Päckchen Ärger zu tragen. Es fing schon an, als er noch ein Kind war, in Idaho. Er hatte eine schreckliche Kindheit, die schlussendlich zu einem Platz bei Pflegeeltern führte. Dort gab es Pferde – ein Umstand, der schließlich sein Leben gerettet hat. Brannaman im Glück? Vielleicht. Sicherlich sind aber die mehr als zehntausend Pferde, die er eingeritten hat, besser dran als andere, und vor allem sind auch die Menschen, die er durch die Arbeit mit diesen Pferden erreicht hat, besser dran. Sie scheinen seinen Ansatz einer gleichberechtigten Partnerschaft mit dem Pferd auf der Basis von gegenseitigem Respekt und Verständnis schnell aufzunehmen. Es funktioniert wirklich. Und würde wahrscheinlich auch bei den Vereinten Nationen funktionieren, wenn sie es ihn einmal versuchen ließen.

2001 haben Buck und ich seine eigene Geschichte veröffentlicht, „Pferde, mein Leben“. Es war eine schwere Geschichte für ihn, und wir hatten viele schlaflose Nächte mit Überarbeitung und lauten Diskussionen, aber die Leser hat dieses Buch eindeutig berührt. Die Leute schienen es zu mögen und haben sich identifiziert mit diesem jungen Mann und seinem Bestreben, nicht nur sein eigenes Leben zu verbessern, sondern auch das Leben aller Pferde, die er auf seinen zahlreichen Reisen trifft. Interessant ist allerdings, dass er neben den Pferden genauso viele oder sogar mehr Menschen im Verlauf dieser Reise berührt hat.

„Vertraue dem Pferd“ handelt von einigen Menschen, die Buck getroffen hat, und erzählt deren eigenen, persönlichen Weg zum Erfolg. Das Buch handelt von den neuen Wegen, die sie eingeschlagen haben, nachdem sie Buck irgendwo in der Mitte eines Reitplatzes getroffen hatten, während sie neben einem zitternden Jungpferd standen. Die Geschichten in diesem Buch beschreiben, was diesen Menschen nach der Begegnung mit Buck widerfahren ist und was passierte, nachdem Buck weitergezogen war – was sie aus dem gemacht haben, was er ihnen mitgegeben hat, und warum es für sie gut war, ihn getroffen zu haben.

Dieses Buch ist für jeden, sowohl Pferde-Besitzer als auch Nichtbesitzer. Es ist sowohl für die Leute, die sich mit Pferden auskennen, als auch für Personen, die überhaupt kein Interesse an Pferden haben. Dieses Buch handelt vor allem von Hoffnung und wie man im Verlauf des Lebens seine Zufriedenheit finden kann, egal wohin die Reise geht. Es handelt davon, sich Zeit zu nehmen, jede Begegnung im Leben mit Achtsamkeit zu betrachten – sei sie von außen an uns herangetragen oder von uns angeregt. Es handelt vom Verständnis und Wohlwollen, und dies sind Elemente, die auch an einem verregneten Tag die Sonne scheinen lassen können. In wenigen Worten zusammengefasst, ist es genau das, was Buck mit den Pferden macht: Er gibt ihnen seine Zeit und Aufmerksamkeit, was die Gedanken und Bewegungen von Pferd und Reiter klarer werden lässt. Diese aufmerksame Präsenz, dieses wirkliche Anteilnehmen ist etwas, das wir mehr und mehr auch in unserem Alltagsleben tun sollten. Ich habe die Ergebnisse selbst gesehen, und es veränderte das Leben grundlegend, und zwar für beide Partner in dieser Verbindung. Wir sind alle zusammen auf dieser Welt. Und mit Menschen wie Buck Brannaman, der seine Art und Weise mit uns teilt, geht es uns allen besser. – Vertrauen Sie darauf!

William Reynolds, Santa Ynez/Kalifornien 2004

Zu diesem Buch

Es war ein Vormittag eines Wintermorgens 1968 in Coeur d᾽Alene/Idaho. Nasser Schnee war gefallen, nicht viel, aber er enthielt so viel Feuchtigkeit, dass alles in Kälte erstarrte, bis auf die Knochen ging und alles durchdrang, ob Felsen, Baum oder armselige, warmblütige Kreatur. Es war diese Art von Kälte, wo man die ganze Nacht brauchte, um sich davon zu erholen, und bis es so weit war, musste man schon wieder hinausgehen und sich ihr mutig entgegenstellen.

An diesem Tag ging ein kleiner Junge aus dem Haus, um seinen morgendlichen Pflichten nachzukommen. So wie jeden Morgen hatte er auch an diesem Tag heftig mit dem etwa hundert Meter langen, halb gefrorenen Gartenschlauch zu kämpfen. Es gab keine Wasserleitung hier draußen, und um die Wasserbottiche für den Tierbestand der Familie wieder aufzufüllen, musste ein gewaltiger Schlauch von einer Seite des Hauses ausgerollt und anschließend wieder verstaut werden. Die Pferde drängten sich um den Jungen, während ein Rinnsal aus dem geknickten Schlauch tröpfelte. Nachdem er die Pferde getränkt hatte, hievte das Kind den Schlauch über den Hof, um den paar armseligen Milchkühen Wasser zu geben, die schon bereitstanden und die Aufmerksamkeit des Jungen mit Muhen und Grunzen erwarteten. Jeden Morgen musste das Wasser fließen, egal ob der Schlauch gefroren war oder nicht – selbst wenn das bedeutete, den Schlauch mit dem Hammer zu bearbeiten. Jeden Morgen, bevor er zur Schule ging, wusste der Junge, was ihm bevorstand.

Währenddessen ging ein älterer Junge, der große Bruder des kleinen Jungen, zum riesigen Melkstall hinüber, wo dessen eigene Aufgaben ihn erwarteten. (Mit den Augen eines Erwachsenen betrachtet, würde er überrascht feststellen, dass der riesige Melkstall der Familie kaum größer war als eine Garage für ein Auto.) Der ältere Junge schwang seine Milchkannen, um die Kühe in den Melkstand zu treiben, damit er das morgendliche Melken hinter sich bringen konnte. Während er arbeitete, warf er gelegentlich einen Blick durch die Stalltüre, wo er den Schlauch vorbeischaukeln sah, oder er beobachtete, wie dieser an der Fensterbank des Kellers hängen blieb. Danach folgte ausnahmslos ein unsichtbares Zerren und Verprügeln des Schlauches, was von dumpfen Grunzern und Flüchen seines jüngeren Bruders begleitet war. Dieses Kind war durchaus sensibel, aber dennoch brachte es ein Fluchen zustande, besonders wenn der Schlauch so unkooperativ war – und das kam alle paar Meter einmal vor, während er dieses verdammte Ding zu ziehen versuchte. Obwohl es lange dauerte, stellte sich der Erfolg irgendwann ein, und das Kind hatte es schließlich geschafft, den Schlauch auch zum letzten Wasserbottich auszurollen. Dann tröpfelte das Wasser, und der Junge wartete und wartete und wartete. Einfach nur dastehen und warten, zitternd und frierend in der verschneiten, kalten Luft und wartend, bis der Wasserbottich sich füllte.

Nun ja, wie jedem Sechs- oder Siebenjährigen wurde es auch ihm bald ein wenig langweilig, er schaute sich um und begann, Dinge zu untersuchen und zu erkunden. An genau diesem Tag schaute er zum Ende der Wiese zu einer Ponderosa-Kiefer, die aussah wie zwei Bäume in einem. Sie hatte eine tiefe Spalte etwa einen Meter über dem Boden. Der Junge sah, dass etwas in dieser Spalte war, und fand, es sei besser, dort nachzusehen. Schließlich hatte er doch ein wenig Zeit, während er wartete. Und obwohl er auch zum Melkstall hätte hinübergehen können, um seinem älteren Bruder zur Hand zu gehen, war er sicher, dass sein Bruder auch ohne ihn klarkommen würde. Das Abenteuer schien in diesem Moment wichtiger zu sein, und er ging an das Ende der Wiese, um sich dieses Ding in der Spalte der großen Kiefer genauer anzusehen.

Es lag viel Schnee darüber, also schaute er unter dem Schnee nach und fand einen klitzekleinen Goldspecht. Also ein Goldspecht ist ein spechtartiger, kleiner Vogel, der im nördlichen Teil der Vereinigten Staaten von Amerika vorkommt. Hier ist der Goldspecht sehr häufig. Es gab sicherlich viele von ihnen während des Sommers, aber gerade jetzt war tiefster Winter. Man sah solche Vögel im Winter nicht oft. Der Vogel war offenbar stark unterkühlt und sehr krank. Der Junge dachte sich, er würde den Vogel wohl besser ins Haus bringen. Er hoffte dabei, sein Vater würde dies nicht für Zeitverschwendung halten und in solch eine üble Stimmung verfallen, dass er es seinem Jungen nicht erlauben würde, den Vogel aufzuwärmen. Der Junge hob das arme, durchgefrorene Vögelchen hoch, aber als er es anfasste, flatterte der mehr tote als lebende Vogel mit den Flügeln und stieß ein gellendes Kreischen aus. Das überraschte den Jungen natürlich, und er ließ die wilde Kreatur auf den Boden fallen. Seine erste, instinktive Reaktion war ein Gegenschlag gegen dieses Ding, das ihn so unglaublich erschreckt hatte. Ohne weiter darüber nachzudenken, trat er den Vogel tot. Er realisierte seinen Fehler sofort – trotz seiner guten Absicht, das kranke Tier zu retten, hatten seine Instinkte dazu geführt, es zu töten. Er stand eine ganze Weile dort, dachte darüber nach, was er getan hatte, dachte an Aktion und Reaktion, und Scham erfüllte ihn bis zum Überfluss, genau in dem Moment, als auch das Wasser im Wasserbottich in einiger Entfernung über den Rand lief.

Dieser Moment blieb dem Jungen in Erinnerung und nagte sein ganzes Leben an ihm. Noch als Erwachsener dachte er oft an diesen kalten Morgen in Idaho zurück und fragte sich, was dazu geführt hatte, dass er tötete, obwohl er eigentlich helfen wollte. Er vergab sich nie wirklich, obwohl er in seinem Herzen wusste, dass seine Tat nicht berechnend oder vorsätzlich oder absichtlich ausgeführt worden war. Er glaubte, dass sein sofortiger Instinkt, sich vor diesem Vogel unter allen Umständen zu schützen, möglicherweise von der endlosen Angst vor seinem Vater herrühren könnte – und vor seinem Vater mussten sein Bruder und er sich jeden Tag ihres Lebens in Acht nehmen.

Als er viele Jahre später gefragt wurde, ob er sich an etwas Schönes oder Gutes von seinem Vater erinnern konnte, dachte er lange nach, aber er sagte schließlich: „Nein, ich hatte niemals keine Angst vor diesem Mann.“ Diese Angst, die in dem Jungen und seinem älteren Bruder ständig präsent war, kann gut und gerne dazu geführt haben, dass der Junge so instinktiv handelte und den Vogel tötete, von dem er sich bedroht fühlte. Wer weiß? Hier geht es auch nicht um Schuld. Aber genau wie dieser Moment mit dem Goldspecht blieb das Aufwachsen im Hause des Vaters dem Jungen im Gedächtnis. Fortan fühlte er immer starkes Mitgefühl, wenn jemand oder etwas in Angst und Schrecken lebte.

Der Mann, der aus diesem kleinen Jungen geworden ist, glaubt, dass seine Begegnungen mit Angst in so jungen Jahren dazu geführt haben, dass er sein ganzes Leben lang versucht, Angst und Verzweiflung derer zu lindern, die ihm begegnen, egal ob Mensch oder Tier. Ich glaube nicht, dass das, was zwischen dem Jungen und dem Vogel passierte, ein Unfall war. Ich bin mir sicher, dass einige von Ihnen es seltsam finden, dass so ein kleiner, unbedeutender Vorfall überhaupt jemandem wie mir etwas bedeutet, so viele Jahre und Ereignisse später. Aber natürlich macht es mir etwas aus. Ich war der kleine Junge. Ich erlebte viel Auf und Ab in meinem Leben. Viele Leser meines ersten Buches „Pferde, mein Leben“ kennen etwas von meiner Vergangenheit und sind Teil meiner Gegenwart und Zukunft geworden, und zwar auf eine Art und Weise, wie ich es mir nie vorstellen konnte. Ich bin reich gesegnet worden mit der Fähigkeit, Angst zu erklären, und dieses Verständnis mit Tausenden von Leuten im Laufe der Jahre zu teilen, damit ein Ausweg gefunden werden kann. Völlig fremde Personen waren in der Lage, diesen Halt bei mir zu finden und ihn dann für ihr eigenes Leben zu entwickeln. Das passiert nicht bei jeder Bekanntschaft, aber oft genug, dass es irgendwie ein schwer zu erklärendes Phänomen ist.

Die Botschaft dieses Buches ist keinesfalls Verzweiflung oder Ärger. Es handelt vom Sieg über die vielen Widrigkeiten unseres Lebens. Gewinnt überhaupt jemand von uns wirklich einmal? Nun, ich weiß es nicht, ich glaube es nicht unbedingt. Hoffentlich machen Sie immerhin so viel Strecke gut, um etliche kleine Erfolge zu erleben, wenn Sie auf dem richtigen Weg sind. Es wird immer Kummer und Verzweiflung geben, aber wie wir damit umgehen, macht uns als Individuen doch erst richtig aus und bestimmt unseren Einfluss auf die Menschen um uns herum. Und ist es nicht genau das, was zählt?

Pferden ist es egal, welche Hautfarbe Sie haben, ob Sie groß oder klein, dick oder dünn sind oder ob Sie Geld haben oder arm sind, attraktiv sind oder hässlich. Nichts davon hat wirklich eine Bedeutung für das Pferd. Das Pferd nimmt Sie für bare Münze und zwar dafür, welches Gefühl Sie ihm in diesem Moment geben. Es scheint mir so, als sei dies auch für Menschen ein guter Weg. Gott weiß, heutzutage könnte die Welt gut und gerne etwas mehr von dieser Haltung brauchen.

Ich hoffe, Ihnen gefällt dieses Buch, und es hilft Ihnen, Ihren eigenen Weg im Leben zu genießen. Jetzt, wo Sie diese Zeilen lesen, bin ich bereits Teil Ihres Lebens. Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen und kann Ihnen versichern, dass sogar ein schwerer Weg leichter werden kann. Und wenn es das Einzige ist, was Sie tun – vertrauen Sie darauf.