Stangen-Power !

 

Teil 1: Beginne mit der Stangenarbeit im Schritt

Das Arbeiten mit Bodenstangen ist nicht nur etwas für Teilnehmer an Trail-Bewerben. Man lernt dabei auch die Schrittlänge seines Pferdes zu kontrollieren und entsprechendes Gefühl dafür und Balance zu haben. Dies verbessert die Reaktionsfreudigkeit deines Pferdes und auch die Sicherheit. Außerdem macht die Arbeit mit Bodenstangen Spaß!

 

Text: Mark Stevens mit Sue M. Copeland, Fotos: Cappy Jackson, Übersetzung: Sonja Grünauer

 

Titelbild: Stangenarbeit macht nicht nur Spaß, sondern verbessert auch dein Gefühl und deine Balance sowie die Reaktionsfreudigkeit, den Rhythmus und die Bewegungen deines Pferdes. Diese Arbeit ist abwechslungsreich für Pferd und Reiter. Stephanie Armellini ist eine der Team-Trainer(innen) auf der Springwater Farm von Mark Stevens und zeigt uns hier mit Zippos Broker (in Besitz von Jaqueline Schwartz) die entsprechenden Übungen.

 

Events: Trail oder Westernriding - jedoch auch für alle anderen Situationen, wo eine gute Zusammenarbeit zwischen Pferd und Reiter erforderlich ist.

Ziel: Den Rhythmus des Pferdes und die Kontrolle des Reiters zu verbessern, indem man dem Pferd beibringt über eine Serie von Bodenstangen, die in gleichen Abständen aufgelegt sind in gleichmäßigem Tempo im Schritt zu gehen, ohne diese dabei zu berühren (womit man bei einem Start im Trailbewerb diverse Strafpunkte vermeiden kann).

 

Vorteile:

·         Beim Start in einem Bewerb, in dem Stangen zu bewältigen sind, kann man sogar Pluspunkte bekommen, wenn die Stangen flüssig und ohne Berührung überritten werden.

·         Auch wenn du an keinen Bewerben teilnimmt, profitierst du von diesen Übungen, weil dein Pferd lernt, besser auf deine Hilfen zu reagieren.

·         Du verbesserst deine Balance, indem du lernst, mit der Bewegung deines Pferdes mitzugehen, wenn es über die Stangen geht.

·         Du verbesserst dein Gefühl fürs Reiten, weil du lernst wie viel Hilfen du mit den Zügeln, deinem Sitz und deinen Beinen geben musst, um die Schrittlänge deines Pferdes dem Stangenabstand anzupassen, damit es gleichmäßig über die Stangen laufen kann.

·         Man verbessert die Kadenz des Pferdes, indem man ihm lernt, gleichmäßige Schrittlängen einzuhalten – solange, bis man etwas anderes von ihm fordert.

·         Die Stangen motivieren das Pferd, seinen Rücken rund zu machen, seine Schultern und seine Hinterhand höher  zu nehmen, geschmeidiger in seinen Bewegungen zu sein und diese besser zu koordinieren.

·         Diese Übungen helfen dem Pferd sich zu entspannen, indem man ihm die Stangen als Fokus auflegt, um ihm zu helfen, seine Beine dazwischen richtig zu platzieren.

·         Die Übungen halten sowohl Pferd als auch Reiter geistig frisch, da keine Langeweile beim Training aufkommt. Außerdem machen sie Spaß!

 

Hast du es satt, dass dein Pferd zeitweise beim Reiten seinen eigenen Kopf durchsetzen will? Es läuft willkürlich plötzlich schneller oder wird langsamer, was das Ganze etwas unberechenbar macht. Du kannst dieses Problem in den Griff bekommen, wenn die die Teile 1, 2 und 3 dieser Serie verfolgst. Der einzige Weg, wie du über eine Reihe von Bodenstangen korrekt reiten kannst ist, indem du lernst, eine gleichmäßige Schrittlänge beizubehalten. Werden die Schritte deines Pferdes zu groß, dann kann es ins Stolpern kommen und wenn die Schritte zu kurz sind, wird das Pferd die Stangenreihe auch nicht flüssig bewältigen können. Durch entsprechende Übung wirst du das Gefühl dafür bekommen, wann du die Schrittlänge deines Pferdes korrigieren musst, wenn dein Pferd seinen Rhythmus ändert. Genau das ist Reiten. Der Vorteil bei Einsatz der Stangenarbeit ist, dass man mit seinem Pferd keinen Kampf austragen muss, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Die Stangen helfen dir, das Tempo deines Pferdes zurück zu nehmen oder zu forcieren. Dein Pferd wird merken, dass ihm seine Arbeit erleichtert wird, wenn es eine gleichmäßige Schrittlänge und ein gleichmäßiges Tempo einhält. Schon bald werden du und dein Pferd im Team arbeiten und ihr werdet erfolgreich sein. Fertig? Los geht’s!

 

Was du benötigst:

4 Bodenstangen. 12-Fuß lange Bodenstangen werden normalerweise bei Shows eingesetzt, doch fürs Training reichen 8-Fuß lange Holzstangen aus dem Baumarkt genauso aus.

Maßband

4 kleine Verkehrshütchen. Du kannst diese dafür verwenden, um den optimalen Punkt zu markieren, wo dein Pferd abfußen sollte, um problemlos über die jeweilige Stange zu treten.

Einen ebenen Bereich mit gutem Untergrund zum Reiten.

Ein Pferd, das bereits entsprechend gut geritten ist. Es sollte leicht zu lenken und zu stoppen sein. Ist ein Pferd noch zu wenig ausgebildet, sollte man zuerst einmal mit einem erfahrenen Trainer arbeiten, bevor man mit der Arbeit mit Bodenstangen beginnt.

 

Es ist ganz einfach: 2, 3, 6!

Die Abstände der Stangen in den verschiedenen Gangarten sind ganz einfach anzulegen. Messe einfach die Distanz von der inneren Seite bis zu anderen inneren Seite des nächsten Stange.

Schritt: ca. 61 cm

Trab: ca. 91,5 cm

Galopp: ca. 1,8 Meter

Beachte: Dies sind die Abmessungen, die du in Trailklassen bei Turnieren vorfindest. Man kann jedoch auch die Distanz von Galoppstangen dazu verwenden, im Trab jeweils 2 Tritte oder im Schritt jeweils 3 Schritte zwischen den Stangen zu machen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! Willst du für kein Turnier trainieren und die Schrittlänge deines Pferdes ist kürzer oder länger als die üblichen Distanzen, kannst du die Abstände natürlich deinen Bedürfnissen anpassen. Ist dein Pferd einmal die Stangenarbeit gewöhnt, dann fordere dich und dein Pferd mit schwierigeren Aufgaben, wie das absichtliche Reiten von einigen Schritten in größerer oder kleinerer Schrittlänge. Dadurch erreichst du vermehrte Aufmerksamkeit deines Pferdes auf deine Hilfengebung.

 

1.Lege 4 Stangen im Abstand von je 60 cm auf. Wenn du die Hütchen für Markierungen verwenden willst, dann positioniere ein Hütchen ca. 20 cm vor der ersten Stange (seitlich) und weitere Hütchen immer mittig zwischen den Stangen (auch seitlich – wie auf den Bildern zu sehen). Wärme dein Pferd auf, danach reite es in gleichmäßigem Schritt auf einem größeren Zirkel. Wenn du anfangs noch ein Gefühl für die richtige Schrittlänge hast, mach dir keine Sorgen, dieses erlangst du im Laufe der Zeit durch regelmäßige Stangenarbeit. Da der Schritt ein Vierschlag ist, solltest du für dich selbst von 1 bis 4 zählen, was dir helfen wird, den Rhythmus zu halten. Wird dein Zählen unregelmäßig, läuft auch dein Pferd nicht im gleichmäßigen Takt. Setze sanft Zügel- und Schenkelhilfen ein, um das Pferd wieder in den richtigen Rhythmus zu bringen. Kannst du einmal einen gleichmäßigen Rhythmus auf dem Zirkel halten, lenke dein Pferd geradeaus auf die Stangenreihe zu, und reitest mittig über jede Stange. Setze entsprechende Hilfen ein, um dein Pferd gerade zu halten und fokussiere selbst immer die Mitte der Stangen und achte auf den gleichmäßigen Rhythmus. Sobald du zur ersten Stange kommst, erlaube deinem Pferd seinen Kopf tiefer zu nehmen, um die Stange besser zu sehen und entsprechend seine Vorderbeine zu heben. Vermeide es, dein Pferd vorwärts zu drängen, wenn es anfangs zögert, sondern drücke deine Unterschenkel sanft ans Pferd und schnalze mit der Zunge, um es zum Vorwärts gehen zu motivieren. Gleichzeitig stehst du vermehrt in den Steigbügeln, um etwas Gewicht aus dem Sattel zu nehmen, damit dein Pferd über den Stangen den Rücken leichter rund machen kann. Beachte: wenn dein Pferd noch keine Stangen kennt, dann beginne zuerst nur mit einer einzelnen Stange. Mach dir keine Sorgen, wenn es zuerst etwas scheut – vorsichtige Pferde versuchen dann auch das Berühren der Stange zu vermeiden, was durchaus von Vorteil ist. Lenke dein Pferd sanft und unterstütze es mit Zügel- und Schenkelhilfen, um es über der Stange gerade zu halten. Geht dein Pferd mehrfach ruhig über eine einzelne Stange, dann kannst du eine weitere Stange hinzufügen und im Laufe der Übungen dies auf 4 Stangen steigern, so wie hier gezeigt.

 

2.Wie erkennt man, ob das Pferd korrekt zwischen den Stangen auf- und abfußt. Fußt sein Vorderbein mittig zwischen den Stangen auf, dann kann man dir gratulieren. Dann wird dein Pferd auch die Stangenfolge leichter bewältigen können. Landet der Vorderfuß deines Pferdes zu nahe hinter der ersten Stange, wird es einen längeren Schritt machen müssen, um über die zweite Stange korrekt bewältigen zu können. In diesem Fall solltest du vermehrt Schenkelhilfen einsetzen, um die Schritte zu verlängern. Landet der Vorderfuß zu knapp vor der zweiten Stange, dann sollte man vermehrt Zügelhilfen einsetzen, um die Schrittlänge zu verkürzen.

 

3.Sitze ruhig im Stall, damit dein Pferd auch unter dir in Balance bleiben kann und setze deine Hilfen dosiert ein, um den Viertakt im Schritt zu erhalten wenn es …

 

4…über die Stangen steigt. (Lehnst du dich dabei zu weit zurück, wird das Pferd sein Tempo verlangsamen. Lehnst du dich dabei zu sehr nach vorne, verleitest du dein Pferd, schneller zu werden). Nachdem du die letzte Stange überquert hast, reite dein Pferd geradeaus und im gleichen Rhythmus weiter. Danach reitest du einen Zirkel und versuchst erneut, dein Pferd über die Stangen zu reiten, ohne dass es zögert und es gleichzeitig auch im gleichen Rhythmus bleibt. Beachte: Berührt dein Pferd eine oder mehrere Stangen kann dies daran liegen, dass es zu schlampig seine Füße hebt. Setze vermehrt Schenkelhilfen und Stimmhilfen ein, um dein Pferd zu motivieren, seine Beine mehr anzuheben. Solltest du das Zungeschnalzen zum Antraben anwenden, verwende auf keinen Fall diese Stimmhilfe, um dein Pferd zum Füßeheben in der Stangenreihe zu motivieren, da du es sonst verwirren könntest.

 

5.Problemlösung: Wenn dein Pferd beim Anblick der Stangen denkt „Attacke“, stoppe es, bevor du die erste Stange erreichst. Reite es ein oder zwei Tritte rückwärts, um deine Message zu bekräftigen.

 

6A.Lerne deinem Pferd, Geduld zu haben. Erlaube ihm, einen kleinen Schritt über die erste Stange zu machen und stoppe es dann sofort, damit es die Stange zwischen Vorder- und Hinterbeinen hat.

 

6B.Lasse mit dem Druck am Zügel nach und streichle dein Pferd, damit es begreift, dass man nicht über die Stangenreihe hetzen soll. (Versucht dein Pferd einen weiteren Schritt vorwärts zu machen, stoppe es erneut und beruhige es, dann reitest zu weiter.) Bleibt es gelassen stehen, dann erlaube deinem Pferd weiter über die Reihe der 4 Stangen zu gehen. Stoppe es jedes Mal, sobald es versucht, dabei schneller zu werden.

 

Setze die Arbeit mit den Bodenstangen mehrmals pro Woche ein und vergrößere mit der Zeit die Abstände zwischen den Stangen, um die Fähigkeiten deines Pferdes zu verbessern und den Schrittrhythmus zu verändern. Im nächsten Teil der Serie werden wir die Bodenstangen im Trab bewältigen.

 

Mark Stevens ist seit 1970 erfolgreich im Training und bei Shows. Gleichzeitig ist er ein anerkannter nationaler und internationaler Clinician. Sowohl seine Schüler als auch die Trainer, die bei ihm auf der Springwater Farm arbeiten, sind erfolgreich bei AQHA, PHBA und ApHC World Championships. Während Mark vorwiegend Pleasurepferde trainiert, erklärt er, dass seine Lieblingsdisziplin die All-Around-Klasse und der Trail sind. Er wendete die Stangenarbeit bei seinem Pferd „What A Fancy Zippo“ an, um seinen Rhythmus für die Pleasure zu verbessern – dadurch kam er zur Trailarbeit. Durch die Arbeit mit Bodenstangen konnte er mit dem 1992 geborenen Wallach mehrfach die Trailbewerbe bei den AQHA World Championships und beim AQHA World Congress gewinnen. Noch im Alter von 16 Jahren ist dieses Pferd erfolgreich. Ein weiteres Pleasurepferd, das er erfolgreich im Trail vorstellen konnte ist der 1993 geborene Quarter Horse Wallach „Lopin Leaguer“, der im Jahr 2007 AQHA Select World All-Around Champion wurde. Auch der 1988 geborene Quarter Horse Wallach „The Due Gooder“, der 11 Jahre lang erfolgreich in Pleasurebewerben an den Start ging, wurde danach noch Sieger in Superiors Western Riding und Trail-Bewerben. Auch im Alter von 20 Jahren gewinnt er mit seiner Besitzerin Christine Jones noch Trailbewerbe. Mark schreibt die Langlebigkeit dieses Pferdes in der Showarena der regelmäßigen Arbeit mit Bodenstangen zu.