Round & Round
Roundpen Training
kann dir helfen, dein Pferd auf seine spätere Reitkarriere vorzubereiten
Text und Fotos: Charlene Strickland, Übersetzung: Sonja Grünauer
Bevor du dein Pferd an einen Sattel, Zaumzeug oder einfach nur an die Longe gewöhnst, kannst du dein Pferd bereits in allen Gangarten in beide Richtungen trainieren. In einem Roundpen lernt dein Jungpferd entsprechende Kontrolle und wie es dem Menschen, der mit ihm trainiert, gehorchen soll – Fähigkeiten, die für das spätere Training von Vorteil sind. Die Fähigkeiten des Pferdes im Roundpen zu fördern ist das wichtige Training für Jean Simmons von der Rockin J Bar S Ranch in Desert Hills, Arizona. „Das Pferd lehnt die Grundlagen bereits im Roundpen, ohne dass jemand an ihnen herum zerrt“, sagt sie.
Beginne mit
Strategie
Bevor du mit der Arbeit des Jungpferdes beginnst, erstelle einen Plan wie du die Roundpen Arbeit in die erste Basisausbildung des jungen Pferdes integrieren willst. Simmons nützt das Roundpen als ein Element ihres Trainings und Fitnessprogramms und beginnt mit ihrer Arbeit bereits mit 6 Monate alten Fohlen. Zuerst bringt sie den Fohlen einmal das freie Longieren ohne Longe im Roundpen bei. Erst später wendet sie verfeinerte und traditionelle Trainingsmethoden an.
Simmons hat während ihrer Trainingseinheiten 2 Ziele vor Augen. Die Vorteile der Bodenarbeit und das Anwenden dieser Grundlagen für die erste Arbeit unter dem Sattel.
· Geh vorwärts – das Erlernen der Gangarten und der Übergänge
· Auf den Menschen achten – Beobachten und das entsprechende Reagieren auf den Menschen (Trainer)
Um einem Pferd diese Grundlagen beizubringen, arbeitet Simmons in 5 Schritten mit dem Roundpen Training.
Bild 1: Lerne deinem Pferd, die ganze Zeit auf dich zu achten und halte die Trainingseinheiten zeitlich eher kurz.
Roundpens
Jean Simmons hat 2 Roundpens auf der Rockin J Bar S Ranch zur Verfügung und jedes ist für einen speziellen Zweck bestimmt. „Eines ist 45-Fuß groß“, sagt sie. „Der Zirkel hat die Größe der Longierklasse. Ich beginne die Arbeit mit den jungen Pferden in diesem Roundpen. Ich schätze dort sehr den guten Sandboden. Jedoch sollte man darauf achten, dass der Boden nicht zu tief ist, da sich die Pferde auf solch einem Boden dann nicht gut bewegen können. Mein andere Roundpen ist größer. Es hat einen Durchmesser von 75 Fuß, damit man darin auch reiten kann. Man kann darin auch galoppieren, ohne dass dies den Knochen des Pferdes schadet. Dieses Pen hat eine Begrenzung aus Stangen, was billiger ist, als eine Brettereinzäunung.“
Ihr kleineres Pen ist mit Holzstangen eingezäunt, mit einer Bretterreihe ganz unten, damit der Sand nicht aus dem Roundpen rinnt. Simmons betont, dass sie die Pferd in dem kleinen Roundpen nicht reitet. „Ich reite nur Problempferde in diesem kleinen Pen“, erklärt sie. „Denn es ist besser für die Disziplin des Pferdes, da das Pferd hier nicht so leicht durchgehen kann.“ Die Pens haben keine hohen Einzäunungen, da Simmons möchte, dass die Pferde die Umgebung sehen können und sich an die äußeren Einflüsse gewöhnen können. Dadurch sind sie dann auch Ablenkungen gewöhnt, wenn man mit ihnen woanders als daheim arbeitet.
Bild 2: Simmons erklärt, dass es schwierig für ein junges Pferd ist, einen korrekten Schritt zu gehen und beginnt daher mit den Trainingsübungen in der Gangart Trab.
Bild 3: Nütze die Haltung der Peitsche, um deinem Pferd richtige Hilfen zu geben. Wird die Peitsche höher genommen, heißt dies für das Pferd, das Tempo zu erhöhen. Wird die Peitsche tiefer genommen, bedeutet dies für das Pferd, dass es in die niedrigere Gangart wechseln soll.
1.Basiskontrolle
Simmons bringt den jungen Pferden zuerst die Stimmhilfen für Stopp und Schritt bei. „Vom Tag ihrer Geburt an wird dem Fohlen beigebracht, dass ‚Whoa‘ absolutes Stehenbleiben bedeutet. Ich bin sehr strikt, was das Kommando Whoa angeht. Für das Fohlen soll dieses Kommando bedeuten, dass es wie angewurzelt stehen bleiben soll.“ Dieses Anfangskommando kann dem Fohlen bereits in den ersten Tagen seines Lebens beigebracht werden, erklärt Simmons. „Zuerst lernt es die Grundlagen: sich führen lassen, rückwärts gehen und meinen Bereich akzeptieren“, sagt sie. „Die Fohlen lernen dies mittels Halfter, damit ich etwas habe, mit dem ich das Pferd handeln kann.“ Dies ist wichtig, um Vertrauen zu fördern, gerade wenn man mit einem jungen Pferd arbeitet. Simmons erklärt, dass Fohlen, die ihrem Menschen vertrauen auch schneller Fortschritte bei der Arbeit machen, als ängstliche Pferde. „Es ist unglaublich, wie schnell sie lernen“, sagt sie. „Ich lerne den Fohlen das Akzeptieren des Halfters, sich waschen zu lassen, den Hufschmied zu dulden und sich in einen Anhänger verladen zu lassen. Im Alter von 6 Monaten lässt sich dann ein Fohlen normalerweise problemlos führen und anbinden.“ In diesen frühen Trainingseinheiten kannst du das junge Pferd bereits an eine kürzere Longierpeitsche gewöhnen, die du dann später auch bei der Arbeit im Roundpen einsetzen kannst. „Die Jungpferd sollten die Longierpeitsche als Hilfe für die Vorwärtsbewegung verstehen“, sagt Simmons.
2. Vorsichtige
Einführung
Das die regelmäßige kreisförmige Bewegung in einem Roundpen dem Knochenbau eines junges Pferdes schaden kann, empfiehlt Simmons, bereits dem Fohlen Gamaschen oder Bandagen anzulegen und die Trainingseinheiten im Roundpen kurz zu halten. „Ich bandagiere immer die Vorderbeine, um ihre Knochen zu schützen“, sagt sie. „Ein Nachteil der Arbeit im Roundpen ist die dauernde Bewegung auf einem Zirkel und dies kann sich nachteilig für die Beinknochen auswirken.“ Sie plant die erste Trainingseinheit so ein, dass das Jungpferd zuerst Auslauf auf der Koppel hatte und überschüssige Energien abbauen konnte. Ihr Ziel ist es, die erste Trainingseinheit möglichst leicht zu gestalten. „Wenn das Jungpferd einige Zirkel in jede Richtung im Trab macht und mit dem Kommando Whoa brav stehen bleibt, dann bin ich glücklich“, sagt sie. „Besonders das erste Training sollte kurz gehalten werden und mit einem positiven Erlebnis für das Pferd enden. Das Roundpen-Training dient dazu, das Pferd kontrolliert zu bewegen und ihm das Reagieren auf Stimmkommandos und Handzeichen beizubringen. Ich konfrontiere das junge Pferd mit einer Longierpeitsche, um die Vorwärtstendenz der Gangart zu forcieren. Mit der Peitsche kannst du dem Pferd auch helfen, ganz außen entlang der Einzäunung zu laufen.“ Simmons fügt hinzu, dass sie zeitweise auf den Einsatz der Longierpeitsche verzichtet, wenn sich ein Jungpferd zu sehr davor fürchtet. Trotzdem setzt sie dieses Hilfsmittel ein, um ein Pferd zu disziplinieren, wenn es versucht, auszuschlagen. „Konzentriere dich auf das Pferd und bleib weit genug von seiner Hinterhand entfernt, sollte es ausschlagen. Ich achte bereits ab dem ersten Training darauf, dass ich das Ausschlagen unterbinde und treibe es stattdessen vorwärts. Meine Pferde lernen, dass im Roundpen gearbeitet und nicht gespielt wird. Ich denke, dass ein Jungpferd bereits verstehen kann, dass es an die Arbeit geht, wenn ihm ein Halfter angelegt wird.“ Simmons bezeichnet sich bei der Arbeit mit Jungpferden als streng – bereits vom ersten Trainingstag an. „Ich bin bei der Arbeit im Round Pen sehr genau“, sagt sie. „Ich möchte, dass sich das Jungpferd auf mich konzentriert und sich entsprechend bewegt, wenn ich es dazu auffordere.“
3. Hören und sehen
Während Simmons das Jungpferd im Roundpen arbeitet, setzt sie Stimmhilfen ein, um das Pferd für die verschiedenen Gangarten zu motivieren. „Ich lerne ihm, dass einmal Zunge schnalzen Schritt bedeutet, zweimal Zunge schnalzen Trab und ‚Bussi schicken‘ Galopp bedeutet“, erklärt sie. „Bereits zu Beginn lernt das Pferd, dass es antraben soll und mit dem Kommando ‚Easy‘ das Tempo in dieser Gangart verringern soll.“ Sie nützt außerdem noch die Haltung der Longierpeitsche, um ihre Hilfen zu unterstreichen. Wird die Peitsche höher gehalten, dann wird das Pferd zu einem schnelleren Tempo aufgefordert, wird sie tiefer genommen, ist dies das Kommando für den Übergang in die niedrigere Gangart. „Ich lerne dem Pferd, dass es solange in eine Richtung laufen soll, bis das Kommando Whoa kommt“, sagt Simmons. „Ich lasse es erst dann die Richtung wechseln, wenn es komplett gestoppt hat.“
4. Schritt, Whoa
und Richtung wechseln
Traben ist für manche Pferde angenehmer als Schritt zu gehen, erklärt Simmons. Daher lernt sie vielen Jungpferden den Stopp zuerst einmal aus dem Trab. „Für ein Pferd ist es sehr schwierig, die korrekte Gangart Schritt zu gehen“, sagt sie. „Ich beginne zuerst mit dem Trab und fordere das Pferd mit dem Kommando Whoa zu einem vollständigen Stopp auf. Ich halte meine Körperposition in Höhe der Schulter des Pferdes und mit der Longierpeitsche treibe ich es sanft vorwärts. Um das Jungpferd zu stoppen gehe ich einen Schritt in Richtung des Pferdekopfes, um die Vorwärtstendenz des Pferdes zu blockieren.“
Bild 4: Während dein Pferd trabt, solltest du es dazu motivieren, eine gute Kadenz und ein entsprechendes Tempo zu halten. Diese Übung ist eine sehr gute Vorbereitung für die ersten Übungen, die später unter dem Sattel erfolgen werden.
Simmons verlangt einen kompletten Stopp von ihren Pferden. „Komm nicht zu mir – du sollst am Longekreis stehen bleiben“, sagt sie. „Bleib wie angewurzelt stehen und bewege dich nicht. Dann gehe ich auf das Pferd zu.“ Auch wenn manche Trainer ihre Pferde motivieren, beim Stopp in die Richtung des Menschen zu wenden, bevorzugt Simmons, dass das Pferd draußen entlang der Einzäunung stehen bleibt. „Ich achte darauf, dass meine Jungpferde bei Kommando Whoa auch gleich stehen bleiben“, sagt sie. „Und das aus diesem Grund, weil ich ja auch in Zukunft im Sattel des Pferdes von ihm erwarte, gerade zu stoppen, ohne zu wenden. Auch wenn du dein Pferd in der Halter-Klasse startest, ist es dein Bestreben, das Pferd zu stoppen, ohne dass es seinen Hintern nach außen wendet.“ Wenn Simmons die jungen Pferde frei longiert, lässt sie sie nach außen die Richtung wechseln. Sie ist sich ihrer Körpersprache bewusst und fordert ruhig einen Richtungswechsel. „Ich wechsle die Peitsche in die andere Hand, wenn ich die Richtung des Pferdes ändern möchte“, sagt Simons. „Normalerweise rennen die jungen Pferde nach dem ersten Richtungswechsel sehr schnell. Die schwierigste Aufgabe ist, einem jungen Pferd beizubringen, vom Schritt aus die Richtung zu wechseln und danach weiter im Schritt zu gehen. Außerdem sollte man vermeiden, dass das Pferd abrupt wendet, ohne vorher korrekt zu stoppen. Denn dies ist für die Knochen eines Jungpferdes absolut nicht ratsam. Manchmal muss dich auf das Jungpferd zugehen, an sein Halfter greifen und ihm zeigen, was ich bei der Wendung von ihm erwarte und führe es dann ruhig durch die Wendung.“ Wenn sie die Trainingseinheit beendet, geht sie ruhig auf das Pferd zu und streichelt es am Hals, um ihm zu zeigen, dass es seinen Job gut gemacht hat. „Ich nehme dabei die Longierpeitsche in meine linke Hand und halt sie senkrecht als Zeichen, dass die Einheit zu Ende ist“, sagt sie. Simmons betont, auf die Kondition des Pferdes zu achten und nur dementsprechend die Dauer des Trainings nur schrittweise zu verlängern. „Ich bin konservativer als so manch andere Leute“, sagt Simons. „Ich arbeite meine Jungpferde nicht zu hart und bereite sie langsam auf ihre Zukunft als Turnierpferd vor.“ Die Wetterlage kann den Trainingsplan auch beeinflussen. Die Sommerhitze in Arizona lässt sie oft längere Trainingspausen einlegen. „Letztes Jahr war die Hitze so groß“, erinnert sie sich. „Ich wollte meine Jungpferde nicht der großen Hitze aussetzen. Da sie nicht für den Start in der Futurity im Herbst vorgesehen waren, war ein Training in den Monaten Juni, Juli und August nicht unbedingt nötig.“
Bild 5: Zu Beginn verlange ich nur einige Runden im Galopp. Achte darauf, dass dein Pferd im richtigen Galopp läuft und übe dies in beide Richtungen, damit die Muskulatur deines Pferdes gleichmäßig trainiert wird.
Bild 6: Während der Roundpen-Arbeit solltest du deinen Körper immer in Schulterhöhe des Pferdes positionieren. Willst du das Pferd stoppen, solltest du dich Richtung Kopf des Pferdes bewegen, was seine Vorwärtsbewegung unterbricht.
5. Vorwärts –
leicht und geschmeidig
Achte darauf, dass sich das Jungpferd mit gutem Rhythmus und guter Kadenz in allen 3 Gangarten bewegt. Durch das Longieren kannst du die natürlichen Bewegungen des Pferdes besser beobachten. „Das Pferd sollte von Natur aus mit tief genommenen Kopf laufen“, sagt Simmons. „Die Neigung der Schultern und Fesseln zeigt dir, ob ein Pferd die Fähigkeit hat den Hals lang zu machen und tief zu nehmen.“ Sie betont, dass ein korrektes Roundpen-Training die Bewegungen des Pferdes verbessern kann, was auch dazu führt, dass sich das Pferd später auch unter dem Sattel entsprechend besser bewegt. „Egal ob englisch- oder westernmäßig geritten, ein Pferd sollte Antrieb von der Hinterhand her zeigen und sich im Tempo setzen können, um sich zu versammeln. Bei einem Pferd, das später in der englischen Reitweise geritten werden soll, verlange ich mehr Antrieb von der Hinterhand.“ Simmons erklärt, dass die Bewegung des Pferdes im Roundpen bereits sehr viel über seine zukünftige Laufbahn als Turnierpferd aussagen kann. Bei ihrem Buckskin Overo Jährling „Fixation“ erwartet sie sich in Zukunft geschmeidige Gangarten – auch später unter dem Sattel. „Dieses junge Pferd trägt sich bereits selbst, wenn es sich bewegt. Daher kann man auch annehmen, dass es später unter dem Sattel auch sehr gut zu reiten sein wird.“
Bild 7: Beim freien Longieren lernt Simmons ihren Pferden, langsam Richtung Einzäunung zu wenden. Sie verlangt niemals eine Wendung, solange das Pferd noch in Bewegung ist, da dies die Knochen des jungen Pferdes schädigen könnte.
Bild 8: Die Arbeit im Roundpen kann viele nützliche Informationen über das junge Pferd geben, wie über die Qualität der Bewegungen und eine eventuell passende Disziplin für die Zukunft.
Nachdem das Jungpferd den Trab, Stopp und den Richtungswechsel erlernt hat, bringt ihm Simmons das Galoppieren im Roundpen bei. Zu Beginn lässt die das Pferd dann einige Runden galoppieren. „Das Wichtigste ist, dass das Pferd im richtigen Galopp läuft und nicht im Kreuzgalopp“, sagt Simmons. „Schicke ich dem Pferd ein ‚Bussi‘ und motiviere es, zu galoppieren, nehme ich die Peitsche hoch, um das Tempo im Galopp zu erhöhen. Sobald das Pferd angaloppiert, lobe ich es mit Stimme. Ist es im richtigen Galopp, dann versuche ich, das Pferd zu einigen Runden Galopp zu motivieren, bis ich es wieder in den Trab zurück nehme.“ Möglicherweise galoppiert das junge Pferd nicht perfekt. Simmons bestärkt die Pferdebesitzer, geduldig und ausdauernd zu bleiben. „Ich setze einen schroffen Tonfall ein, wenn das Pferd in den falschen Galopp einspringt, um das Pferd wieder in den Trab zurück zu holen und fordere es dann erneut zum Galopp auf“, sagt sie. „Manchmal kann es passieren, dass du dies einige Male versuchen musst, bis das Pferd in den korrekten Galopp einspringt. In diesem Fall muss man konsequent bleiben, um mit einem positiven Erlebnis zu enden. Pferde sind wie Menschen – sie haben eine gute Seite und werden auf dieser eher besser galoppieren, als in die andere Richtung. Man sollte jedoch in beide Richtungen trainieren, damit das Pferd in Zukunft auch leicht in beide Richtungen einspringt. Das Pferd sollte sich in beiden Richtungen wohl fühlen können, dadurch hast du zukünftig auch ein besseres Turnierpferd.“ Das Longieren ohne Longe hat noch einen weiteren Vorteil: „Ich überlasse es dem Pferd, zu entdecken, wie es sich am Besten selbst tragen kann“, sagt Simmons. „Im Laufe des Trainings wird das Pferd seinen Kopf tiefer nehmen, sich entspannen und sich gut fühlen. Es soll sich an die Bewegung gewöhnen, damit es dann nicht an der Longe zerrt, wenn ich es später mit Longierleine laufen lasse. Ich möchte, dass die Pferde ihren Kopf in natürlicher Haltung tragen und von mir nicht immer mit der Longe daran erinnert werden muss, was ich von ihm erwarte.“ Nachdem ein Pferd die Grundlagen des freien Longierens erlernt hat, setzt Simmons die Longe ein, um die Hilfen zu verfeinern. Eine Änderung im Training ist nun, dass das Pferd die Richtung wechselt, indem es in Richtung des Mittelpunktes des Longierzirkels abwendet. „Das Jungpferd weiß bereits, dass ‚Reverse‘ das Ändern der Richtung bedeutet“, sagt sie. „Und wieder achte ich darauf, dass ich mit der Longe nicht am Halfter zerre.“ Simmons empfiehlt, bei den meisten Pferden auf keinen Fall eine Longe mit Kette anzuwenden. „Ich wende die Kette nur an, wenn es absolut notwendig ist und das Jungpferd überhaupt nicht reagiert. Wenn du nicht musst, dann setze sie auch nicht ein!“ Sie hat die Erfahrung gemacht, dass das Roundpen-Training ein wertvolles Instrument ist, um das Jungpferd auf das Anreiten und auf seine Laufbahn als Reitpferd vorzubereiten. „Die Pferde kennen Stimmhilfen wie ‚Bussi‘, Zunge schnalzen und wie sie den Kopf tragen sollen“, sagt Simmons. „Wenn du aufsteigst, sind sie gut vorbereitet und vertrauen dir.“
Bild 9: Mit der Peitsche in senkrechter Position und einer liebevollen Streicheleinheit näher sich Simmons dem Pferd und lobt „Fixation“ für die gute Arbeit.
Sicherheit voran
Sicherheit ist immer wichtig, wenn man mit Pferden arbeitet und sollte ganz besonders beachtet werden, wenn man mit jungen Pferden in einer eingezäunten Umgebung arbeitet, erklärt Simmons. „Wenn du mit einem Pferd im Roundpen arbeitest, dann solltest du sehr aufmerksam sein“, sagt sie. „Sicherheit für Mensch und Pferd ist wichtig. Wende dem Pferd niemals den Rücken zu, wenn du mit ihm arbeitest. Beobachte seine Bewegungen und Körpersprache. Geht das Pferd nicht vorwärts, setze die Longierpeitsche ein und halte entsprechenden Abstand, falls es in deine Richtung ausschlägt.“ Sie erinnert sich an ein Pferd, das auf außergewöhnliche Art und Weise „flüchten“ wollte. „Als ich dieses Pferd das erste Mal im Roundpen arbeitete, forderte ich es auf nach rechts zu gehen und das Pferd legte sich einfach auf den Boden“, sagt Simmons. „Das Pferd wollte nur gegen den Uhrzeigersinn laufen und lehnte es ab, in die andere Richtung zu gehen. Es wurde wütend und warf sich auf den Boden und blieb liegen. Es war eine Herausforderung, doch schließlich lief es in beide Richtungen.“
Über Jean Simmons
Jean Simmons aus Phoenix, Arizona, ist Trainerin auf der Rockin J Bar S Ranch in Desert Hills (Arizona), die sie auch besitzt. Die Rockin J Bar S Ranch ist auch in der Zucht tätig. Bereits im Alter von 6 Jahren startete sie bei Turnieren. Heute trainiert, startet und züchtet sie Quarter Horses. Nach der Teilnahme an einer Paint Show vor 25 Jahren, entdeckte sie ihre Liebe zu Paint Horses und konzentrierte sich auf deren Zucht. „Die Zucht von Paint Horses ist meine Leidenschaft“, sagt sie. „Und im Laufe der Jahre habe ich einige wundervolle Stuten und Hengste trainiert und gestartet, die ich auch selbst gezüchtet habe. Mein Lieblingshengst war Sonny Bar Dee, ein APHA Champion mit Titeln in der Halter und Hunter under Saddle Klasse, der auch einen Versatility Titel errungen hatte. Ich verdanke ‚Sonny‘ sehr viel, was meinen Erfolg in der Paint Horse Zucht betrifft. Seine Legende lebt ihn seiner Nachzucht weiter.“ Derzeit stehen auf der Ranch die Hengste „Wild Stampede“, „Wild Temptation“, „Deuces Reflection“ und „High Infinidee“ im Zuchteinsatz. Das Model für diesen Artikel ist „Fixation“, ein 2009 geborener buckskin overo Junghengst, der in Besitz von Simmons ist und auch von ihr gezüchtet wurde.