Text:
Romana Kerner
mit Respekt für
Jumping
Chex
Flash
Ich habe gehört, dass viele von euch Menschen Black Beauty und sein
Leben kennen. Ich habe auch gehört, dass Black Beauty ein englisches Reitpferd
war, schwarz wie die Nacht und ganz und gar britisch. Ich bin ganz anders – weiß
wie Schnee, ein cooles Westernpferd mit amerikanischer Abstammung und
indianischen Wurzeln. Und ich hab mir in meinen Appaloosa-Kopf gesetzt, ein
wenig aus meinem Leben zu erzählen – wo doch die Cowboys in Europa nach und nach
Einzug halten und wir Westernpferde immer beliebter werden.
Ich hab ja schon viel gesehen und erlebt in meinem Appaloosa-Leben:
das 6-äugige Monster und die Flugungeheuer, die fahrende Höhle, das eigenartige
Rodeo-Reiten meiner Menschin, Eisbälle und Räuber und, und, und... Auch eine
ganze Menge von dieser Menschen-Sorte hab ich getroffen, aber das, was ich euch
heute berichten werde, ist was ganz Besonderes. So etwas ist mir noch nie
passiert! Lest und freut euch mit mir:
Eines Tages – es war schon dunkel und ich war bereits von meiner
kleinen Prärie zurück – da tauchte meine Menschin auf. Sie begrüßte mich
überschwänglich, lachte mich an und streichelte mich. Ich schnaubte, weil ich
spürte, dass irgendetwas anders war, stellte mich aber trotzdem artig zu meinem
Futtertrog, um geduldig auf meinen Begrüßungsapfel zu warten. Doch der kam
nicht. Stattdessen entdeckte ich sie… eine kleine Menschin mit wunderschönen
langen, braunen Haaren. Sie hatte sich so halb hinter meiner Menschin versteckt
und starrte mich mit großen Augen an. Und ich, ja ich hab auch ganz große und
liebe Augen zurück gemacht, denn irgendwie hab ich sie gleich vom ersten Moment
an gemocht – dieses süße, kleine Menschen-Exemplar. Um sie noch besser sehen zu
können, streckte ich meinen Kopf beim Boxenfenster hinaus und versuchte, sie mit
meiner Schnauze zu erreichen. Aber sie versteckte sich noch mehr hinter meiner
Menschin. Erst nach ein paar sanften Worten kam sie wieder hervor und näherte
sich mir mit ganz kleinen Schritten. Zögerlich streckte sie einen Arm aus und
hielt mir ein riesengroßes
Stück hartes Brot vor die Nase. Vorsichtig hab ich᾽s dann aus ihrer Hand
genommen – musste ich ihr doch zeigen, dass ich ein ganz ein Lieber bin!
Genüsslich kaute ich am harten Brot und merkte, dass sie ein bisschen lächelte.
Das Eis zwischen uns hatte also schon zu schmelzen begonnen! Eh klar, bei so
einem Super-Appaloosa wie ich einer bin! Mir kann man eben nicht lange
widerstehen!
Ich durfte dann aus der Box heraus und wurde von beiden – der Großen
und der Kleinen – zum Putzplatz geführt. Die Kleine öffnete mir jede Türe und
schob sie hinter mir wieder zu. Sie hing an jedem Wort, das meine Menschin
sagte. Die Große erzählte zuerst von den Westernpferden und vom Wilden Westen.
Später erklärte sie der Kleinen, was man mir Gutes mit den vielen Bürsten
bereiten konnte und dass der Hufkratzer dafür da ist, meine Hufe von
unangenehmen Steinen zu befreien. Und mehrmals zeigte sie ihr, wie man meine
langen, feschen Schweifhaare festhalten muss, wenn sie gebürstet werden. Das
kann nur ein anderer Appaloosa oder Appaloosa-Mensch verstehen! Wir haben eh
schon so wenig Langhaar – da muss man um JEDES Haar kämpfen!
Über eine lange Weile beobachtete mich die Kleine ganz genau, aber
sie kam nicht näher. Sie hielt immer einen gewissen Abstand zu mir. Wenn ich
auch nur einen kleinen Schritt auf sie zumachte, ging sie genau diesen einen
Schritt von mir weg. Ich war schon kurz vorm Aufgeben, da half sie – meine
Menschin. Sachte nahm sie die Kleine an den Schultern, schob sie vor sich her,
bis beide vor mir standen. Dann ging meine Menschin in die Hocke und streckte
mir ihre flache Hand entgegen. Neugierig, wie ich nun einmal bin, senkte ich
meinen Kopf – und war wahnsinnig überrascht, dass nicht nur die Große, sondern
auch die Kleine, über meine Nase streichelte.
Hmmmmm... Ich sag euch: Das war so schön! Irrsinnig gern hätte ich
ein Bussi auf meine rosa Schnauze gehabt, aber das hat sie mir noch nicht
geschenkt. Doch ich bin geduldig! Ich weiß: Irgendwann wird sie sich bei mir so
wohl fühlen, dass sie sich das traut. Und bis dahin... werd ich mich sehr
bemühen, brav zu sein – das Vertrauen bekomm ich... bin ja immerhin ein ganz ein
lieber Appaloosa!
Wie immer neugierig auf eure Zuschriften...
chexi_jumper@hotmail.com