Basiswissen über Bits

 

Text: Randy Paul, geschrieben durch Wendy Lind

Fotos: Kathy Swan

Übersetzung: Sonja Grünauer

 

Als Horseman und Trainer hatte ich immer Interesse an Bits. In den letzten 15 Jahren befasste ich mich viel mit diesem Thema und fertigte auch meine eigenen Bits an. 2006 gewann ich die NRHA Open Futurity mit Taris Designer Genes und ritt auch hier mit einem Bit, das ich selbst hergestellt hatte.

Von meinem Dad, Jim Paul, lernte ich viel über Bits und deren fachgerechte Anfertigung. Er war ein sehr guter Horseman und Bit-Hersteller. Sogar der bekannte Bit-Hersteller Greg Darnall lernte sehr viel von meinem Vater, bevor er sein Geschäft startete. Das Anfertigen von Bits und das Auswählen des geeigneten Bits für ein Pferd ist ein Prozess, der aus Versuchen und Fehlern besteht. Manchmal kaufe ich ein neues Bit und wenn ich es dann bei einem Pferd anwende, stelle ich fest, dass ich es nicht mag. Dann verändere ich es etwas und probiere es erneut aus – solange, bis ich ein gutes Gefühl damit habe und auch das Pferd positiv darauf reagiert. Danach verziere ich es mit Silber-Elementen. – Dann ist es perfekt.

Ich begann mit der Bit-Herstellung als Hobby, doch nun erlaubt es mir, eine neue Dimension als Trainer zu entdecken, da ich mich sehr viel mit der Dynamik und der Funktion der verschiedenen Bits befasst habe. In diesem Artikel erkläre ich das Grundwissen über Bits, deren Mechanismus und einige Trainingskonzepte, die ich in meinem Programm anwende.

 

Zu Beginn: das Snaffle Bit

Ich beginne die Arbeit mit meinen Jungpferden mit einem sanften Snaffle mit D-Ringen oder O-Ringen. Normalerweise, wenn ein Pferd ausreichend ausgebildet ist, sich nicht aufs Bit zu legen, wechsle ich zu einem Bit mit einem kleineren Durchmesser oder wenn nötig auf ein Twisted-Wire-Mundstück. Die meisten meiner Bits haben einen Durchmesser von einem 2 cm. Es hängt vom Pferd ab, aber die meisten Bits sind sanfte Twist-Wire-Bits, obwohl ich zeitweise auch Square-Twist-Snaffles verwende.

 

 

Bild 1: Das Auswählen des richtigen Bits für ein Pferd ist ausschlaggebend für einen guten Ritt. Dieses Slim Jim Bit wurde von Randy Paul hergestellt und ist das Bit, das er verwendete, als er 2006 die NRHA Futurity mit Taris Designer Genes ritt.

 

 

Umsteigen auf ein Bit

Ich reite all meine 2-jährigen mit einem Snaffle und lerne ihnen die Grundlagen. Ich steige nicht zu schnell auf ein Bit mit Shanks um, doch ich warte nicht zu lange damit. Bei manchen Pferden geht es schneller als bei anderen. – Meist wechsle ich kurz vor dem Winter auf das andere Bit. Normalerweise rechne ich ein Jahr, bis ein Pferd solide ausgebildet ist. Während des Wechsels von einem Snaffle auf ein Bit mit Shanks, reite ich anfangs beidhändig und arbeite langsam weiter, bis ich es auch einhändig lenken kann. Normalerweise ist ein Pferd dann im Juli des Jahres, in dem es drei Jahre alt wird, soweit, dass es einhändig mit einem Bridle bei einer Show gestartet werden kann.

Beim Umstellen auf ein Bit mit Shanks beginne ich meistens mit einem kurzschenkeligen Bit, wie einem Tom Thumb Correctional Bit mit einem doppelt gebrochenen Mundstück. Mittlerweile habe ich eine große Sammlung an Bits, die ich einsetze – um die 50 Stück. Zu Beginn des dritten Lebensjahres weiß ich bereits, mit welchem Bit ich später das Pferd bei Turnieren starten werde. Im Laufe seiner Turnierkarriere verwende ich dann verschiedene Bits. Ich wechsle diese immer wieder, auch wenn ich denke, dass das Pferd mit einem Bit gut zurechtkommt. Zeitweise verwende ich eine Woche lang ein Bit von Billy Klapper, danach für einige Tage ein Korrektur-Bit von Tom Balding. Danach reite ich das Pferd einige Tage wieder mit einem Snaffle Bit.

Ich wechsle die Bits deshalb, weil Pferde sich zu sehr an ein Bit gewöhnen. Ich wechsle das Bit, bevor sie eventuell nicht mehr gut darauf reagieren. Ich wechsle auch mit meinen 5 bis 6-jährigen Pferden gerne wieder einmal auf das Snaffle Bit. Dies ist wichtig für die Auffrischung der Grundausbildung. Ich vergewissere mich, dass sich mein Pferd auch jetzt gut biegen lässt und dass seine Kopfhaltung bei jedem Manöver in korrekter Position ist.

 

 

Bild 2 + 3: Links: D-Ring Snaffle mit einem mittelmäßig dicken, einfach gebrochenen Mundstück. Rechts: O-Ring Snaffle mit einem einfach gebrochenen Twist-and-Wire Mundstück.

Bild 4 + 5: Links: Der Bit-Hobble hilft, damit das Snaffle nicht seitlich durch das Pferdemaul gezogen werden kann. Dies ist ein O-Ring Bit mit einem mittelgroßen Mundstück. Rechts: ein typisches Korrekturbit mit einem schwenkbaren Mundstück.

Bild 6 + 7: Links: ein mittelgroßes Mundstück mit schwenkbaren Teilen und beweglichen Seitenteilen. Rechts: Bit mit Shanks, einfach gebrochen.

Bild 8: Bit mit Shanks mit niedriger Wölbung und festen Seitenteilen.

 

 

Mechanismus der Bits

Es ist hilfreich, wenn man versteht, wie ein Bit funktioniert und warum manche Bits bei manchen Pferden so gut funktionieren. Im Allgemeinen gibt es Bits mit festen Mundstücken und unbeweglichen Seitenteilen, wie das Klapper Bit oder das Slim Jim Bit. Manche Bits haben ganze Mundstücke, jedoch bewegliche Seitenteile. Und dann gibt es noch Bits, die sowohl an den Seitenteilen, als auch am Mundstück beweglich sind, so wie z.B. Korrekturbits.

Jedes Pferd ist unterschiedlich, doch ich finde, dass bei einem steifen Pferd ein Bit, das mehr Bewegung hat, am besten funktioniert. Hier wende ich oft ein Korrekturbit an, wie z.B. das Aluminium Cowboy Tack Bit oder das Balding Korrekturbit.  Bei Pferden, die sich besonders im Kopf- und Halsbereich steif machen, wende ich gerne das Snaffle Bit an, um sie etwas weicher zu machen, bevor ich wieder ein Bit mit Shanks anwende. Wenn man nämlich in diesem Fall ein schärferes Bit verwendet, machst man das Problem nur schlimmer, da das Bit dem Pferd weh tut und das Pferd mit vermehrter Steifheit reagieren wird. Das ist ein Teufelskreis. Gehe in diesem Fall wieder einen Schritt zurück und arbeite das Pferd mit einem Snaffle Bit, um es wieder weicher zu machen und diesen Teufelskreis zu beenden.

Für ein Pferd, das entspannt im Gesicht und am Hals ist, bevorzuge ich ein steifes Bit, das keinerlei bewegliche Teile hat, damit es nichts hat „womit es sich spielen kann“.

Um das beste Bit für ein Pferd zu finden, müssen alle drei Faktoren gleichmäßig beachtet werden: das Pferd, das Bit und die Person, die das Pferd reitet. Oft ist es so, wenn Probleme auftreten, dass dies weniger am Bit, sondern eher am Reiter liegt. Bei der Auswahl der Länge der Shanks ist zu beachten, welche Handhaltung der Reiter hat. Stell dir dies etwa so vor: Die Stange eines Bits ist vergleichbar mit dem Mittelpunkt eines Rades, das sich nicht bewegt. Es schwenkt nur ein wenig, und aufgrund der Stange im Maul des Pferdes sollte man das Bit nicht zu hart annehmen. Dort wo das Kopfstück ins Bit übergeht und dort wo die Zügel am Bit angebracht sind, ist sozusagen der Rand des Rades, dessen Bereich sich doppelt so schnell bewegt wie der Mittelpunkt. Also hat ein Bit mit langen Shanks oberhalb und unterhalb des Mundstücks eine sehr starke Hebelwirkung und reagiert daher sehr schnell im Maul des Pferdes. Daher ist solch ein Bit für einen Reiter mit unruhigen Händen weniger gut geeignet. Ein Bit mit kürzeren Shanks reagiert etwas langsamer beim Pferd. Das Pferd hat mehr Zeit, um auf die Hilfe, die es mittels Bit bekommt, zu reagieren – bevor die Kinnkette Kontakt zur Unterseite des Pferdemauls hat.

Curb Chains

Wenn es zur Auswahl des Curb Chains kommt, bevorzuge ich eher weitere Ketten. Bei jungen Pferden wende ich flache Ketten an, da diese nicht zu scharf sind. Die Kette ist eher lose angebracht, was dem Bit erlaubt, zuerst Einwirkung auf das Pferdemaul zu haben, bevor die Kette wirkt. Bei O-Ring Snaffles verwende ich Lederriemen. Diese wirken nicht wie ein Kinn-Riemen, sie werden nur aus Sicherheitsgründen am Snaffle angebracht. Wenn man zu viel an den Zügeln zerrt, kann es passieren, dass das Snaffle Bit durch das Maul des Pferdes gezogen wird. Der daran angebrachte Lederriemen verhindert dies. Beachte, dass du bei einem Ring-Snaffle den Lederriemen immer zwischen Bit und Zügeln anbringst, damit die Zügeleinwirkung durch den Lederriemen nicht beeinträchtigt wird.

Korrekte Anpassung des Bits

Die Funktionalität eines Bits hängt von seiner guten Anpassung ab. Bei einem Ring-Snaffle stelle ich das Kopfstück normalerweise so ein, dass das Snaffle gut die Maulecken des Pferdes berührt bzw. ein klein wenig tiefer. Ich stelle es deshalb so ein, weil ich möchte, dass das Pferd das Snaffle gut annimmt und auch hält. Ist das Snaffle zu knapp an den Maulwinkeln, kannst du den Druck mit den Zügeln nicht nachlassen. Liegt das Snaffle eher lose im Maul, kann man mit den Zügeln besser Signale an das Pferdemaul geben. Das Pferd spürt einen größeren Unterschied zwischen Druckgeben und Drucknachlassen. Ein Bit mit Shanks stelle ich so ein, dass es gerade noch die Maulwinkel des Pferdes berührt. Ich möchte es nicht zu eng machen, dass man Falten in den Maulwinkeln sehen kann.

 

 

Bild 9 links: Ein Bit sollte dem Pferd angenehm im Maul liegen und an der Seite des Pferdemauls nicht drücken.

Bild 10 rechts: Dieses Bit ist zu eng eingestellt. Beachte die Falten am Maulwinkel des Pferdes.

 

 

Das Maul aufreißen

Bezüglich eines Bits ist es eines der größten Probleme, wenn das Pferd sein Maul aufreißt. Eine typische Reaktion auf unangenehmen Druck des Bits. Daher sollte man ein wenig experimentieren. Einige Mundstücke, wie gerade Stangen oder Stangen mit leichter Wölbung, arbeiten mit wenig Druck auf die Zunge. Ein mittleres oder stark gewölbtes Mundstück arbeitet mit Druck auf die Seitenteile und das Pferdemaul. Das einzige Bit, das sowohl Druck auf Zunge als auch auf Seitenteile ausübt, sind jene mit einer leichten Wölbung. Manche Pferde öffnen ihr Maul wegen des Drucks auf die Zunge und weniger wegen des Drucks auf die Seitenteile oder umgekehrt. Manche Pferde reagieren mit dem Aufreißen des Mauls, wenn sie ein Bit mit gerader Stange im Maul haben als ein Bit mit einer mittleren oder starken Wölbung. Bei anderen Pferden ist es wieder umgekehrt. Daher sollte man – wie gesagt – einiges bei seinem Pferd ausprobieren, um jenes Bit zu finden, mit dem Pferd und Reiter am besten klar kommen. Manche Pferde gewöhnen sich leider das Maulaufreißen nicht mehr so leicht ab, daher arbeite ich dann zeitweise mit einem Nasenband. Es sollte allerdings nicht zu eng geschnallt werden, damit es einen Spielraum hat, sein Maul ein wenig zu öffnen. Generell reite ich solche Pferde einige Zeit mit und einige Zeit ohne Nasenband.

Das Zaumzeug korrekt abnehmen

Ein Pferd kann verängstigt reagieren und seinen Kopf hochnehmen, wenn man das Bit nicht vorsichtig aus seinem Maul nimmt. Das Bit kann dabei an den Zähnen anschlagen; dies ist ihm unangenehm. Je öfter dies passiert, desto mehr Angst hat das Pferd. Ganz schnell hat man dann eine schlechte Angewohnheit beim Pferd hervorgerufen. Das korrekte Abzäumen erfolgt, indem du die Handfläche deiner linken Hand unter das Genickstück des Zaumes legst und das Kopfstück sanft nach vorne über die Ohren des Pferdes hebst. Mit der zweiten Hand nimmst du vorsichtig das Bit aus dem Maul des Pferdes, während die andere Hand auf der Nase des Pferdes liegen bleibt. Warte, bis das Pferd das Maul öffnet, damit das Mundstück aus dem Maul gleiten kann. Durch die auf seiner Nase liegende Hand kannst du vermeiden, dass das Pferd dabei den Kopf hochreißt und dadurch ein negatives Erlebnis hat.

 

 

Bild 11: Nimm das Zaumzeug vorsichtig vom Kopf des Pferdes, damit das Mundstück nicht an die Zähne des Pferdes anschlägt. Mit der linken Hand nimmst du das Kopfstück über die Ohren des Pferdes. Warte, bis das Pferd sein Maul öffnet und das Bit freigibt.

 

 

Über Randy Paul

Der NRHA Profireiter Randy Paul ist ein oftmaliger Gewinner seit mehreren Jahrzehnten. Mit über 872.000 Dollar an NRHA-Preisgeldern hat Randy viele wichtige Reining und Cow Horse Events gewonnen. Im Jahr 2006 gewann er den wichtigsten Titel, als er die NRHA Open Futurity Championship mit der Rancho Oso Rio-Stute Tans Designer Genes gewann und damit eine Siegerprämie von 125.000 Dollar bekam. Er gewann auch die National Reined Cow Horse Association Limited Open Futurity, die Rocky Mountain Reining Horse Association Summer Slide Open Futurity und das Derby und brachte mindestens ein oder zwei Pferde ins Finale bei wichtigen Veranstaltungen wie dem National Reining Breeders Classic (NRBC).

Paul lebt in Scottsdale (Arizona), wo er auf der Ranch von Jim und Pat Waren (Rancho Oso Rio) arbeitet. Seine Frau Andi und seine Tochter Lindsay sind ebenfalls erfolgreiche Reining-Reiterinnen. Durch das Training bei ihrem Ehemann konnte Andi im Jahr 2007 die NRBC Intermediate Non Pro Classics in Katy (Texas) gewinnen.