Das Anreiten eines Jungpferdes

 

Mache das erstmalige Reiten deines jungen Pferdes für euch beide zu einem Erfolgserlebnis, indem du die nachstehend erklärte Schritt-für-Schritt-Methode anwendest

 

Text: Cleve Wells mit Sue M. Copeland, Fotos: Darrell Dodds, Übersetzung: Sonja Grünauer

 

Bild 1: Wende meine schrittweise Anleitung an, damit der erste Ritt auf deinem jungen Pferd für Euch beide erfolgreich wird und entsprechendes Vertrauen und Sicherheit gewährleistet sind. Im Laufe der folgenden Trainingseinheiten wirst du zuerst Schritt, dann Trab und danach Galopp reiten, wie ich es hier mit dieser 2-jährigen Stute zeige. Ihr vertrauensvoller und entspannter Ausdruck ist ein Ergebnis einer soliden Grundausbildung durch die vorhergehenden Trainingseinheiten.

 

Bist du bereit für den ersten Ritt? Wenn du die schrittweise Anleitung der vorhergehenden Übungen befolgt hast, dann sind du und dein Pferd wahrscheinlich so weit. Dank der Langzügel-Übungen aus der letzten Folge dieser Serie solltest du bereits entsprechend Kontrolle über dein Pferd haben und es kennt bereits die Kommandos „go“, „whoa“ und lässt sich mit den Zügeln lenken. All dies brauchst du auch, wenn du das erste Mal in den Sattel steigst. (Ist dein Pferd in diesen Lektionen noch nicht sicher genug, dann solltest du noch darauf verzichten, aufzusitzen – solange, bis dein Pferd die Lektionen sicher beherrscht.)

 

Wende diese Richtlinien an, damit diese Lektion erfolgreich wird:

·         Du solltest einen Helfer dabei haben, der dir assistieren kann. Zuerst kann er dein Pferd führen, wenn du das erste Mal auf dem Jungpferd im Sattel sitzt. Dies erhöht den Sicherheitsfaktor – oder es sollte jemand in der Nähe sein, wenn du das Pferd das erste Mal einreitest.

·         Bevor du aufsteigst, solltest du das Pferd einmal ablongieren, denn ein zu „frisches“ Pferd kann sich nicht so leicht entspannen wie ein bereits gearbeitetes Pferd.

·         Wende die Schritte wie das „Aussacken“, das Satteln und die Langzügelarbeit an, bevor du in den Sattel steigst. Das fördert das Vertrauen, da dein  Pferd diese Lektionen bereits kennt. Wende diese Schritte immer vor dem Reiten des Jungpferdes an, solange bis du sicher bist, dass dein Pferd genug Vertrauen zu dir hat, wenn du es reitest.

·         Arbeite in einem kleinen eingezäunten Bereich mit guten Bodenverhältnissen, wie z.B. ein Roundpen. Die Einzäunung hilft dir dabei, dass dein Pferd sich besser auf sich konzentrieren kann und verhindert das Durchgehen des Pferdes, falls es scheuen sollte.

 

Was benötigt man:

Dein Pferd sollte mit Sattel und Sidepull oder Snafflebit-Zäumung ausgerüstet sein. Ein Helfer sollte vor Ort sein.

 

1.Desensibilisiere dein Pferd für die Situation, das Gefühl und die Geräusche, womit das Pferd bei erstmaligen Aufsteigen eines Reiters konfrontiert wird. Stehe außerhalb der Schlagzone, halte den linken Zügel in der Hand, damit du das Pferd unter Kontrolle hältst. Gib ihm das Kommando „Whoa“ und zerre am linken Steigbügel, klopfe mit dem Bügel an den seitlichen Bauch des Pferdes, hänge ihn dann über den Sattel und wiederhole diese Übungen dann auch mit dem anderen Steigbügel. Mein Jungpferd nimmt seinen Kopf in die Höhe (siehe Bild Nr. 1) und verspannt sich und zeigt mir, dass es sich unwohl dabei fühlt. Das ist okay. Wenn dein Pferd ähnliche Reaktionen zeigt, dann mache mit den Berührungen mit dem Steigbügel am seitlichen Pferdebauch für einige Minuten weiter und gehe danach zur Langzügelarbeit über. Wiederhole diese Schritte solange, bis dein Pferd beim Anklopfen der Steigbügel ruhig und entspannt stehen bleibt. Dies kann einen Tag, 5 Tage oder auch länger dauern. Nur wenn es entspannt stehen bleibt, wenn die Steigbügel seitlich seinen Bauch berühren, kannst du zum nächsten Schritt weitergehen.

2.Nun überprüfst du die Reaktion deines Pferdes, wenn man Gewicht auf den linken Steigbügel bringt. Halte beide Zügel in der linken Hand und nehme dabei den linken Zügel etwas kürzer, damit der Kopf des Pferdes etwas mehr zu dir gewendet wird. So kann es sehen, was du tust und du hast auch entsprechend bessere Kontrolle, wenn es einen Schritt zur Seite macht. Greife mit deiner rechten Hand auf das Sattelhorn (Beachte: vermeide es, mit der rechten Hand auf das Cantle des Sattels zu greifen, denn damit kann man den Sattel eher verrutschen und außerdem bist du dann mit deiner Körperposition zu weit hinten und könntest damit in den Bereich kommen, wo du mit den Hinterhufen des Pferdes eher getroffen werden kannst.) Gebe deinem Pferd das Kommando „Whoa“ und setze deinen linken Fuß in den linken Steigbügel, während dein rechter Fuß fest am Boden bleibt. Achte darauf, mit deinem Stiefel nicht zu weit in den Steigbügel zu rutschen, damit du den Fuß auch schnell wieder zurück auf den Boden stellen kannst, sollte das Pferd unruhig werden. Prüfe die Reaktion deines Pferdes: Bleibt es ruhig und gelassen, wie mein Jungpferd auf  Foto Nr. 2? Dann ist das großartig und du kannst zu Schritt 3 weitergehen. Verspannt sich dein Pferd oder versucht es, wegzugehen, dann stelle deinen linken Fuß wieder auf den Boden und warte, bis sich dein Pferd wieder beruhigt hat und ruhig stehen bleibt.

3.Akzeptiert dein Pferd deinen linken Fuß und das entsprechende Gewicht im linken Steigbügel, beginne dich langsam in den Sattel hoch zu ziehen. (Ein Helfer sollte in dieser Situation beim Kopf des Pferdes stehen und dieses halten, damit entsprechende Sicherheit für Pferd und Reiter gegeben ist.) Achte auf den Ausdruck des Pferdes, damit du eventuelle Reaktionen vorhersehen kannst. Steige wie in Punkt 2 mit dem linken Fuß in den linken Steigbügel, stoße dich mit dem rechten Fuß vom Boden ab und bleibe dann seitlich am Pferd hängend in dieser Position, damit es sich an dein Gewicht gewöhnen kann (siehe Foto 3). Lobe dein Pferd mit Stimme und steige wieder ab. Wiederhole diese Übung solange, bis dein Pferd dabei entspannt und ruhig stehen bleibt. Sollte der Sattel bei dieser Übung seitlich verrutschen, bringe ihn wieder in die richtige Position, um das Pferd nicht zu verschrecken, wenn du dann richtig im Sattel einsitzt.

4.Ist dein Pferd einmal mit den Schritten 1 bis 3 gut vertraut, dann kannst du versuchen, richtig aufzusitzen. Von der Position in Punkt 3 aus, schwingst du langsam dein rechtes Bein über den Rücken des Pferdes. Achte dabei darauf, dass dein rechtes Bein dabei weder Rücken noch Hüften des Pferdes berühren, denn dies könnte dein Jungpferd erschrecken. Vermeide schnelle Bewegungen, denn auch dies könnte das Pferd verunsichern: du bist jetzt in einer gefährlichen Position, da du ja nicht so schnell im Sattel landen kannst.

5.Wenn dein rechtes Bein den rechten Steigbügel erreicht hat, achte sofort wieder auf das Gesicht deines Pferd. Es kann durchaus verunsichert sein, denn dies ist ein völlig neues Gefühl für dein Jungpferd. Nimmt dein Pferd den Kopf hoch, hat es ein unruhiges Ohrenspiel, ist es zappelig und unruhig? Bist du angespannt? Wenn du nur eine dieser Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, streichle dein Pferd kurz am Hals und steige langsam und vorsichtig wieder ab. (Es kann sein, dass sich dein Pferd zu drehen beginnt, während zu absteigst, was eine völlig normale Reaktion ist, da es diese Bewegungen auf seinem Rücken und an seiner Seite ja noch nicht kennt. Bestrafe dein Pferd nicht dafür – diese Reaktion wird sich im Laufe der Auf- und Absteigeübungen von selbst geben.) Führe dein Pferd für einige Minuten herum und wiederhole die Schritte 1 bis 5 solange, bis ihr euch beide sicherer fühlt …

6…Sitzt du wieder in den Sattel ein, nehme den Kopf deines Pferdes nach links, damit es dich sehen und riechen kann und sollte das Pferd in diesem Moment loslaufen wollen, hast du gleichzeitig entsprechende Kontrolle. Hier kannst du deinen ersten Reitversuch des Jungpferdes beenden und diesen auch als Erfolg sehen. Ist dein Pferd in dieser Situation ganz besonders ruhig, kannst du vorsichtig mit der Zunge schnalzen und es motivieren, einige Schritte zu gehen und dabei gleichzeitig sanft mit deinen Beinen am Pferdebauch anzudrücken, um deine Hilfen zu bekräftigen.

7.Lasse etwas mit dem Zügeldruck nach, um dein Pferd zur Vorwärtsbewegung zu motivieren. Setze den linken Zügel ein, um dein Pferd für einige Schritte leicht nach links zu lenken …

8…dann lenke es ein wenig nach rechts und achte darauf, sanft mit den Zügelhilfen umzugehen. Lenke es noch einige Male nach links und nach rechts, danach gebe ihm das Kommando „Whoa“ und steige vorsichtig ab. Binde es für zirka 15 Minuten an, damit es über diese neue Lektion „nachdenken“ kann. Wiederhole diese Lektion in den nächsten zwei oder drei Trainingseinheiten. Wenn dies gut funktioniert, kannst du dazu übergehen vorsichtig anzutraben. In den nächsten Wochen kannst du dazu übergehen, vermehrt Wendungen zu reiten, etwas mehr zu traben oder sogar kurz zu galoppieren, wenn das gegenseitige Vertrauen passt. Nun seid ihr für den nächsten Schritt bereit: die Entwicklung einer entsprechenden Arbeitsmoral. (Fortsetzung in der nächsten Ausgabe).