Mandy McCutcheon
Sie führt die Familientradition fort – jedoch mit ihrem eigenen und persönlichen Stil
Text: Gavin Ehringer
Übersetzung: Sonja Grünauer
Bild 1: Mandy McCutcheon ist eine anerkannte Persönlichkeit im Reiningsport und wurde in die Hall of Fame aufgenommen.
Als Mandy McCutcheon zirka fünf Jahre alt war, waren ihre Eltern Tim und Coleen McQuay viel auf Reisen, um bei Quarter Horse Shows zu starten. Sie waren mit ihren Freunden und Turnierreitern Pat und Chuck Laubersheimer u.a. beim All American Quarter Horse Congress. Pat hatte kurz davor eine nette Quarter Horse-Stute, namens Champ Susie, gekauft, und die vier Erwachsenen beschlossen, dass Mandy diese Stute in den Walk-/Trot-Bewerben starten sollte, wenn sie einmal soweit war. Als die Erwachsenen ihre Pferde für den Turnierstart vorbereiteten, fragte jemand, wo denn Mandy sei. Niemand geriet in Panik, denn sie waren es gewöhnt, dass das Mädchen im Stallgelände umherlief, und die anderen Reiter hatten immer ein Auge auf sie. Doch dann bemerkten sie, dass auch Champ Susie fehlte. Sie entdeckten Mandy, die die Stute mit einem Führseil bereits in Richtung Showarena führte. Schon damals wusste der kleine Blondschopf, was sie wollte.
Die Erste und Einzige
McCutcheon ist die erste und einzige Frau, die die 1-Million-Dollar-Marke an Preisgeldern als Non Pro-Teilnehmerin in NRHA-Bewerben erreichen konnte. 1993 gewann sie das erste Mal die Non Pro-Klasse bei der NRHA Futurity, fünf weitere Non Pro Futurity-Titel folgten, wie auch ihr letzter Sieg im Jahr 2009 auf der Stute West Coast Mizzen. Dieser Sieg brachte sie zusätzlich zu ihren Futurity-Siegen in der Non Pro-Klasse auch in Kontakt mit dem NRHA Hall of Fame-Mitglied Bob Loomis, dessen mittlerweile verstorbener Hengst West Coast Whiz zufälligerweise der Vater von McCutcheons Siegerpferd war. Sie folgte nicht nur Loomis bei der Aufnahme in die Hall of Fame, sondern auch ihrem Vater, Tim McQuay, der im Jahr 2000 aufgenommen wurde. Durch die Aufnahme in die NRHA Hall of Fame hat sie als Non Pro-Reiterin einen der größten Schritte an die Spitze der Reiter bei jedem NRHA Reining Event machen können, wie auch beim NRHA Derby, der NRBC und dem All American Quarter Horse Congress. Sie gewann auch Futurity, Derby und Bewerbe der Altersklassen bei vielen der wichtigsten NRHA-Turniere im ganzen Land.
Wunderkind im Turniersport
In den vielen Artikeln, die über sie geschrieben wurden, wird Mandy als Wunderkind im Turniersport beschrieben. Ihre Eltern erhielten beide Auszeichnungen für ihre Arbeit als Trainer und Turnierreiter. Colleen McQuay ist spezialisiert auf die English Hunter-/Jumper-Klasse und gewann unzählige Titel bei der American Horse Show Association (heute auch United States Equestrian Federation genannt) und errang Siege beim Congress wie auch fünf AQHA World Champion-Titel.
Tim McQuay war ein All Around-Trainer und Rodeo-Turnierreiter, bevor er begann, sich auf die Reining zu spezialisieren. Er wurde einer der führenden Preisgeldgewinner mit einer Summe von mehr als 2 Millionen Dollar als Reiter und 1 Million Dollar als Pferdebesitzer.
Bild 2: Eines der schönsten und unverkennbarsten Lächeln in der Reining Horse-Szene.
Mit dem Vorteil, zwei talentierte Elternteile zu haben, war zu erwarten, dass das junge Mädchen die Spitze der Pferdewelt erobern würde. Doch um dies zu erreichen, musste auch Mandy hart arbeiten. Ihre Eltern drängten sie niemals dazu, bei Turnieren zu starten, und ließen Mandy ihren Weg selbst wählen. „Mandy musste nie motiviert werden, bei einem Turnier an den Start zu gehen“, erzählt Colleen. „Viele Kinder wählen einen anderen Weg. Nicht aber Mandy. Als sie mit ihrem ersten Pony, Hunter, startete, versuchte ich ihr auszureden, bereits zu starten. Ich war nicht sicher, ob sie schon soweit war. Doch sie traf ihre eigene Entscheidung, und die war richtig!“ Niemand hatte je Zweifel, dass Mandy Erfolg haben würde – damals nicht und auch heute nicht.
Bild 3: Mandy gewann die Kategorie Youth 13 & under bei der Super Stakes Show 1988 mit Miss Okie Too (NRHA Hall of Fame 2008). Auf diesem Bild sind außerdem Großvater John McQuay und Tim McQuay.
Bild 4: Solange sie denken kann, wollte Mandy immer reiten.
Bild 5: Mandy als „Fieval“ auf dem Pferd, das sie beim ersten Freestyle Reining-Bewerb beim NRHA Derby in St. Paul (Minnesota) ritt und nochmals beim All American Quarter Horse Congress.
Leben in zwei verschiedenen Welten
Anfangs war sie nicht sicher, welche Ziele sie im Reitsport verfolgen würde. Mandy war beeindruckt von den Erfolgen ihrer Mutter in den Hunter-/Jumper-Disziplinen genauso wie von der Welt der Reining-Pferde, in der ihr Vater erfolgreich war. Sie begann im Alter von sechs Jahren, an Turnieren teilzunehmen. Sie startete sowohl in den Pony-Klassen, als auch bei AQHA Shows in den Klassen Horsemanship und Showmanship.
Zu dieser Zeit wechselte Tim vom All-Around Western Training zum Trainieren der Reining-Disziplin, und die junge Mandy trat bereits frühzeitig in seine Fußstapfen. Sie war gerade zehn Jahre alt, als sie ihr erstes Reining-Pferd bei einem Turnier startete.
Als Mandy 11 Jahre alt war, war sie beim NRHA Derby in St. Paul der absolute Hit in der neuen Reiningklasse – der Freestyle Reining. Die McQuays waren daran beteiligt, das NRHA Derby nach St. Paul (Minnesota) zu bringen, und beschlossen, das Turnier aufzupeppen, indem sie auch eine Kostüm-Reining aufs Programm setzten. „Sie war Fieval, die Maus aus dem Comicfilm ‚An American Tail‘ und ritt zu dem Song ‚Somewhere out there‘ “, erinnert sich Colleen. Mandy wiederholte diese Performance auch beim All American Quarter Horse Congress. Laut Aussage des Hall of Fame-Mitglieds Barb Waltenberry war dieses Video (auf dem auch andere Teilnehmer dieses Bewerbes zu sehen waren) damals eines der am besten verkauften Videos.
In den Jahren danach erreichte Mandy zwei Meistertitel, einerseits in Begleitung ihrer Mutter bei den englischen Springbewerben, anderseits auch an der Seite ihres Vaters in den Reining-Klassen.
Pat Laubersheimer, deren Tochter Mimi gemeinsam mit den McQuays an den Turnieren teilnahm, erzählt, dass Mandy ihre ersten Siege in den Springbewerben feiern konnte. „Ihre Eltern sorgten immer dafür, dass sie gute Pferde reiten konnte“, sagt Pat, die in einem Vorort von Minneapolis lebt – nicht weit von Maple Plains Home, wo die McQuays leben. „Sie war eine außergewöhnliche Reiterin und Springreiterin – bereits als kleines Mädchen“. Schon als Teenager wurde McCutcheon eine erfolgreiche Hunter-/Jumper-Turnierreiterin. Sie war Reserve Junior Hunter Champion bei der Harrisburg National Horse und Siegerin der dortigen Stakes Show. Weiters gewann sie das U.S. Equestrian Team Youth Talent Derby in Gladstone (New Jersey) und danach die USET Futures Reining Championship. Außerdem gewann sie zwei AQHA World Championships im Springreiten.
Bild 6: Cade, Tom und Mandy bei einer Feier bei einem NRHA Event.
Bild 7: Mandy ist eine begabte Hunter- und Springreiterin, genauso wie sie erfolgreich beim Starten von Reining-Pferden ist. Auf diesem Bild hier ist sie beim USET Festival of Champions zu sehen.
Bild 8: Hollywood Dun It, geritten von Tim, bei der Siegerehrung für die Erreichung der Million-Dollar-Grenze von Dun It-Zuchtnachkommen im Jahr 1997. Auf dem Bild von links nach rechts zu sehen: Tim McQuay auf dem ausgezeichneten Pferd, Sally Brown, Colleen McQuay, Mandy.
Bild 9: Mandy und Sally Broten beim UEST Festival of Champions in Gladstone (New Jersey), wo Mandy sowohl an den Spring- als auch an den Reiningbewerben teilnahm.
Bild 10: Cade McCutcheon begleitet seine Mutter sehr oft zu NRHA Events.
Familienmensch
Sie war gerade 18 Jahre alt, als Mandy lernen musste, Opfer zu bringen. Während sie ihr letztes Turnierjahr als Junior-Reiterin in der Welt der Spring- und Hunterreiter absolvierte, verstarb ihr Großvater. Sie hatte sich gerade für die Finalgruppe qualifiziert, um beim Turnier im Madison Square Garden starten zu können. Dafür konnte sie jedoch nicht rechtzeitig zu ihrer Familie zurückkehren. So blieb sie mit Colleens Schwester fort, um das Finale zu reiten. Nach ihrem letzten Ritt brach sie in Tränen aus; sie konnte ihren Gefühlen endlich freien Lauf lassen. Dieses Opfer zu bringen, war für Mandy sehr hart, da jeder in der Turnierszene weiß, dass sie ein Familienmensch ist. Sie hütet ihre Freunde und Familie genau so, wie ein Border Collie seine Schafherde hütet. Wenn Mandy bereits als Jugendliche mit dem Turnier-Zirkus unterwegs war, war ihre Handyrechnung immer sehr hoch, weil sie sehr an ihren Freunden hängt. „Ich erklärte Mandy, dass sie zukünftig ihre Telefonrechnung selbst bezahlen müsste, wenn sie auch weiterhin andauernd ihre Freunde im ganzen Land anrufen würde“, sagt Colleen. „Bis heute ist sie mit jenen Menschen, die sie bereits aus ihrer Kindheit her kennt, in Kontakt. Für sie ist jeder dieser Menschen ein besonderer Freund.“ Dies ist eine jener Eigenschaften, die ihr Ehemann, Tom McCutcheon, an seiner Frau besonders schätzt und liebt.
Bild 11: Mandy mit ihrer Tochter Carlee
Bild 12: Mandy beim Coaching von Carlee
Bild 13: Carlee
Bild 14: Mandys Sohn Cade beim Rollback
Bild 15: Mandy mit ihrem Sohn Cade
Eine Gruppe von Freunden
„Bevor wir heirateten, war ich ein Mensch, der in der Nähe von jemandem leben konnte, ohne ihm jemals zu begegnen. Mandy ist ein ganz anderer Mensch. Sie spricht mit jedem. Sie kennt alle Eltern der Mitschüler unserer Kinder“, sagt er. „Das war großartig für mich, denn so kam ich mehr in Kontakt mit Leuten, sowohl in der Pferdeszene, als auch außerhalb.“
Die McCutcheons sind ein „Power-Paar“ in der Reining-Szene. Tom ist genauso wie seine Frau erfolgreich. Er hat auch bereits mehr als 1 Million Dollar an Preisgeldern bei Shows gewonnen. Letztes Jahr wurde er zum USET Equestrian des Jahres als der einzige zweifache Goldmedaillen-Gewinner bei den FEI World Equestrian Games 2010 gewählt.
Das Paar begann, sich 1998 zu verabreden und heiratete am 3. April 1999. Dies war ein Meilenstein für Tom, denn als eingefleischter Junggeselle hatte er zuvor nie daran gedacht, zu heiraten und sich irgendwo niederzulassen. Doch Mandys entzückendes Lächeln, ihre energiegeladene Persönlichkeit und ihre Liebe zur Turnierreiterei ließen ihn dahin schmelzen.
Manche denken, dass man, wenn man Eltern wie die McQuays und einen Ehemann wie Tom hat, immer Zugriff auf Top-Jungpferde in der Pferdesportindustrie hat. Auch wenn Mandy manchmal die Chance bekommt, außergewöhnlich talentierte Pferde zu reiten, erklärt Tom, dass „nicht alles Gold ist, was glänzt“. „Wir sind so wie die McQuays in einem Business, wo man Pferde verkauft. Auch nicht so talentierte Pferde werden von Mandy gefördert. Sie ist überzeugt davon, mit solchen Pferden gewinnen zu können. Auch wenn sie mit einem Pferd Probleme hat, kann sie es in der Turnierszene sehr weit bringen“, sagt Tom.
So wie ihr Ehemann kann Mandy auch mit Würde verlieren. „Sie steckt Niederlagen sehr gut weg“, sagt er. „Ich habe oft gesehen, dass sie nach einem schlechten Ritt in einem Bewerb wieder in die Arena zurückkehrte, um einen Freund anzufeuern und diesem beizustehen. Sie ist ein fairer Verlierer – das muss sie von ihrem Vater haben!“
Nebenbei ist sie auch beim NRHA Youth Committee aktiv und hilft beim RHSF aus, wenn sie gebraucht wird. Mandy gibt gern ihr Wissen und Können weiter, veranstaltet NRHA Regional Clinics und hilft bei der Kontaktanbahnung für die Hengstbedeckungs-Auktionen während der jährlichen NRHA/Markel Insurance Futurity Prospect Sales. Sie bringt sich mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung kompetent im Reiningsport ein. Und sie steckt mit ihrem Enthusiasmus und ihrem Lächeln die anderen an, positiv an die Aufgaben heranzugehen.
Die Tage sind zu kurz
Auf die Frage, ob die Aufnahme in die Hall of Fame für sie die größte Leistung sei, bestätigt Mandy, dass diese Anerkennung für sie sehr unerwartet und überwältigend war. „Anfangs war ich sogar geschockt. Es dauerte einige Zeit, bis ich realisierte, was damit gemeint ist. Es sind viele Leute in die Hall of Fame aufgenommen worden, die ich sehr bewundere… natürlich auch mein Vater. Es ist unglaublich, mit all diesen Leuten auf eine Ebene gestellt zu werden“, sagt sie.
Natürlich ist dies ein Meilenstein für einen Reiner, doch Mandy erklärt, dass sie noch mehr stolz darauf ist, Mutter zu sein. Cade, der Sohn der McCutcheons, wurde im Jahr 2000 geboren, also genau ein Jahr, nachdem die beiden geheiratet hatten. Ihre Tochter Carlee wurde 2005 geboren, nämlich einen Monat, bevor Mandy die Cinch NRHA Non Pro Futurity gewann.
Die Aufgaben als Mutter, Reiterin und Trainerin füllen den ganzen Tag von Mandy aus, sodass der Tag für sie meist zu wenig Stunden hat. Gerne beobachtet sie ihre Kinder, die auch nach Erfolg in der Arena streben.
Cade, der in verschiedenen Sportarten aktiv ist, startete im Jahr 2010 das erste Mal ein Reiningpferd bei der Cinch Non Pro Futurity und war mit seinen 10 Jahren der jüngste, aktive Teilnehmer. Im April 2010 startete er in der Non Pro-Klasse bei der NRBC.
Seine Schwester Carlee ist kürzlich mit ihrem Pony bei einem Hunter-/Jumper-Bewerb in Katy (Texas) gestartet. „Als Mutter finde ich dies ganz cool“, sagt Mandy. „Für mich ist es besonders aufregend, meine Kinder bei den Turnieren am Start zu sehen.“
Es ist offensichtlich, das die Familien McQuay und McCutcheon eine „McDynasty“ in der Reiningwelt sind. Und mit der jüngsten Generation, die bereits in diesen Sport eingebunden ist, ist es absehbar, dass aus dieser Familie in den nächsten Jahren noch weitere Reiter in die Hall of Fame aufgenommen werden könnten.
Bild 16: Mandy und ihre Tochter beim Ritt im NRHA Derby