Schlechte Tage bewältigen
8 Schritte, um Frustration und Angst im Sattel zu bewältigen – und diese schlechten Tage werden Geschichte sein.
Text: Abigal Wilter Boatwright, Übersetzung: Sonja Grünauer
Jeder Reiter hat dies schon erlebt. Du und dein Pferd habt einen schlechten Tag, dein Pferd reagiert nicht auf deine Hilfen und ihr beide seid frustriert. Wie kann man solch eine schwierige Reiteinheit mit seinem Pferd bewältigen und letztendlich ein positives Erlebnis haben? 8 Strategien – persönlich erprobt von zwei AjPHA Mitgliedern und einem professionellen Trainer – helfen dir, das Beste aus dieser Situation zu machen.
1. Hol tief Luft
Das Erste, was du machen solltest, wenn du und ein Pferd ein Problem in der Kommunikation haben ist, zu stoppen und eine Pause zu machen. All-Around Reiterin Molly Wartick, 17, aus El Dolrado/Kansas, erinnert sich an eine Zeit, als sie erfolglos versuchte, mit ihrem Paint Horse, einer 2004 geborenen sorrel orvero Stute namens Dollie Sensation, Trabzirkel zu reiten. Nach dem Stoppen und langsam bis 10 zählen hatte Molly wieder einen klareren Kopf.
„Geduld ist eine Tugend“, sagt Molly. „Versuche, dich und dein Pferd nicht zu frustrieren. Es muss nicht immer am Pferd liegen. Es kann auch an dir liegen und du realisierst es nicht. Das Pferd kann einen schlechten Tag haben oder sauer sein. Versuche, nicht selbst auch sauer zu werden, sondern atme mehrmals tief ein und aus, denn dies hilft, die Dinge dann etwas anders zu sehen.“
Elaine Horton, eine 18-jährige Reining-Reiterin aus Monmouth/Oregon stimmt dem zu. Während einer Trainingseinheit gab sie ihrem Pferd die Schuld, weil die Spins nicht korrekt waren. Doch nach einer Trainingseinheit mit ihrer Mutter, der APHA Trainerin Joan Horton, realisierte Elaine, dass sie ihrem 1999 geborenen tobiano-farbigen Wallach „Second Edition Print“ unkorrekte Hilfen gegeben hatte. „Es war eine Kombination“, sagt Elaine. „Ich machte etwas nicht richtig und daher machte mein Pferd etwas komplett Falsches. Ich hätte nur einmal stoppen müssen und analysieren, was in diesem Manöver alles falsch gelaufen ist. Ich hätte darüber nachdenken müssen, was ich eigentlich gemacht habe anstatt meinem Pferd die Schuld zu geben und nicht mir selbst.“ Joan sagt, dass es keinen Sinn hat, die Trainingsstunde weiter zu reiten, wenn man selbst ärgerlich ist und nicht klar denken kann. „Das Wichtigste ist, sein Temperament in Zaum zu halten“, sagt Joan. „Beende die Reiteinheit und versuche am nächsten Tag erneut, das Problem zu lösen oder zähle langsam bis 50 und versuche es erneut. Wenn du verärgert reitest, wirst du viele deiner gesteckten Ziele nicht erreichen.“
2. Versuche etwas anderes
Wenn Molly beim Reiten ihres Pferdes an einem bestimmten Punkt hängen bleibt, versucht sie, eine neue Aufgabe zu reiten, bevor sie sich wieder dem ursprünglichen Problem widmet. Dies hilft, das Problem danach von einer anderen Perspektive her anzugehen. „Wenn ich dann zum Problem zurück kehre, beginne ich wieder einige Schritte unter dem geplanten Level des Manövers, damit ich mein Pferd nicht verwirrt wird“, sagt Molly. „Wir gehen es langsamer an und wiederholen die Aufgabe langsamer, bevor wir wieder zum normalen Tempo übergehen.“
3. Erkenne den Grund deiner Frustration
Joan empfiehlt, genau zu ergründen, was genau so schwer an dieser Situation zu bewältigen ist, bevor man versucht, das Problem zu lösen. „Es ist wichtig, zu erkennen, was genau dich frustriert und dann den Grund zu finden“, sagt Joan. „Versuche daran zu arbeiten und teile das Manöver in einzelne kleinere Teile auf. Denke daran, dass du nicht alle Probleme auf einmal lösen kannst. Es dauert entsprechend Zeit und du wirst möglicherweise Hilfe brauchen.“
4. Bitte um Hilfe
Jeder Reiter kann durch die Hilfe von erfahrenen Reitern oder Trainern profitieren, also hab keine Angst, solch eine Person um Hilfe zu bitten. „Wenn du einmal den Grund deiner Frustration erkannt hast, dann lasse dir bei der Lösung des Problems helfen“, sagt Joan. „Lese Trainingsbücher, frage deinen Trainer oder warte bis zu deiner nächsten Reitstunde. Wenn du frustriert bist, dann wird dir die Problemlösung möglicherweise alleine nicht gelingen. Gestehe dir ehrlich deine Grenzen ein.“
5. Vermeide es, deine Grenzen zu überschreiten
Etwas Neues mit seinem Pferd zu lernen kann sehr nervenaufreibend sein, lasse dich daher nicht von deinen Emotionen leiten. Joan empfiehlt, sich mit seinem Trainer abzusprechen, wenn man Angst hat, die gesteckten Ziele nicht zu erreichen.“Ein Reiter, der Angst hat, sollte sich immer nur kleine Fortschritte beim Training vornehmen“, sagt Joan. „Ich führe einen ängstlichen Reiter immer nur ganz langsam an neue Aufgaben heran.“ Meist lässt Joan ihre Turnierneulinge anfangs eher in Klassen, wo geradeaus geritten wird (wie Pleasure, Showmanship oder Hunter under Saddle) an den Start gehen, damit sie Selbstvertrauen gewinnen, bis sie sich an schwerere Aufgaben heranwagen können. Besonders Reiter, die Angst vor Neuem haben, wie Galoppwechsel oder einfach nur das Galoppieren, bekommen so vermehrt Selbstvertrauen, bevor sie vor neue Herausforderungen gestellt werden, sagt Joan.
6. Bleibe entspannt
Das Teilnehmen an Horse Shows bringt nervöse Energie in die Pferd-Reiter-Paarung und da kann die Kommunikation zwischen den beiden etwas darunter leiden. Ängstliche Reiter profitieren möglicherweise durch die Teilnahme an kleinen Reitertreffen, wo die Atmosphäre weitaus entspannter ist, als bei großen Turnieren. Hier können sich Turnierneulinge besser auf ihre Pferde konzentrieren. „Ich denke, dass die Teilnahme an Reitertreffen eine gute Möglichkeit sind, dass der Reiter mit seiner Nervosität umgehen lernt. „Wenn der Turnierneuling dann bei solch einem Reitertreffen erfolgreich ist, weil er entspannter ist, dann kann er entsprechend wichtige Erfahrungen sammeln und Selbstvertrauen gewinnen. Danach kann er sich auch das Starten in größeren Shows als Ziel vornehmen.“
7. Mentale Vorbereitung
Ein wichtiger Teil ist die mentale Vorbereitung. Joan empfiehlt, sich vor dem Turnierstart für kurze Zeit etwas zurück zu ziehen und Zeit für sich selbst zu haben, um sich mental nochmals dem Pattern zu widmen und sich eine perfekte Performance vorzustellen. „Diese mentale Vorbereitung ist sehr wichtig, um dich auf die bevorstehende Aufgabe einzustellen“, sagt Joan. „Gerade jugendliche Starter lassen sich leicht ablenken. Wenn sie sich jedoch für 5 bis 10 Minuten vor dem Start zurück ziehen, können sie sich dann beim Start leichter auf die Aufgabe konzentrieren.“
8. Hab Spaß dabei
Die Zeit beim Reiten zu genießen ist ein wichtiger Teil des Reitens. „Ich lasse meine Reiter auch immer ihre eigenen Entscheidungen treffen und frage sie, ob sie wirklich bei einem Event teilnehmen wollen, ohne daran Spaß zu haben. Ich motiviere sie, beim Turnier Spaß am Reiten zu haben und damit ihre Angst zu bewältigen.“Elaine empfiehlt, sich auf sich selbst zu konzentrieren, wenn man beim Turnier startet, anstatt ans Gewinnen zu denken – Molly stimmt ihr da zu. „Hab einfach Spaß am Reiten und nimm nicht alles zu ernst“, sagt Molly. „Denn solltest du gewinnen, ohne Spaß am Reiten zu haben, dann hast du damit nur die halbe Freude.“
Über die Experten
Molly Wartick
Molly Wartick, eine 17-jährige Reiterin aus El Dorado/Kansas, reitet seit ihrer frühen Kindheit. Sie liebt es, an regionalen Shows teilzunehmen und reitet auch bei der APHA World Show in all-around Events mit ihrer 2004 geborenen sorrel-overo-farbigen Stute Dollie Sensation. Molly trainiert mit Cindy Sundgren aus El Dorado.
Elaine Horton
Die 18-jährige Elaine Horton aus Monmouth/Oregon reitet seit ihrem 2. Lebensjahr. Sie reitet bei der World Show und bei Reining Events mit Second Edition Print, ihrem 1999 geborenen bay tobiano farbigen Wallach. Elaine trainiert mit ihrer Mutter, Joan Horton.
Joan Horton
Joan Horton hat eine jahrzehntelange Erfahrung im Training von APHA Youth und Amateur Reitern in All-Around-Disziplinen. Ihre Schüler haben viele Titel wie World Championships, Honor Roll und andere Preise und weitere APHA Champion Titel gewonnen. Sie trainiert in Monmouth zirka 10 verschiedene Reitschüler.