It's never to late to ride Western

Mit etwas über 25 Jahren gehört das Westernreiten in Österreich zu den jungen Sportarten, daher gibt es noch relativ wenige Senioren in dieser Sportart. Bereits mit vier Jahren beginnen Kinder mit dem Westernreitunterricht, und nur wenige Reiter sind schon einiges über 70 Jahre. Westernreiten bietet so viele Möglichkeiten, dass für jeden Interessierten das Richtige dabei ist.

Warum schreibe ich diesen Artikel?

Viele ältere Menschen lieben Pferde und möchten die Freizeit mit Pferden verbringen. Keine Angst, es ist nie zu spät, um jung zu sein. Ich bin 70+ und habe vor vier Jahren mit dem Westernreiten begonnen. Auf einer braven Warmblutstute begann die Ausbildung, um die Grundgangarten und den richtigen Sitz zu erlernen. Kurse auf anderen Reiterhöfen und Instituten erweiterten meinen reiterlichen Horizont, und bereits 2009 legte ich die Prüfung zum WRC und zum Pferdesanitäter ab. Mein Ehrgeiz war geweckt, und seit Sommer 2010 bin ich stolzer Besitzer des Westernreitabzeichens in Bronze. Permanentes Training von Trail, Pleasure, Horsemanship und Reining gehören seither zur Tagesordnung, für Turnierpunkte hat es leider noch nicht gereicht.

Zum Westernreiten gehört auch das Wanderreiten, diese Sportart gehört auf der LoneStarRanch, meiner reiterlichen Heimat seit Ende 2009, zum Standardprogramm. Ausritte mit einem Missouri Foxtrotter in der herrlichen Landschaft des Innviertels von einer bis zu mehreren Stunden lassen das Reiterherz höher schlagen. Die Einheit Pferd und Reiter in der freien Natur, geführt von Alois, einem erfahrenen Westernwanderreitführer, in Schritt, Foxtrott, Trab und Galopp, stärkt das Gefühl für die Umwelt.

Reiten beginnt im Kopf, dies ist der Seniorenvorteil, fehlende Beweglichkeit wird vorausschauend wettgemacht. Reiten kann Hochleistungssport sein, Gymnastik vor dem Reiten sollte zum ständigen Ritual werden, wer’s nicht macht, soll sein Pferd bewusst putzen, Hufeausputzen geht nur mit vier Kniebeugen, beim Bürsten machen die Arme kreisende Bewegungen und beim Aufsatteln gehen die Arme in die Höhe. Richtige Gymnastik wird dadurch nicht ersetzt, aber es lockert die Muskulatur. Bei einigen Runden zu Fuß in der Halle oder auf dem Platz vor dem Aufsitzen werden die Gelenke gelockert.

Hallentraining oder Ausreiten? Ausreiten ist für mich die Belohnung für die Trainingsarbeit in der Halle, aber es heißt doch so schön: Des Menschen Wille ist sein Himmelreich! Und wer seinen reiterlichen Schwerpunkt auf das Ausreiten legt, hat auch seine Freude.

Interesse geweckt? Unter www.awa.at sind alle Westernreitbetriebe aufgelistet. Ich hatte immer Sehnsucht nach Pferden. Mit 66 Jahren hat mein Sohn Christian den Pferdevirus bei mir aktiviert. Dass ich heute reiterlich so weit bin, verdanke ich meinen Trainern Egon Auer, Gabriele Dautzenberg-Holzer, Gerold Dautzenberg, Christian Klepsa, Katrin Storka, Sabrina, Günter und Alois Kammerer sowie allen Pferden, die ich reiten durfte und darf. Reiten lernt man von den Pferden, allen Senioren, die gerne mit Pferden etwas tun möchten, rate ich, macht es und vertraut dem Pferd.

Was braucht ein Westernreiteinsteiger außer Geduld, Disziplin und Selbstbeherrschung?

1: Gesundheitlich – Ein altersgemäßer Gesundheitszustand reicht. Ärztliche Kontrolle und Beratung vor dem Reitbeginn ist von Vorteil.

2: Körperliche Fitness – Das Gleichgewichtsgefühl und die allgemeine Beweglichkeit sollte vorhanden sein. Wer schwimmt, Rad- und Schi fährt, kann auch das Reiten lernen.

3: Selbstvertrauen – Hier ist „Egodrive“ gefordert: „ Ich kann das und ich will das!“. Im Umgang mit dem Pferd steht dann das Einfühlungsvermögen, die Empathie im Vordergrund. „Wir beide sind unschlagbar!“

4: Ausrüstung – Hier tun sich Westerneinsteiger leicht: bequeme Jean, mit einfachen Nähten innen, gut passende knöchelhöhe Wanderschuhe, Bluse oder Hemd und darüber eine nicht zu weite Weste, guter Reithelm.

5: Westernreitschule – Wer ist in meiner Nähe? Bei Interesse in Ruhe mehrere Reiterhöfe besuchen, beim Unterricht zusehen und das Personal über Reitstunden, Anfängerunterricht sowie vorhandene Schulpferde befragen. Schauen Sie sich Anlage, Freiplatz, Reithalle, Rundkorral usw. genau an. Vereinbaren Sie eine Schnupperreitstunde. Sehr zu empfehlen sind am Anfang Einzelstunden – und die an der Longe –, um das Gefühl für den Sitz zu bekommen.

Denke stets daran, Pferde mögen Menschen, die sich wie Pferde benehmen. Viel Spaß und Freude beim Westernreiten wünscht Leopold Hummelbrunner, ein Westernreiter mit 70+.