Text: Ramona Billing

Fotos: CK Photographics

 

FEI Europameisterschaft Reining 2011 in Wiener Neustadt ein voller Erfolg

Österreich holt Bronze in Mannschaft und Einzelwertung

Rudi Kronsteiner schrammt haarscharf an Gold vorbei

Ein Erfolg rundherum – so lässt sich die FEI Europameisterschaft Reining 2011 in Wiener Neustadt am ehesten beschreiben. Teilnehmer und Offizielle waren begeistert von der familiären Atmosphäre, dem reibungslosen Ablauf und dem sehr guten Boden des Western Training Center von Helmut Schulz – genauso wie von der wirklich hervorragenden Organisation durch Gerda Langer und ihr Team. Freundlichkeit und Service waren hier auch im größten Trubel selbstverständlich, und man hatte sich einiges einfallen lassen, um den Teilnehmern das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Es gab Partys und eine eigens eingerichtete ‚Bar’ an der Stirnseite der Abreitehalle, wo jederzeit Getränke zu haben waren. Zudem gaben Helmut Schulz und sein Team täglich die bereits auf der Austrian Futurity bestens eingeführte Turnierzeitung ‚The Score’ heraus. „Ich bin begeistert – von den gezeigten Ritten ebenso wie von der Veranstaltung“, so NRHA Executive Director Dan Wall, der ebenso wie die Prominenz von AQHA und FEI persönlich vor Ort war. „Ich kenne die Anlage ja schon von der NRHA European Affiliate Championship, aber es ist immer wieder ein Vergnügen, hier zu sein. Die Anlage ist fantastisch, der Boden hervorragend, was die Scores ja auch gut widerspiegeln. Wir haben eine ganze Reihe großartige Ritte gesehen. Ich kann den Veranstaltern zu dieser EM nur gratulieren!“

Knapp 100 Pferde und die besten Reiter aus zehn Nationen waren an diesen drei Tagen am Start, um die Europameister in den drei Altersklassen Junior, Junge Reiter und Senior zu ermitteln. Es wurden für so manchen harte drei Tage, denn die Konkurrenz war ungeheuer groß. Italien, Titelverteidiger Deutschland und Österreich waren mit je drei Mannschaften am Start – allesamt sehr gute Reiter, die jedoch ganz unterschiedlich von der Erfahrung her waren. Gerade die eher ‚grünen’ Junior Mannschaften und Einzelreiter konnten den Stress noch nicht so gut bewältigen, was zu Nervosität und Patzern führte. Das bekamen insbesondere die ungarischen und tschechischen Reiter zu spüren, bei denen dann nicht so recht etwas klappen wollte. Hinzu kam, dass die Italiener ihre Jugendlichen mit herausragendem Pferdematerial ausgestattet hatten, bei dem die übrigen Nationen von der Menge her nichts gleichzusetzen hatten.

Die EM endete schließlich mit einem unglaublichen Ergebnis: Italien schaffte es, in allen drei Alterskategorien sowohl in der Mannschaft als auch im Einzelfinale Europameister zu werden und zudem noch drei Silbermedaillen zu erringen. Deutschland musste sich mit zwei Mal Mannschaftssilber, einmal Mannschaftsbronze und Laura Spielmanns Bronzemedaille in der Einzelwertung der Junioren zufrieden geben, Gastgeber Österreich errang zwei Bronzemedaillen, die Niederlande ein Mal Bronze und Belgien ein Mal Silber und ein Mal Bronze.

Mannschaftswettkampf Junioren: Österreich knapp an den Medaillenrängen vorbei

Der Mannschaftswettkampf der Junioren bildete den Auftakt der FEI Europameisterschaft. Hier erwies sich die enorm stark berittene italienische Mannschaft bestehend aus Sara Ambrosini mit Maxplease, Lara Lorengo mit BH Shot O Lon, Nicolo Boretti mit Sun Olenas Red Chicka und Giovanni Masi mit Remins Remedy als unschlagbar. Mit 643 Punkten verwies sie die deutschen Reiner auf den zweiten Platz (628,5), gefolgt von den Holländern (616,5 Punkte). Mit 614 Punkten verpasste die lange führende österreichische Mannschaft um nur 2,5 Punkte die Medaillenränge, hatte aber vier Reiter im Einzelfinale: Marina Bottoli, die mit Jac Little Lena den sechstbesten Ritt des Mannschaftswettkampfes hatte (Score 210), Viktoria Seekircher, Julia Gaupmann und Janine Petschnig.  

Marina Bottoli Vierte im Einzelfinale der Junioren

Auch im Finale hatten die Italiener die Nase vorn. Giovanni Masi, der 18-jährige Sohn des italienischen Bundestrainers Filippo Masi, sicherte sich nach einem spektakulären Ritt mit Remins Remedy (Bes. Luka Zeni) eine 225,5 und damit souverän Gold. Silber ging an die Italienerin Lara Lorengo auf BH Shot O Lon (216,5) vor Laura Spielmann (GER) mit Little Peppy Olena (212,5). Nur um einen halben Zähler verpasste die Österreicherin Marina Bottoli mit ihrer Stute Jac Little Lena die Medaillenränge. Mit einer 212 landete die Österreichische Meisterin 2009 auf dem vierten Platz. Julia Gaupmann auf Freckles Great Chic (206) schaffte es auf Platz 8, Julia Petschnig auf Platz 13 und Viktoria Seekircher auf dem 19. Platz.

Starke Leistungen bei den Jungen Reitern: drei Österreicher im Einzelfinale
Eng wurde es im Mannschaftswettkampf der Jungen Reiter. Die fünf starken Mannschaften plus Einzelreiter gaben sich nichts, und schließlich lagen Gold und Silber lediglich drei Zähler auseinander. Die italienische Mannschaft bestehend aus Guglielmo Fontana mit Sparkle Poco Hickory, Chiara Bartoletti mit Sailor Lyla, Gloria Spiaggi mit Smart Zen und Manuel Cortesi mit ML Great Spirit setzte sich mit 648,5 Punkten an die Spitze. Das belgische Team bestehend aus Matyas Gobert mit Chicy Smart Jac, Nathalie Van Den Broeck mit Juans Stolen Gun, Shana Vanhove mit The Rumble Bee und Giverny Cappoen mit Hesa Juicey errang mit zusammen 645 Punkten seine zweite Silbermedaille in Folge. Die Bronzemedaille ging an das Team aus Deutschland: Laura Stein mit Frosty 2, Vanety Korbus mit SES Topsail Whiz, Josefin Lintner mit Miss Estrella Del Cielo und Andre Zschau mit Jacs War Leo, deren Gesamtscore 636,5 war. Wieder verpasste Österreich haarscharf die Medaillenränge. Nur ein Zähler trennte die Mannschaft von der Bronzemedaille. Alexander Nestelberger, Julia Maikisch und Klaus Lechner kamen ins Einzelfinale.

Manuel Cortesi gewinnt Einzelfinale der Jungen Reiter – Stechen um Silber

Wie schon bei den Junioren sicherte sich auch bei den Jungen Reitern der Vorlaufsbeste den EM-Titel. Manuel Cortesi wiederholte seinen Erfolg von der EM 2009 und wurde erneut Europameister in der Einzelwertung, diesmal mit ML Great Spirit (Bes. Eugenio Latorre) – der Score: 222. Silber ging nach Stechen an Andrea Iannetta (Italien) auf Little Sugar Speedy vor Matyas Gobert (BEL) mit Chicy Smart Jac. Klaus Lechner kam auf den neunten Platz, gefolgt von Julia Maikisch. Alexander Nestelberger musste sich mit dem 15. Rang zufrieden geben.

Senior Division: Bronze für Österreich in der Mannschaft

Richtig spannend wurde es dann auch bei den Senioren. Bei derart vielen starken Reitern entschied letztlich oft nur das sprichwörtliche Quentchen Glück über Erfolg oder Niederlage. Mit insgesamt 662,5 Punkten setzten sich auch hier die Italiener (Giuseppe Prevosti/Skeets Flamin, Stefano Angelucci/AB Captain Badger, Christian Dallapozza/Whiz Ruf Peppy und Massimiliano Canu/Hesa Mega Whiz) gegen Deutschland (Silber mit 656,5 Punkten) und Gastgeber Österreich (Bronze) durch. Die österreichische Mannschaft bestehend aus Rudi Kronsteiner/Ima Mega Antares, Martin Mühlstätter/Dun It On The QT, Dennis Schulz/Smart Rattle Snake und Markus Morawitz/Dun It Wiz Jerry brachte es auf 652,5 Punkte. Frankreich wurde mit einer 647 Vierter vor Belgien (640) und der Schweiz (632,5). Highscore der Prüfung erritten der Italiener Giuseppe Prevosti mit Enzo Golas Skeets Flamin und der Österreicher Rudi Kronsteiner mit Ima Mega Antares (Bes. Andrea Castrucci).

Einzelfinale: Pech für Rudi Kronsteiner

Wie erwartet wurde das Einzelfinale um den Europameister 2011 in der Senior Division ein harter Kampf. Giuseppe Prevosti brachte es als letzter Starter mit Skeets Flamin (Bes. Enzo Gola) auf eine 226,5 und holte damit die sechste Goldmedaille für Italien. Die Silbermedaille ging mit Score 225,5 an Davide Brighenti auf Dualin For Me, einem 14-jährigen Hengst von Dual Peppy, der im Besitz von Giovanni Franco ist. Pech für Rudi Kronsteiner mit Ima Mega Antares (Bes. Andrea Castrucci): ein Patzer beim Herunterschalten aus dem ersten schnellen Zirkel kostete ihn 3 Punkte und damit die Goldmedaille für Österreich. Die 225, die er für den ansonsten unbestreitbar besten Ritt des Einzelfinales bekam, brachten ihm immer noch die Bronzemedaille. „Es war mein Fehler“, so Kronsteiner hinterher. „Ich habe das Abschalten zu schnell abgefragt. Ich ärgere mich natürlich schon über mich selbst, aber so ist halt der Sport.“ Auch auf dem sechsten Platz gab es einen Tie mit Score 222,5 zwischen Martin Mühlstätter (AUT) auf Dun It On The QT (Bes. Katja Jungfer) und Rieky Young (NED) auf Brady Chex . Dennis Schulz und Smart Rattle Snake (Besitzer Dainmasa Horses) wurden mit einer 221 Neunte, Markus Morawitz und Dun It Wiz Jerry (Bes. Hubertus Seeberger) mit einer 220 Elfter.