Wissen rund ums Pferd

 

Eine Serie für alle, die an Pferden und am Reiten interessiert sind und nicht glauben, schon ausgelernt zu haben!

Ausgewählt für die WN von Heinz Langer

 

Buck Brannaman mit William Reynolds

„Vertraue dem Pferd“ – Auf den Spuren des Pferdeflüsterers

Kosmos-Verlag, ISBN 978-3-440-11983-9

 

 „Vertraue dem Pferd“ – Auf den Spuren des Pferdeflüsterers, Teil 3

 

1994 war ich eine Drehbuchautorin mittleren Alters auf einem Jungpferd. Es war eine typische Situation, in der sich schein­bar viele Frauen wiederfinden: Als Kind mochte ich die Reitstunden auf Schulpferden und mit Ende dreißig beschloss ich dann endlich, mein eigenes Pferd zu kaufen und wieder zu reiten. Bald nach dem Kauf eines dreijährigen Wallachs reali­sierte ich, dass ich Hilfe brauchte. Ach was, ich hatte ein gutes Pferd. Ich war diejenige, die trainiert werden musste!

1995 schaute ich bei einem von Bucks Kursen zu und ritt 1996 zum ersten Mal bei einem Kurs mit. Es kam mir so vor, als ob Buck die Dinge immer so ansprach wie sie waren, und das war sowohl gut als auch schlecht. Die Men­schen, die wirklich lernen wollten, waren in der Lage, die sinn­vollen Anweisungen und Beobachtungen von Buck zu akzep­tieren, während andere sich offenbar beleidigt fühlten, wenn Buck ihnen nicht automatisch Komplimente machte.

Ich gehörte zur ersten Gruppe. – Ich war zum Lernen dort. Ich war irgendwo im Nirgendwo und hatte keine Kontrolle über meinen Wallach. Ich wusste nicht einmal, was ein Galopp auf der richtigen Hand war, geschweige denn, wie ich das Pferd richtig angaloppieren sollte. Ich hatte einige Male Schiffbruch erlitten und war ein bisschen verängstigt. Mein Pferd war ein guter Babysitter, aber er war noch jung und konnte nicht viel tun, um mein Gleichgewicht und meine reiterlichen Fähigkei­ten zu verbessern.

Als wir am Ende des Tages gefragt wurden, ob wir noch irgendwelche Fragen hätten, sagte ich Buck, dass ich meiner Meinung nach ein gutes Pferd hätte, aber dass ich selbst das Gefühl hätte, ständig gegen meine Angst zu kämpfen, woraus viele Probleme beim Reiten entstanden. Zum Beispiel lehnte ich mich nach vorn und umklammerte die Zügel in einer Art Todesgriff, klammerte die Beine ans Pferd und hoffte einfach, dass alles gut werden würde. Ich kam an den Punkt, wo das bloße Aufsteigen auf das Pferd mir schon Magenschmerzen verursachte.

Buck sagte etwas Einfaches, jedoch Tiefgreifendes. Er riet mir, Angst durch Wissen zu ersetzen. Ich verstand, wie weise sein Ratschlag war: Sobald ich wissen würde, was zu tun ist, wäre ich sicher und brauchte nicht mehr so ängstlich zu sein.

Der Ansatz, Angst durch Wissen zu ersetzen, funktio­niert für mich auf mein ganzes Leben bezogen, egal ob ich ihn bei täglichen Entscheidungen anwende oder es um größere Themen geht, die ich noch nie zuvor in Angriff genommen habe.

Jedes Mal, wenn ich unsicher bin und mir das Selbstvertrauen fehlt, lege ich Wert darauf, mich zu diesem Thema erst sachkundiger zu machen. Ich frage nach, untersuche die Din­ge und lerne. Das führt nicht dazu, dass auf einmal alles ein­fach läuft, aber es ermöglicht mir, besser vorbereitet zu sein.

Es bedurfte einer Menge Nachdenken und Hilfe von Freunden und Lehrern, aber mit der Zeit lernte ich, wie man wirklich ein Pferd reitet. Ich weiß, wie Pferde denken, lernen und kommunizieren. Ich weiß, wie ich sie in schwierigen Si­tuationen unterstützen kann. Mein Pferd sucht bei mir nach Führung und Unterstützung, anstatt sich über die Verrückte zu wundern, die dort gerade im Sattel sitzt.

Ich weiß, was ein korrekter Galopp ist und wie ich mein Pferd richtig angaloppiere. Ich reite immer noch junge Pferde, aber jetzt müssen sie nicht mehr auf mich aufpassen. Ich habe weiterhin so oft wie möglich an Bucks Kursen teilgenommen und von ihm viele Dinge über Horsemanship gelernt. Ich habe auch viele humanitäre Taten gesehen.

Vor einigen Jahren ritt ich meine junge Stute in einem von Bucks Rancharbeitskursen. Mein Hufschmied war auch vor Ort und sah mir zu. Als er das nächste Mal zum Be­schlagen der Hufe meiner Pferde zu mir kam, spottete er zunächst über meine Leistungen während des Kurses und erklärte, wie be­eindruckt er war, dass ich so ein hervorragendes Talent zeigte, mit dem Lasso mich selbst und den Kopf meines Pferdes zu fangen. – Aber sollte nicht eigentlich die Kuh in der Schlinge stecken?

Nach dem Hänseln wurde er ernst und sagte: „Dieser Buck Brannaman hat etwas Beeindruckendes für einen mei­ner Freunde getan.“ Er fuhr fort und erzählte, dass der ruhige Typ, den ich im Vorjahr auf einem Kurs getroffen hatte, sein guter Freund ist. Im Sommer nach dem Kurs hat der Mann wohl einen Junghengst eingeritten und während er auf der Weide unterwegs war, hat sich der Hengst vor etwas erschreckt.

Der Reiter machte alles richtig, der Hengst war gerade da­bei sich zu beruhigen, als der Platz zu eng wurde und sie den E-Zaun berührten. Das war zu viel für den Hengst. Er bockte hart. Der Mann fiel vom Pferd auf den Zaun und das Pferd hatte ihn beim Weglaufen wohl noch getreten. Der Mann wur­de mit einer schweren Kopfverletzung ins Krankenhaus ge­bracht. Nach einem recht langen Krankenhausaufenthalt und noch nicht vollständig genesen kam der Mann nach Hau­se, um sich zu erholen. Er schrieb Buck einen Brief, indem er die ganze Geschichte erzählte. Zu seiner Überraschung schrieb Buck einen sehr netten Brief zurück, wünschte ihm alles Gute für eine vollständige Genesung und bot so viel Zuspruch, wie er konnte. Der Mann war so berührt und geehrt durch Bucks Herzensgüte, dass er den Brief sorgfältig faltete und ihn bis heute in seiner Brieftasche mit sich trägt.

So hat mein Huf­schmied von der Geschichte erfahren: Sein Freund hatte den Brief vorsichtig auseinandergefaltet und ihm gezeigt. Mein Hufschmied ist ein rauer, starker Bursche, der Tränen in den Augen harte, als er mir diese Geschichte erzähl­te. Buck konnte unter keinen Umständen wissen, was für ei­nen großen Einfluss dieser Brief haben würde. – Es passiert nicht oft im Leben, dass man das riesige Ergebnis einer schein­bar so kleinen Handlung sieht.

Bei dem Rinderarbeitskurs, wo ich meistens mich selbst ge­fangen habe, bat Buck einige der besseren Lassowerfer, die Kälber vorn mit dem Lasso einzufangen, damit die restlichen Reiter ein wenig das Zielwerfen auf die Hinterbeine des Kal­bes üben konnten. Einer der Burschen, der ein Kalb am Seil hatte, konnte prima werfen, sah aber leider nicht so gut.

Wenn die Kälber am Kopf gefangen werden, stehen sie nach einigen Mi­nuten still, während die Würfe in Richtung Hinterbein ausgeführt werden. Der Lassowerfer, der das Kalb am Seil hat, darf das Seil nachgeben, solange das Kalb stillsteht, damit es nicht unter Stress steht. Jedoch sollte das Kalb nicht über das Seil treten.

Das Licht in der Reithalle war nicht sehr gut an diesem Tag, und der Lassowerfer mit dem schlechten Sehvermögen konnte nicht sehen, wie weit sein Lasso vom Boden entfernt war. Das Kalb machte einen Schritt über das Seil. Buck machte einen freundlichen Witz darüber und half, das Lasso wieder in Ordnung zu bringen. Alles war gut und freundlich und ging weiter wie bisher. Nach kurzer Zeit passierte das Gleiche noch einmal. Ich wusste, dass es dem Lassowerfer peinlich war, dass er denselben Fehler noch einmal gemacht hatte, obwohl sein vermindertes Sehvermögen schuld war.

Nachdem ich in der Lage war, Buck leise über diese Situ­ation zu informieren, bewegte sich Buck ruhig und mit offen­sichtlichem Respekt so subtil, dass keiner außer mir bemerk­te, was vor sich ging. Er ritt in die Nähe des Lassowerfers mit dem Kalb am Seil und drehte die Hinterhand seines Pferdes in Richtung Kalb. Während er den Reitern, die er ansah, Kom­mentare zuwarf, bewegte er absichtlich die Hinterhand seines Pferdes in Richtung Kalb, damit das Kalb aus dem Weg ging und somit einen Schritt über das Lasso in die andere Richtung machte.

Der legendäre Trainer Tom Dorrance sagte immer: „Es sind die kleinen Dinge, die einen Unterschied machen.“ Buck ist ein Paradebeispiel dafür. Er macht so viele wundervolle Kleinigkeiten – positive Beobachtungen, einen Brief beantwor­ten, der keiner Antwort bedurft hätte, oder sein Wissen und seine Gewandtheit nutzen, um jemand zu helfen, ohne es für andere offensichtlich zu machen. Viele Menschen vollbrin­gen heldenhafte Taten und erscheinen auf der Titelseite, aber Buck Brannaman ist schon ein Held durch die Art und Weise, wie er sein Leben lebt.

Und welche Wirkung das auf mich hat? Ich versuche, mehr wie Buck zu sein. Ich versuche, Angst durch Wissen zu ersetzen. Ich helfe, wo ich kann. Ich ermutige, lächle und bin verlässlich. Ich kenne den Wert anonymer Hilfe für andere, die sie brau­chen. Ich erlange Wissen und teile es. Ich will nicht wie Buck sein, aber ich nutze sein Beispiel, um an mir selbst zu arbeiten und mich zu verändern.

Eigenschaften des Erfolgs

Während ich mich durch die Geschichten lese, die meine Freunde und Schüler zu diesem Buch beigesteuert haben, fal­len mir verschiedene menschliche und psychologische Cha­rakterzüge ein, die diese Menschen an sich selbst feststellen und an denen sie arbeiten. Interessant ist, dass viele Leute Un­terricht nehmen, um mit einem Pferd eine Lektion zu erarbei­ten, und sie verwandeln das Ganze in eine Lektion für sich selbst. Viele merken selbst nicht einmal, dass sie innerlich Sorgen haben, aber die Arbeit mit den Pferden scheint diese persönli­chen Themen immer an die Oberfläche zu bringen.

Neulich habe ich über die Eigenschaften nachgedacht, die wichtig für einen guten Pferdemenschen sind und die ebenso notwendig sind für einen guten Freund oder Kumpel. Jemanden, den man echt gern in seiner Nähe hat. Ich habe acht Charakterzüge oder Eigenschaften herausgefunden, die Pferde haben und denen Menschen nacheifern sollten:

Intuition

Intuition ist ein Bauchgefühl zu etwas Untastbarem, eine un­ausgesprochene Sensibilität für das, womit man sich beschäf­tigt. Als Ergebnis der Evolution haben Pferde und andere Tiere eine natürliche Fähigkeit entwickelt, den emotionalen Zustand anderer Pferde und Menschen um sich herum zu erspüren. Tatsächlich scheinen sie ein intuitives Bauchgefühl gegenüber allem zu haben, dem sie begegnen. Leider achten Menschen auf ihre innere Stimme oft weniger gut als Tiere. Ich denke, es ist sehr wichtig, seinen Instinkten gegenüber offen zu sein, weil es dabei hilft, mit Dingen in Berührung zu kommen, die nicht an der Oberfläche liegen. Ob Männer das nun gern zuge­ben oder nicht, aber Frauen scheinen von diesem instinktiven, inneren Wissen etwas mehr zu haben, obwohl ich glaube, dass Männer es sich aneignen können. Ich scherze oft mit den Worten „Ein Mann kann sich Intuition aneignen, wenn er lan­ge genug seiner Frau zuhört“, aber hier geht es wirklich um mehr. Intuition ist die Fähigkeit, vorauszuschauen und die Dinge klar und deutlich sehr objektiv zu sehen. Jeder hat ein wenig davon, aber ich denke, Frauen haben einfach eine Prise mehr.

Einfühlsamkeit

Ich spreche hier über emotionale Einfühlsamkeit. Pferde sind sehr intelligente Wesen, und emotionale Einfühlsamkeit ist et­was, das alle intelligenten, denkenden Wesen besitzen. Alles um uns herum kann uns und unsere Pferde emotional beein­flussen. Wenn wir sensibel sind und die Gefühle unserer Pfer­de beobachten, können wir ihre Bewegungen und Handlun­gen besser vorausahnen und beantworten. Das Gleiche gilt für Menschen: Wenn wir auf unsere eigenen Gefühle und die der Menschen in unserer Umgebung achten, können wir besser vorausschauen und besser auf das antworten, was auch immer uns begegnet. Und hier ist es schon wieder so, dass dies für Frauen besonders zutrifft. Die weiblichen Vertreter aller We­sen scheinen ein wenig sensibler und pflegender zu sein als die männlichen, und auch dies kann man generell auf Men­schen übertragen. Es gibt Männer, die sehr sensibel sind, aber es ist unter Männern eine nicht allzu verbreitete Eigenschaft.

Veränderung

Dies ist die Fähigkeit zurückzugehen, nachzugeben und, wenn nötig, die Richtung zu ändern – im Gegensatz zum ständigen Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand mit derselben alten Geschich­te, immer in der Hoffnung, es könnte diesmal anders ausgehen. Pferde nehmen alles Neue so wie es kommt und sind schlau genug, sich einen Ausweg aus einer gegebenen Lage zu suchen. Wenn die Situation erfordert, dass das Pferd ei­nen anderen Weg einschlägt, wird das Pferd dies tun. So haben Pferde Jahrmillionen überlebt.

Wir Menschen können echt ein stures Pack sein. Wenn jemand nachgibt und die Richtung ändert, ist es meistens die Frau und nicht der Mann. Frauen scheinen besser in der Lage zu sein, ihre Meinung über etwas zu ändern, während Männer sich gern an einer Sache festbeißen und dabeibleiben wollen, komme was wolle. Männer sind auch eher geneigt, an ihren Überzeugungen festzuhalten, auch wenn sich diese als falsch oder dumm herausstellen. Veränderung scheint eine weitere Eigenschaft zu sein, wo Frauen die besseren Karten haben. Ich weiß, dass einige Männer, die schon fünfzehn oder zwanzig Jahre verheiratet sind, jetzt sagen werden, dass Frauen die Fä­higkeit zur Veränderung verlieren, je älter sie werden, aber lasst uns ehrlich sein: Falls Sie sich jemals mit Ihrer Frau ir­gendwo in einer großen, unübersichtlichen Stadt verfahren haben, wissen Sie doch, dass Ihre Frau früher bereit ist umzu­drehen (oder anzuhalten und nach dem Weg zu fragen), als Sie es sind.

Wichtig ist zu merken, dass die Fähigkeit, seine Aktivitä­ten oder Ansichten an die aktuelle Situation anzupassen, ein großer Vorteil ist. Bescheidenheit, Respekt und geringe Ich-Bezogenheit sind nicht nur sehr angenehme und effektive Eigenschaften für Menschen, sondern auch Pferde reagieren positiv darauf.

Präsenz

„Präsenz“ bezeichnet ein Gefühl, das von jeder Person aus­geht, die bescheiden, aber ehrlich an sich selbst und ihre Fähig­keiten glaubt, jemand, der mit sich selbst und seiner Um­gebung im Reinen ist. Es geht nicht um Überlegenheit, Einschüchterung oder Aggression. Präsenz meint selbstbewusst und mit sich selbst und seinem Leben im Reinen sein. Ein gesundes und gut behandeltes Pferd strahlt diese selbstbewusste, ruhige, sichere Präsenz aus wie ein gesunder und gut behandelter Mensch.

Eine nicht aggressive Haltung

Seien Sie bestimmt, aber nicht arrogant oder fordernd. Seien Sie kein Fiesling. Visieren Sie Ihr Ziel an und arbeiten Sie sorgfältig dorthin, aber gehen Sie immer nach vorn. Kein Pferd oder Mensch ist als Dummkopf jemals weit gekommen.

Entschlossenheit

Das ist die Fähigkeit, etwas durch Dick und Dünn zu verfol­gen. Auch wenn die Umstände sehr schwierig werden, ist Ent­schlossenheit die Fähigkeit, den Kurs zu halten. Es ist eine dieser sehr individuellen Eigenschaften. Manche Leute haben einfach diesen inneren Kern voller Entschlossenheit, der ih­nen hilft, auch dann weiterzumachen, wenn die Chancen am schlechtesten stehen oder sie scheinbar keine Möglichkeit zum Erfolg haben.

Ich nenne jetzt ein Beispiel und ich möch­te, dass Sie darüber nachdenken: das Rennpferd Smarty Jones. (Anm. d. Red.: Smarty Jones hatte als Jungpferd einen schwe­ren Unfall, von dem er sich nur dank seiner hartnäckigen Ent­schlossenheit erholte. – Alle hatten das Pferd bereits abgeschrie­ben. Dennoch gewann er später fast alle Rennen, bei denen er startete und wurde so eines der erfolgreichsten Rennpferde in der Geschichte der USA.)

Bescheidenheit

Das Leitbild der Bescheidenheit ist so wichtig, dass ich es als Dreh- und Angelpunkt zum Erfolg oder Misserfolg einer Per­son herausstellen möchte. Bescheidenheit ist die Fähigkeit, wirklich zuzuhören, was gesagt wird, egal welchen Status oder Rang man bekleidet. Das bedarf fast keiner Erklärung mehr, aber die folgenden drei Worte fassen zusammen, wie man die­se Eigenschaft erhält: beobachten, sich erinnern und verglei­chen. Beobachten Sie, was vor sich geht, ob mit Mensch oder Tier. Erinnern Sie sich, was Sie getan haben, um andere zu einer bestimmten Entscheidung oder Handlung zu bringen und ver­gleichen Sie die Ergebnisse Ihrer aktuellen Handlung mit den Ergebnissen, die Sie vielleicht in der Vergangenheit erzielt ha­ben. Welches Resultat war besser? Lernen Sie daraus. Wenn Sie effektiv beobachten, erinnern und vergleichen können und dann noch die Fähigkeit haben, Ihren Kurs aufgrund Ihrer Re­sultate zu ändern, gehen Sie Ihren Weg in Richtung Erfolg.

Liebe

Liebe ist allumfassend und kraftvoll. Liebe schließt die Fähig­keit zu lieben, ohne sich als Opfer zu fühlen, mit ein. Manch­mal kann Liebe eine Ausrede dafür sein, sich in einer Opfer­rolle zu befinden, übervorteilt oder herumgeschubst zu werden. Aber man kann trotzdem viel Liebe zeigen, ohne ein Opfer zu sein oder übervorteilt zu werden.

An diesen acht Eigenschaften, die man bei Pferden findet, ar­beiten auch gerade all diese wundervollen Menschen in die­sem Buch auf die eine oder andere Weise. Nun gehe ich diese Liste zum Vergleich noch einmal durch und beschreibe für Sie eine Person, die wahrscheinlich ganz und gar nicht mit Pfer­den klarkommt – oder vielleicht nur irgendwie klarkommt.

Fehlende Intuition

Menschen, die keinen Einblick oder keine Fähigkeit haben, über ihren Tellerrand hinauszublicken. Diese Menschen ha­ben die Erwartung, dass alles, was es zu sehen gibt, bereits auf der Oberfläche schwimmt.

Fehlende Sensibilität

Diejenigen, die nicht die Fähigkeit oder die Zuversicht haben, etwas zu fühlen oder zu verstehen, was nicht in ihrem unmit­telbaren Existenzbereich ist, auch fehlendes Mitgefühl für an­dere.

Starrsinn

Starrsinnige Menschen entschließen sich, etwas auf eine be­stimmte Art und Weise zu tun. Egal, was dabei herauskommt, sie machen ganz genau so weiter, selbst wenn es nicht funkti­oniert, weil ihr Stolz es ihnen unmöglich macht, nachzugeben oder eine andere Richtung einzuschlagen. Das führt unwei­gerlich jedes Mal zum Versagen.

Übermäßige Präsenz

Ich habe von der beinahe magischen Gegenwärtigkeit einer Person gesprochen, die friedlich, selbstsicher und in ihrer Umgebung völlig gelassen ist. Am anderen Ende des Spekt­rums stehen Personen, die eine allmächtige, unbesiegbare Präsenz ausstrahlen und glauben, dass ihre innere Macht das Richtige erzwingt.

Eine aggressive Haltung

Einige Leute gehen noch weiter und projizieren die Macht nicht nur auf andere, sondern üben sie auch aus. Diese Art von bedrohlichem Verhalten schlägt oft zurück, weil die natür­liche Reaktion darauf ein Gefühl extremer Gefahr ist. Auf Be­drohungen reagieren Menschen selten förderlich. Pferde übri­gens auch nicht.

Fehlende Entschlossenheit

Es ist offensichtlich, dass Leute, die sich nicht voll und ganz einsetzen, auch nicht viel aus einer Sache machen, egal wo­rum es sich handelt.

Fehlende Bescheidenheit

Wir haben alle schon Menschen getroffen, die eine gesamte Unterhaltung damit verbringen, über die Wichtigkeit ihres Beitrags nachzudenken und dann uns mit ihren Worten total überfahren. Man kann sogar ihre Gedanken arbeiten se­hen, wenn sie sich fieberhaft bemühen, die Konversation wie­der auf sich zu lenken und sich über Gott und die Welt mittei­len wollen. Wie können Leute unterrichten, wenn sie nicht zuhören? Außerdem: Wie können sie lernen, wenn alles, was sie hören, von ihnen selbst kommt?

Zorn und Hass

Diejenigen, die nicht lieben können, glauben oft, dass die einzi­ge Möglichkeit zur Vermeidung von Verletzung darin besteht, den anderen zuerst anzugreifen. Fressen oder gefressen werden.

Es ist ziemlich leicht herauszufinden, mit welcher Art von Mensch man lieber in einem Raum sein möchte. Genauso leicht ist es für Pferde herauszufinden, von welcher Art von Mensch sie lernen können.

Theresas Geschichte hat mich an all die Dinge erinnert, die Pferde und Menschen gemeinsam haben, und wie wir alle besser lernen, wenn man uns mit Ge­duld, Bescheidenheit und Verständnis unterrichtet. Theresa hat durch die Arbeit mit ihrer problematischen Stute die Bedeutung der einzelnen Begriffe, die ich hier aufge­zählt habe, gelernt. Zusammen hatten sie einen Punkt er­reicht, wo sie beide in einer lebensgefährlichen Situation wa­ren und bei mir nach Hilfe gesucht haben. Leider ist das der Zustand, in dem viele Schüler zu meinen Kursen kommen. - Sie sind verängstigt, sorgenvoll, eingeschüchtert und durchei­nander mit diesem Pferd am anderen Ende des Führseils. Zum Glück können diese gefährlichen Verbindungen zwi­schen Mensch und Pferd mit viel harter Arbeit und Hingabe wieder verbessert werden.

Theresa hat einige wundervolle Lektionen gelernt, die ihr geholfen haben, ihre Beziehung zum Pferd zu verbessern. Sie erzählt, wie wichtig es ist, dass ihre Stute ihr jetzt nachgibt. Jemandem nachzugeben, hat nichts mit Unterwerfung zu tun. Es geht vielmehr darum, sich gegenseitig Respekt zu erweisen.

Das kann man sich so vorstellen: Man wartet auf den Bus, und als er endlich kommt, drücken viele Leute nach vorn und wei­gern sich, den anderen um sich herum nachzugeben. Das führt zu einem negativen Gefühl drängelnder Menschen und hinterlässt eine Situation, in der niemand vorwärtskommt. Betrachten Sie im Gegensatz dazu jemanden, der in einem überfüllten Bus seinen oder ihren Sitzplatz anbietet. Diese Person zeigt Rücksichtnahme und Respekt, ohne in diese Hal­tung gezwungen worden zu sein. Die selbstlose, respektvolle Art des Nachgebens ist das, wonach wir alle streben sollten, sowohl mit Menschen als auch mit Pferden.

Theresa fand es hilfreich, die Hinterhand ihres Pferdes weichen zu lassen. Ein Pferd, das seinen Hals nicht biegen möchte oder so steif, blockiert und angespannt ist, dass, wenn man am Boden arbei­tend den Kopf des Pferdes herumreißt, es möglicherweise di­rekt dem Menschen auf die Füße tritt – so ein Pferd ist so steif, dass es das Gleichgewicht verliert und wahrscheinlich hinfällt. Um die Steifigkeit zu überwinden, kann man die Hinterhand des Pferdes weichen lassen und damit quasi seine Verbindung zum Erdboden unterbrechen, damit das Pferd durch einen seitlichen Zügelzug gleichzeitig dazu angetrieben wird, die Hinterhand zu bewegen. Dies reduziert die innere Blockade und den Widerstand und verringert letztlich die Gefahr für Pferd und Mensch. Der Versuch, dem Pferd den Widerstand zu nehmen, entspricht dem Versuch, einen Menschen in den Arm zu nehmen, der ängstlich und besorgt ist, und ihn herz­lich zu drücken. Es funktioniert! – Ich habe es wieder und wie­der gesehen.