Das sichere Antraben bei Showmanship-Bewerben

Lerne, wie deine Position am Pferd das korrekte Antraben deines Pferdes beeinflussen kann. Entsprechende Tipps gibt dir Top-Coach und Turnierrichterin Debra Cooper.

 

Text: Debra Cooper mit Jennifer J. Denison

Fotos: Cappy Jackson

Übersetzung: Sonja Grünauer

 

Events: Showmanship

Ziel: Dein Pferd zu motivieren, geschmeidig anzutraben (also eine Vorwärtsbewegung vom Stehen aus zu beginnen) – und zwar in einen munteren Trab – und dabei so wenig langsame Tritte wie möglich zu machen. Indem du deine eigene Position, dein Gefühl, dein Timing und deine Kontrolle verbesserst. Diese Faktoren sind der Schlüssel für ein geschmeidiges Antraben des Pferdes.

Vorteile: Du verbesserst deine Performance und erhältst Sonderpunkte bei der Bewertung, weil du den Schwierigkeitsgrad erhöhst. (Es ist nämlich für das Pferd schwieriger, direkt in einem flotten Trab loszulaufen, als zu Beginn erst einmal ein paar Takte im Schritt zu gehen, bevor es lostrabt.)

 

Als Turnierrichterin und Showmanship-Coach sehe ich oft Youth- und Amateur-Starter, die bereits zu Beginn ihr Showmanship-Pattern verpatzen, weil ihr Pferd nicht gleich in einen geschmeidigen Trab springt. Auch wenn schleppendes Antraben das Pattern technisch nicht beeinflusst, so zeigt es keine entsprechende Harmonie zwischen Pferd und Pferdeführer und bestätigt dem Richter, dass die Fähigkeiten des Pferdes nicht korrekt vorgestellt werden können. Aus diesem Grund wird dieser Teilnehmer keinen hohen Score in diesem Bewerb erzielen können.

Die drei häufigsten Fehler, die Turnierstarter bei der Showmanship machen, sind das Zerren am Pferd, langsamer als das Pferd zu laufen und seitlich zu weit entfernt vom Pferd zu stehen oder zu gehen. Alle diese Fehler treten aufgrund mangelnden Wissens und mangelnder Planung des Teilnehmers auf (was oft dazu führt, dass der Teilnehmer durch die Aufgabe hetzt und nicht darüber nachdenkt, was zu tun ist). Auf jeden Fall kommt der Teilnehmer in eine unpassende Führposition bei seinem Pferd. Dadurch erhält das Pferd keine korrekten Signale von seinem Führer, was dazu führen kann, dass das Pferd sich nicht korrekt bewegt bzw. auch nicht korrekt antrabt.

Auf den nachfolgenden Seiten zeige ich dir für jeden Fehler ein Beispiel und erkläre auch, wie dieser Fehler das korrekte Antraben negativ beeinflusst. Außerdem zeige ich dir anhand eines Beispiels ein korrektes Antraben und erkläre dir auch, wie du dies auch bei deinem Pferd erreichen kannst. (Beachte: Bevor du mit dieser Übung beginnst, sollte dein Pferd halfterführig sein, auf deine Körpersprache achten und entsprechend reagieren.)

 

 

Bild 1: Die Fähigkeit deines Pferdes, korrekt aus dem Stand in einen gleichmäßigen und flotten Trab anzutraben, verbessert deine Performance und erhöht deren Schwierigkeitsgrad. Lerne durch die Tipps von Showmanship-Expertin Debra Cooper, häufige Fehler zu vermeiden bzw. zu beheben.

 

Fehler Nr. 1: Zerren am Pferd bzw. am Halfter

Bild 1. Diese Bildfolge zeigt einen sehr häufigen Fehler beim Antraben. Die junge Teilnehmerin hat ihren rechten Ellbogen gestreckt, was dazu führt, dass sie ihre Hand zu tief nimmt und versucht, sich am Führseil auszubalancieren. Dadurch übt sie ungewollt Druck über das Führseil auf das Pferd aus. Anstatt dem Pferd das Signal zum Antraben zu geben, sagt sie ihm dadurch, dass es eigentlich stoppen soll.

Bild 2. Wenn unsere Teilnehmerin vorwärts geht, gibt sie ihrem Pferd also ein unverständliches Signal. Obwohl sie mit ihrer Körpersprache eine Vorwärtsbewegung vom Pferd verlangt, sagt sie durch das Ziehen am Führseil dem Pferd, dass es stehen bleiben soll. Hier siehst du das entsprechende Ergebnis: Die Teilnehmerin ist vor ihrem Pferd und zerrt das Pferd in die Vorwärtsbewegung. Dadurch kann sie die Bewegung ihres Pferdes nicht mehr sehen, und sie hat kein Timing, kein Gefühl und keine Kontrolle mehr. Wenn das Pferd plötzlich erschrecken würde, kann sie diese Bewegung nicht sofort korrigieren. Dadurch könnte sie vom Pferd niedergestoßen werden. In der auf dem Foto dargestellten Situation ist das Führseil gespannt.

Bild 3. Dies führt dazu, dass das Pferd möglicherweise durch das Hochwerfen des Kopfes Widerstand zeigt. Es kann ein Kampf entstehen, den das Pferd auf jeden Fall gewinnt. Außerdem ist das Pferd im Bewerb nicht mehr gerade gerichtet, ein gerades Zugehen auf die Richter ist nicht mehr möglich. In so einem Fall hat man keine Chance mehr, eine Preisschleife zu gewinnen.

Strategie beim Antraben: Wenn du zu weit vor dein Pferd kommst und einen Zug an der Führkette spürst, verlangsame dein eigenes Tempo und verringere den Druck auf die Führkette. Wenn kein Druck mehr da ist, hat das Pferd auch keinen Grund mehr, Gegendruck zu machen. Dann bist du auf dem besten Weg, aus deinen Fehlern zu lernen und irgendwann eine Preisschleife heimzunehmen.  Wenn du nicht aus deinem Fehler lernst, wird dein Pferd bereits deinen Druck an der Führkette vorausahnen und jedes Mal bereits zu Beginn  versuchen, seinen Kopf  hochzureißen.

 

Fehler Nr. 2: Langsamer als das Pferd gehen

Bild 4. Hier ist das Gegenteil das Problem. So wie das Paar sich hier bewegt, geht der Teilnehmer hinter der Pferdeschulter und ist somit hinter der Bewegung des Pferdes. Auch hier sendet der Pferdeführer vermischte Signale an das Pferd, was die Vorwärtsbewegung des Pferdes behindert. Hier zieht die Teilnehmerin mit der Führkette nach hinten und nicht nach unten – wie beim vorherigen Fehler. Das Ergebnis ist jedoch dasselbe: Das Pferd wird nur schleichend oder gar nicht antraben, und der Richter wird weniger Punkte vergeben. In dieser Situation kann das Pferd seinen Pferdeführer nicht klar sehen und dadurch auch nicht seine Körpersignale. Die beiden bilden keine Einheit. Wieder gehen Gefühl, Timing und Kontrolle verloren. Die Hilfengebung erfolgt verspätet.

Strategie beim Antraben: Du kannst sehr schnell deine Position korrigieren und dadurch einen besseren Score erzielen. Und so funktioniert es: Gleichzeitig hebst du deine rechte Hand an und bewegst dich nach vorne, um deinem Pferd die Anweisung zum Antraben zu geben. Du vergrößerst deine Schrittlänge, um wieder an die richtige Position neben deinem Pferd zu kommen. Sobald du im Bereich der Kehle des Pferdes bist, passt du deine Schrittlänge wieder der des Pferdes an, damit ihr beide synchron seid.

 

Fehler Nr. 3: Zu weit entfernt vom Pferd gehen

Bild 5. In diesem Beispiel steht bzw. geht die Teilnehmerin zu weit weg neben dem Pferd. (Beachte: Ihr Arm ist völlig gestreckt.) Dadurch entsteht seitlich ein Druck am Halfter des Pferdes, das Pferd wird automatisch die Nase in Richtung des Pferdeführers nehmen. Das korrekte Antraben wird erschwert, das Pferd ist nicht gerade gerichtet, was die Präzision der Vorführung beeinträchtigt. Wie bei den beiden vorherigen Fehlern wird dadurch das harmonische Bild gestört. Der Pferdeführer verliert Gefühl, Timing und Kontrolle. Wie zuvor kann der Pferdeführer nicht rechtzeitig korrigierend eingreifen, sollte das Pferd sich plötzlich unkontrolliert bewegen.

Strategie: geschmeidiges Antraben

Bild 6. Du kannst von deinem Pferd kein korrektes Antraben erwarten, wenn du die Vorwärtsbewegung behinderst. Du kannst bei korrekter Hilfengebung jedoch erwarten, dass es schrittweise sein Trabtempo erhöht. Dies darf 3 bis 4 Sekunden dauern. So sieht der Richter eine gute Performance des Teilnehmers und seines Pferdes. Die Teilnehmerin geht im Bereich der Kehle beim Pferdekopf in einem korrekten seitlichen Sicherheitsabstand. (Um gutes Timing und Kontrolle zu haben, gehe so nahe wie möglich neben dem Pferd, jedoch außerhalb des Bereiches, wo es dir auf die Füße treten kann.) Sie motiviert das Pferd zum Antraben, indem sie ihre Schrittlänge vergrößert, und achtet darauf, nicht an der Führkette zu ziehen. Eine kurze Hilfe mit der Führkette am Halfter soll das Pferd veranlassen, das Trabtempo innerhalb weniger Sekunden zu erhöhen. Das Pferd kann beim Antraben aus dem Stand durchaus mit einigen Walk-Schritten beginnen. Du ermunterst es mittels Zungeschnalzen und Vergrößern deiner Schrittlänge zum Antraben.

Beachte, wie sich die Teilnehmerin und ihr Pferd beim flotten Trab synchron bewegen. Wenn du diese Tipps beherzigst, wird deine Performance viel besser werden, und ihr – du und dein Pferd – werdet im Showmanship-Bewerb Erfolg haben.

 

Über die Autorin

Debra Cooper hat bereits viele Youth-Reiter für die American Quarter Horse Youth Association World Championship vorbereitet und gewann selbst viele Preise in den Disziplinen Reining, Western Riding und anderen All Around Events. In Cave Creek, Arizona, ist die Trainerin auch als Turnierrichterin tätig.

Auf den Fotos fungiert die 12-jährige Tyler Bryson aus Scottsdale, Arizona, mit ihrem Pferd Just A Minute Now als Modell. Derzeit bereitet sich das Mädchen auf den Start in der Disziplin Western Riding bei der AQHYA World Show vor. Die beiden werden von Debra trainiert.