Problemlösungen

Ist dein Jungpferd sauer, weil es lernen muss und beginnt es, sich deinen Hilfen zu widersetzen? Mach dir keine Gedanken - das ist normal. Champion Trainer Cleve Wells erklärt 3 häufige Probleme von Widerstand und Ungehorsam des Pferdes und gibt dir Tipps, um diese Probleme zu lösen.

 

Text: Cleve Wells mit Sue M. Copeland, Fotos: Darrell Dodds, Übersetzung: Sonja Grünauer

 

Titelbild: Was macht man, wenn ein junges Pferd sich deiner Hilfengebung widersetzt (und das wird passieren!!), so wie das Cleve’s Jungpferd hier macht? Oder wenn dein Pferd immer wieder in Richtung Stall oder Reitplatzausgang drängt? Cleve gibt dir die Antworten.

 

Bis jetzt war alles, was du mit deinem Jungpferd gemacht hast neu und lustig für den „Schüler“. So wie ein Kind im Sandkasten, war es spielerisches Lernen und nun gehst du dazu über – mit dem menschlichen Lernprozess verglichen – ihm sozusagen die Spiel-Plastikschaufel wegzunehmen und ihm eine richtige Schaufel zu geben. Dein Pferd hat bis jetzt die ersten Grundlagen gelernt, wie z.B. das Tragen des Reitergewichtes und der Stellung seines Kopfes zu folgen. Nun beginnst du, die Reiteinheiten länger zu gestalten und erwartest dir vermehrt Fortschritte. Dein Pferd beginnt, dabei zu ermüden und sich auch etwas zu langweilen – und wird versuchen, sich zu beschweren. Dies ist ein Teil des Lernprozesses. Es ist nicht die Frage, ob es passiert, sondern wann es passiert. Drei häufige Probleme, die bei einem Jungpferd in dieser Stufe der Ausbildung auftreten sind das Ausschlagen auf die Beinhilfen des Reiters, Verweigern des Vorwärtsgehens durch versuchtes Steigen mit den Vorderbeinen (ich nenne dies „Stop-and-Hop“) und das Drängen Richtung Reitplatzausgang. Da dein Pferd noch ziemlich roh ist, solltest du hier eher auf der psychischen Schiene und weniger in die physische Richtung reagieren und das Pferd nicht bestrafen. Man sollte bedenken, dass solch ein junges Pferd mit diesem Ausbildungsstand wie ein Erstklässler in der Schule ist. Es wird einen Grund suchen, um nicht „zur Schule gehen zu müssen“. Man kann es nicht in Richtung der nächsten Schulstufe prügeln. Stattdessen sollte man versuchen, dem Pferd möglichst positive Erlebnisse zu vermitteln und mit sinnvollen Argumenten arbeiten, damit das Pferd versteht, was man von ihm erwartet. Nütze nachfolgende Tipps, um erfolgreich diese Probleme zu lösen.

 

Alle Tipps, die ich hier gebe, beinhalten die Vorwärtsbewegung. Denn wenn dein Pferd gleichmäßig in allen Gangarten – Schritt, Trab und Galopp – eine gleichmäßige Fußabfolge hat, kann es weder steigen noch ausschlagen. Dadurch ist die Vorwärtsbewegung ein gutes Hilfsmittel. Wenn du dein Pferd stoppst und es mit den Sporen traktierst, könnte es sich gefangen fühlen – und du könntest mit dem Pferd ziemliche Probleme bekommen. Wenn du nicht sicher bist, wie du dein Pferd in dieser Situation vorwärts reiten sollst, lenke es zunächst auf einen kleinen Zirkel, um wieder Kontrolle zu erlangen.

 

Ein weiterer Tipp ist, nie ein „frisches“ Pferd  zu reiten, wenn es noch jung ist. Longiere es vor dem Reiten.

 

Sei konsequent. Wenn du dein Pferd zu einer Übung aufforderst, solltest du versuchen, diese auch durchzuführen, bevor du zur nächsten Übung weitergehst. Reite das Manöver nicht noch einmal, wenn das Jungpferd es durchgeführt hat. Es ist nicht die Frage, wie lange das Pferd diese Übung gemacht hat, sondern dass es die Übung für dich gemacht hat.

 

Was du brauchst: Ein Side-Pull oder ein Zaumzeug mit Snaffle Bit, Sattel, einen eingezäunten ebenen Platz mit gutem Boden.

 

Problem 1: Das Ausschlagen auf die Beinhilfe des Reiters (Foto 1A). Dein Jungpferd schlägt aufgrund deiner Schenkelhilfe aus, wenn du versuchst, es vorwärts zu reiten – speziell beim Galopp. (Dies kann dann im Laufe der weiteren Ausbildung auch bei den Seitengängen auftreten.)

Warum passiert dies:  Irritation. Es ist ähnlich, wenn ein Kind der Mutter widerspricht und sagt „Ich mag nicht“. Das ist gut. Denn jetzt kannst du deinem Pferd beibringen, dass es nicht „höflich“ ist, wenn man widerspricht.

Problembehebung: (Foto 1B). Nimm sofort dein Bein weiter nach vorne – außerhalb der Reichweite des Pferdehufes, um eine Verletzung zu vermeiden und gebe weiterhin deine Schenkelhilfe (eventuell verstärke diese), um die Vorwärtsbewegung deines Jungpferdes zu erhalten. Erhalte leichten Zügelkontakt, um den Pferdekopf in der richtigen Position zu halten. Schlägt dein Pferd erneut aus, setze noch mehr Schenkelhilfen und auch Stimmhilfen ein, um die Hilfe zu unterstützen. Nicht aufgeben, denn man sollte das schlechte Benehmen des Pferdes nicht belohnen.

Wie funktioniert dies: (Foto 1C). Dein Pferd kann nicht ausschlagen, wenn es seine Hinterbeine einsetzen muss, um vorwärts zu gehen. Verlange nicht zwei Dinge gleichzeitig, wie z.B. das vorwärts gehen und eine korrekte Zirkel-Linie. Vergiss vorerst einmal die korrekte Linienführung der Hufschlagfiguren, die Qualität der Gangarten oder andere Details. Vorrangig ist erst einmal die Vorwärtsbewegung des Pferdes. Sobald dein Pferd korrekt auf deine vorwärtstreibende Schenkelhilfe reagiert, verringere diese Hilfe und lobe dein Pferd. Dann gehe zurück zu der ursprünglichen Übung, die du geritten bist, als das Problem aufgetreten ist – so wie ich hier mit meinem Pferd. Beachte, wie entspannt mein Pferd ist – weil ich mich nämlich nicht auf einen Kampf eingelassen habe, sondern es einfach nur wie gewohnt aufgefordert habe, vorwärts zu laufen.

 

Problem 2: Stop and Hop (Foto 2A). Dein Pferd stoppt unvermittelt und versucht zu steigen, wie mein junges Pferd auf dem Foto. Meist tritt dieses Problem beim Galopp auf, kann jedoch in den anderen Gangarten vorkommen.

Warum passiert dies:  Dein Pferd ist erschöpft – und möchte nicht mehr arbeiten. Vergleiche es mit einem Kleinkind, das einen Wutanfall im Supermarkt hat. Nun hast du die Aufgaben, deinem Pferd zu erklären, dass zornig sein genauso unerwünscht ist, wie das Ausschlagen auf die Schenkelhilfen des Reiters.

Problembehebung: (Foto 2B). Die Lösung ist hier erneut das Vorwärtsreiten. Doch da dein Pferd gerade dazu tendiert, mit den Vorderbeinen zu steigen, sollten deine Hilfen stärker sein, als bei Problem 1. Du kannst dabei zusätzlich auch noch die Zügelenden einsetzen, um die vorwärts treibende Hilfe zu verstärken (achte auf einen entsprechenden Zügelkontakt zum Pferdemaul, um die Kontrolle über dein Pferd zu behalten, vermeide es jedoch, gleichzeitig mit dem vorwärts Antreiben am Zügel zu zerren, damit du dein Pferd nicht verwirrst.)

Wie funktioniert dies: (Foto 2C). Ein zeitlich korrekt eingesetzter Klaps mit dem Zügelende hat 2 positive Auswirkungen. Dein Pferd wird aufmerksam und die negative Stimmung verschwindet.  Gleichzeitig schickst du dein Pferd vorwärts, was ja dein Ziel ist. Deine Zügelenden funktionieren wie eine Longierpeitsche, die du beim Longieren vom Boden aus einsetzt. Wenn dein Pferd beim Longieren versucht zu stoppen und zu steigen, treibst du es auch sofort mit der Longierpeitsche vorwärts. Wenn dein Pferd beim Reiten dann wieder korrekt vorwärts geht, kannst du wieder zu deiner ursprünglichen Übung, die du geritten bist, als das Problem aufgetreten ist, zurückkehren. Vermeide es jedoch, als Überprüfung deines Erfolges gleich einmal fünf Zirkel zu galoppieren. Galoppiere nur einen halben Zirkel und wenn dies problemlos funktioniert, stoppe und lobe dein Pferd.

 

Problem 3: Drängeln um Stall oder zum Ausgang des Reitplatzes (Foto 3A).

Der Reitplatzausgang ist manchmal wie ein Magnet für dein Pferd.

Warum passiert dies:  Der Ausgang ist natürlich sehr attraktiv, wenn dein Pferd hart arbeiten muss, denn für dein Pferd bedeutet der Stall das Ende der Arbeit. Dein Jungpferd will dir damit sagen, dass es nun nicht mehr arbeiten will und sozusagen aus dem „Klassenzimmer“ raus will. Deine Aufgabe ist es nun, ihm zu vermitteln, dass die Arbeit erst dann endet, wenn du dies entscheidest.

Problembehebung: (Foto 3 B). Überliste dein Pferd. Arbeite es auf der Seite des Reitplatzes, wo sich der Ausgang befindet und mach dir keine Gedanken darüber, wenn die gerittenen Zirkel nicht unbedingt ein gleichförmiges Aussehen haben, weil dein Pferd trotzdem immer wieder versucht, wieder zum Ausgang zu kommen. Galoppiere dein Pferd auf diesem Zirkel solange, bis es müde ist und nicht mehr als sein Hauptziel den Ausgang sieht. Du erkennst dies, wenn dein Pferd sich entspannt und seinen Kopf tiefer nimmt. Nimm dein Pferd in den Schritt zurück und reite auf den Zirkel auf der anderen Seite des Reitplatzes und arbeite es dort ruhig in Schritt-Trab-Lektionen, so wie ich es hier mit meinem jungen Pferd mache.

Wie funktioniert dies: (Foto 3C).

Sehr schnell wird dein Pferd begreifen, dass es im Bereich des Reitplatzausganges viel härter arbeiten muss und sein Wunsch, Richtung Ausgang zu laufen, wird nachlassen. Die Tatsache, dass die Arbeit auf der anderen Seite des Reitplatzes angenehmer ist, macht diesen Ort für das Pferd attraktiver. (Tipp: Um seine Vorliebe für das andere Ende des Reitplatzes zu vergrößern, kannst du dort  dein Pferd auch einmal nach dem Reiten anbinden und es mit Heu füttern, so wie ich es mit meine jungen Pferd auf diesem Foto mache.)  Bald wirst du dein Pferd problemlos in jedem Bereich des Reitplatzes arbeiten können und vor allem hast du deinen Standpunkt unterstrichen, ohne dich auf einen Kampf mit deinem Pferd einzulassen.

 

Cleve Wells: Er hat das Buch „Going For Broke“ geschrieben, das eine Schritt-für-Schritt Anleitung für die Ausbildung eines jungen Pferdes gibt. Beginnend mit der Bodenarbeit bis zum Training unter dem Sattel. Es ist ein Trainingsprogramm, das ein Pferd zu einem willigen, respektvollen und langjährigen Partner für die Western Pleasure oder andere Bewerbe, die mit langem Zügel geritten werden, macht. Auch für die Ausbildung als Geländepferd ist dieses Programm sehr geeignet. Dieses Buch wurde von Cleve Wells, einem Champion Quarter Horse Trainer aus Burleson, Texas, geschrieben. Er zeigt das Trainingsprogramm mit dem 2-jährigen Quarter Horse „Hot As Blue Blazes“, einem zukünftigen Pleasurepferd von „Blazing Hot“.