Doppelte Aufgabe

Die Aufgabe, sein eigenes Paint Horse zu trainieren, kann durch die Hilfe von Trainern oder Turnierreitern weniger entmutigend sein.

 

Text & Fotos: Megan Larson

Übersetzung: Sonja Grünauer

 

Wenn man realisiert, dass man selbst alleine dafür verantwortlich ist, sein eigenes Paint Horse auszubilden, kann dies anfangs sehr einschüchternd wirken. Man sollte sich jedoch nicht entmutigen lassen, sondern gleich zu Beginn zu Hause „die kleinen Dinge“ verbessern, damit man später bei den fortgeschrittenen Übungen Erfolg hat. Du trainierst sozusagen dich selbst und dein Pferd.

In diesem Artikel lernst du, was wichtig ist, um dein eigener Trainer zu sein. Wir zeigen dir Übungen, die du daheim machen kannst, um schlechte Angewohnheiten von Haus aus zu vermeiden, und geben dir Tipps, solltest du dich dazu entscheidnt, ohne Hilfe anderer weiterzukommen, und nennen Gründe, warum die Unterstützung eines professionellen Trainers durchaus hilfreich ist.

 

Definiere die Anforderungen und Ansprüche

Das Trainieren eines Pferdes verlangt Zeit, Fähigkeiten und Geduld. Bedenke, dass nicht jeder diese Eigenschaften hat. „Ich denke, dass das Niveau im Showring heutzutage sehr hoch ist, da auch Amateure oder Youth-Reiter gerne mit professionellen Trainern zusammen arbeiten“, sagt Renee Robinson, eine Master Amateur-Turnierreiterin aus Keller in Texas, die sich selbst trainiert. „Ich weiß natürlich nicht, ob alle Profireiter sich selbst alleine trainieren, denn oft reiten sie gemeinsam mit anderen und lernen dadurch neue Techniken, um weiterhin konkurrenzfähig und erfolgreich im Showring zu sein.“

„Bevor du beginnt, dein Pferd selbst zu trainieren, solltest du vorab einmal kritisch analysieren, was du von dir und deinem Pferd erwartest“, sagt Scott Secrist, ein Novice Amateur-Reiter aus Rochester, Indiana. „Wenn du besonders konkurrenzfähig sein möchtest, solltest du dich für die Arbeit mit einem Trainer entscheiden. Möchtest du nur aus reiner Freude an Shows teilnehmen, interessieren dich die Platzierungen weniger und fühlst du dich gut, wenn du alleine mit deinem Pferd trainierst, ist dies eben gut für dich.“

Shawna Eisenhart, eine Classic Amateur-Turnierreiterin aus Attica, Ohio, die alleine trainiert, stimmt zu, dass man einige Dinge für die Entscheidung, wie man trainieren will, in Betracht ziehen sollte. „Nicht jeder ist kompetent genug, um sein eigener Trainer zu sein“, sagt Eisenhart. „Kannst du genug Zeit für die Erreichung deines Zieles investieren? Hast du ausreichendes Wissen, um die nächste Trainingsstufe zu erreichen? Ist die Anlage, auf der du trainierst, entsprechend ausgestattet? Bedenke, dass eine positive Einstellung ein absolutes Muss ist, dass die Geduld dein bester Freund sein sollte, damit du erfolgreich beim eigenen Training sein kannst.“

Hausaufgaben sind wichtig

Auch wenn du mit einem Trainer arbeitest, ist es keine schlechte Idee, sich beim Training einige Übungen zeigen zu lassen, die man dann alleine bis zur nächsten Trainingsstunde trainieren kann, damit die grundlegenden Fähigkeiten von Pferd und Reiter in gutem Zustand gehalten werden und das Pferd biegsam halten. Es ist vergleichbar mit Klavierstunden bei einem Lehrer, auch hier ist häufiges Üben zwischen den wöchentlichen Terminen sehr wichtig, um das Gelernte zu perfektionieren.

Also welche Übungen sollte man wiederholen, wenn der Trainer nicht anwesend ist? „Zum Beispiel Biegeübungen“, sagt Julie Thompson Martell, Eigentümerin und Trainerin der JTM Performance Horses Ranch in Granite Bay, Kalifornien. „Balance ist der Schlüssel, aber man kann sie nicht so einfach lernen bzw. lehren. Daher sind das Biegen und das Dehnen beim Aufwärmen sehr hilfreich. Ich hoffe immer, dass meine Schüler daheim die empfohlenen Übungen machen, damit wir beim nächsten Training einen Schritt weitergehen können.“

Larry Chastain, Eigentümer und Trainer der Copper Bottom Horse Farm in White City, Oregon, stimmt den Vorschlägen von Thompson Martell zu. „Wir sensibilisieren die Reiter, was die Wichtigkeit des korrekten Aufwärmens des Pferdes betrifft“, sagt Chastain. „Das ist ein Basiswissen, das jeder haben sollte, speziell dann, wenn man alleine trainiert.“

Ein weiterer guter Tipp zum Aufwärmen deines Pferdes, in Hinblick auf die Klasse, in der du starten möchtest, sind das Reiten von Zirkeln, das Stoppen, Hinterhandwendungen und ds Rückwärtsrichten. Man sollte jedoch darauf achten, die Übungen nicht zu oft zu wiederholen, damit das Pferd nicht sauer wird. „Um im Showring erfolgreich zu sein, sollte man gut reiten, ein entsprechend gutes Auftreten haben, einen zufriedenen Ausdruck haben und die Manöver korrekt ausführen“, sagt Robinson. „Dafür muss man üben. Je mehr du reitest, desto mehr werden dein Pferd und du eine Einheit.“

Es ist für Turniereinsteiger zu empfehlen, bei Turnieren mit anderen Reitern zu sprechen, um auch hier dazuzulernen.

„Ich suche nach Experten-Büchern aus der Sparte, die ich reite“, sagt Tia Brough-Leftin, eine Classic Amateur-Turnierreiterin aus Denver, Colorado. „Vor kurzem kaufte ich z.B. ein großartiges Buch über das Springen. Nachdem ich es gelesen hatte, stellte ich fest, dass ich teilweise komplett falsch geritten bin. Ich mag auch das Regelbuch der American Paint Horse Association. Aus diesem kann man total viel lernen und sich entsprechend wichtiges Wissen aneignen.“

 

Bild 1: Biegen und Dehnen sind sehr gute Aufwärmübungen.

Bild 2: Lies Trainingsbücher und sieh dir Videos an, um dein Wissen zu erweitern.

Bild 3: Renee Robinson arbeitet an ihrer Körperhaltung und an ihrem Auftreten, während sie ihre 1997 geborene roan-overo Stute Luv Me Good reitet.

 

 

Vorteile auf beiden Seiten:

Pro und Contra des Trainings ohne Trainer

·        Alleine zu trainieren gibt dir die Möglichkeit, dich für spezielle Events vorzubereiten.

·        Du kannst mit deinem Pferd eine Einheit werden, was sich im Showring bezahlt macht.

·        Du erkennst besser deine Fortschritte und die deines Pferdes, weil du dein Pferd täglich siehst.

·        Du kannst Geld sparen, weil du dein Pferd selbst daheim trainierst.

·        Es können sich Fehlermuster einschleichen, die später schwer auszumerzen sind, weil niemand in der Mitte steht und die Fehler korrigiert.

·        Man verliert leichter die Motivation am Training und lässt sich leichter ablenken.

 

Denke an folgende Dinge, wenn du mit einem Trainer arbeitest

·        Durch seine jahrelange Erfahrung kann ein Trainer immer neue Ideen in das Training einbringen.

·        Dein Trainer führt dich bei eventuell aufkommenden Problemen wieder auf den

richtigen Weg.

·        Du wirst sofort korrigiert und kannst dadurch deinen Sitz verbessern, was dich schneller zum Erfolg führt.

·        Ein Trainer motiviert seinen Schützling und hilft ihm, sein Ziel zu erreichen.

·        Behalte trotzdem deine eigene Meinung. Das, was dein Trainer sagt, muss nicht unbedingt Gesetz sein.

·        Das Arbeiten mit Trainern kann sehr kostspielig sein. Dies betrifft die Kosten für Trainingseinheiten, Turnierbegleitung und Beritt deines Pferdes.

 

Minimiere die schlechten Eigenschaften

Trotz großem Einsatz beim Eigentraining können schlechte Gewohnheiten bei Pferd und Reiter entstehen. Hier einige Tipps, um diese zu vermeiden. „Du solltest immer ein zweites Paar Augen in der Nähe haben, also einen Menschen, der dich kritisiert, damit du dir nichts Falsches angewöhnst“, sagt Robinson. „Schlechte Angewohnheiten beim Reiter sind z.B. das Hängenlassen der Schultern, die Vorwölbung des Halses, das Hochziehen der Fersen. Es ist also in deinem eigenen Interesse, wenn jemand deinen Ritt beobachtet und dir Feedback gibt.“

Auch Secrist stimmt dem zu. „Meist hat man selbst nicht das Gefühl, wie sich der eigene Körper am Pferd bewegt“, sagt er. „Das Aufzeichnen auf Video ist eine sehr gute Methode, seine Fehler beim Reiten zu erkennen. Man sollte sich diese genau ansehen, damit man an den  Fehlern arbeiten kann.“

Tricia Brown, eine Instruktorin der American Riding Instructors Association, lebt in Wilber, Nebraska, und rät, sich so viel Wissen, wie nur möglich, durch verschiedene Medien anzueignen, wenn man beschließt, alleine zu trainieren. Man kann sehr viel aus Büchern, DVDs und den Besuch von Clinics lernen.

„Eine Videokamera kann sehr hilfreich sein“, erklärt Brough-Leftin. „Bitte einen Freund, dich beim Reiten zu filmen. Du wirst überrascht sein, dass du dich auf dem Video anders siehst als du dich einschätzt. Manchmal ist es ein erfrischendes Feedback, zu sehen, wie gut du und dein Pferd aussehen. Manchmal jedoch ist man entsetzt, wenn man sieht, dass man seine Schultern hängen lässt, die zügelführenden Hände unruhig sind oder das Pferd furchtbar unglücklich aussieht.“ Brough-Leftin empfiehlt auch, einen anderen guten Reiter das Pferd ausprobieren zu lassen. „Es sagt viel darüber aus, wie du dein Pferd ausgebildet hast, wenn ein anderer Reiter dein Pferd nicht in den entsprechenden Lektionen reiten kann“, sagt sie. „Es kann jedoch auch sein, dass dein Pferd bei dem anderen Reiter besser geht als bei dir.“

Alleine zu trainieren, benötigt eine große Menge an Geduld und Zeit – zwei Aspekte, die viele Leute nicht bedenken. Eisenhart erklärt, dass es möglicherweise beim Alleintraining etwas länger dauern kann, bis man sein Ziel erreicht, als wenn man mit einem Trainer zusammen arbeitet.

Lass dich beraten

Wenn du die preislich günstigere Variante des „Alleintrainings“ wählst, bedenke, dass es trotzdem nicht schadet, sich manchmal von anderen Reitern Rat zu holen. Solch ein Rat kann dir und deinem Pferd sehr helfen. „Ein wichtiger Faktor, um sich beim Reiten zu verbessern, ist, sich Rat von anderen zu holen“, sagt Eisenhart. „Hier bekommt man oft sehr wertvolle Tipps.“

„Trainierst du tagtäglich alleine, ist es definitiv sehr wichtig, sich von einem erfahrenen Amateur-Reiter oder Trainer beraten zu lassen, um sein eigenes Können zu verbessern“, erklärt Robinson. „Clinics sind sehr zu empfehlen, wenn man sich auf ein Turnier vorbereitet. Dadurch wird die Chance größer, erfolgreich zu sein.“

Wenn du dir von verschiedenen Trainern oder Reitern Tipps holst, wirst du verschiedene Trainings-Techniken kennen lernen, was dir ermöglicht, jene auszuwählen, die dir und deinem Pferd am besten liegen. „Es ist großartig, wie viele verschiedene Trainingstechniken es gibt“, sagt Secrist. „Besuche Turniere und beobachte die guten Reiter. Daraus kannst du sehr viel lernen und so manches, was du gesehen hast, in dein Training einbeziehen.“

Brough-Leftin stimmt Secrist zu und empfiehlt, zeitweise trotzdem Trainingsstunden zu nehmen oder gemeinsam mit Freunden zu reiten, um Neues zu lernen und somit Fortschritte zu machen. „Obwohl ich nicht die ganze Zeit mit einem Trainer arbeite“, sagt sie, „nehme ich zwei Springstunden im Monat und auch Dressurstunden. Ohne die Hilfe dieser beiden Trainer hätte ich aufkommende Probleme nicht erkannt. Ich lerne so viel Neues dazu.“

Arbeitest du regelmäßig mit einem Trainer, solltest du zwischen den Trainerstunden das Gelernte festigen, damit du schnelle Fortschritte machst. Bedenke, nicht jeder eignet sich dazu, sein Pferd alleine zu trainieren. Wenn du dein Pferd meist alleine trainierst, sprich mit verschiedenen Fachleuten, um neue Ideen fürs Training zu bekommen, und nütze die Möglichkeit von Videoanalysen, um das Entstehen schlechter Angewohnheiten zu vermeiden. Beobachte Turnierreiter bei ihrer Arbeit und probiere dies mit deinem Pferd aus, um zu sehen, ob dies eine Technik ist, die deinem Pferd und dir passt, oder ob dein Pferd besser auf eine andere Trainings-Technik anspricht.

„Es gibt so viel zu lernen, wenn man mit Pferden arbeitet und bei Turnieren starten will“, sagt Brough-Leftin. „Niemand kann alles lernen, bedenke dies.“

Erfolg im Showring

Wie wahrscheinlich ist es, dass du im Showring erfolgreich bist? Mit ein bisschen harter Arbeit, mit Konsequenz und Geduld kannst du mit Hilfe deines Pferdes durchaus Preisschleifen nach Hause bringen.

„Es ist tatsächlich möglich“, sagt Renee Robinson, eine Master Amateur-Turnierreiterin aus Keller, Texas, die sich selbst trainiert. „Man sollte ein gutes Pferd haben, über ein gutes Pferdefachwissen verfügen und eine gute Arbeitsmoral haben. Bringt man alle diese Elemente zusammen, wird daraus ein sehr erfolgreiches Team.

Linda Hill, eine Master Amateur-Turnierreiterin, die in Washington/Texas alleine trainiert, meint, dass viele erfolgreiche Amateur- und Youth-Reiter vorwiegend alleine trainieren. „Ich persönlich hatte durch die Hilfe meines Mannes und anderer erfahrener Reiter, mit fallweisen Reitstunden bei Trainern mit verschiedenen Pferden Erfolg bei den Turnieren“, sagt Hill.

Robinson hat einige Titel gewonnen, wie z.B. die Reserve World Championship – und all dies mit Paint Horses, die sie alleine trainiert. Hill war mehrfach sowohl in den Top 20 der Amateur Paint-Bewerbe als auch bei der Reserve World Championship und bei der Honor Roll platziert. „Ich reite mindestens fünf Mal pro Woche“, sagt Hill. „Ich habe herausgefunden, dass nicht jedes Pferd zu jedem Reiter passt, doch wenn es bei dir und deinem Pferd ‚Click‘ macht und ihr beide fleißig und konsequent arbeitet, dann wirst du auch als dein eigener Trainer erfolgreich sein.“