Stangen-Power !

Teil 2: Trabstangen

 

Nütze die Trabarbeit über Bodenstangen, um dein Pferd mental aufzufrischen, seine Bewegungen zu verbessern, deine Balance zu verbessern und zu kontrollieren. Champion Trainer Mark Stevens zeigt dir, wie es funktioniert.

 

Text: Mark Stevens mit Sue M. Copeland, Fotos: Cappy Jackson, Übersetzung: Sonja Grünauer

 

Events: Trail oder Westernriding - jedoch auch für alle anderen Situationen, wo eine gute Zusammenarbeit zwischen Pferd und Reiter erforderlich ist.

Ziel: Über eine Serie von Bodenstangen in perfekter Kadenz und ohne diese zu berühren (damit man in einer Show keine Penalty-Punkte dafür bekommt) zu traben.

 

Vorteile:

·        Beim Start in einem Bewerb, in dem Stangen zu bewältigen sind, kann man sogar Pluspunkte bekommen, wenn die Stangen flüssig und ohne Berührung überritten werden.

·        Auch wenn du an keinen Bewerben teilnimmt, profitierst du von diesen Übungen, weil dein Pferd lernt, besser auf deine Hilfen zu reagieren.

·        Du verbesserst deinen Sitz und deine Balance, indem du lernst, die Bewegung deines Pferdes richtig zu sitzen.

·        Verbesserung der Kadenz, der Schrittlänge und der Bewegungsabläufe deines Pferdes, das es lernt, seinen Rücken bei dieser Übung rund zu machen und rhythmische Bewegungsabläufe erlernt, wenn es mit Vorderbeinen und Hinterbeinen die Stangen überquert.

·        Diese Arbeit macht euch beide frisch – denn sie macht beiden Spaß!

 

In der letzten Ausgabe gab es Tipps, wie du deinem Pferd lernst, gleichmäßigen Rhythmus und Kadenz zu haben, wenn es im Schritt über eine Serie von 4 Stangen geht. Ihr beide habt erkannt, dass die einzige Möglichkeit, die Stangen ohne Probleme zu überwinden, eine korrekte Schrittlänge ist. Ist die Schrittlänge deines Pferdes zu lang, dann muss es mit stotternden Schritten über die Stangen. Sind die Schritte zu klein, muss es über die Stangen laufen, obwohl diese im Schritt zu bewältigen sind. Außerdem konntest du lernen, dass der Vorteil der Stangenarbeit ist, dass das Pferd aufmerksamer wird, ohne dass man es dazu zwingen muss. Es erleichtert dem Reiter, sein Pferd im Tempo zurück zu nehmen oder das Tempo zu forcieren – so wie du es brauchst. Dein Pferd hat begriffen, dass das Einhalten der korrekten Schrittlänge seinen Job sehr vereinfacht.

In diesem Artikel erhöhen wir den Schwierigkeitsgrad, indem wir im Trab über die Stangen reiten. Dies Basis ist die gleiche: Kadenz ist der Schlüssel zum Erfolg dieser Übung. In diesem Fall ist es allerdings auch wichtig, dass dein Körper elastisch mit der Bewegung des Pferdes mitgeht, damit du die vermehrte Bewegung des Pferdes absorbieren kannst. Dies verbessert deine Balance, was auch deine Kontrolle über dein Pferd verbessert. Lass dich nicht beunruhigen. Mit der Zeit und vermehrter Übung wirst du dich bald sicherer fühlen.

 

Was du benötigst:

4 Bodenstangen. 12-Fuß lange Bodenstangen werden normalerweise bei Shows eingesetzt, doch fürs Training reichen 8-Fuß lange Holzstangen aus dem Baumarkt genauso aus.

Maßband

4 kleine Verkehrshütchen. Du kannst diese dafür verwenden, um den optimalen Punkt zu markieren, wo dein Pferd abfußen sollte, um problemlos über die jeweilige Stange zu treten.

Einen ebenen Bereich mit gutem Untergrund zum Reiten.

Ein Pferd, das bereits entsprechend gut geritten ist. Es sollte leicht zu lenken und zu stoppen sein. Ist ein Pferd noch zu wenig ausgebildet, sollte man zuerst einmal mit einem erfahrenen Trainer arbeiten, bevor man mit der Arbeit mit Bodenstangen beginnt.

 

Kenne die richtigen Abstände zwischen den Stangen

Die Abstände der Stangen in den verschiedenen Gangarten sind ganz einfach anzulegen. Messe einfach die Distanz von der inneren Seite bis zu anderen inneren Seite der nächsten Stange.

Schritt: ca. 61 cm

Trab: ca. 91,5 cm

Galopp: ca. 1,8 Meter

Beachte: Dies sind die Abmessungen, die du in Trailklassen bei Turnieren vorfindest. Man kann jedoch auch die Distanz von Galoppstangen dazu verwenden, im Trab jeweils 2 Tritte oder im Schritt jeweils 3 Schritte zwischen den Stangen zu machen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

 

1.Lege 4 Stangen auf, im Abstand von jeweils 90 cm. Falls du Kegel als Markierung, wo das Pferd vor der Stange abfußen soll, verwenden willst, positioniere diese 45 cm vor der ersten Stange und danach jeweils mittig in den Stangenabständen (siehe Foto). Wärme dein Pferd auf. Sobald es sich setzen kann, reite einen kadenzierten Trab auf einem 9 Meter großen Zirkel vor der ersten Bodenstange und zähle dabei „eins-zwei-eins-zwei“, um den Rhythmus zu halten. (Tipp: Der Trab sollte etwas schneller als ein Pleasure-Jog sein und langsamer als der Trab in der Hunter-Klasse. Wenn du dir nicht sicher bist, mach dir keine Gedanken. Nach einigen Übungen wirst du es im Gefühl haben.) Wenn du dein Zählen ändern musst, dann ist dein Pferd zu schnell oder zu langsam. Setze Schenkel- und Zügelhilfen ein, um dein Pferd wieder in den gewünschten Rhythmus zu bringen. Um die Balance zu erhalten, lehne dich leicht nach hinten und verlagere dein Gewicht mehr auf dein Gesäß und richten deinen Oberkörper auf, damit du die Bewegungen des Pferdes besser absorbieren kannst. (Tipp: Übe das Trabtempo und deinen passenden Sitz nicht über den Stangen, sondern bereits vorher, damit du deinen Sitz verbesserst. Wenn du die Zügel brauchst, um die Balance zu finden, wird dein Pferd den Kopf hoch nehmen, weil es ihm unangenehm ist oder wird langsamer werden. Am Besten hältst du dich am Sattelhorn fest, wenn du aus der Balance kommst.) Wenn du einmal den Rhythmus beim Traben des Zirkels erreicht hast, lenke dein Pferd geradeaus auf die Mitte der ersten Stange zu. Zwei oder drei Tritte vor der Stange gebe deinem Pferd mehr Zügel und lass es seinen Job alleine machen. So kann es nach unten sehen und erkennen, ob es größere oder kleinere Tritte machen muss, um die Stangenserie problemlos zu bewältigen. Vermeide es, das Pferd vorwärts zu scheuchen, wenn es zögert. Stattdessen legst du vermehrt die Schenkel ans Pferd und schnalzt mit der Zunge, um es zum vorwärts gehen zu motivieren. Gleichzeitig verlagerst du vermehrt Gewicht in die Steigbügel, um dem Pferd zu ermöglichen, den Rücken dabei rund zu machen, wenn es über die Stangen trabt. Beachte: wenn dein Pferd noch nie über eine Stange getrabt ist, beginne zuerst über eine einzelne Stange zu traben, damit sowohl du als auch dein Pferd lernen, wie man den Punkt des Abfußens erkennen kann. Wiederhole dies, bis es problemlos über die einzelne Stange trabt, ohne den Rhythmus zu ändern und lege dann eine zweite Stange dazu, danach eine dritte und schließlich auch die vierte Stange.

 

2.War die Trittlänge korrekt und hat dein Pferd korrekt abgefußt? Wenn die Vorderbeine mittig zwischen den 2 Stangen landen, dann kann man dir gratulieren. Landen die Vorderhufe zu nah an der ersten Stange, dann fußt das Pferd zu früh für die zweite Stange ab – das bedeutet der Trabtritt war zu kurz. Landen die Vorderhuf zu nah an der zweiten Stange, dann sind die Trabtritte zu groß. Problemlösung siehe Fotos 5, 6 und 7.

 

3.Halte dein Pferd gerade und du hältst deinen Körperposition ebenfalls ruhig und gerade, damit das Pferd unter dir in Balance bleiben kann und gebe ihm eventuell Hilfen, damit es wieder den „eins-zwei“-Rhythmus bekommt, wenn es über …

 

4… die Stangen trabt. Hat er einmal die letzte Stange überquert, reite es für weitere vier bis fünf Tritte geradeaus und bleib im gleichen Rhythmus. Danach reite wieder einen Zirkel und versuche wieder Kadenz und gleichmäßige Trittlängen zu erreichen. Beachte: Wenn dein Pferd an den Stangen anschlägt, kann es sein, dass es seine Beine nicht gut genug anhebt. Setze Schenkelhilfen ein, um mehr Energie bei den Tritten aus deinem Pferd heraus zu holen und versuche erneut über die Stangenreihe zu traben, indem du gleichzeitig mit Stimmhilfe (Zungen schnalzen) dein Pferd versuchst zu motivieren, seine Beine höher zu nehmen und seinen Rücken rund zu machen.

 

5.Problemlösung: Das Pferd fußt zu früh vor der Stange ab. Wenn dein Pferd versucht, zu früh über die erste Stange zu steigen, dann stolpert es durch den Rest der Stangenreihe oder macht einen kleinen Zwischentritt. Wenn dies passiert …

 

6…halte die Zügel bereits 3 Tritte vor der ersten Stange etwas höher über dem Sattelhorn und übe vermehrt Schenkeldruck aus. Die Kombination aus Schenkel- und Zügelhilfen verkürzt die Tritte des Pferdes und das Pferd wird näher der Stange vom Boden abfußen. Behalte den Kontakt während der Stangenserie und wiederhole dies noch einige Male. Danach lasse die Zügel wieder lockerer und lasse dein Pferd seinen Job erneut alleine versuchen. Sehe, was die Kombination aus Zügel- und Schenkelhilfen bei diesem Pferd bewirkt hat: Es nimmt seine Beine höher, zeigt mehr Energie, verlängert jedoch nicht seine Trittlänge in der Stangenreihe, damit es diese mit Kadenz überwinden kann.

 

7.Problemlösung: Das Pferd macht zusätzlich einen kleinen Tritt. Setze Hilfen ein, um die Trittlänge des Pferdes etwas zu vergrößern, damit es weiter über die erste Stange tritt. (Möglicherweise war das Pferd in der Stangenreihe zu langsam.) Stürmt das Pferd auf die Stangen zu, wiederhole die Übungen aus Teil 1 (Western News 1/2011). Arbeite mit Trabstangen nur dann, wenn das Pferd diese ohne Wechsel der Kadenz bewältigen kann. Dann bist du bereit für den nächsten Schritt: die Galoppstangen.

 

Vermeide den „Wog“ im Trail

Der Jog ist ein Zweischlag, bei dem jeweils die diagonalen Beinpaare den Boden berühren. Während den beiden Takten schwingt der Rücken des Pferdes in die Höhe. Dies ist die Bewegung des Pferdes, die auch der Reiter spürt. Viele Trail-Pferde kommen aus der Western Pleasure, wo langsames Traben erwartet wird. Zu langsames Traben kann jedoch auch den Rhythmus beeinträchtigen und es entsteht sozusagen ein „halber Trab“, den ich auch „WOG“ nenne. Wenn ich ein Pleasure-Pferd mit diesem Trab über Trabstangen reite, kann es sein, dass es mit seinen Hinterbeinen immer wieder an den Stangen anschlägt. Um deinem Pferd zu helfen, musst du dein Pferd zu mehr Vorwärtsbewegung motivieren, damit es seinen Rücken rund machen und seine Beine höher nehmen kann. Dies erfordert bei deinem Pferd Kraft in seinem Rücken, Bauch und Hüften – das ist der Schlüssel für den Erfolg. Ich wende die Arbeit mit Bodenstangen an, um Western Pleasure Pferde in ihrer Bewegung zu verbessern und um sie geistig wieder frisch zu machen. So entstehen Gewinner.

 

Mark Stevens ist seit 1970 erfolgreich im Training und bei Shows. Gleichzeitig ist er ein anerkannter nationaler und internationaler Clinician. Sowohl seine Schüler als auch die Trainer, die bei ihm auf der Springwater Farm arbeiten, sind erfolgreich bei AQHA, PHBA und ApHC World Championships. Während Mark vorwiegend Pleasurepferde trainiert, erklärt er, dass seine Lieblingsdisziplin die All-Around-Klasse und der Trail sind. Er wendete die Stangenarbeit bei seinem Pferd „What A Fancy Zippo“ an, um seinen Rhythmus für die Pleasure zu verbessern – dadurch kam er zur Trailarbeit. Durch die Arbeit mit Bodenstangen konnte er mit dem 1992 geborenen Wallach mehrfach die Trailbewerbe bei den AQHA World Championships und beim AQHA World Congress gewinnen. Noch im Alter von 16 Jahren ist dieses Pferd erfolgreich. Ein weiteres Pleasurepferd, das er erfolgreich im Trail vorstellen konnte ist der 1993 geborene Quarter Horse Wallach „Lopin Leaguer“, der im Jahr 2007 AQHA Select World All-Around Champion wurde. Stephanie Armellini, eine der Team-Trainerinnen der Springwater Farm, zeigt auf den Fotos mit Zippos Broker (Besitzerin: Jaqueline Schwartz) die Übungen.