Horse Patrol  im Petrified Forest Nationalpark, Arizona, USA

Bericht über einen vierwöchigen Aufenthalt in einem der farbenprächtigsten Nationalparks der USA

Fotos: Norbert Sauerwein, David Velk

Text: Norbert Sauerwein

Es ist 5:30 Uhr, als an jenem Morgen Ende Juni 2010 der Wecker läutet. Aber ich bin schon seit geraumer Zeit wach, denn die Zeitverschiebung zwischen Arizona und Österreich beträgt im Sommer 9 Stunden und meine innere Uhr hat sich noch nicht vollständig umgestellt. Unmittelbar darauf fahre ich zum etwa vier Kilometer entfernten Stall. Die Pferde der Horse Patrol warten bereits auf ihre morgendliche Ration von etwas Wiesenheu bzw. Alfalfa (Luzerneheu) in Kombination mit einer Hand voll Körnermischfutter. In Anbetracht der kargen Weide ist eine zusätzliche Futtergabe zweimal täglich unerlässlich.

Pintado und Trooper

Für die Horse Patrol stehen dem Petrified Forest Nationalpark zur Zeit meines Aufenthalts zwei Pferde zur Verfügung: Pintado (was auf Spanisch so viel bedeutet wie „bunt“ oder „gescheckt“), ein zehnjähriger Appaloosa-Wallach, sowie Trooper (was übersetzt „Kavalleriepferd“ heißt), ein neunjähriger Quarterhorse-Wallach. Für diese beiden sollte ich vier Wochen lang zuständig sein.

Um die Freigabe dafür zu erlangen, eigenständig im Park reiten zu dürfen, muss ich jedoch zunächst eine umfangreiche Qualifikationsprüfung in der Handhabung der Pferde absolvieren. Diese Prüfung wird vom verantwortlichen Horse Patrol Coordinator, dem Law Enforcement Ranger Marc, abgenommen  und umfasst so ziemlich alles, was den Umgang mit Pferden betrifft: Richtiges Annähern an das Tier, Fell- und Hufpflege, Anlegen von Halfter bzw. Zaumzeug, korrektes Satteln, Fragen im Zusammenhang mit dem richtigen Verhalten des Reiters auf Straßen, bei Menschenansammlungen und im Gelände, Erste Hilfe bei Unfällen und Verletzungen des Pferdes, eine praktische Reitprüfung am Reitplatz in allen Gangarten, mit und ohne Steigbügel, Überwindung von Hindernissen, Verladen der Pferde in den Anhänger, Sicherheitsbestimmungen beim Fahren mit dem Trailer in Theorie und Praxis etc.

Verladen der Pferde

Der Pferdetransportanhänger muss erst vom Nordende des Parks überstellt werden. Diese Fahrstrecke von 28 Meilen ist bereits Teil meiner praktischen Prüfung. Unmittelbar vor dem Verladen der Tiere weist mich Marc darauf hin, dass Pintado nicht gern in den Trailer steigt. Trooper hingegen macht diesbezüglich kaum Probleme. Also wird zuerst Trooper in den Hänger geführt. Als dann Pintado an der Reihe ist, erinnere ich mich daran, was ich bei Monty Roberts beobachtet hatte. Ich führe das Pferd einige Schritte in Richtung Anhänger, stoppe nach ein paar Schritten, richte es einige Schritte zurück. Diesen Vorgang wiederhole ich mehrmals, bis ich unmittelbar vor der etwa 40 cm hohen Anhängerstufe (keine Rampe!) stehe. Hier richte ich Pintado noch einmal ein paar Schritte zurück, um dann gleich vor ihm in den Trailer zu steigen. Ich bin überrascht, dass mir Pintado ohne zu zögern folgt. Marc beobachtet das Ganze, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Als sich schließlich beide Pferde im Anhänger befinden, bricht Marc sein Schweigen: "Ich bin sprachlos. So habe ich Pintado noch nie in den Trailer gehen sehen." Und ab diesem Zeitpunkt genieße ich vollen Respekt und Anerkennung von Marc. Er meint, dass Pintado durch meine Anweisungen gelernt hat, dass ich sein Boss bin. Ich habe bestimmt, wann gestoppt und zurückgegangen wird und nicht das Pferd, wie meistens bei den Verladungen. Nach etwa vier Stunden ist der gesamte Prozess der Qualifikationsprüfung erledigt und ab nun bin ich berechtigt, die Pferde überall im Park ohne Einschränkung zu reiten.

Feed, Muck, Water

Von der Fütterung morgens und abends bis zum Training im Roundpen und natürlich einschließlich der stundenlangen Ausritte im Rahmen des Aufsichtsdienstes habe ich freie Hand bei der Gestaltung des Tagesablaufs. Das Ausmisten (Muck) der Außenstallboxen gehört ebenso zur täglichen Arbeit wie die Kontrolle des Wasserstandes im Tank. Über all diese Tätigkeiten ist genau Protokoll zu führen.

Während die Pferde ihr Futter genießen, fahre ich zurück zu meiner Unterkunft, um selbst zu frühstücken. Ich bereite mir Früchtetee, eine Scheibe Brot mit Butter und Käse, eine Schüssel Corn Flakes, sowie einen Apfel oder eine Banane. Nach der Morgentoilette richte ich mir mein Lunchpaket. Für die mittägliche Stärkung aus der Satteltasche bevorzuge ich Tortillas, Beef Jerkey (luftgetrocknetes Rindfleisch), Tomaten und Obst. In der herrschenden Hitze hält sich der Appetit tagsüber ohnehin in Grenzen. Die durchschnittlichen Temperaturen betragen hier im Sommer 35 bis 40 Grad Celsius, wobei auch Werte von 45 Grad und darüber vorkommen können. Enorm wichtig ist in diesem heißen und trockenen Klima die Aufnahme von Trinkwasser in einer Menge von drei bis vier Litern täglich, um ein Dehydrieren des Körpers zu vermeiden.

Wasser von der Feuerwehr

Da im Bereich des Pferdestalls weder eine Wasserleitung noch ein Brunnen vorhanden ist, erfolgt die Trinkwasserversorgung der Tiere aus einem Wassertank. Dieser etwa 2000 Liter fassende „Water-Buffalo“ muss in Abständen von ungefähr zwei bis drei Wochen von der Feuerwehr mit Wasser gefüllt werden. Für den Feuerwehrdienst im Nationalpark sind die Law Enforcement Rangers zuständig. Sobald im Zuge der täglichen Kontrolle festgestellt wird, dass der Wasservorrat zur Neige geht, ist unverzüglich das Feuerwehrtanklöschfahrzeug der Parkverwaltung anzufordern.

Petrified Forest – der versteinerte Wald

Mit dem weltweit größten und farbenprächtigsten Vorkommen von versteinertem Holz, bunten Wüstengebieten, historischen und archäologischen Fundstätten, urwüchsigem Grasland und mit über 200 Millionen Jahre alten Fossilien zählt der Petrified Forest Nationalpark zu den landschaftlich interessantesten und faszinierendsten Orten der Welt. Der etwa 900 km² große Park befindet sich im Nordosten Arizonas, unmittelbar an der historischen Route 66, dem „Oregon Trail des 20. Jahrhunderts“.

Man darf sich von der Bezeichnung „Petrified Forest“ (versteinerter Wald) nicht täuschen lassen. Tatsächlich findet man heute im weiten Umkreis keinen Wald mehr, sondern nur Wüste und Grasland mit jeder Menge frei herumliegender versteinerter Baumstämme und Felsbrocken, die Zeugnis davon geben, dass an dieser Stelle vor mehr als 220 Millionen Jahren eine bewaldete Sumpflandschaft von enormem Ausmaß existierte.

Jährlich werden Tausende von BesucherInnen aus aller Welt registriert, welche sich von den Eindrücken dieser atemberaubenden Landschaft verzaubern lassen.

Die Vielzahl der Touristen bringt es mit sich, dass ein gewisser Schwund an Fossilien und versteinertem Holz leider nicht ausbleibt. Der National Park Service legt größten Wert darauf, dass die natürliche Struktur der Landschaft  auch für die nachfolgenden Generationen möglichst unverändert erhalten bleibt. Das Sammeln von Fossilien wird daher nicht als Kavaliersdelikt gesehen, und die unbefugte Aneignung von versteinertem Holz wird im Nationalpark rigoros geahndet. Die Park Rangers sind beauftragt, den Park diesbezüglich streng zu überwachen. Informationen über den Petrified Forest Nationalpark findet man unter:  http://www.nps.gov/pefo

Horse Patrol

Für den Aufsichtsdienst im Nationalpark wird unter anderem auch die Horse Patrol eingesetzt. Berittene Ranger sollen alleine durch ihre Präsenz dafür sorgen, dass sich die BesucherInnen diszipliniert und rücksichtsvoll an den Naturwundern des Parks erfreuen.

Hauptzweck der Pferdepatrouille sind die hohe Visibilität der Ranger sowie der Kontakt zu den BesucherInnen im Bereich der Petrified Wood-Areale. Die Pferde werden vor allem, aber nicht ausschließlich, in den unerschlossenen Wildnisgebieten eingesetzt, beispielsweise für Suchaktionen oder bei Bedarf auch für den Transport von Versorgungsgütern. Zuständig für die Organisation des Pferdeprogramms ist der Horse Patrol Coordinator.

Weiters sind die Pferde für folgende, dienstliche Aufgaben vorgesehen:

Kontrolle der Parkgrenzen und interne Parkpatrouille

Überwachung der im Park vorhandenen Ressourcen

Patrouillenritte in den Wildnisgebieten

Schutz der Wildtiere vor Wilderern          

Austreiben von eingewechseltem Weidevieh

Programme der Öffentlichkeitsarbeit

Sonderaufträge (Teilnahme an Paraden bzw. Veranstaltungen außerhalb des Parks)

VIP – Volunteer in Park

Für die Betreuung der Pferde der Horse Patrol war die Position eines Volunteers, also eines freiwilligen Mitarbeiters, im Internet ausgeschrieben. Unter der Volunteer Website www.volunteer.gov/gov  findet man mehr als eintausend Möglichkeiten, sich um eine Stelle bei einer der verschiedenen U.S.-Organisationen (National Park Service, Forest Service, Bureau of Land Management, Fish & Wildlife Service, U.S. Geological Survey etc.) zu bewerben.

Ziel des Horse Patrol VIP-Programms ist unter anderem, dass der Volunteer in der Lage ist, einerseits unabhängig und selbstständig mit den Pferden zu arbeiten, andererseits jedoch auch eine Zusammenarbeit mit der Parkpolizei, also den Law Enforcement Rangers, erwartet wird, vor allem im Bereich der Erhaltung und des Schutzes von Parkressourcen.

Die Dienstpflichten umfassen beispielsweise

-Kenntnisse im ordnungsgemäßen Umgang mit Pferden, Fütterung, Pflege, Reinigung von Stall, Pferdekoppeln und Ausrüstung, tierärztliche Erstversorgung bei Notfällen.

-Reiten und Bodenarbeit mit den Pferden der Parkverwaltung, inklusive Longierarbeit im Roundpen, berittener Patrouillendienst im Bereich der Wildnisgebiete, der Besucherareale und des eingerichteten Wegenetzes.

-Verladung und Transport der Pferde mittels Anhänger, ordnungsgemäßes Ankuppeln des Hängers an das Zugfahrzeug, Lenken eines Trucks mit Anhänger auf der Straße und im Gelände, sowie sämtliche Sicherheitskontrollen im Zusammenhang mit dem Tiertransport.

-Ausführliche Informationen an die Parkbesucher vom Pferderücken aus über Paläontologie, Geologie, Archäologie, Flora und Fauna. Vom Volunteer wird erwartet, dass er den Besuchern detaillierte Informationen über Bestimmungen des Ressourcenschutzes ebenso

vermitteln kann, wie über das korrekte und umweltschonende Verhalten in den Wildnisgebieten. Darüber hinaus muss der Volunteer über geographische Fragen, allgemeine Wildnis- und Parkinformationen und über das Veranstaltungsprogramm des Parks bescheid wissen.

- Es wird erwartet, dass der Volunteer mit verschiedenen Arbeiten im Freien beauftragt werden kann, wie beispielsweise Zaunreparatur mit Handwerkzeug, Setzen von Grenzzeichen, Bestandsaufnahme von Ressourcen sowie Viehtrieb.

-Leitung von Gebietspatrouillen in der Wildnis, Herstellung von Besucherkontakten sowie erforderlichenfalls Unterstützung des Law Enforcement Programms.

Physisches Anforderungsprofil und Arbeitsbedingungen:

Beim Bewerber wird eine gute gesundheitliche Verfassung vorausgesetzt. Unter anderem muss der Volunteer in der Lage sein, Gewichte bis zu 50 Pfund (Sattel und Packzeug) zu heben. Körperliche Fitness für ein problemloses Auf- und Absitzen, ohne sich selbst oder das Pferd zu verletzen, ist ebenfalls ein Kriterium.

Dem Bewerber sollten Arbeiten im Freien unter den typischen klimatischen Bedingungen Arizonas, wie zum Beispiel extrem niedrige Luftfeuchtigkeit, Temperaturbereiche bis über 40 Grad Celsius im Sommer, Wind, Sandstürme, Gewitter mit Starkregen etc. zugemutet werden können. Der Volunteer sollte einschätzen können, wenn für den berittenen Patrouillendienst ungeeignete Bedingungen vorherrschen und für diesen Fall flexibel genug sein, weitere Aufgaben gemäß Ausschreibung zu übernehmen. Weiters wird erwartet, dass der Bewerber auch mit unwegsamen Geländeverhältnissen in Meereshöhen über 2000 Meter zurechtkommt.

Endlose Weiten

Ausgestattet mit einem Funkgerät, welches ich ständig tragen muss, reite ich regelmäßig direkt vom Stall am südlichen Ende des Parks in Richtung Südeingang und zum Besucherzentrum im Bereich des so genannten Rainbow Forest. Eine nahezu endlose Weite breitet sich vor mir aus und lädt mich ein, über das schier grenzenlose Grasland zu reiten. In diesen Momenten denke ich immer wieder daran, dass sich der optische Eindruck dieser Landschaft in den vergangenen Jahrhunderten kaum verändert hat. Den ersten Siedlern und Pionieren, die lange Zeit vor mir in diese Gegend gekommen waren, bot sich dieselbe Perspektive wie mir heute.

Der Schirm der Uniformkappe sowie meine Sonnenbrille bieten ausreichend Schutz vor dem grellen Licht der Sonne. Das Zirpen der Zikaden verleiht der Umgebung eine monotone Geräuschkulisse. Über das leicht hügelige Grasland trägt mich Trooper Richtung Osten, bis ich am Horizont die Hauptstraße des Parks erspähe. Die Distanz zum anvisierten Etappenziel verkürzt sich nur allmählich. Vorbei an Sagebrush und einzelnen Wacholdersträuchern trottet mein Brauner vom Hochplateau, auf dem sich der Stall befindet, hinunter in die tiefer gelegene Ebene. Bizarre Felsformationen säumen meinen Weg durch diese Landschaft, die mir aus vielen Filmen des Western-Genres so vertraut erscheint.

Vor der großen Begrüßungstafel lege ich meist eine kurze Rast ein. Viele Parkbesucher stoppen ihr Fahrzeug und schießen ein Erinnerungsfoto. Ein berittener Ranger ist natürlich stets eine gewisse Attraktion für die zahlreichen Besucher des Parks. Für einige muss ich als Fotomotiv zur Verfügung stehen, während andere – vor allem Kinder – ganz verrückt danach sind, das Pferd zu streicheln. Auch habe ich genügend Möglichkeiten, meine Englischkenntnisse anzuwenden und aufzufrischen. Und so mancher Tourist aus Österreich ist erstaunt, einem Landsmann als berittenem Park Ranger zu begegnen.

Ich setze meinen Ritt entlang der Straße fort, um den Kollegen an der Entrance Station einen Besuch abzustatten. Dort schätzt man die willkommene Abwechslung und nach einem kurzen Gespräch und der Vergewisserung, dass alles in Ordnung ist, reite ich hinunter zum Jim Camp Wash, dessen Verlauf ich bis zum Rainbow Forest Museum folge.

Unterwegs mit den Archäologen

An einem Morgen erreicht mich ein Funkspruch von den Kollegen der Archäologie. Sie wollen heute im Bereich des Crystal Forest einige Fundstätten aufsuchen und laden mich ein, mitzukommen. Nach einer viertelstündigen Fahrt erreiche ich mit Pickup und Trailer den Parkplatz beim Crystal Forest, wo bereits das Fahrzeug der Archäologen geparkt ist. Ich suche mir einen geeigneten Stellplatz, sichere diesen ab und führe Pintado aus dem Anhänger, um ihn sogleich zu satteln. Die Wasserflasche wird in der Satteltasche verstaut. Einer der Ranger übermittelt mir über Funk seine Position: „Zwei Meilen in Richtung Ost-Südost vom Parkplatz.“  Ohne Kompass und nur mit der Sonne als Orientierungshilfe reite ich los. Ich versuche, die eingeschlagene Richtung möglichst genau beizubehalten. Immer tiefer dringe ich in die Wildnis vor. Eine hügelige Wüstenlandschaft breitet sich vor mir aus. Vorerst noch keine Spur von den Archäologen. Im Schritt bahnt sich Pintado den Weg zwischen den sanften Hügeln. Nach einer Weile schließlich ein weiterer Funkspruch. Die Archäologen bestätigen einen ersten fernen Sichtkontakt. Die Richtung stimmt also. Nun sehe auch ich weit entfernt am Horizont auf einer kleinen Anhöhe einen winzigen, dunklen Punkt, der sich bewegt. Nun ermuntere ich Pintado zu einem gemütlichen Lope, um rascher bei den Kollegen einzutreffen. Zehn Minuten später erreiche ich den Hügel, auf dem mich die Archäologen bereits erwarten. An dieser Stelle finden wir Spuren prähistorischer Kulturen. Die Vegetation lässt darauf schließen, dass es im näheren Umkreis einige Gebäude gegeben haben muss. Die bedeckten Steinfundamente speichern geringfügig mehr Feuchtigkeit als der sandige, trockene Boden der Umgebung und lassen die darauf wachsende Grasnarbe daher etwas frischer und grüner erscheinen. Auch einzelne Fragmente von Tongefäßen und von Sand bedeckte Holzkohlenreste zeugen von der Existenz längst vergangener, indianischer Kulturen.

Diebstahl von Petrified Wood

Ein anderer Tag bringt mich mit Pintado im Trailer routinemäßig wieder zum Crystal Forest. Ich suche mir mit dem Pferd eine Position, die mir einen guten Überblick über das weite Gebiet ermöglicht  Wie eine Reiterstatue verharre ich mit Pintado auf der kleinen Kuppe.

Plötzlich nähert sich mir eine Familie und erkundigt sich aufgeregt, wo man einen Diebstahl von Fossilien melden könne. Ich biete an, die Meldung per Funkgerät weiterzuleiten: „Parkbesucher melden Beobachtung eines Diebstahls von Petrified Wood durch einen Passagier eines schwarzen Chevrolet mit texanischem Kennzeichen im Bereich des Crystal Forest. Das verdächtige Fahrzeug fährt Richtung Norden.“

Mit dem Truck folge ich anschließend der Parkstraße nordwärts. Es waren noch keine fünf Minuten vergangen, als ich bereits zwei Streifenfahrzeuge mit blinkenden Signallichtern auf einem Parkstreifen am Straßenrand ausmachen kann. Zwei Ranger sind gerade dabei, einen schwarzen Chevrolet zu kontrollieren. Ein paar Minuten später, nach Konfiszierung der sichergestellten Stücke von Petrified Wood und nach Erhalt eines Strafmandats darf der Chevrolet seine Fahrt fortsetzen.

Die Wüste lebt

Bei meinen Ritten durch die Wüste begegne ich immer wieder Wildtieren, die das karge Land zu ihrem Lebensraum erkoren haben. Von Pronghornantilopen über Kojoten, Hasen und Kaninchen, Wachteln, Schlangen und Eidechsen sowie zahlreiche Insektenarten spannt sich der Bogen der Tierarten. Bei einem Ritt durch ein ausgetrocknetes, sandiges Flussbett, das als „Wash“ bezeichnet wird, lüfte ich schließlich das Geheimnis ihrer Wasserversorgung: ein von Kojoten gegrabenes Loch von etwa 40 Zentimetern Durchmesser und 50 Zentimetern Tiefe, auf dessen Grund sich in einer Wasserpfütze der Himmel spiegelt.  

Abschied vom Nationalpark

Mittlerweile ist es Ende Juli geworden, der letzte Tag meines Aufenthalts im Park ist angebrochen. Frühmorgens fahre ich noch einmal zum Stall, um mich von Pintado und Trooper mit einer letzten Futtergabe zu verabschieden – ich werde meine beiden treuen Gefährten in guter Erinnerung behalten. Ich schließe das Stallprotokoll ab: „Feed, water, muck“ mit Datum und Uhrzeit, versehen mit meinem Namenszeichen. Ein letzter, wehmutsvoller Blick zu den Boxen - und ab geht die Fahrt zum Nordende des Parks, wo sich die Hauptverwaltung befindet. Dort erwartet mich bereits Marc, um mir beim Checkout behilflich zu sein. Bei einem abschließenden Rundgang verabschiede ich mich noch von den  Kollegen des Park Service und breche mit Marc in Richtung Flagstaff auf. 

 

 

Bio

Norbert Sauerwein ist auf einem Bauernhof am Steinfeld im Bezirk Wiener Neustadt aufgewachsen und praktiziert bereits seit den Siebzigerjahren das Reiten im Westernstil. Als Bezirksförster des NÖ Forstaufsichtsdienstes und Besitzer von zwei American Paint Horses zieht es ihn immer wieder in die USA, wo er bereits Erfahrung sammeln konnte als Forest Ranger mit Reitpferden und Mulis als Packtiere im Forest Supervisory Service in der Wildnis Montanas, sowie als Park Ranger im Bear Management des Yellowstone Nationalparks in Wyoming. Schon als Siebzehnjähriger arbeitete er einige Zeit auf einer Cattle Ranch in Colorado.

 

 

Bildtexte:

005   Hufschmied John beim Beschlagen von Trooper

008   Rainbow Forest Ranger Office im Sonnenaufgang

      027   Rainbow Forest im Sonnenaufgang

      029   Horse Barn

      039   Kachina Point

      045   Sattelkammer

      077   Trail zum Stall

      078   Norbert und Marc, der Horse Patrol Coordinator

      083   Truck und Trailer

      095   Versteinerter Baumstamm im Rainbow Forest

      107   Begrüßungstafel am Südeingang des Nationalparks

      113   Petroglyphs (gravierte Felsbilder) im Bereich Puerco Pueblo

      127   Norbert und Pintado bei archäologischer Fundstätte

      138   Norbert mit Trooper und Law Enforcement Rangers während einer Feuerwehrübung

      147   An der historischen Route 66, dem „Oregon Trail des 20. Jahrhunderts“

      153   Blick über den Sattel in Richtung Painted Desert

      018   (Velk Foto)  Norbert und Pintado vor dem Painted Desert Visitor Center

      026   (Velk Foto)  Norbert und Pintado vor der Painted Desert

      037   (Velk Foto)  Easy Riders vor dem Painted Desert Visitor Center