Die ersten Schritte des Fohlens

Tom und Margo Ball zeigen hier ihre Methode, wie man ein Fohlen an das Halfter gewöhnt.

Text und Fotos: Christine Hamilton, Übersetzung: Sonja Grünauer

 

Bild 1: Tom Ball wartet mit dem Gewöhnen an das Halfter so lange, bis das Fohlen entsprechendes Vertrauen zum Menschen hat. „Wir wolle doch alle Freude an der Arbeit haben“, sagt er.

 

Es ist Zeit für „Bunny“, dass sie an das Halfter gewöhnt wird

Bunny’s registrierter Name ist „Shes A Lot Like Fred“. Sie ist in Besitz von Ball’s Quarter Horses, einer Trainings- und Zuchtranch in Colorado, die den Geschwistern Tom, Wayne und Margo Ball gehört. Sie sind an diesem Standort seit mehr als 35 Jahren mit ihrer Pferdearbeit tätig. Margo ist auch seit 20 Jahren als AQHA Richterin im Einsatz. Die Balls zeigen uns gerne, wie sie mit ihren Fohlen die ersten Schritte im Training machen und wie sie die jungen Pferde an das Halfter gewöhnen. Heute ist Bunny an der Reihe.

„Wir begannen mit dem Training von Bunny, weil sie auf uns zukam und Lust auf Arbeit hatte“, erzählt Tom. Die Balls arbeiten mit der üblichen Horsemanship bei der Halftergewöhnung. Man arbeitet mit Geduld, damit entsprechendes Vertrauen aufgebaut werden kann, denn jedes Fohlen ist ein Individuum. Das schrittweise Training dauert von einem Tag bis drei Wochen – manchmal auch etwas länger. Normalerweise beginnen sie mit einem Fohlen im Alter von 1 Monat – so wie Bunny es ist - zu arbeiten. Manchmal warten sie allerdings etwas länger. Dies hängt alles von der Persönlichkeit eines Fohlens ab. Wir warten solange, bis unsere Fohlen soweit sind, an neue Dinge gewöhnt zu werden. „Wir wollen mit dem jungen Pferd keinen Kampf eingehen“. In einem eingezäunten Bereich wird mit Bunny begonnen, ihre Mutterstute ist gleich in der Nähe – lasst uns Tom und Margo beobachten, wie sie mit Bunny die ersten Übungseinheiten absolvieren.

 

Schritt 1:

Warte bis dein Fohlen soweit ist.

Tom Ball: Die meisten Fohlen sind anfangs etwas zögerlich, wenn sie auf Menschen zugehen. Wenn sie sich einmal an den Menschen gewöhnt haben, kommen sie von selbst auf den Menschen zu weil sie neugierig sind. Wenn man sie dann sanft streichelt, dann werden sie sehr schnell zutraulich.

Margo Ball: Wir halten uns sehr viel in der Nähe der Fohlen auf. Wir arbeiten in ihrer Nähe, misten ihre Boxen aus. Somit haben wir täglichen Kontakt.

Tom: Würde man mit einem Fohlen bereits im Alter von 1 Woche mit Übungen beginnen, bevor es sich noch an den Menschen gewöhnt hat, dann wird sich das Fohlen gegen den Menschen wehren. Man tut nichts Gutes, wenn man verfrüht beginnt. Wartet man, bis das Fohlen bereit ist, wird der Lernprozess sehr vereinfacht. Der Schlüssel ist das Vertrauen. Wenn das Fohlen auf dich zu kommt und dich beschnuppert, bedeutet dies, dass es sich sicher ist, dass du ihm nicht weh tun wirst. Wenn man es dann an ein Halfter gewöhnt, vertraut es darauf, dass dies nichts Böses ist. Wenn man dem jungen Pferd ein Halfter anlegt und gleich daran zerrt, dann kann man es erschrecken und es wird sein Vertrauen zum Menschen verlieren – was dann wieder in einem Kampf endet, wo es sogar Verletzte geben könnte.

 

Schritt 2:

Das Anlegen und das Akzeptieren des Halfters

Tom: Übe dich in Geduld, bevor du mit der Übung beginnst. Man muss viel Geduld haben und sich langsam bewegen. Du kannst mit sehr sanftem Druck arbeiten, achte jedoch darauf, dass du das Pferd nicht erschreckst. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, dass das Halfter angelegt werden soll, wäre es günstig, 2 Helfer zu haben oder dies in der Ecke der Pferdebox zu machen. Der Trick, wenn du mit 2 Helfern arbeitest ist, dass ein Helfer hinter dem Fohlen steht, damit es nicht rückwärts gehen kann. Es wird von dieser Position aus allerdings kein Druck ausgeübt. Das Fohlen soll sich einfach nicht rückwärts bewegen und die Person in dieser Position gibt hier einfach nur eine Hilfestellung. Man sollte direkt hinten am Pferd stehen, denn dann wird es nicht ausschlagen. Lautes Schreien ist hier zu vermeiden.

Tom: Sobald das Halfter am Fohlen ist, gehe einige Schritte zurück und beobachte das Tier – belasse dabei das Halfter am Kopf des Pferdes. Du wirst sehen, dass jedes Fohlen ein anderes Temperament hat. Meist ist es so, dass das junge Pferd das Halfter nach einigen Tagen problemlos akzeptiert.

Margo: Man sollte ein Lederhalfter verwenden, denn wenn sich das Fohlen damit irgendwo festhängt, wird das Halfter reißen. Das Halfter sollte größenmäßig passen. Wenn es zu groß ist, kann es passieren, dass sich das Pferd mit einem Huf bei Kratzen darin verhängt und dies kann sehr böse ausgehen. Das Halfter sollte nachts nicht am Pferd sein, damit es sich nirgendwo festhängen kann.

 

Bild 2: Das Ziel für Bunny ist, dass sie darauf vertraut, dass das Halfter nicht weh tut. Sie soll es neugierig erkunden und erkennen, dass sie keine Angst davor zu haben braucht.

Bild 3: Tom legt Bunny langsam das Halfter an und achtet darauf, das Fohlen dabei nicht zu erschrecken. Margo steht direkt knapp hinter der Stute, auf der gleichen Seite wie Tom – sie legt ihre Hand flach an die Hinterhand des Pferdes, um die eventuelle Rückwärtstendenz zu vermeiden.

Bild 4: Die Balls lassen das Halfter für eine Weile auf Bunny’s Kopf, damit sie sich daran gewöhnen kann. „Das Fohlen kann den Kopf schütteln“, sagt Tom. „Es kann sein, dass sie sich am Zaun reibt und versucht, das Halfter so los zu werden“. Doch dies ist okay.

Bild 5: Bunny sieht sich das Führseil, das an ihrem Halfter hängt genau an. Die Balls lassen ein Fohlen gerne mit dem Strick spielen, bevor sie die nächsten Übungen machen.

 

Schritt 3:

Gewöhnen an den Führstrick

Tom: Nun hängst du ein Führseil ans Halfter und lässt das Fohlen das Seil mitschleifen. Beobachte, was es mit dem Seil anstellt. Hänge das Seil über den Rücken und lasse es daran gewöhnen. Streiche über das Seil, damit das junge Pferd spürt, dass sich da was tut, jedoch kein Zug daran ausgeübt wird. Das Fohlen wird das Seil nachschleifen, wird darauf steigen und das wird ihm einen Ruck am Halfter geben damit es den Kopf tiefer nimmt. Das ist das erste „Whoa“ für dein Fohlen – ein „Whoa“-Kommando mit dem Halfter. Mit der Zeit wird das Fohlen lernen, nicht auf den Strick zu steigen. Verwende ein Seil das entsprechend kurz ist, dass es maximal bis zu den Hinterhufen reicht, denn wenn die Mutterstute in der Nähe ist, könnte es sonst passieren, dass sie auf den Strick steigt.

 

Schritt 4:

Die ersten Schritte führen

Tom: Du beginnst, indem du mit dem Strick am Halfter kurz annimmst und dann wieder nachgibst. Du stehst seitlich vom Pferdekopf und ziehst nur kurz an, ohne das Fohlen sonst zu bewegen. Dann übst du mehr Druck aus. Die Logik, dass man seitlich vom Pferd steht ist, dass man das junge Pferd durch das Ziehen von der Seite etwas aus der Balance bringen kann und es dadurch gezwungen ist, einen Schritt zu machen, damit es wieder in die Balance kommt. Dies ist sozusagen „der erste Schritt“. Sobald das Pferd dies macht, lässt du sofort mit dem Druck nach. Dann wechselst du auf die andere Seite und ziehst leicht in diese Richtung. Du stehst nicht vor dem Pferd, wo es leichter keinen Kampf beginnen kann. Ein Jungpferd könnte nach rückwärts ziehen und sich nach hinten überschlagen. Natürlich lasse ich das Pferd, wenn es rückwärts drängt nicht einfach zurück gehen, jedoch lasse ich das Seil langsam durch meine Hände rutschen, genau nur so viel, wie das Pferd Widerstand zeigt und es nicht mehr stark rückwärts zieht. Wenn du Druck nachlässt und wieder ausübst, so mache dies langsam und sanft, denn dann wird das Fohlen williger reagieren. Übt man zu starken Druck aus, wird das Fohlen sich dagegen wehren.

 

Bild 6 + 7: Mit gleichmäßigem und leichtem Druck zieht Tom Bunny auf die Seite, bringt sie aus der Balance, damit sie einen Schritt zur Seite machen muss. Sobald sie dem Druck nachgibt und einem Schritt macht. Er lässt den Druck mit dem Strick am Kopf des Pferdes nach und verlangt nicht mehr.

 

Schritt 5:

Das Fohlen geht neben dem Menschen

Tom: Geht das Fohlen einmal seitwärts, dann kannst du es auffordern, vorwärts zu gehen. Du kannst ein Seil unter dem Hintern des Fohlens verlaufen lassen, das das junge Pferd auffordert, neben dir vorwärts zu gehen – oder wenn es sich um ein kleines Fohlen handelt, kann man auch einfach nur den Arm um sei Hinterteil legen. Bleib auf jeden Fall auf der Seite des Fohlens, dessen Hals sich dabei vor dir befindet. Wenn sich das Pferd an das Führen von einer Seite gewöhnt hat, sollte man das Führen von der anderen Seite aus zu führen – normalerweise sollte dies kein Problem sein. Dies ist die erste Ausbildung des jungen Pferdes in Sachen Körpersprache. Du bewegst die vorwärts und das Fohlen geht seitlich von dir mit, ohne sich von dir nachziehen zu lassen. Die Arbeit mit Körpersprache begleitet das junge Pferd sein Leben lang, sowohl in der Halter Klasse, Showmanship Klasse und anderen Gelegenheiten. Alles, was du zu diesem Zeitpunkt dem jungen Pferd beibringst, wird es im Alter von 3 oder 5 Jahren auch noch beherrschen. Damit vermeidest du auch Verletzungen und Ungehorsam – sowohl deinerseits als auch von deinem Fohlen. Mache es also von Anfang an richtig.

 

Abschließende Worte

Tom:  Der beste Zeitpunkt, um mit dem „Aussacken“ zu beginnen ist, wenn das Fohlen ans Halfter gewöhnt ist. Ich arbeite dabei mit einem langen Führseil: streiche das Fohlen am ganzen Körper damit ab – über den Kopf, zwischen den Ohren, über den Rücken, die Kruppe und auch die Beine. Und wieder sollten deine Bewegungen langsam erfolgen. Behandle das Fohlen so, als wäre es 13 Jahre alt und nicht wie ein Baby. Sag nicht: „Süßes kleines Pony, du warst so brav heute!“ – sondern „Du bist ein Guter, komm machen wir weiter.“

Margo: Wir haben nun seit einer Woche mit Bunny gearbeitet. Es ist eine sehr wertvolle Woche gewesen. Wenn wir den Strick vom Halfter lösen, will es gar nicht von uns weg. Sie denkt also nicht: „Ich will weg hier, ich habe Angst vor diesen Menschen!“

Tom: Wir haben alle Spaß bei der Arbeit. Die Gewöhnung an das Halfter ist ein kurzer Prozess, der keine Wochen oder Monate dauert. Er dauert nur einige Stunden: 15 Minuten heute, 15 Minuten morgen, 15 Minuten übermorgen und so weiter. Der nächste Schritt ist dann die Arbeit mit Jungpferden, die von ihrer Mutter getrennt werden. Wichtig ist, dass man damit früh genug anfängt.

 

Bild 8: Die Balls lassen an der Hinterhand ein Seil verlaufen oder legen einfach nur die Hand auf die Kruppe, um dem Pferd beizubringen, neben dem Menschen vorwärts zu gehen.

Bild 9: Wenn Tom das Seil an der Hinterhand einsetzt, übt er darauf  sanften Druck aus, indem er die Hand öffnet und schließt. Er schließt die Hand am Seil, wenn er das Fohlen zum vorwärts gehen auffordert und öffnet die Hand wieder, sobald es darauf reagiert. Er achtet darauf, dass die Übung in einer Umgebung mit ausreichend Platz gemacht wird.

Bild 10: Nachdem das Fohlen an das Halfter gewöhnt ist, nützt Tom die Möglichkeit, um Bunny „auszusacken“ und sie am ganzen Körper an das Seil zu gewöhnen. Dabei streichelt und beruhigt er sie die ganze Zeit.

 

Bio:

Die Balls leben im Norden von Fort Collins, Colorado, am Fuße der Rocky Mountains. Sie leben dort bereits seit 35 Jahren und sind erfolgreich beim Training, Showing und in der Zucht von Quarter Horses. „Wir beide gemeinsam haben also 70 Jahre Erfahrung“, sagt Tom über sich und seine Schwester Margo. Früher war Tom Trainer und Professor am College, jetzt leitet der die Zuchtfarm. Die Balls haben meist 4 Zuchthengste – wie z.B. ihr ganzer Stolz, den Hengst „TNT Fluid Fred“, der Vater von dem Fohlen aus diesem Artikel ist. Tom und Margo freuen sich, dass diese junge Stute ein sehr angenehmes Temperament hat und die Anlagen für ein sehr gutes All-Around-Pferd hat. Margo ist Trainerin einiger World Champions und arbeitet auch als AQHA Richter. Sie hat mehrere große Shows in Nordamerika, wie auch die AQHA World Championship Show, den All American Quarter Horse Congress, die Quarterama und die Dixie National. Sie ist auch Richterin für die National Snaffle Bit Association und die National Reining Horse Association. „Wir sind all die Jahre nicht stehen geblieben“, sagt Tom. Und was bringt sie weiter? „Es ist die tägliche Arbeit mit den Pferden, die uns weiter bringt und an der wir täglich lernen“, sagt Margo.