Ein Busserl von der Kleinen
Ich habe gehört, daß viele von euch Menschen Black Beauty und sein Leben kennen. Ich habe auch gehört, daß Black Beauty ein englisches Reitpferd war, schwarz wie die Nacht und ganz und gar britisch. Ich bin ganz anders – weiß wie Schnee, ein cooles Westernpferd mit amerikanischer Abstammung und indianischen Wurzeln. Und ich hab mir in meinen Appaloosa-Kopf gesetzt, ein wenig aus meinem Leben zu erzählen – wo doch die Cowboys in Europa nach und nach Einzug halten und wir Westernpferde immer beliebter werden.
Das letzte Mal hab ich euch von dieser Kleinen mit den langen braunen Haaren erzählt. Sie kommt immer mit meiner Menschin mit und ist mittlerweile schon ein wichtiger Teil meiner Herde geworden. Aber sie macht mir's keinesfalls leicht: Ich muß mich wahnsinnig bemühen, dass sie sich überhaupt in meine Nähe traut. Mit Ohren zurücklegen und Nüstern in Falten legen ist da nix - da heißt es große Augen und freundliche Nasenlöcher machen. Also hab ich mir angewöhnt, sie zur Begrüßung sanft mit meiner Schnauze anzustupsen. Das hat sie anfänglich leider missverstanden, aber meine Menschin hat sich dann vor sie hingekniet, meine Nase gestreichelt und was gesagt, das die Kleine zum Lächeln brachte. Müssen ganz liebe Worte gewesen sein! Auf jeden Fall hat sie dann eine ihrer kleinen Hände auf meine weiche Schnauze gelegt und sanft drüber gestreichelt. Hmmmm - ich hab mich so gefreut - und sie auch! Und dann ... hab ich meine weiche Nase noch näher zu ihr hingestreckt, weil ich ja noch immer ein Bussi haben wollte, Aber - zu viel. Schnell ging sie ein paar Schritte zurück und verschränkte die Arme. Ich spürte, wie mich meine Menschin am Hals tätschelte und beruhigende Worte sprach. Sie wollte mich anscheinend trösten! Lieb von ihr - doch ein Appaloosa wie ich gibt sowie so nicht auf.
Wir gingen also alle gemeinsam zum Bürsten - und ich verhielt mich vorbildhaft. Ich hob artig die Hufe, wartete geduldig, bis sie meinen Schweif gebürstet hatte und blieb felsenfest auf der Stelle stehen, obwohl sie mich mit der Bürste pausenlos am Bauch kitzelte. Dann passierte etwas, das für den Besuch der Kleinen eigenartig war: Meine Menschin kam mit dem Sattel und einem neuen Zaumzeug.
Oh, oh, ich hatte da so eine Vermutung, hätte jedoch nie gedacht, dass mir so eine Aufgabe zugedacht wird. Ich wurde nervös. Wie war das nochmal? Bei der letzten Show hatte ich etwas über einen Kids-Trail gehört und wie sich Unser-Eins da verhalten soll. Das "Wird schon alles gut gehen" meiner Menschin beruhigte mich wieder. Ich trottete mit gesenktem Kopf hinter den beiden her und stand ganz brav inmitten des Rundkorals, als sie der Kleinen Dies & Das erklärte. Dann zeigte sie auf den Sattel, packte die Kleine und hob sie auf mich hinauf.
Oh oh oh, nur nicht bewegen, dass die süße Menschin ja nicht von mir hinunterfällt. Ich bin ja nicht unbedingt so ein kleiner Appaloosa! Um sicherzugehen, dass ich ja nichts falsch mach, hörte ich ganz genau auf meine Menschin - die war aber auch nicht so ruhig, wie sie nach Außen hin wirkte. Ich setzte mich auch erst in Bewegung, als sie bereits ein paar Schritte gemacht hatte, sich umwandte, und mich mit erwartungsvollem Gesicht anblickte. Einmal noch am Strick gezogen - und ich wackelte dahin ... nach kurzer Zeit - ich merkte, dass die Kleine auf mir Spaß daran hatte - ging ich ganz locker voran, immer darauf Bedacht, nicht zu schnell zu werden. Ich bemühte mich NATÜRLICH, nicht zuletzt wegen meines Busserls, das ich noch immer nicht bekommen hatte.
Wenig später - sie hatte wieder den Boden unter den Füssen und einen riesigen Grinser im Gesicht - war ich davon überzeugt, dass meine Stunde gekommen war. Sie trat näher, klopfte meinen Hals und meine Schulter, und streichelte sanft über meine Nase. Ich schnaubte zufrieden ... das war schon schön - aber dann ... bedankte sie sich, dass ich sie auf meinem Rücken sitzen hab lassen. Nun, also schon wieder kein Bussi! Wäre ich ein Mensch, hätte ich geseufzt und wäre ganz traurig gewesen. Als Appaloosa allerdings ist man belastbarer und gibt nicht so schnell auf. Egal wie viel Zeit vergehen wird - ich gebe nicht auf, denn das Busserl ist es auf jeden Fall wert ... und sie auch!
*****
Dieses Mal muß ich euch um Hilfe bitten. Habt ihr Ideen, was ich noch machen kann, um ihre Gunst zu erlangen? Wenn ja, dann schreibt doch an:
chexi_jumper@hotmail.com