Arbeitsmoral aufbauen

Nütze diese Tipps, um das Training mit deinem jungen Pferd zu verbessern und ihm zu helfen, eine positive Einstellung zu seinem Job zu bekommen.

 

Text: Cleve Wells mit Sue M. Copeland, Fotos: Darrell Dodds, Übersetzung: Sonja Grünauer

 

Vielleicht wirst du sagen: „Cleve, ich bin letztes Monat mein Pferd das erste Mal geritten. Ist es nicht ein bisschen früh, bereits eine Arbeitsmoral für das Training aufzubauen? Was genau meinst du eigentlich mit Arbeitsmoral?“

Für mich bedeutet es eine positive Einstellung zur Arbeit und zum Training, egal wie alt das Pferd ist. Die Last liegt auf deinen Schultern, deinem Pferd dies beizubringen. Du musst dich auch mit der Psyche deines Pferdes auseinander setzen. Bist du mental nicht bei der Sache, dann gibst du deinem Pferd die Kontrolle und auch die Möglichkeit, eine positive Trainingseinheit in eine negative umzuwandeln. In diesem Artikel gebe ich Euch Tipps, die üblichen Fehler zu vermeiden. Gleichzeitig kannst du wertvolle Basisarbeit mit deinem zukünftigen Pleasure-Pferd machen, wenn dein Pferd diesen Weg gehen soll. Der Hufschlag sollte sozusagen „heilig“ sein. Trainiere in der Mitte des Reitplatzes oder außerhalb des Platzes. Sobald du am Hufschlag reitest, sollte dies dem Pferd das Gefühl von Sicherheit vermitteln, damit es begreift, dass es in diesem Bereich langsam und gesetzt laufen soll. Zum Lösen von Problemen solltest du wieder in die Mitte des Reitplatzes reiten. Dein Pferd wird schnell begreifen, dass der Hufschlag der Bereich ist, wo es entspannt und langsam laufen kann und soll. Und genau dies erwartest du von ihm auch in der Showarena. Trotzdem solltest du mit deinem Rail-Pferd auch Zirkel trainieren und es dann belohnen, indem es geradeaus gehen darf und sich entlang der Einzäunung entspannen darf. Nütze diese Richtlinien, um diese Trainingstipps sicher und erfolgreich umzusetzen:

 

Wenn dein Pferd heiß oder frisch ist, dann lasse es vor dem Training auf die Koppel oder longiere es ab. Dadurch wird dein Ritt positiver verlaufen und es wird keinen Grund zum Kämpfen geben. Außerdem kann man versuchen, auftretende Probleme vom Boden aus zu lösen.

 

Gestalte die Trainingseinheit einfach. Akzeptiere, wenn dein Pferd in den falschen Galopp einspringt oder keine sauberen Gangart-Übergänge macht. Jetzt soll dein Pferd erst einmal lernen, seine Balance zu finden und sich zu tragen. Sobald das Pferd korrekt in der Balance ist, wird es auch korrekt angaloppieren und korrekte Übergänge machen.

 

Streichle das Pferd oft. Der Kontakt mit der Hand des Reiters bringt dem Pferd Sicherheit und ein junges Pferd kann sich dann auch leichter entspannen.

 

Was du für das Training benötigst: Ein Side-Pull oder Zaumzeug mit Snaffle, Sattel und einen Arbeitsbereich mit gutem Boden.

 

Bild 1: Durch das positive Sehen der Dinge und Abwechslung beim Training, anstatt stur ein bestimmtes Manöver immer wieder zu üben, kann man bei seinem Pferd eine gute Arbeitsmoral entwickeln und dies macht den Job von Pferd und Reiter leichter.

 

1.Nachdem du aufgestiegen bist, reite kontrolliert die Trainingseinheit. Ich sehe oft Reiter, die ziellos im Schritt am Reitplatz reiten. Schritt reiten ist zum Aufwärmen des Pferdes sehr wichtig, jedoch zu langes Schritt reiten am Anfang des Trainings kann für ein junges Pferd auch langweilig werden. Sehr schnell wird es sich nicht mehr auf den Reiter konzentrieren, sondern auf die Umgebung und möglichweise dann auch scheuen. Sobald das Pferd scheut, hat es Kontrolle über den Reiter. Daher sollte man dies vermeiden und beim Schritt reiten auch öfter mal die Richtung wechseln und auch nie die Kontrolle mit den Zügeln verlieren. Dann trabst oder galoppierst du an, so wie ich auf dem Foto. (Wenn du beim Training immer Schritt-Trab-Galopp-Sequenzen reitest, kannst du damit dein Pferd langweilen. Ändere den Ablauf immer wieder, damit du das Pferd frisch hältst. Weiter sollte man den Ermüdungsfaktor beachten – wenn dein Pferd eher von hitziger Natur ist, solltest du es zuerst müde reiten, damit es sich auf dich konzentriert.) Reite und lenke dein Pferd und baue immer wieder Gangartwechsel und Richtungswechsel ein, anstatt endlos lang nur auf dem Zirkel zu traben – denn dies ist auch für ein Pferd langweilig.

Bonus: Mit jedem Gangart- und Richtungswechsel hast du die Möglichkeit, Übergänge zu üben und die verbessert den Fortschritt beim Training.  Reite das Pferd beispielsweise auf einem Zirkel nach rechts, so wie ich auf dem Foto. Nimm den Kopf des Pferdes leicht nach rechts, indem du den direkten Zügel einsetzt. Dadurch lernt dem Pferd, mit seinem Körper der Stellung seines Kopfes zu folgen. Übe sanften Druck mit dem rechten Schenkel beim Sattelgurt aus und gleichzeitig Druck mit dem linken Schenkel hinter dem Sattelgurt, damit sich das Pferd am Zirkel auch biegt. Den linken Zügel legst du am Hals des Pferdes an, um die lenkende Zügelhilfe zu verstärken.

Tip: Wenn du dein Pferd zu einem Schritt-Trab-Übergang aufforderst, nimm dein Gewicht leicht aus dem Sattel und halte die Schultern in einer senkrechten Linie zu den Fersen, indem du fest in den Steigbügeln stehst. Dies erleichtert dem Pferd, mit mehr Kraft aus der Hinterhand anzutraben und dabei auch seinen Rücken runder zu machen. Dies erleichtert dem Pferd, seinen Job korrekt zu machen.

 

2.Mach dir keine Gedanken, wenn dein Pferd mit seiner Schulter und seinem Rippenbogen etwas von der Zirkellinie abkommt, anstatt der Stellung seines Kopfes zu folgen (so wie mein Pferd auf dem Foto Nr. 2). Es kann sein, dass es während dem Training in Richtung Stall oder zu seiner Pferdeherde drängt oder einfach nur versucht, seine Balance unter dem Reiter zu finden. Trotzdem solltest du dir merken, an welcher Stelle das Problem auftritt. Denn an dieser Stelle solltest du dann öfter vom Schritt aus angaloppieren. Dadurch kannst du den negativen Aspekt an diesem Punkt in einen positiven umwandeln. Um den Körper des Pferdes, seinen Kopf und Hals gerade zu richten, lege deinen linken Unterschenkel im Bereich des Sattelgurtes an, während du es mit Zunge schnalzen aufforderst, das Tempo zu erhöhen. Wenn du seine Hinterhand aktivierst, indem du das Pferd beschleunigst, wird das Pferd sich von selbst gerade richten.

 

3.Wenn dein Pferd seine innere Schulter auf dem rechten Zirkel zu tief nimmt, hast du zwei Möglichkeiten: Übe mit deinem rechten Schenkel Druck im Bereich des Sattelgurtes, während du mit dem rechten direkten Zügel das Pferd gerade richtest. Oder wechsle die Richtung, wenn du es nicht auffordern willst, seine innere Schulter höher zu nehmen, um dein Pferd nicht zu verwirren. Einfach die Richtung zu wechseln vermeidet einen Kampf zwischen Pferd und Reiter und gibt dir die Möglichkeit, das Pferd sanft auf den anderen Weg zu lenken. Sanft lenkst du das Pferd auf einen linken Zirkel und änderst auch gegengleich deine Beinposition, um dein Pferd nach links zu biegen. Dann reitest du zurück auf einen rechten Zirkel und danach wieder auf den linken Zirkel.

 

4.Nun forderst du das Pferd zum Rechtsgalopp auf. Danach trabst du den rechten Zirkel wieder und hältst leichten Zügelkontakt an beiden Zügeln, um deinem Pferd die Balance zu erleichtern, während du dein linkes Bein etwas hinter dem Sattelgurt positionierst.

 

5.Verlagere dein Gewicht in die Steigbügel und nimm dein Gesäß leicht aus dem Sattel, um dein Pferd zu motivieren, seinen Rücken beim Galopp rund zu machen. (Vermeide es, dich dabei nach vorne zu lehnen, damit das Gewicht nicht auf die Vorhand des Pferdes verlagert wird, was ihm das hoch nehmen der Schultern erschwert.) Dann übst du mit beiden Beinen Druck auf den Pferdebauch aus und gibst dem Pferd ein Stimmkommando wie Zunge schnalzen oder Bussi schicken.

6.Nun bringst du dein Pferd in den Rechtsgalopp. Galoppiere es maximal einen oder zwei Zirkel lang. Vermeide den häufigen Fehler, Runde um Runde am Zirkel zu galoppieren. Denn damit schaffst du dir Probleme, weil dein Pferd beginnt, sich bei dieser Übung zu langweilen und dann eventuell durchgeht. Stattdessen solltest du nach kurzer Zeit wieder stoppen, die Hilfen von Schritt 7 einsetzen, um danach zu Schritt 8 weiter zu gehen. (Hat dein Pferd ein „heißes“ Naturell und versucht zu schnell zu galoppieren, lenke es in einen kleineren Zirkel, um das Tempo zu verlangsamen. Nach ein oder zwei Zirkeln wechselst du die Richtung, damit es gar keine Möglichkeit hat, schneller zu werden.)

7.Springt dein Pferd in den falschen Galopp ein, stoppe es, indem du den Zügelkontakt erhöhst und ihm ein überzeugendes „whoa“ sagst. (Ignoriert dein Pferd das Kommando und galoppiert weiter, lenke es in einen kleineren Zirkel, bis es in den Trab fällt und versuche erneut, es mit dem Kommando zu stoppen. Zu diesem Zeitpunkt ist es nicht wichtig, aus welcher Gangart das Pferd stoppt. Diese Übung wird im Laufe der Praxis immer besser funktionieren. Versuche erneut anzugaloppieren und erhöhe den Druck deiner Hilfen. Sei geduldig. Wenn dein Pferd zu 50 % den richtigen Galopp am vorgegebenen Punkt ansetzt, ist das schon sehr fein. Wenn dies noch nicht der Fall ist, hast du wieder ein Ziel, an dessen Erreichung du arbeiten solltest.

8.Für den Linksgalopp wende die gegensätzlichen Hilfen an. Galoppiere wieder ein oder zwei Zirkel. Stoppe und trabe weiter auf einen rechten Zirkel, wo du wieder angaloppierst. Achte darauf, immer wieder abwechslungsreich zu reiten und du wirst sehen, dass dein Pferd immer besser auf deine Hilfen reagiert.

Tip: Ändere bei jeder Trainingseinheit die Richtung, in die du das erste Mal antrabst oder angaloppierst. Beginne einige Tage auf der rechten Hand und an den nächsten Tagen auf der linken Hand. So kannst du vermeiden, dass dein Pferd den Ablauf vorausahnt, sich langweilt und schließlich Kontrolle über dich ausübt. Durch die Abwechslung kannst du die Arbeitsmoral deines Pferdes verbessern. Denn je sicherer das Pferd dann ist, desto eher wird es versuchen, die Arbeit oder eine Übung zu verweigern. Und dieser Tag wird schneller kommen, als du glaubst. Wenn das Pferd beginnt, dich zu testen, lasse dich nicht auf einen Kampf ein. Gehe zurück zu einer Übung, die dein Pferd sehr gut beherrscht – auch wenn es nur einige Zirkel im Trab sind – und beende das Training für diesen Tag. Du beendest die Reiteinheit sozusagen in Kontrolle und vermeidest einen Konflikt, den du nicht leicht gewinnen könntest.