Weiter vorne satteln
Lege den Sattel korrekt auf dein Pferd – und dein Pferd wird es dir
danken.
Text: Holly Clanahan
Übersetzung: Sonja Grünauer
Das Pferd hat 18 Rückenwirbel im Brustbereich bzw. oberen
Rückenteil. Auf dieser Zeichnung ist der 14. Rückenwirbel markiert. Andere
Regionen des Rückgrats beinhalten Halswirbel, Lumbalwirbel, Kreuzbein und die
Wirbeln vor der Schweifrübe.
Sattelmacher Bob Henderson beobachtete ein Pferd, das bei einer
Clinic in Missouri geritten wurde und überhaupt nicht gut ging. „Man konnte
sehen, dass sich das Pferd dabei sehr unwohl fühlte“, sagt er über das Pferd.
„Es schlug mit dem Schweif und war auch ein wenig störrisch. Nichts war
geschmeidig. Das Pferd war sichtlich irritiert.“ Der Sattel des Pferdes wurde
neu positioniert – sodass der Sattel genau über dem 14. Rückenwirbel platziert
wurde – und der Unterschied war verblüffend. „Das Pferd beruhigte sich und
Reiter und Pferd gaben gemeinsam ein harmonisches Bild ab“, sagt Bob. „Es war
offensichtlich, dass die Lage des Sattels der Grund war, warum das Pferd so
irritiert war.“
Ich möchte erklären, dass die schlechte Platzierung des Sattels
Probleme hervor rufen kann. Die Wirbelsäule des Pferdes verläuft im Bereich des
Rückens mit 18 Wirbeln vom Widerrist bis zum Ende des Rippenbogens. Um exakt den
14. Rückenwirbel zu finden, kannst du von der 18. Rippe aus bis zur 14. Rippe
nach vorne zählen und dir eine entsprechende Linie zum 14. Wirbel vorstellen. Du
solltest danach diesen Punkt immer genau an deinem Pferd erkennen können. „Du
hast sozusagen einen gut definierten Punkt am Pferd“, sagt Bob. „Wenn du mit den
Fingern vom Widerrist Richtung Rücken streichst, siehst du den Unterschied.“ Man
kann sich auch vorstellen, ohne Sattel zu reiten. Dein Pferd wird dich dabei
automatisch in die richtige Position setzen. Ist der Reiter mittig
ausbalanciert, kann sich das Pferd leichter selbst ausbalancieren. Den
Unterschied sieht man dann in der Performance und im Verhalten des Pferdes. „Es
ist damit vergleichbar, dass man ein kleines Kind auf den Schultern trägt“, sagt
Bob. Wenn sich das Kind nach vorne oder nach hinten lehnt, muss man dies selbst
ausgleichen. Sitzt das Kind jedoch ruhig und balanciert auf deinen Schultern,
ist es in der Mitte deiner Balance. Es fällt dir dann leichter, das Kind durch
die Gegend zu tragen. Also solltest du im Sattel direkt über dem 14.
Rückenwirbel des Pferdes sitzen.
Bob und seine Söhne Skip und Dustin, die auch als Sattler tätig
sind, geben gerne Tipps, wie man den Sattel richtig auf das Pferd legt. Hat dein
Westernsattel einen 7/8-Aufbau, ist eine Handbreite zwischen der Pferdeschulter
und der Vorderseite der Sattelgurtschnalle ein guter Hinweis. „Dies ist eine
gute Daumenregel“, sagt Dustin. „Die meisten Ranch- bzw. Westernsättel haben
einen 7/8-Aufbau“, sagen die Hendersons.
Bei diesen Sätteln ist der Dee-Ring im Bereich des 7/8-Weges zwischen
Cantle und Fork positioniert. Manche Roping Sättel sind „full-rigged“, das
bedeutet, dass der Sattelgurt direkt unter der Fork des Sattels liegt. Bei
diesen Sätteln ist die Position des Sattelgurtes näher an der Pferdeschulter,
erklärt Skip. Diese Platzierung des Sattels und des Reitergewichtes ist weit
genug von den verletzlichen Lenden des Pferdes entfernt. „Manche Reiter
platzieren den Sattel falscherweise zu weit hinten, weil sie glauben, damit dem
Pferd mehr Schulterfreiheit zu geben, dies ist jedoch nicht gut für den
Pferderücken“, erklärt Bob.
Bild 1: Bob Henderson zeigt an einem an einer Clinic teilnehmenden
Pferd die Position des 14. Rückenwirbels. Hier sollte der Sattel liegen.