Spirits of the West

Impressionen einer Sightseeing-Tour durch den Wilden Westen der USA

Teil XII

 

Fotos: Gerda Langer

Text: Heinz Langer

 

Am Dienstag, dem 23. 9. 2008, brechen wir nach einer Übernachtung in Caspar in Richtung Cheyenne, der Hauptstadt Wyomings, auf. Möchte man, so wie wir, nicht der Autobahn nach Cheyenne folgen, lohnt sich eine Fahrt durch das „Land der Cowboys“. Wenige Meilen südlich von Caspar zweigt der Highway ab, der durch endloses Prärieland ohne Strauch und Baum nach Medicine Bow führt.

Die „Stadt“ Medicine Bow mit weniger als 300 Einwohnern besteht aus einer von uns seit ca. 350 Kilometern lang ersehnten Tankstelle mit angeschlossenem Gemischtwarenladen, wenigen Häusern, einer winzigen Kirche und einem Eisenbahndepot sowie dem historisch bedeutendem „Virginian Hotel“. Landet man nach langer, einsamer Autofahrt an diesem Ort, kommt man sich im wahrsten Sinn des Wortes wie am A... der Welt vor! – Der Eindruck ist wirklich einmalig – zumal eine alte Holztafel in der Ortsmitte diesen als „Wyoming Home of the World Champion in Bull Chip Throw“ ausweist. Wer es nicht wissen sollte, Bull Chip Throw bedeutet Bull Shit-Weitwerfen.

Der Ort erlangte jedoch literarischen Ruhm durch den ersten bekannten Westernroman „The Virginian“ und eine jahrelang ausgestrahlte TV-Westernserie – in Deutsch „Die Leute von der Shiloh Ranch“ von Owen Wister. – Die Älteren von euch werden sich vielleicht noch daran erinnern.)

Der Autor Owen Wister (1860-1938) war wie ein Freund von Theodore Roosevelt und der Schreiber dieser Zeilen, vom Westen fasziniert. Auf mehreren Reisen durch den Wilden Westen lernte er die Weiten Wyomings kennen und war hingerissen von Landschaft und Leuten. Sie inspirierten ihn zu seinem berühmten Werk „The Virginian“ (1902), mit dem er die Basis für das beliebte Genre des Westernromans bzw. -Films legte. Mit seinem aus Virginia stammenden Romanhelden schuf er das später so populäre Bild des mutigen loyalen und ehrbaren Cowboys. An den „Virginian“ erinnern noch heute das gleichnamige historische Hotel und ein kleines Museum von 1913 im Eisenbahndepot. Der Namen des Ortes stammt übrigens aus der Sprache der Arapahoe- und Cheyenne-Indianer, in der alles Brauchbare als Medicine bezeichnet wurde und in der Gegend das geeignetste Holz für die Herstellung von Bogen und Pfeilen gefunden wurde.

Medicine Bow war im 19. Jh. ein bedeutender Ort, da er wie die meisten Ansiedlungen an der Union Pacific Railroad erbaut war und als wichtigste Verladestation zahlreicher Rinder, manchmal mehr als 2.000 Stück, diente.

So verlassen und einsam der Ort heute wirkt, so großartig präsentiert sich die wildreiche, anschließende Medicine Range, die wir über Saratoga und den Snowy Range Pass, vorbei am Medicine Bow Peak, erreichen. Die Straße führt hinauf in ein 3.200 Meter hoch gelegenes Wintersportgebiet und danach hinunter in die ehemalige Goldgräberstadt Centenial. Eine beeindruckende Fahrt durch eine malerische Berglandschaft ehe wir Laramie erreichen.

Wie Fort Laramie verdankt die 27.000 Einwohner-Stadt Laramie ihr Entstehen dem französischen Trapper Jacques LaRamee. Mit dem Bau der transkontinentalen Eisenbahn wuchs die Siedlung zur Stadt und zum regionalen Zentrum heran. 1887 wurde hier die University of Wyoming gegründet. Sie bestimmt mit ihren 11.000 Studierenden bis heute das Stadtbild. Zudem machte sich die Stadt – die noch immer eine Cowtown ist – einen Namen in Sachen Emanzipation. Hier gab es nämlich die erste Richterin, durften Frauen zum ersten Mal wählen und wurde sogar erstmals eine Frau (Nallie Tayloe Ross) zum Gouverneur gewählt.

Eine der Hauptattraktionen der Stadt ist das Wyoming Territorial Prison. Um das ehemalige Gefängnis herum – Butch Cassidy saß hier beispielsweise ein – hat man ein Freiluftmuseum im Wildwest-Stil, eine Frontier Town, errichtet. Nach kurzer Besichtigung der historischen Old Town von Laramie setzen wir unsere Fahrt nach Cheyenne fort. Dabei passieren wir den Sherman Hill östlich der Stadt, der mit 2.590 Metern einst auch der höchste Eisenbahnpass auf der Ost-West-Route war. Hier steht unübersehbar ein Abraham Lincoln-Denkmal, schließlich wurde ihm zu Ehren 1920 die Straße als erste kontinentale Verbindung eingerichtet.

Wir beschließen in der bereits nahe gelegenen Hauptstadt Wyomings zu übernachten. – Ein ausführlicher Bericht über diese sehenswerte Stadt und ihre Umgebung folgt in der nächsten

Western News 1/2011!