Schlaufzügel

Lerne wie du dieses Trainingsinstrument richtig anwendest, damit es dein Trainingsprogramm sinnvoll unterstützt. Champion Trainer Bob Avila hilft dir dabei.

 

Text: Bob Avila mit Sue M. Copeland

Fotos: Darell Dodds

Übersetzung: Sonja Grünauer

 

In unserer letzten Ausgabe erklärte ich die richtigen und falschen Einsatzweisen der Martingals. Heute zeige ich euch ein weiteres Trainingsequipment, das ich in meiner Sattelkammer gefunden habe – den Schlaufzügel. Dieser Hilfszügel besteht aus einem Zügelpaar, das vom Sattelgurt durch die Trensenringe zur Reiterhand verläuft. Wird mit den zügelführenden Händen Druck auf diesen Hilfszügel ausgeübt, nimmt das Pferd seinen Kopf tiefer, da Druck auf das Maul des Pferdes ausgeübt wird. Solange das Pferd seinen Kopf nicht senkt, hört der Druck nicht auf. Genauso wie beim Martingal kann dieser Zügel dir und deinem Pferd schaden, wenn man diesen nicht korrekt einsetzt. In diesem Artikel erkläre ich, wann und warum ich Schlaufzügel einsetze und was man tun darf und was nicht, damit du möglichst viele Vorteile dieses Hilfszügels genießen kannst und nicht eventuell in eine Falle tappst.

 

 

Bild 1: Ich sehe oft falsch eingesetzte Schlaufzügel. Die Reiter versuchen oft, mit diesem Hilfszügel eine bestimmte Kopfhaltung des Pferdes zu erzwingen. Dafür ist dieser Zügel nicht gedacht, sondern als Kontrollinstrument vor allem bei jungen Pferden, die durch Wegspringen versuchen, den Schenkelhilfen des Reiters auszuweichen. Außerdem ist dieser Zügel hilfreich, wenn man dem jungen Pferd die Grundlagen der Körperkontrolle wie das Reiten auf zwei Hufschlägen, Konter-Galopp oder Galoppwechsel beibringt.

 

 

Der Nachteil des Schlaufzügels

Da ich sehr oft den falschen Einsatz von Schlaufzügeln beobachten konnte, beginne ich hier mit den Nachteilen dieses Trainingsinstrumentes: Durch seine Tendenz, den Kopf des Pferdes tiefer zu bringen, verwenden viele Reiter diesen Zügel, um ihr Pferd in eine bestimmte Kopfhaltung zu zwingen. Diese Reiter sehen andere Pferde, die entspannt mit tiefem Hals laufen und wollen dies auch möglichst schnell bei ihrem eigenen Pferd erreichen. Das was sie nicht beachten ist, dass ihr Pferd vielleicht noch nicht entsprechend gut ausgebildet ist, um solch eine Haltung des Halses entspannt einnehmen zu können. Mit dem Schlaufzügel wird solch ein Pferd nur auf der Vorhand laufen. Die Balance, die Bewegung und die Athletik werden darunter leiden.

Ich will vermeiden, dass ein Pferd mit dem Gewicht auf der Vorhand läuft. Dafür setze ich Schenkelhilfen ein, um das Pferd vermehrt an den Zügel heranzureiten, damit das Pferd seine Schultern hochnimmt und sein Gewicht auf die Hinterhand verlagert. Dies unterstützt seine Balance und seine sportliche Beweglichkeit, damit es mühelos stoppen und wenden kann.

Also wofür setze ich den Schlaufzügel ein? Zur Kontrolle. Mit dem Schlaufzügel kann man das vordere Drittel des Pferdekörpers (also alles, was vor den Schultern liegt) kontrollieren, damit du die restlichen zwei Drittel seines Körpers gut biegen kannst. Sie sind auch sehr hilfreich für die Kontrolle eines jungen Pferdes. Manchmal passiert es, wenn du einem Jungpferd beibringst, dem Schenkeldruck des Reiters zu weichen – wie z.B. für das Reiten auf zwei Hufschlägen, dem Kontergalopp oder dem Galoppwechsel, dass das junge Pferd von der Schenkelhilfe des Reiters wegspringt, um dem Druck schneller zu entkommen. Mit dem Schlaufzügel kann man diesen Fluchtversuch des Pferdes blockieren, während du versuchst, sein Kiefer und seinen Hals entspannt zu halten.

 

 

Bild 2: Setze Schlaufzügel ein, wenn du deinem Pferd Wendungen beibringen willst. Dieser hilft, dass dein Pferd dabei entspannt bleibt, während die restlichen zwei Drittel deines Pferdes sich versammeln und es deinen leichten Zügelkontakt spürt. Durch die Zügelhilfe nimmt das Pferd seine Schultern höher. Damit hat es für die Vorderbeine mehr Raumfreiheit, um die Beine leichter überkreuzen zu können, während seine Vorhand sich seitwärts um die Hinterhand bewegt.

 

 

Manchmal setze ich den Schlaufzügel bei erfahrenen Pferden als Ausbildungswerkzeug ein. Habe ich bei einem Jungpferd einmal die Körperkontrolle gefestigt, lasse ich den Hilfszügel wieder weg. Beginne ich, dem Pferd Wendungen beizubringen, helfen mir die Schlaufzügel, das Pferd zu versammeln, indem ich die Zügel leicht annehme und entsprechende Schenkelhilfen gebe. Damit motiviere ich mein Pferd, seine Schultern anzuheben und mit den Vorderbeinen korrekt seitlich zu überkreuzen, während seine Hinterhand konstant am Platz stehen bleibt. Durch den Einsatz des Schlaufzügels bleibt das Pferd entspannt, während es dieses Manöver macht. Es erhält damit auch rechtzeitig ein Nachlassen des Drucks, sobald es richtig reagiert. Sobald es diese Lektion beherrscht, verzichte ich auf den Einsatz des Hilfszügels.

Tipps für die richtige Anpassung

Wie du den Schlaufzügel am Sattelgurt befestigst, beeinflusst auch den Effekt, den er auf dein Pferd ausübt.

Für das durchschnittliche Pferd: Hänge die Schlaufzügel an den obersten D-Ringen am Sattelgurt deines Pferdes ein (wie auf Bild 3). Diese Variante bevorzuge ich, denn es ist ein guter Mittelweg zwischen den Varianten, die ich dir noch zeigen werde. Du kannst dein Pferd so gut unter Kontrolle halten und es gleichzeitig weich am Kiefer und Maul halten, ohne das Pferd auf seine Vorhand verlagern.

Für Pferde, die ihren Kopf hoch tragen: Wenn du ein Pferd reitest, das von Natur aus seinen Kopf hoch trägt, hänge die Schlaufzügel zwischen den Vorderbeinen des Pferdes mittig am Sattelgurt ein (wie auf Bild 4 abgebildet). Durch diese Art, den Hilfszügel einzuhängen, wird das Pferd motiviert, seinen Kopf tiefer zu nehmen, da vermehrt Druck auf die Trensenringe ausgeübt wird. Gleichzeitig wird das Pferd sich jedoch dabei entspannen.

Für Pferde, die Widerstand an der Trense zeigen: Ich setze diese Art, den Schlaufzügel einzuhängen, eher selten ein, doch sie kann durchaus hilfreich bei Pferden sein, die Widerstand bei Druck auf die Trense zeigen. Normalerweise lehnt sich ein Pferd nicht auf ein Bit, wenn es dabei seitlich gebogen wird (wie ich auf dem Bild Nr. 5 zeige, übe ich vermehrt Druck auf den rechten Zügel aus), als wenn man gleichzeitig auf beide Zügel Druck macht. Der Schlaufzügel hilft mir, den Kopf des Pferdes jeweils in Richtung seiner Schulter zu bringen und dadurch seinen Gegendruck schmelzen zu lassen. Ich hänge den Schlaufzügel mittig unten am Sattelgurt ein, lasse ihn jedoch außerhalb seiner Vorderbeine in Richtung der Trensenringe verlaufen – so wie auf dem Bild gezeigt.

Für Pferde, die ihren Hals zu tief tragen: Wenn dein Pferd von Natur aus seinen Hals zu tief tragen will, hängst du die Schlaufzügelenden an den D-Ringen deines Sattels ein, was ihm hilft, seinen Kopf und Hals etwas höher zu tragen.

Was man mit Schlaufzügeln tun und nicht tun sollte

Nütze diesen Leitfaden, die Effektivität deines Schlaufzügeleinsatzes zu verbessern und die damit verbundenen Gefahren zu verringern.

Gefühl haben. Um Schlaufzügel anzuwenden, sollte man Gefühl haben. Das heißt, man sollte unabhängige Kontrolle der reiterlichen Hilfen haben und spüren können, wenn das Pferd dem Druck nachgibt. In diesem Fall sollte man sofort sanft mit den zügelführenden Händen sein und mit dem Druck nachlassen. Hier nicht nachzugeben, kann dazu führen, dass das Pferd Widerstand auf die reiterlichen Hilfen zeigt.

Verwende ein Snaffle. Setze Schlaufzügel in Kombination mit einem sanften Snafflebit ein. Wenn dein Pferd nicht gut genug darauf reagiert, kannst du ein etwas weniger sanftes Bit – jedoch mit Vorsicht – einsetzen.

Verwende kein Bit mit Hebelwirkung. Willst du den Schlaufzügel bei einem Pferd anwenden, das bereits mit einem Bit mit Shanks geritten wird, solltest du davor auf ein Snafflebit wechseln – also zu den Grundlagen seiner Ausbildung zurückkehren.

Das Pferd seitlich mit den Zügeln begrenzen. Reite das Pferd beidhändig mit leichtem Kontakt zum Pferdemaul. Dadurch kannst du dein Pferd gerade halten. Diese Übung ist ein sehr guter neutraler Ausgangspunkt, zu dem man immer wieder zurückkehren kann.

Dein Pferd sollte sich nicht auf die Trense lehnen. Manche Pferde lernen, sich auf das Gebiss zu legen, anstatt auf die Schenkelhilfen zu reagieren. (Du merkst dies, wenn du konstant Gewicht an den Zügeln spürst.) Um dies zu vermeiden, setze vermehrt Schenkelhilfen ein, um das Pferd ans Gebiss heranzureiten und es zu versammeln und das Pferd zu motivieren, seine Schultern hoch zu nehmen. Das Pferd läuft somit ausbalanciert, trägt sich selbst und lehnt sich nicht mehr ans Gebiss.

Überfordere dein Pferd nicht. Vermeide zu viel konstanten Druck auf den Schlaufzügel. Ich habe Pferde gesehen, die deshalb so überreagieren und sich fast nach hinten überschlagen. Hat ein Pferd keine Chance auf Druckminderung, versucht es dem Druck nach hinten zu entkommen. Es besteht die Gefahr, dass sich Reiter und Pferd schwer verletzen.