Ladies Portrait

Ich war gerade 11 Jahre und Leistungsschwimmerin in einem Verein in Wr. Neustadt, als der Arzt feststellte, dass ich eine chronische Entzündung habe und nicht mehr schwimmen sollte. Ein neues Hobby musste also her… und da ich ja sowieso schon immer reiten wollte, brauchte ich nicht erst lange zu überlegen. Nach ein paar Stunden im klassischen Stil war ich dann doch nicht so begeistert von dieser Reiterei. Durch Zufall kamen wir auf eine kleine Ranch nahe Wr. Neustadt, wo der Sohn des Besitzers eine Quarter-Stute hatte. Es sah alles so ganz anders aus. Die Art zu reiten faszinierte mich so, dass ich unbedingt Westernreiten lernen wollte.

Meine ersten Stunden nahm ich bei Helmut & Dennis Schulz, damals noch am Herminenhof in Pottenstein. Schon wenige Monate später bekam ich mein erstes Pferd namens Gold Mine Solo, einen sechs Monate alten Quarter Horse-Hengst. Mit 12 machte ich das WRC mit meinem zweiten Pferd namens Cashs Mary Sue, die von Helmut Schulz angeritten wurde und mit der ich etliche Allround Champion-Titel in der Jugendklasse gewann. Ich erinnere mich gerne an die schöne, alte Turnierzeit zurück, wo noch der Spaß und das Hobby im Vordergrund standen.

Das Niveau bei Turnieren stieg, und ohne gutem Pferdematerial kann man da leider nicht mithalten. Deshalb verkauften wir unsere drei Durchschnittspferde, und mein Vater kaufte mir aus den USA ein Reiningpferd names Fiftys Otoe Miss. Sie ging in America Futurity und war aus heutiger Sicht wohl kein Pferd für eine 15-Jährige. Aber uns konnte nichts erschüttern, ich hatte ja sowieso viel Erfahrung als Allround-Reiterin. So folgten einige Allround Champion-Titel in der Jugend-, Amateur- und Open-Klasse, einige Medaillen bei den Wiener Landesmeisterschaften und ein 5. Platz in Youth Reining bei der Europameisterschaft in Augsburg.

Im Jahr 1999 ergriff ich die Möglichkeit, für einen Trainer in Kanada zu arbeiten. Ich ging für drei Monate zu Kevin Pole nach Lethbridge, Alberta, um Pferde zu trainieren und auf Shows zu assistieren. Diese Zeit möchte ich nie missen, ich lernte so viele, nette Leute kennen und kam reich an Ideen und Wissen zurück.

2004 machte ich die Prüfung zum Westernreitwart und nahm seitdem fast an jedem Fortbildungskurs teil. Jahrelang unterrichtete ich mit Begeisterung hauptsächlich Freizeitreiter mit eigenem Pferd. Neben meinem Beruf war dies jedoch bald sehr belastend, und mein eigenes Pferd stand immer mehr im Hintergrund. Ich musste etwas ändern, aber was?

Wie durch Zufall fragte mich Gerda Langer bei einer AWA Generalversammlung, ob ich nicht die Ausbildung zur Westernrichterin machen möchte, weil es zu wenige junge Richter gibt. Ich überlegte nicht lange und begann, auf einigen Turnieren als Schreiberin zu arbeiten. Dies gefiel mir so gut, dass ich 2007 die Aufnahmeprüfung für die Richterausbildung absolvierte und 2009 die Prüfung zur FENA Westernrichterin in der spanischen Hofreitschule ablegte.

Ab und zu unterrichte ich im Reitstall meines Vaters in Gerasdorf, jedoch nur soweit es die Zeit es erlaubt. Mein Ziel ist, selbst wieder mehr zu reiten und ab und zu eine Show zu richten.

Vielleicht sehen wir uns ja bald wieder einmal bei einem Turnier?

Bis bald,

eure Bettina Pokornik