Die Jüngsten ganz groß

Text: Romana Kerner

Foto: Romana Kerner & Martina Wirtl

 

Sie reichen zumeist mit ihren Beinchen nicht an den Pferdekörper heran, bedürfen so mancher Unterstützung, um überhaupt einmal auf das Pferd zu kommen, und müssen im Bewerb geführt werden, weil sie noch nicht frei reiten dürfen – und sie sind die Stars jedes Westernturniers, bei dem sie auftauchen. Die Rede ist von den Jüngsten der Westernnachwuchsreiter, von den 4- bis 8-jährigen Teilnehmern in den Führzügelklassen.

Viele Jahre lang wurde dieser besondere Bewerb nicht veranstaltet, 2010 war es jedoch wieder soweit. Das Western Training Center H&D Schulz in Wr. Neustadt nahm den Führzügel-Trail in sein Showprogramm der Turniere im Mai, Juni, August und September auf. Auch bei der APROPOS Pferd im Oktober auf dem Areal der Arena Nova zeigten drei der fleißigsten Teilnehmer ihr Können: Max und Ben Kirsteuer sowie Carina Machacek.

Nicht nur im südlichen Niederösterreich gewann die Führzügelklasse an Popularität, auch im nördlichen Weinviertel, bei einem Reitertreffen in Großkadolz, bestachen die Jüngsten mit viel Charme auf den Ponys von Martina Wirtl, die sich darauf spezialisiert hat, bereits die Kleinsten der Kleinen an den Umgang mit den Pferden und ans Reiten heranzuführen.

 

Im Trail der Führzügelklasse dürfen nur die Gangarten Schritt und Trab im Pattern (in der Aufgabe) vorkommen, zumeist wird jedoch nur Schritt verlangt. Hindernisse sind u.a. das Bewältigen von mehreren Stangen hintereinander, Slalom durch Marker, rückwärts durch Stangen, Gehen über eine Brücke und das Drehen in einer Stangenbox. Das korrekte Durchführen des Patterns für den Führzügeltrail liegt in der Verantwortung des Führenden (Personen ab 16 Jahre). Pferd, Kind und Führender starten im entsprechenden Westernturnieroutfit, zumindest mit Westernhut und langärmligem Hemd oder Bluse. Für die Kinder sind weiters das Tragen eines Schutzhelms und eine Schutzweste vorgeschrieben. Außerdem müssen sie ihre Füße in die Steigbügel stellen können, falls dies nicht möglich ist, sind besondere Kindersteigbügel zu verwenden. Die Bewertung in der Führzügelklasse gestaltet sich ein wenig anders als in den Bewerben der Großen. Der Richter bewertet nicht nur das Absolvieren der Hindernisse und Manöver, sondern auch die Ausrüstung von Pferd, Reiter und Führer. Im Mittelpunkt steht jedoch immer das Kind auf dem Pferd, wobei nebst Zügelhaltung, Beinhaltung und Sitz auch die Freude des Kindes am Reiten und dessen Umgang mit dem Pferd beurteilt wird.

Die Teilnahme an der Führzügelklasse ist für die Kleinen eine wichtige Erfahrung und ein unvergessliches Erlebnis zugleich. Mit viel Spaß beginnen die Kinder ihre „Turnierkarriere“, können sich an Richter und Publikum gewöhnen und lernen, auch unter Stress Vertrauen in das Pferd und einen anderen Menschen zu bewahren.

Der Führzügel-Trail begeistert Groß und Klein, Zuschauer und Richter, Führende und natürlich besonders die teilnehmenden Kinder. Dies beweist der Inhalt einer SMS, die Martina Wirtl von einer Mutter nach dem Turnier in Großkadolz bekommen hat: „Liebe Martina, das Turnier gestern war eine gute Idee. Leni hat mich heute um 5:30 Uhr gefragt, wann wir wieder auf ein Turnier fahren. Sie rennt nur mehr mit dem Pokal herum, die Plakette trägt sie in den Pulli gesteckt...“