Zwei Millionen Dollar-Reiter

Craig Schmersal gehört zu einer kleinen und elitären Gruppe von Reitern.

 

Text: Tonya Ratliff-Garrison

Fotos: John Brasseaux

Übersetzung: Sonja Grünauer

 

„Es ist nicht Bestimmung. Es ist eher wie eine Reise“, sagt Craig Schmersal. Im Jahr 2005 wurde er NRHA Millionen Dollar-Reiter und erklärte gegenüber dem NRHA Reiner Magazin in einem Artikel, dass er „sehr glücklich ist, solch eine Karriere zu erleben“.

Fünf Jahre später hat Schmersal immer noch die gleiche Philosophie und setzt einen weiteren Meilenstein in seiner Karriere – er wird 2 Millionen Dollar-Reiter. Schmersal beginnt 2010 (sein erster Sieg im Jahr 2010 war in der Open-Klasse bei der Southwestern Exposition in Fort Worth, Texas, wo er mit Sparkling Waves startete) mit dem Sieg in der Level 4 Open mit Mister Montana Nic beim Florida Classic Derby in Tampa im Februar diesen Jahres. Im selben Monat siegte er in der Level 4 Open-Klasse beim Seminole Hard Rock Reining Classic mit Whizs Katrina und wurde mit Peppy Superboom am 6. Rang platziert.

Seine Preisgelder zusammengerechnet betragen mehr als 2,006.400 Dollar an NRHA Lifetime Earnings. Das macht Schmersal zum dritten NRHA-Reiter, der die 2 Millionen Dollar-Marke erreichte. Im Jahr 2005 war Tim McQuay der erste Reiter, der dieses Ziel erreichte, gefolgt von Shawn Flarida im folgenden Jahr.

„Es war für mich etwas ganz Besonderes“, sagt Craig. „Ich war schon total aufgeregt, als ich die 1 Million Dollar-Grenze erreichte, doch beim Erreichen der 2 Millionen Dollar-Grenze war das eine ganz große Sache. Ich bin der dritte Reiter, der die 2 Millionen Dollar-Marke erreicht hat, und der siebente, der die 1 Million Dollar-Marke schaffte. Es ist eine sehr elitäre Gruppe.“

 

Für die Reining bestimmt

Geboren und aufgewachsen im Nordwesten von Ohio, begann Schmersal nach einem Besuch beim All American Quarter Horse Congress im Jahr 1981 zu reiten. Damals war er acht Jahre alt. Er wollte schon immer Pferdetrainer werden. Dank der Hilfe und Unterstützung seines Vaters hatte er bereits in seiner Jugend sehr viele Möglichkeiten. „Ich verbrachte sehr viel Zeit mit Shawn Flarida. Wir beide ritten einige Sommer lang die Pferde für seinen Bruder Mike Flarida“, erinnert sich Schmersal. „Ich glaube, ich war damals 9 oder 10 Jahre alt, als ich das erste Mal dorthin kam. Ich blieb fünf Sommer lang dort. Mike war mein erster Trainer, ich bewunderte ihn sehr. Durch ihn wurde ich Pferdetrainer.“

Als Schmersal 14 Jahre alt war, begann er, die Sommer auf Long Island, New York, zu verbringen – zuerst mit Henry und Elaine Uvino. Danach, als er in die High School wechselte, arbeitete er zwei Jahre lang für Joe Annunziata.

Schmersal startete 1988 mit Leo Money Step bei seiner ersten NRHA Show als Youth-Teilnehmer und gewann die Klasse Youth 14-18 bei der angesehenen Joe Cody Classic Show auf der Willow Brook Farm in Catasauqua, Pennsylvania. In den frühen 90er-Jahren begann Schmersal für Dutch Chapman in Maryland zu arbeiten. Hier schrieb er mit Dave Connors Cee Blair Sailor NRHA-Geschichte, indem er 1994 die NRHA Open und die Limited Open World Championships sowie die Saddlesmith Open Series gewann. Cee Blair Sailor wurde 1995 in die NRHA Hall of Fame aufgenommen.

Schmersal übersiedelte danach in den Westen und begann für den zukünftigen 1 Million Dollar-Reiter Randy Paul in Scottsdale, Arizona, zu arbeiten. Im Jahr 1995 war er das erste Mal im NRHA Futurity Open-Finale, wo er Mr Diamond Dun It ritt. Im Jahr 1996 verpasste er das Finale, erreichte jedoch dieses wieder 1997, dieses Mal mit Gunna Smokem. Seitdem kam er jedes Jahr, oft sogar mehrfach, in das Finale.

In Arizona lernte Craig 1996 Ginger Bishop-Kingston kennen, und die beiden heirateten dann im Jahr 1998. Dank der Unterstützung seiner Frau entschied er, nun selbständig als Trainer in Kalifornien zu arbeiten. „Ich hätte dies alles nicht ohne Ginger geschafft“, sagt Craig. „Sie managt das ganze Unternehmen und ist auch bei den Kunden sehr beliebt. Sie kümmert sich um das Organisatorische, während ich die Pferde reite. Es ist beruhigend zu wissen, dass sie sich um alles kümmert, denn ich denke, ich könnte neben dem Reiten nicht auch noch das Organisatorische erledigen.“

 

 

Bild 1: Craigs größter Fan und stärkste Befürworterin ist seine Frau Ginger. „Ich hätte dies alles nicht ohne Ginger geschafft“, sagt er.

 

 

Der Weg zum Erfolg

Während ihn Ginger im Hintergrund bei seiner Karriere unterstützte, gabtes in seinem Stall drei Hengste, die ihm bei seiner Karriere als Reining Trainer halfen. Tidal Wave Jack war der erste. 1999 kam Craig mit dem bay-farbigen Sohn von Hollywood Macho Jac ins NRHA Futurity Open-Finale, später wurden sie ein Teil des Goldmedaillen-Teams der USA bei den Weltreiterspielen 2002 in Jerez, Spanien. Es war damals das erste Mal, dass die Disziplin Reining bei den Weltreiterspielen ausgetragen wurde. Im Jahr 2005 kehrten Schmersal und Tidal Wave Jack nach Europa zurück und gewannen die FEI World Reining Masters in Manerbio, Italien. Bevor der Hengst im Jahr 2006 als 10-jähriger in Pension ging, hatte er mehr als 143.000 Dollar an Preisgeldern gewonnen und 13 erfolgreiche Nachkommen gezeugt, die zusammen mehr als 192.200 Dollar an NRHA-Preisgeldern und 160.000 Dollar an Preisgeldern der National Reined Cow Horse Association gewonnen haben.

Mister Montana Nic ist ein weiteres Pferd, mit dem Craig großen Erfolg hatte. Die beiden kamen 2001 in das Futurity-Finale und wurden unter den Top 10 platziert. Der auffallende Reminic-Sohn ist bis heute bei Turnieren aktiv im Einsatz und hat bereits mehr als 124.000 Dollar an NRHA-Preisgeldern gewonnen. Mister Montana Nic ging im Jahr 2005 bei den FEI World Reining Masters an den Start und gewann mit Tim McQuay im Sattel die Silbermedaille. „Nachdem Tim dieses Pferd geritten ist, fragte ich ihn ‚Wie ist er?‘ und Tim sagte ‚Sehr unkompliziert!‘“, erinnert sich Schmersal. „Es war sehr gut für mich, dass Tim mit ihm so gut zurecht kam und ihn auch so gerne hatte.“

Obwohl diese beiden Hengste einen großen Anteil an Schmersals Karriere hatten, sieht er Commanders Nic als das beste Pferd, das er je geritten ist. „Er ist ein großartiges, kleines Pferd mit einem großem Herz“, sagt Craig. „Man hat bei ihm das Gefühl, dass man alles gewinnen kann, egal wo man ist. Ich habe mich nie geschlagen gefühlt, wenn ich mit ihm von einem Turnier heimgefahren bin. Dieses Pferd gab mir so viel Selbstvertrauen. Seine Aufrichtigkeit und seine Fähigkeiten im Showpen waren unglaublich.“ Schmersal erzählt, dass ihm der chestnut-farbige Sohn des Millionen-Dollar-Zuchthengstes Boomeric das meiste beigebracht hat, was ihm ein Pferd hätte beibringen können. „Ich bildete ihn bis zu seinem dritten Lebensjahr aus, da war er bereits fertig für den ersten Turnierstart. Danach begann das Pferd, mir etwas beizubringen. Er war ein Pferd, das nicht viel Training brauchte.“ Schmersal und Commanders Nic wurden bei der NRHA Futurity im Jahr 2002 Vierte, gewannen 2003 die NRHA Derby Reserve Championship und kamen 2004 zurück, um den NRHA Derby Championship-Titel nach Hause zu nehmen. 2005 schlugen sie sich in einem Starterfeld von 174 Pferden bei den Vorrunden des National Reining Breeders Classic so gut, dass sie im Finale unter den besten 10 Startern platziert wurden. „Ich habe nie ein Finale verpasst“, sagt Schmersal. „Ich startete mit ihm, bis er sechs Jahre alt war, und wir waren immer gut platziert.“

Aufgrund einer Verletzung wurde der Hengst mit einer Preisgeldsumme von 260.000 Dollar in Pension geschickt. Seitdem ist er als Deckhengst im Einsatz. „Es hat mit ihm immer viel Spaß gemacht. Für mich war er der Beste.“

5 Jahre und 1 Million Dollar später

Obwohl Craigs Philosophie für die Reining sich nicht geändert hat, haben sich seit dem Jahr 2005 in seinem Leben doch einige Dinge geändert. Er übersiedelte mit Ginger und seinen beiden Söhnen Chris und Nick im Jahr 2006 von Kalifornien auf eine große Ranch nach Overbrook in Oklahoma. Dort gründeten sie Schmersal Reining Horses. Heute stehen Tidal Wave Jack, Mister Montana Nic, Commanders Nic, Boom Shernic und Mr Dual Rey (auf dem Craig 2006 die AQHA Senior Reining World Championship und 2008 und 2009 die US Equestrian Federation Reining Championships gewann) dort als Deckhengste im Einsatz. Auf der Ranch befindet sich auch ein Shop, in dem Trainings- und Showtacks und exklusiv für Schmersal designtes Equipment verkauft wird. „Ginger eröffnete diesen Shop. Wir bieten alle Dinge an, mit denen ich arbeite, wie Produkte von meinen Sponsoren wie Professional’s Choice, Bob’s Custom Sättel, handgefertigte Bits und Sporen von Greg Darnall, Kerry Kelley und Tom Balding und das Reining Video „Good As Gold“, das Western Horseman’s World Class Reining Book, das ich mit Shawn Flarida herausgegeben habe“, sagt Craig. Wir haben auf der Ranch zehn Mitarbeiter, die beim Training und der Pflege der Pferde helfen.

„Es war sehr hart, die 2 Millionen Dollar-Marke zu erreichen, doch ich hatte glücklicherweise einige gute Pferde, die mir zu diesem Erfolg verhalfen“, sagt Craig. „Ich habe eine tolle Truppe an Mitarbeitern, die für mich arbeiten und die mit mir die Pferde anreiten. Sie arbeiten sehr hart. Und ich kann beruhigt zu den Shows fahren, da ich weiß, dass die anderen Pferde gut versorgt und geritten werden.“

Angehende Trainer kommen weltweit von überall und möchten von Schmersal ausgebildet werden. „Ich hatte Kinder aus Frankreich, Israel, Italien und den USA, und der NRHA Professional Pierre-Luc Phaneuf aus Kanada kam auch zu mir“, sagt Craig. „Ich bin sehr glücklich, mit so vielen jungen Menschen zu arbeiten.“

2008 vergrößerten Craig und Ginger ihre Familie und adoptierten ein Mädchen und einen Buben. Heute ist Brendyn fünf und Addisyn ist vier – und beide sind pferdenärrisch. Ihr ältester Sohn Chris ist jetzt 16 und konzentriert sich eher auf Sportarten wie Fußball, Wrestling und Motocross, während der 14-jährige Nick in die Fußstapfen seines Vaters tritt. „Er reitet ein wenig die Pferde und war dieses und letztes Jahr bereits erfolgreich bei einigen Turnieren“, sagt Craig über Nick. Die Familie ist für Craig das Wichtigste. Um das wichtige Ereignis zu feiern und eine Pause vor der Turniersaison 2010 einzulegen, machten Craig, Ginger und die Kinder für eine Woche eine Reise nach Cancun, Mexiko.

„Ich hätte das alles nicht ohne meine Frau und meine Kinder geschafft“, sagt Craig. „Sie haben mich unterstützt, ganz speziell meine Ginger. Sie ist mit mir zu allen Horse-Shows gefahren, sie ist meine größte Stütze. Ich weiß, dass ich mich glücklich schätzen kann, solch eine Karriere gemacht zu haben, solche Pferde zu besitzen und alle diese Erfolge erzielt zu haben, doch ich hätte all dies nicht ohne meine Familie (inklusvie Gingers Eltern und meinem Vater) erreicht. Und dafür bin ich sehr, sehr dankbar.“

 

 

Bild 2: Craig verdankt seinen Pferden, seinen Hilfstrainern und seiner Familie, dass er so viel Erfolg hat.