Chexi Jumper – Alle Jahre wieder

 

Text

Romana Kerner

 

Ich habe gehört, dass viele von euch Menschen Black Beauty und sein Leben kennen. Ich habe auch gehört, dass Black Beauty ein englisches Reitpferd war, schwarz wie die Nacht und ganz und gar britisch. Ich bin ganz anders – weiß wie Schnee, ein cooles Westernpferd mit amerikanischer Abstammung und indianischen Wurzeln. Und ich hab mir in meinen Appaloosa-Kopf gesetzt, ein wenig aus meinem Leben zu erzählen – wo doch die Cowboys in Europa nach und nach Einzug halten und wir Westernpferde immer beliebter werden. 

 

Das heurige Jahr war ja sehr spannend... so viele Mascherl hab ich bei den Westernshows bekommen, wir sind mit der fahrenden Höhle weg gewesen, haben mit Eisbällen gespielt und böse Räuber in die Flucht geschlagen. Aber das Spannendste steht noch bevor. Ich weiß nicht, wer sich von unserer Herde am meisten freut... auf dieses Fest, das da so viele verschiedene Namen hat. Ich fürchte fast, dass es meine Menschin ist – sie hat nämlich schon einen ganz langen Brief geschrieben. An wen? Ja, das hat sie mir nicht gesagt. Gemein, sehr gemein von ihr! Sie hätte mir ruhig helfen können, denn ich kann mich schon wieder nicht entscheiden, ob es nun Santa Claus oder das Christkind sein soll, das mit uns gemeinsam das schönste Fest des Jahres feiern soll. Vielleicht schlag ich mal vor, dass wir beide einladen – soviel Platz wird doch sein... am Festtagstisch. Und außerdem bin ich ja ein österreichisches Indianerpferd, ich hab also eine Doppelstaatsbürgerschaft, also darf ich mir das so wünschen. Den Weihnachtshasen mag ich nicht einladen – der war eh schon bei uns... gemeinsam mit dem Osterhasen!

Nun, letztes Jahr hab ich ja gelernt, dass Santa Claus und das Christkind so viel zu tun haben zur Weihnachtszeit, dass ich unbedingt einen Brief schreiben muss – egal wie kurz meine Weihnachtsliste auch sein mag. Nur dann kann das eine oder andere oder sogar alles in Erfüllung gehen, denn keiner der beiden kann sich die Wünsche von so vielen Milliarden Lebewesen merken.

Ich hab also jetzt schon begonnen, darüber nachzudenken, was ich so auf meiner Liste haben möchte... und da ist mir natürlich ganz vorne einiges eingefallen:

Mein supergutes Fressen, das ich täglich bekomme! Ich steh ganz fürchterlich drauf, also soll sich da bitte nichts dran ändern!

Meine kleine Prärie, die mag ich auch sehr. Da kann ich so wunderbar herumstehen und die Stuten beobachten. Sie soll mir bitte erhalten bleiben.

Im nächsten Jahr hätte ich gerne wieder ganz viele Mascherln. Ich mag das so gern, wenn meine Menschin vor lauter Freude zum Heulen beginnt! Das macht sie, echt! Müsst einmal schauen, wenn wir wieder einmal beim Schmücken dabei sind.

Außerdem wünsche ich mir, dass meine Herde so bleibt wie sie ist: Ich möcht einfach niemanden missen müssen!

Hab ich das mit dem Fressen schon erwähnt? Ach ja, gleich zu Beginn. Egal. Ich muss sowieso noch hinzufügen, dass ich vielmehr von den krummen, gelben Dingern haben mag und dafür weniger von den Orangen. Auf die könnt ich auch ganz verzichten – zur Not.

Für den Winter ganz wichtig: Bitte Frühlingswetter! Wir können dann echt Ausreiten gehen, ich kann weiterhin Gras fressen und ich brauche nicht Schlittschuhlaufen lernen – das mit den besonderen Schuhen auf meinen Hinterhufen ist im echten Winter gar nicht lustig. Und die dicke Decke schützt zwar vor der Kälte, aber das „In den Dreck werfen“ funktioniert ohne Decke viel, viel besser. Also dreimal „bitte“! Kein Winterwetter.

Mein nächster Punkt: Ich sag nur Kreise und schnell laufen, damit möcht ich meine Zeit verbringen und weniger mit dem Ausreiten in der Sandkoppel. Ich bin doch ein appaloosisches Fluchttier. – Ich laufe wirklich gerne, Stangen sind nicht so Meins.

Ganz zuletzt wünsch ich mir eine zufriedene Menschin, die singt und lacht und weint – natürlich nur die Freudentränen – und ihre Freude mit mir teilt.

Und ich verrat euch was ganz Geheimes: Ich hab auf ihren Brief geschaut, als sie gerade abgelenkt war, und da ist ganz unten Folgendes gestanden:

Last, but not least (das hab ich nicht verstanden, geb ich gleich zu!), wünsch ich mir, dass mein Chexi (das bin ich!) gesund bleibt und ich alles Erdenkliche machen kann, um ihm ein gutes Pferdeleben zu ermöglichen.

Na, ist das nicht rührend! Ich drück eine Appaloosa-Träne und freu mich! Was für eine Menschin! Sowas findet man nicht so schnell wieder... die geb ich auch nicht her! Wiha!

Jetzt hätt ich beinahe viel zu früh zum Schreiben aufgehört, aber meine Menschin hat mich daran erinnert, dass wir neben einem herzlichen Dankeschön an alle unsere Leser auch noch ein paar festliche Worte an euch weitergeben wollen:

Wir wünschen ein gesegnetes Weihnachtsfest. Alles Gute für das neue Jahr 2011, Glück, Gesundheit und viel Erfolg.

Es folgt mein zweites und für 2010 letztes Wiha. Meine Menschin und ich freuen uns auf das nächste Jahr... und natürlich auch über den einen oder anderen Kommentar auf meine eMail-Adresse chexi_jumper@hotmail.com