Eine Serie für QH-Züchter & -Enthusiasten
Übersetzung & Bearbeitung: Heinz Langer
Teil I
Obwohl er die Hälfte seines Lebens lang im Schatten von Poco Bueno
stand, gebührt Pretty Buck sehr wohl ein Ehrenplatz unter den Foundation Sires
der American Quarter Horse-Rasse!
Pretty Buck wurde 1942 auf der Waggoner Ranch in Vernon, Texas,
geboren. Er war ein Sohn von Pretty Boy, aus einer Waggoner-Stute, von Buck
Thomas, einem Sohn des berühmten Peter McCue, auf den bekanntlich zwei Drittel
aller Quarter Horses zurückzuführen sind. Von seinem Züchter und Besitzer, E.
Paul Waggoner, wurde er 1945 als Brauner registriert. Mit seinem dunklen
Dorsalstreifen und schwarzen Abzeichen, war er tatsächlich jedoch ein dunkler
Dun.
Pretty Boy, der Vater von Pretty Buck, war ein 1928 geborener,
brauner Hengst von Dodger, aus der Little Maud. Er wurde von Claude Collins, aus
Sterling City, Texas, gezüchtet und 1931 an die Waggoner Ranch verkauft.
Außer Pretty Buck hatte Pretty Boy noch weitere erwähnenswerte
Nachkommen, darunter Monterrey und Talley Man. Monterrey war ein 1940, aus einer
Waggoner-Stute, von Waggoners Rainy Day P-13 gezogener Palomino-Hengst. Er war
ein AAA und AQHA Champion Sire. Talley Man, 1946 geboren, war ein dun Stallion,
aus der Lady Blackburn III, von Blackburn.
Er war ein Register Of Merit Arena Performer und
Multiple AQHA Champion Sire.
Pretty Boys bedeutendster Beitrag zum
Zuchtprogramm der Waggoner Ranch war seine Fähigkeit, gute Zuchtstuten zu
zeugen. Seine Töchter waren die Hauptstütze der Zuchtstutenherde der Ranch in
den 1940er und 1950er- Jahren, wobei unter dem Nachwuchs so bedeutende Pferde
wie Poco Tivio, Poco Lena, Poco Pine, Poco Stampede, Poco Champ, Pretty Pokey,
Pretty Boy Pokey und Poco Jane – die Mutter von King Fritz – waren.
Pretty Bucks Mutter wurde einfach als Buck
Thomas Mare bezeichnet. Buck Thomas war ein 1921 geborener Hengst, von Peter
McCue, aus der Stockings, von Old Fred. (Anm. der WN-Red.: Hier sind wir bereits
in der Urgeschichte der Quarter Horse-Zucht.)
Gezüchtet von dem legendären Horseman aus
Colorado, Coke Roberts, wurde er 1927 von der Waggoner Ranch erworben. Obwohl
er, wie Pretty Boy, hauptsächlich ein bewährter Erzeuger von Zuchtstuten war,
wurde Buck Thomas auch der Vater von Red Buck und F&H Bill Thomas – zwei
Hengsten, die ebenfalls ihren positiven Einfluss auf die Zucht hinterließen.
Damals, zur Zeit von
Pretty Bucks Geburt, war das Waggoner Ranch Breeding Program voll in
Schwung und produzierte jährlich mehr als 300 Fohlen! Blackburn und Pretty Boy
waren die Senior Stallions der Ranch. Im Alter von 15 bzw. 14 Jahren waren sie
anerkannte Sires von Working- und Breeding Horses. In ihrer Zuchtstutenherde gab
es eigene Töchter von Waggoners Rainy Day P-13 und Midnight. Da gab es auch
einige ältere Töchter von Cotton Eyed Joe und Joe Traveler, zwei Söhnen von
Little Joe, und einige ältere Töchter von Yellow Wolf und Yellow Bear, zwei
Vollbrüder von Yellow Jacket, aus der (Old) Mary. Als Abrundung der Stutenherde
gab es da noch einige Halbblüter von Royal Ford (TB) und Clover Leaf
(TB).
Als Buck Thomas als Herd Sire auf der Waggoner
Ranch aufgestellt war, erreichte er jedoch nie das hohe Maß an Anerkennung wie
Blackburn und Pretty Boy. Durch seine enge Verwandtschaft mit Peter McCue und
Old Fred war er größer und langgliedriger als die beiden anderen Hengste.
Dadurch war er als Zeuger von Working Cow Ponys umstritten. So bevorzugten
einige der Waggoner Ranch Hands seine Fohlen als Reitpferde, während andere die
Nachzucht der anderen Hengste für die Arbeit an den Rindern für geeigneter
hielten.
Wie schon erwähnt, wurde Pretty Buck 1942
geboren. Er war ein außerordentliches Individuum von Anfang an, bis zu der
Entscheidung, ihn für eine Karriere als potenzielles Show Horse und zukünftigen
Topvererber vorzubereiten.
Zur Zeit von Pretty Bucks Geburt begann E. Paul
Waggoner, der Sohn des Ranch-Begründers W. T. Waggoner, sein Pferdezuchtprogramm
auszuarbeiten. Im Herbst 1945 besuchte E. Paul den alljährlichen Horse Sale der
Hankins Brothers in San Angelo, Texas. Hier lernte er die Spitzen der Quarter
Horse-Welt richtig kennen und hörte verblüfft den Preis von 5.700 $ für einen
Jährling namens Poco Bueno. Von diesem Tag an waren die Würfel gefallen. Poco
Bueno stand ab sofort im Mittelpunkt der Waggoner Ranch Show Horse-Zucht und des
zukünftigen Ranch-Breeding Programs. Das heißt nicht, dass Pretty Buck jetzt
komplett ignoriert wurde. Im Gegenteil, er wurde jahrelang neben Poco Bueno
geshowt, nachdem er von Bob Burton (derselbe, der auch Poco Bueno vorstellte)
eingeritten war und als weiterer Zuchthengst verwendet wurde. Poco Bueno (der
bedeutendste Sohn von King P-234) war der Headliner der Waggoner Ranch. Er war
der unumstrittene Star der Ranch. Trotzdem blieb Pretty Buck ein respektables
Show Horse.
Auf der Southwestern Exposition and Fat
Stock Show 1946 in Fort Worth wurde Poco Bueno Grand Champion Stallion und
Sieger der 2-Year-Old Stallion Class.
Pretty Buck wurde Reserve Champion Stallion und Gewinner der Aged Stallion
Class. Hinter Pretty Buck rangierten in Fort Worth Tar Baby, im Besitz von R.L.
Underwood aus Wichita Falls, und Little Man, im Besitz der King Ranch aus
Kingsville, Texas.
Auf der National Stock Show 1947 in Denver
stand Poco Bueno Grand Champion Stallion und gewann die 3-jährigen Hengstklasse,
während Pretty Buck wieder Reserve Champion Stallion und Sieger der Aged
Stallion Class wurde.
1948 wurde Star Duster, im Besitz von Quentin
und Evelyn Semotan, aus Steamboat Springs, Colorado, Grand Champion Stallion der
National Western Show – und Pretty Buck wurde wieder einmal Reserve Champion.
An derselben Show gewann Pretty Buck die Sire
and Get-Class. Das Merkmal dieser Klasse ist die Vorstellung eines Hengstes mit
zwei seiner Nachkommen als Gruppe. Dies war populärer als die Präsentation einer
Gruppe, bestehend aus Hengst und drei seiner Nachkommen.
Halter Competitions gewann Pretty Buck die
letzte Male 1951 in Odessa, Texas, und 1952 in San Antonio, wo er einen und vier
Halter Points erwarb.
Obwohl in den 1940er-Jahren bis hinein in die
1950er die Prospects (in Zukunft viel versprechende Pferde) der Waggoner für
Show und Zucht viel versprechender waren, zeigte die Three D Stock Farm,
außerhalb von Arlington, Texas, mehr junge Pferde. Es war hier, wo Bob Burton,
ein Cowboy der Waggoner Ranch, der später Poco Bueno und Jessie James unter dem
Sattel vorstellte, Pretty Buck als Zweijährigen ausbildete. Burton trainierte
den jungen Dun als Roping Horse, wobei sich dieser als Naturtalent erwies.
Es gibt keine Rekordvermerke Pretty Bucks,
weder bei AQHA-, noch bei Rodeo-Bewerben.
Das Deckblatt des Verkaufskatalogs der Waggoner
Ranch-Produktion von 1952 zeigt jedoch einen erwachsenen Pretty Buck, wie er ein
Kalb vorbildlich am Rope arbeitet. Er ist auf dieser Titelseite als Pferd
charakterisiert, das, wenn der Reiter nur das Rope anfasste, alles automatisch
einfing, was in der Prärie herumlief. Außerdem erwies er sich als gutes Allround
Cow Horse. Pretty Bucks Talent ist auch auf der Rückseite des Katalogs
dargestellt. Hier ist er unter den vier Kindern des Vormanns und Cheftrainers,
Lewis „Pine“ Johnson, fotografiert, wie sie ohne Sattel, nur mit einem
Stallhalfter ausgerüstet, Kälber ropen.
Poco Bueno mag der König der Waggoner Ranch
gewesen sein. Doch Pretty Buck wurde offensichtlich als Mitglied des
Königshauses angesehen.
Ein sicheres Zeichen dafür, wie hoch E. Paul
Waggoner und seine Crew Pretty Buck einschätzten war, dass sie dem Hengst eine
hohe Anzahl qualitativ wertvoller Stuten zum Decken zuführten.
Von seinem zweiten Jahr an bis zu dem
Zeitpunkt, als er als 11-jähriger verkauft wurde, deckte Pretty Bar die besten
Stuten der Ranch. Darunter waren Töchter von Blackburn, Pretty Boy, King, Joe
Traveler, Clover Lead (TB) und Chubby. Während seiner letzten Jahre auf der
Ranch deckte er Töchter von Poco Bueno und Pep Up.
Die anerkannt besten Anpaarungen davon gingen
aus den Töchtern von Blackburn hervor. Sie waren so erfolgreich, dass von den 70
Waggoner-Fohlen, die von Pretty Buck stammten, 38 aus Blackburn-Stuten geboren
wurden. Es schadete der Reputation dieser Anpaarung vor allem deshalb nicht,
weil der erste erfolgreiche Performer, der daraus hervorging, Snipper W war.
Snipper W war ein 1946er dun Gelding, von
Pretty Buck, aus der Snipette, von Blackburn, der
angeritten und geshowt von Pine Johnson spektakulär im Cuttting startete.
Im Jänner 1951 gewann das Paar das Open Cutting bei der Southwestern Exposition
and Fat Stock Show in Fort Worth. Es war der Anfang einer äußerst erfolgreichen,
jahrelangen Zusammenarbeit, die Snipper W schließlich auf Platz 9 der Top Ten
der National Cutting Horse Association (NCHA) brachte.
Im Februar 1952 kaufte Don Dodge aus
Sacramento, Kalifornien, den talentierten Wallach. Dodge, der berühmte Cutting
Trainer, der später zu Waggoner zurückkehren sollte, um Poco Tivio und Poco Lena
zu erwerben, verlor keine Zeit, um Snipper W in Arbeit zu nehmen.
Das Paar beendete die Saison 1952 als NCHA Reserve
World Champion Cutting Horse.
Im nächsten Jahr
erreichten die beiden sowohl den Titel des NCHA World Champion Cutting Horse,
als auch den Champion Cutting Gelding.
1954 verkaufte Dodge Snipper an Clyde Bauer aus
Victoria, Texas. Nach Ablauf der nächsten zwei Jahre beendete dieses Paar die
NCHA-Saison als zwölfhöchster Moneyearner und die Saison 1956 als achtbester
NCHA- Moneyearner.
1957, in seinem letzten Competition-Jahr,
zeigte Snipper W noch einmal, was an natürlicher Cutting-Fähigkeit in ihm
steckte. Mit Stanley Bush im Sattel erwarb der 11-jährige Gelding noch einmal
den Titel eines NCHA Reserve World Champion Cutting Horse und Champion Cutting
Gelding.
1958 wurde er aus dem aktiven Sport genommen.
Bis dahin hatte er 44.815 $ an Preisgeld gewonnen und war aufgrund seiner
Erfolge mit dem Certificate Nr. 4 in die NCHA Hall of Fame aufgenommen worden.
Neben seinen NCHA-Meisterleistungen erwarb sich
Snipper W Verdienste in AQHA-approved Bewerben. So wurde er 1951 einer der
ersten acht AQHA Champions, die es damals gab. 1953 erwarb er den Award in
Superior Cutting und 1957 ein Superior in Halter.
Über weitere Erfolge von Pretty Buck und seiner
Nachzucht erfahrt ihr in der nächsten Ausgabe der WN.
Fotos:
1. Pretty Buck als Aged Stallion in
Kalifornien. Er beeinflusste die QH-Zucht in verschiedenen
Gebieten der Vereinigten Staaten.
2. Pedigree:
Harmon Baker
Dodger
Froggie
Pretty Boy
Tip
Little Maud
Bess
Pretty Buck (1942-1970)
Peter McCue
Buck Thomas
Stockings
Buck Thomas mare
Waggoner horse
Waggoner mare
Waggoner mare
3. Dieses Ropingfoto erschien 1952 im
Verkaufskatalog der Waggoner Ranch und präsentiert Pretty Buck als gutes
All-Around Cow Horse.
4. Obwohl er als Brauner registriert war, zeigt
dieses Foto deutlich den Dorsalstreifen, der ihn als Dun ausweist. Links der
Waggoner Ranch Cowboy Bob Burton, der sowohl Pretty Buck, als auch Poco Bueno
und Jessie James ritt.
5. Dieses Foto dokumentiert das freundliche
Wesen des Deckhengstes Pretty Buck – mit dem Sohn des Vormanns und Trainers der
Waggoner Ranch, Pine Johnson, im Sattel.
6. Snipper
W, ein 1966er dun Gelding, von Pretty Buck, aus der Snipette, war der erste
Nachkomme Pretty Bucks, der im Showring glänzte, sowohl als Halter Horse, als
auch besonders im Cutting. Pine Johnson hält Snipper. Zweiter von links ist E.
Paul Waggoner. Die Aufnahme stammt von einer San Antonio Livestock Exhibition in
den frühen 1950er-Jahren.
7. Don
Dodge, der später in Sacramento, Kalifornien, lebte und Poco Tivio und Snipper W
von der Waggoner Ranch kaufte. Hier cuttet er auf Tivio – mit einem unbekannten
Reiter als Turnback auf Snipper.
8. Mit Don Dodge im Sattel wird Snipper W 1953
NCHA World Champion.