Spirits Of The West
Impressionen einer Sightseeing-Tour durch den Wilden Westen der USA
Teil XI
Fotos: Gerda Langer
Text: Heinz Langer
Vom Ort Keystone (in der WN 3/10 beschrieben)
brechen wir am Montag, dem 22. September 2008 auf, um das nahe gelegene,
weltberühmte Mount Rushmore National Memorial zu besuchen, eine in Fels
gesprengte Monumentalskulptur der Köpfe von vier der bedeutendsten
US-Präsidenten. Bereits im 19. Jahrhundert kamen Pläne für eine überdimensionale
Felsskulptur ins Gespräch; so wollte man beispielsweise 1849 Christoph Columbus
an passender Stelle in den Rocky Mountains verewigen. Erst 1923 lenkte der
Historiker Doane Robinson die Aufmerksamkeit auf die Black Hills – ein Gebirge,
das den Zugang zum Westen und zugleich das Tor zu den Rockies bedeutet. 1925
fiel die Wahl des ausführenden Künstlers auf den Bildhauer Gutzon Borglum, der
bereits andere Monumentalwerke geschaffen und zusammen mit Rodin in Paris
studiert hatte. Als Hintergrund entschied sich Borglum für den 1.750 Meter hohen
Mount Rushmore.
1930 begann er, nach entsprechenden
theoretischen Vorbereitungen, mit der Ausführung des Entwurfs am Fels. Das erste
fertiggestellte Portrait war das von George Washington. Erst 1936 folgte das
Portrait von Thomas Jeffersons und ein Jahr später jenes von Abraham Lincoln.
1939 wurde Theodore Roosevelt verewigt. Im Oktober 1941 wurde das Monument nach
insgesamt 14 Jahren Bauzeit und einer Million Dollar Baukosten eröffnet.
Was die Daten zum zum Mt. Rushmore betrifft, so
wurden 450.000 Tonnen Stein gesprengt. Jeder Kopf ist rund 18 Meter hoch, die
Augen jeweils 5 Meter breit, die Nasen 6 Meter lang, und Washingtons Mund misst
rund 5,5 Meter in der Breite. 360 Arbeiter waren an dem Monument beschäftigt,
wobei der damalige Stundenlohn durchschnittlich 1,50 $ betrug und viele wegen
der gefährlichen Arbeit tödlich verunglückten.
Als im Jahr 1939 die Arbeiten am Mt. Rushmore
in vollem Gange waren, entschloss sich der damalige Häuptling der Lakota, Henry
Standing Bear, ebenfalls ein Monument in Auftrag zu geben: Zu Ehren der Indianer
sollte in den Felsen des Thunderhead Mountain (27km südwestlich vom Mt.
Rushmore) ein Reiterdenkmal von Crazy Horse geschlagen werden. Jener legendäre
Sioux-Führer hatte 1876 General Custer am Litttle Bighorn besiegt.
Dass die Indianer öffentliche Gelder
verweigerten und zweimal Zuwendungen in Höhe von jeweils 10 Millionen Dollar
ablehnten, macht die Sache nicht einfach. Bis heute sind Eintrittsgelder, Fonds
und ein Förderverein die einzigen Geldquellen. Das ambitionierte Kunstwerk, zu
dem einmal auch soziale und kulturelle Einrichtungen und eine Universität für
Indianer gehören sollen, ist noch immer unvollendet. Langsam, aber stetig
schreiten die Arbeiten dennoch voran. Zuletzt wurde, nach Fertigstellung des
Porträts, mit den Arbeiten am ausgestreckten Arm und am Pferdekopf begonnen.
Man hofft, bis Mitte des 21. Jahrhunderts die
Fertigstellung erleben zu dürfen. Die Indianer feiern alljährlich den
Fortschritt der Arbeiten mit einem großen Powwow.
Das Crazy Horse Memorial soll einmal das größte
in Stein gehauene Monument der Welt werden, größer als die Pyramiden in Ägypten.
Durch den kleinen Wild West-Ort Custer führt
unsere Fahrt weiter in den Custer State Park, wo wir auf kurvenreichen Straßen
das Parkzentrum umrunden. Das besondere im Park ist die rund 1.200 bis 1.500
Tiere umfassende, derzeit größte wild lebende Bisonherde. Doch anders als
beispielsweise im Yellowstone NP, wo an die 4.000 Bisons leben, überlässt die
Verwaltung des Custer SP die Herde nicht der Natur und dem Zufall. Hier werden
die Bisons zusammengetrieben, registriert und untersucht, geimpft und
ausgesondert, denn der rund 300 qkm große Park kann keine unbegrenzt große
Büffelherde ernähren, deshalb muss man auf Alters-und Geschlechtsstrukturen
achten. Dafür findet hier das jährliche große Buffalo Round-Up statt, dass wir
leider versäumt haben.
In
drei Kolonnen, jeweils von einem Ranger angeführt, treiben an die 60 Reiter –
die wegen der großen Nachfrage ausgelost werden – bereits Tage vor dem
eigentlichen Event zunächst die weit verstreuten Bisongruppen in ein südliches
Tal nahe der Corrals zusammen. Beim eigentlichen Round-Up gilt es dann, die
Bisons in den Pferch zu treiben. Dabei werden die Reiter von rund 15 Pickups
unterstützt bzw. geschützt. Über Stock und Stein, manchmal in gefährlichen
Manövern, sind es diese motorisierten Ranger und einige ausgewählte Gäste als
Beifahrer, die am Ende die Herde in den Pferch treiben, um dort verarztet und
ausgesondert zu werden.
Statt dieses sensationelle Ereignis miterleben
zu dürfen, werden wir ständig von freilebenden, farbenfrohen Wildeselherden
eingekreist und um Leckerbissen angebettelt – ein lustiger, aber schwacher
Ersatz für das versäumte Buffalo Round-Up. (Aktuelle Termine über das jährliche
Buffalo Round-Up erfahrt ihr über www.sdgfp.info/Parks/Regions/Custer/info.htm.
Inzwischen tummeln sich wieder mehr Pte und
Tatanka, Büffelkühe und Bullen auf den weiten Ebenen der nordamerikanischen
Prärie, nicht nur in Schutzgebieten; auch Ranger entscheiden sich immer häufiger
für die Bisonzucht. Die Terry Bison Ranch südlich von Cheyenne/Wyoming oder die
große Ranch von CNN-Gründer Ted Turner in Montana sind nur zwei der bekanntesten
Beispiele. Auch in den Indianerreservaten des Westens hat man damit begonnen,
Bisonherden für die eigene Fleischproduktion zu züchten. Wir passieren etliche
auf unserer Reise.
Nach langer Fahrt über endlose Prärien
erreichen wir schließlich die Stadt Casper, wo wir im Best Western Hotel unser
nächstes Quartier nehmen.
Ursprünglich befand sich an der Biegung des
North Platte River die letzte Furt der Siedlertrecks über den Fluss. Zunächst
richteten 1847 die Mormonen ihre Mormon Ferry ein und kassierten 3 $ für das
Übersetzen eines Planwagens, dann wurde eine Holzbrücke gebaut, deren
Überquerung 5$ kostete. Zum Schutz entstand ein kleiner Militärposten, später
Fort Caspar genannt, nach Leutnant Caspar Collins, der bei einem Indianerangriff
ums Leben gekommen war. Neben Viehzucht und Eisenbahn waren es besonders in den
1920er-Jahren Ölfunde, welche die Stadt aufblühen ließen. Heute ist Casper mit
ca. 50.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Wyomings. Die historische Innenstadt
wartet mit vielen kleinen, alten Bauten, kleinen Läden und zwei legendären
Plätzen auf: einerseits die Wonder Bar – eine der legendärsten Bars des Westens,
in der einst die Cowboys gleich mit dem Pferd hineinritten – und zum anderen Lou
Taubert Ranch Outfitters. Dieses Geschäft versorgt seit seiner Gründung im Jahr
1919 Cowboys mit allem Notwendigen von Boots über Wrangler Jeans und
Westernhemden bis hin zu Hüten, Gürteln, Sätteln und Zaumzeug. Auf neun
Stockwerken in zwei Gebäuden gibt es heute die vielleicht größte Auswahl an
Westernkleidung und Zubehör weit und breit. Wir machen reichlich Gebrauch von
dieser Gelegenheit.