Schulterkontrolle

Nütze die Übungen, die das Pferd nach außen biegen, um die Schulterbewegung deines Pferdes freizusetzen

 

Text: Clinton Anderson mit J. Forsberg Meyer

Fotos: John Brasseaux

Übersetzung: Sonja Grünauer

 

Die Schulter eines Pferdes kann seine Geheimwaffe sein. Sie kann dir als Reiter Rätsel aufgeben, da du nicht weißt, woher das Problem kommt. Wenn dein Pferd seine Schulter zu tief nimmt und bei einer Wendung nach innen drängt oder seine Schulter hoch nimmt, um nicht korrekt in die andere Richtung zu wenden, dann setzt es seine Schultern gegen dich ein. Die Übung – das nach außen Biegen auf einem Zirkel – wird dir helfen, dieses nerventötende Problem mit den Pferdeschultern in den Griff zu bekommen.

Du setzt deine Bein- und Zügelhilfen ein, um dein Pferd aufzufordern, sich in eine Richtung zu biegen, während du es in die andere Richtung auf einem Zirkel reitest. Es wird sich erst an diese Art von Bewegung gewöhnen müssen, denn dabei muss es mit einem Bein vor dem anderen Bein kreuzen. Diese Übung fordert dein Pferd, es benützt seine Muskulatur auf eine andere Weise, und es ist eine wunderbare Biege-Übung. Zusätzlich hast du vermehrt Kontrolle über die Schultern des Pferdes, was dir hilft, dein Pferd bei verschiedenen schwierigen Manövern – z.B. Sliding Stopps und Turnarounds – gerade zu halten.

Du verlangst von deinem Pferd einige Schritte mit Außenstellung am Zirkel und lässt mit jedem Schritt mit deiner Schenkel- und Zügelhilfe etwas nach, um dem Pferd zu vermitteln, dass es seine Sache gut macht. Dann reitest du dein Pferd für einige Schritte gerade vorwärts, während du es mit der Stimme lobst. Danach verlangst du wieder einige Schritte in Außenstellung. Mit der Zeit kannst du auch versuchen, den gesamten Zirkel in Außenstellung zu reiten. Nachdem du mit dieser Übung im Schritt erfolgreich warst, versuche diese im Trab, so wie ich auf dem Foto.

 

 

 

Foto 1: Das Reiten eines Zirkels in Außenstellung (in dem das Pferd in eine Richtung gestellt ist, während es in die andere Richtung auf einem Zirkel geritten wird), hilft dir, bessere Kontrolle über die Schultern deines Pferdes zu erlangen. Zusätzlich ist es eine wunderbare Übung für die Durchlässigkeit des Pferdes.

 

 

 

Wie profitiert man am meisten von dieser Übung:

Arbeite mit deinem Pferd mehrmals pro Woche, idealerweise an einigen aufeinanderfolgenden Tagen, um das Lerntempo des Pferdes zu erhöhen. Du solltest einen Platz für diese Übung wählen, der eingezäunt ist und einen guten Boden hat. Bleibe ruhig und geduldig und reite die Übung in beide Richtungen.

Beginne zuerst mit Bodenarbeit, damit dein Pferd entspannt und aufmerksam ist. Je mehr du für diese Übungen die Bodenarbeit einsetzt, desto bessere Körperkontrolle lernt dein Pferd und desto bessere Fortschritte wirst du erzielen.

Reite dein Pferd mit einem Snaffle-Bit, das die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter fördert und mit seinem gewohnten Sattel.

Beginne diese Übungen mit dem Dehnen des Pferdehalses, dem Aktivieren der Hinterhand und dem Biegen im Rippenbereich des Pferdes.

Reiten eines Zirkels in Außenstellung

1. Ich fordere mein Pferd auf, sich nach rechts zu biegen, indem ich Druck auf den rechten Zügel ausübe, um seine Nase nach rechts zu stellen und Druck mit dem rechten Schenkel im Gurtbereich ausübe. Gleichzeitig versuche ich, das Pferd seitlich nach links zu bewegen, indem ich den Weg mit dem linken Zügel öffne und den rechten Zügel an den Hals des Pferdes anlege, bei gleichzeitig andauerndem Druck mit dem rechten Schenkel.

2. Während meine rechte Schenkelhilfe weiterhin die Schulter des Pferdes in die entsprechende Richtung drückt, bewegt sich mein Pferd seitwärts nach links. Achte darauf, dass deine Hände dabei weich sind und so positioniert wie auf dem Foto. Die rechte Hand fordert das Pferd zur Biegung auf. Der Zügel am Hals des Pferdes verstärkt die Seitwärtsbewegung des Pferdes, deine andere Hand öffnet ihm den Weg dorthin.

3. Reagiert dein Pferd willig auf die Hilfen, verringere deine Hilfengebung. Die Vorderbeine meines Pferdes überkreuzen sehr schön, und es biegt sich so, wie ich es verlange – gleichzeitig sind die Schultern des Pferdes in die Richtung der Bewegung positioniert. Wenn das Pferd mit seiner Hinterhand zu schnell seitwärts tritt, nehme ich meinen linken Schenkel etwas nach hinten.

4. Mein Pferd macht einen weiteren guten Vorwärts-Seitwärts-Tritt, während es auf dem linken Zirkel geritten wird. Du solltest du einige korrekte Tritte verlangen, bevor du es wieder geradeaus gehen lässt und es dafür lobst.

Nicht an den Zügeln zerren! Vermeide es, dein Pferd mit beiden Zügeln in die Biegung zu zerren. Dies führt nur zu Widerstand des Pferdes und dass es dabei den Kopf hoch nimmt. Die Hand, die die Biegung einleitet, sollte nicht über den Widerrist des Pferdes geführt werden. Versuche die Übungen im langsamen Tempo, um richtige Reaktionen deines Pferdes zu erhalten.

Training mit Clinton

Bevor ich diese Übungen mit Falcon, meiner Paint Horse-Stute, ausprobierten konnte, dauerte es einige Wochen, da Schlechtwetter und berufliche Verpflichtungen mich immer am Reiten hinderten. Sie zeigte mir, warum Bodenarbeit vor dem Reiten so wichtig ist. Ich wärmte sie auf einem großen Zirkel an der Longe auf und war froh, dass sie sich an der Longe einmal kräftig ausbuckelte anstatt unter mir, wenn ich dann im Sattel sitzen würde. Das Verhalten meiner Stute an der Longe bestätigte mir, dass die Bodenarbeit vor dem Reiten sehr sinnvoll ist. Ich mache beim Longieren einige Übergänge, wechsle die Richtung und lasse die Stute auch galoppieren. Ich achte also darauf, bereits beim Longieren volle Kontrolle über mein Pferd zu haben. Meine Stute beruhigte sich sehr schnell und achtete korrekt auf mich – sie akzeptierte mich als Chef.

Nach einiger Zeit stieg ich auf. Sie war ruhig und aufmerksam. Nach weiterem Aufwärmen unter dem Sattel gingen wir dazu über, Clintons Übungen auszuprobieren. Immer wieder musste ich den Druck meiner Hilfen verändern. Ich forderte Falcon auf, sich nach links zu biegen, während ich einen rechten Zirkel ritt. Sie verstand sehr schnell, was ich von ihr wollte. In die andere Richtung funktionierte es allerdings nicht ganz so reibungslos! Sie war hier viel steifer, und es war schwer, eine seitliche Bewegung zu erreichen. Mit konsequenter Arbeit und entsprechender Zeitinvestition erreichte ich auch in diese Richtung eine Durchlässigkeit meiner Stute.