Wie du deine Rollbacks perfektionieren kannst

 

Text: Shawn Flarida im Interview mit Wendy Lind

Übersetzung: Sonja Grünauer

 

Verbessere deine Rollbacks in den Reining Patterns – und du wirst von den Richtern Pluspunkte ernten und vom Publikum Beifall. Wenn du allerdings bei diesem dynamischen Manöver auf Probleme stößt, wie Rückwärtstreten oder im Trab aus dem Rollback zu kommen, kann man sehr leicht Strafpunkte bekommen, die man oft nicht mehr ausbessern kann. In diesem Artikel erkläre ich einige Grundlagen des Rollbacks. Oft helfen schon geringe Verbesserungen sowohl im Bereich, wie du in der Show reitest oder wie du den Rollback trainierst, um große Fortschritte zu machen.

 

Der ideale Rollback

Bevor wir uns eingehend mit den Feinheiten des Rollbacks befassen, definieren wir zuerst einmal unser Ziel. Für mich beginnt ein idealer Rollback schon damit, dass das Pferd willig zum Stoppen kommt und beim Sliden beide Hinterbeine in den Sand verlagert. Sobald die Vorwärtsbewegung beendet ist, gibt der Reiter dem Pferd die Hilfen für den Rollback, bei dem das Pferd eine 180-Grad-Wendung auf seiner Hinterhand machen und danach ruhig und entspannt angaloppieren soll. Idealerweise hat das Pferd bei diesem Manöver einen entspannten Gesichtsausdruck und reagiert willig auf die Hilfe mit dem äußeren Zügel. Damit kann man Pluspunkte verdienen.

Ablauffolge der Hilfen

Nun haben wir unser Ziel definiert. Hier sind die Hilfen, die ich meinem Pferd gebe, damit der Rollback perfekt wird. Zuerst arbeiten wir am Rollback nach rechts. Erst gebe ich meinem Pferd das Kommando „Whoa“ für den Stopp, nehme dabei meine zügelführende Hand etwas an und ziehe sie leicht in Richtung meines Magens zurück. Sobald das Pferd seine Vorwärtsbewegung beendet hat, gebe ich ihm einen Bruchteil einer Sekunde Zeit, seine Sprunggelenke nach dem Stopp in die richtige Position für den Rollback zu bringen. In genau diesem Bruchteil einer Sekunde sollte man mit dem Druck im Maul des Pferdes nachlassen. Du willst das Maul des Pferdes „frisch“ haben, bevor du es zum Rollback aufforderst. Dies verhilft dir zu einem besseren Rollback. Sobald ich dem Pferd kurz den Druck aus dem Maul genommen habe, hebe ich die zügelführende Hand etwas an und führe die Hand etwas nach rechts, um den rechten Rollback einzuleiten. Ich bemühe mich, bewusst meinen Kopf hoch zu halten und sehe über meine Schulter in die Richtung, wohin ich wenden will. Hat das Pferd bereits die Hälfte der 180-Grad-Wendung absolviert, lege ich kurz mein äußeres Bein an, um das Pferd anzugaloppieren. Das Pferd sollte ruhig und richtig angaloppieren, um zum nächsten Manöver geritten zu werden.

 

 

Bild 1: „Für mich beginnt der ideale Rollback damit, dass das Pferd willig zum Stoppen kommt und beim Sliden beide Hinterbeine in den Sand verlagert“, sagt Shawn Flarida.

 

 

Folgendes ist zu beachten

Ich denke, das Schwierigste beim Rollback ist, wenn das Pferd mit tiefer Hinterhand stoppt, das richtige Timing zu finden. Oft muss man einen Bruchteil einer Sekunde warten, damit das Pferd seine Sprunggelenke in die richtige Position bringt, bevor man mit dem Rollback fortfahren kann. Es ist schwierig, das richtige Timing zu definieren, auch ich kann nicht genau sagen, wie lange ich warte, bis ich mit dem Rollback fortfahre. Es gibt eine feine Linie zwischen dem zu lange Warten und dadurch den Schwung in diesem Manöver zu verlieren und zu schnell den Rollback einleiten. Das richtige Timing ist sehr, sehr wichtig. Ich denke, dass es auch sehr wichtig ist, nach vorne zu sehen. Achte darauf, deinen Kopf hoch zu halten, um zu sehen, wohin du reitest. Ein häufiger Reiterfehler ist, zu sehr nach unten zu sehen. Doch wenn man bei einem Rollback nach unten sieht, sind die Chancen, eine korrekte 180-Grad-Wendung zu machen, eher gering. Wenn du also den Rollback einleitest, siehst du über deine Schulter bereits in die andere Richtung, wo der Rollback enden soll. Dann kannst du auch korrekt aus dem Rollback heraus galoppieren. Wenn du dabei dein Kinn leicht anhebst, wird dies den Rollback sehr verbessern. Dies ist ein einfacher Trick, denn deine Körperbewegung und die Bewegung deines Pferdes folgen deinem Kopf.

Auch die Schenkelhilfen des Reiters spielen eine große Rolle. Idealerweise ist ein Pferd so rittig, dass es korrekt auf die Hilfe des äußeren Zügels reagiert. Wenn es sich jedoch vermehrt auf den äußeren Zügel lehnt, setze ich mit dem äußeren Bein mehr Druck am Pferdebauch an. Achte jedoch darauf, noch keinen Schenkeldruck auszuüben, bevor der Rollback nicht eingeleitet ist. In solch einem Fall würdest du die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass dein Pferd vorwärts aus dem Rollback heraus springt, anstatt korrekt über seine Hinterhand zu wenden.

Häufige Probleme

Wie ich bereits zuvor erwähnt habe, ist das Timing der häufigste Fehler bei der Ausführung eines Rollbacks. In diesem Fall bitte jemanden, dich bei diesem Manöver zu beobachten und dir zu sagen, wenn dein Pferd mit der Hinterhand bereit für den Rollback ist. So lernst du, den richtigen Augenblick zu spüren. Außerdem empfehle ich, die Rollbacks zuerst einmal in langsamem Tempo zu trainieren. Die meisten anderen Manöver beginnen die Reiter in niedrigem Tempo zu trainieren, wie z.B. bei Stopps, Zirkeln, Wendungen und Galoppwechseln, nur eben nicht beim Rollback. Wenn man dann den Rollback trainiert, glaubt jeder, dass dieser gleich von Anfang an schnell und flüssig funktionieren soll. Stattdessen sollte man beim Erlernen dieses Manövers im Schritt beginnen und langsam den Rollback reiten.

Diese Übung machst du zirka 15 Mal im Schritt, bis du das richtige Gefühl dafür entwickelt hast. Danach gehst du in den Trab über. Je mehr Übung du bei diesem Manöver hast, desto mehr kannst du das Tempo erhöhen. Man kann dies damit vergleichen, wenn man das erste Mal in ein Rennauto einsteigt. Auch hier wird man versucht sein, sofort mit rasantem Tempo zu fahren, anstatt sich einmal an das Auto zu gewöhnen. Und trotzdem wirst du zuerst mit langsamerem Tempo losfahren. Trotzdem liegt es auch in diesem Fall in der Natur des Menschen, mit einem Rennauto mit Speed durch die Gegend rasen zu wollen. Und so ähnlich ergeht es den Reitern beim Rollback. Wenn man die Rollbacks zuerst einige Male langsam durchführt und danach erst das Tempo erhöht, werden sie auf jeden Fall besser gelingen. Wichtig ist, zuerst die Basis dieses Manövers zu beherrschen, was beim Rollback die korrekte Reaktion auf die äußere Zügelhilfe ist und dass dein Pferd beim Kommando „Whoa“ zuvor auch entsprechend gerade gestoppt hat.

Der U-Turn

Ein weiteres häufiges Problem beim Rollback ist der sogenannte „U-Turn“. In diesem Fall macht das Pferd den Rollback nicht richtig über seine Sprunggelenke. Entweder wartet der Reiter nicht lange genug, bis der  Stopp des Pferdes beendet ist, oder das Pferd reagiert nicht richtig auf die äußere Zügelhilfe. Manchmal passiert dieser Fehler auch, wenn der Reiter beim Rollback zu früh das äußere Bein für die Galopphilfe anlegt und das Pferd aus dem Rollback heraus springt anstatt auf der Hinterhand zu drehen.

Widerstand

Wenn man das Pferd beim Rollback beobachtet, sollte man erkennen können, dass sein Gesichtsausdruck entspannt ist, es weich im Kinnbereich bleibt und seinen Kopf  beim Rollback nicht in die Höhe reißt. Der Rollback sollte flüssig und ohne Widerstand erfolgen. Es gibt nichts Hässlicheres, als wenn das Pferd beim Rollback seinen Kopf auf und ab wirft.

 

 

Bild 2: Leitest du den Rollback mit der Zügelhilfe ein, solltest du bereits über deine Schulter in die Richtung sehen, wo du den Rollback beenden willst.

 

 

Wenn dieses Problem auftritt, gehe wieder zu den Basisübungen beim Rollback zurück, damit dein Pferd wieder richtig auf deine Hilfen reagiert, anstatt gegen dich anzukämpfen. Und vom Showmanship-Blickwinkel her zeigt der Reiter keine Schwäche. Wenn dein Rollback noch nicht perfekt ist, zeige ihn in jenem Tempo, den dein Pferd beherrscht. Es macht nicht viel Sinn, trotzdem einen schnellen Rollback zu zeigen, wenn es das Pferd noch nicht kann. Dies vermittelt den Richtern in der Arena nur „Dieses Pferd kann keinen Rollback, schau, ich zeig es dir“. Es sieht besser aus, wenn der Rollback zwar langsam, jedoch korrekt abläuft, als wenn dieser schnell und mit Widerstand des Pferdes gezeigt wird.

Traben

Wenn man im Trab aus dem Rollback heraus kommt, bringt dies Strafpunkte. Ich kann auf Holz klopfen, denn ich hatte bisher eher selten dieses Problem. Wenn das Pferd den Rollback versammelt über seine Hinterhand macht, kann man weitgehend diesen Fehler vermeiden. Tritt dieses Problem bei dir auf, solltest du stärkere Schenkelhilfen geben oder eventuell Sporen verwenden.

Unvermutetes Stehenbleiben

Bleibt ein Pferd im Rollback hängen und bewegt es sich nicht mehr weiter oder rückwärts anstatt den Rollback zu machen, dann kann dies auch am falschen Timing liegen. Möglicherweise leitet der Reiter den Rollback zu früh ein - bevor das Pferd seine Hinterhand nach dem Stopp etwas anheben kann. Deshalb ist es so wichtig, den Bruchteil einer Sekunde nach dem Stopp zu warten und den Druck vom Pferdemaul zu nehmen, bevor man mit dem Rollback beginnt. Meist ist das Stehenbleiben des Pferdes in diesem Manöver eindeutig ein Reiterfehler. Achte darauf, dass du mit deiner Zügelhilfe deinem Pferd tatsächlich das Kommando zum Rollback gibst und nicht versehentlich die Hilfe fürs Rückwärtsrichten. Und vergewissere dich, dass dein Pferd korrekt auf deine äußere Zügelhilfe reagiert.

Gehe zurück zu den Basisübungen

Wenn du weiterhin ein Problem bei deinen Rollbacks hast, was durchaus vorkommen kann, versuche der Ursache auf den Grund zu gehen. Frage dich: „Wo liegt das Problem? Warum habe ich dieses Problem?“ Gehst du dazu über, die Rollbacks langsamer zu reiten, wirst du systematisch das Problem lösen können und mit der Zeit einen perfekten Rollback erlernen. Prüfe immer wieder folgende Dinge: Reagiert mein Pferd richtig auf die äußere Zügelhilfe? Nehme ich meinen Kopf hoch, wenn ich den Rollback einleite? Habe ich den Druck vom Pferdemaul genommen, nachdem der Stopp beendet war? All dies sind wichtige Punkte. Werden diese nicht beachtet, kann dies die Qualität des Rollbacks stark beeinträchtigen.

 

Über Shawn Flarida

Seit er das erste Mal in einem NRHA Show Pen als Youth-Reiter im Jahr 1981 gestartet ist, war Shawn Flarida sehr erfolgreich. Mit mehr als 1,372.000 Dollar gewonnen NRHA-Preisgeldern ist der Trainer aus Ohio einer der besten Preisgeldgewinner. In den Neunziger-Jahren gewann Flarida mehrere wichtige Titel und war bei vielen Events Finalist. Im Sommer 2002 gewann er die Individual Team Goldmedaille bei den Weltreiterspielen in Spanien. Im Herbst desselben Jahres gewann er seine erste NRHA Open Futurity mit Mark Schols Wimpys Little Step, nachdem er bereits die All American Quarter Horse Congress Reining Futurity für sich entscheiden konnte. Im Jahr 2003 wurde Flarida der dritte Reiter, der die 1 Million Dollar-Grenze an NRHA-Preisgeldern erreichen konnte. Im Jahr 2004 gewann er erneut die NRHA Open Futurity – dieses Mal mit Rosanne Sternbergs Hengst Smart Spook. Die beiden schrieben NRHA-Geschichte, denn im Jahr 2005 wiederholten sie ihren Sieg. Somit war dieses Paar das erste, das in zwei aufeinanderfolgenden Jahren das NRHA Open Derby gewinnen konnte.

Shawn und seine Frau Michele heirateten im Jahr 1993. Sie haben drei Kinder: Cody, Courtney und Sam. So wie Shawn sind auch Courtney und Sam pferdebegeistert und lieben Smart Spook. „Nach dem Derby-Finale im Jahr 2005 wollten die beiden unbedingt Smart Spook reiten und konnten nicht verstehen, dass dieser noch einen anderen Job zu erfüllen hatte, denn er musste zurück in die Arena, um für Fotos von der Siegerehrung zu posieren“, erzählt Shawn lachend.