John
Hoyt
Ein Leben mit Pferden
Text: Gavin Ehringer
Übersetzung: Sonja Grünauer
Viele Menschen träumen davon, einer Leidenschaft nachzugehen und das
zu tun, was sie am liebsten tun. Doch irgendwie wurde man von diesem Ziel
abgelenkt. Man wird älter und sitzt irgendwann auf der Veranda, um sich nach dem
„Was wäre gewesen, wenn …?“ zu fragen. John Hoyt gehört nicht zu diesen
Menschen. Von seiner frühesten Kindheit an, als er in Arcadia, Kalifornien,
aufwuchs, wollte er Cowboy werden und mit Pferden arbeiten. Heute ist er 81
Jahre alt und in Pension. Fast jeden Tag seines Arbeitslebens hat er mit dem
Trainieren von Pferden, mit dem Starten bei Turnieren und mit dem Coachen von
Reitern verbracht.
Während er aus seinem bescheidenen Haus in Whitesboro, Texas, die
Straße in Richtung Pete Kyles Ranch hinabsieht, staunt Hoyt über den starken
Schneefall an diesem Februartag. „Soviel Schnee hatten wir noch nie, seitdem wir
1978 nach Texas übersiedelten“, sagt Hoyt. „Meine Frau Grace lebt meist in
Washington, weil sie näher bei ihren Enkelkindern leben will. Ich hasse das
Wetter dort, daher bleibe ich lieber hier bei meinen Freunden.“
Seine Karriere dauerte 70 Jahre lang. Während dieser Zeit verhalf er
einer großen Anzahl von Reitern zu einer Karriere. Tatsächlich war es der
Beharrlichkeit und der Ausdauer seiner Freunde zu verdanken, dass Hoyt im Jahr
2010 in die NRHA Hall of Fame aufgenommen wurde. Diese füllten sieben Seiten von
Petitionen und Schilderungen seiner Leistungen im Bereich der Ausbildung von
Showpferden. Ein wunderbares Leben. Einer dieser Unterstützer, Greg Darnall, der
bekannte Bit-Hersteller, früher Präsident der NRHA und langjährige Freund von
Hoyt, sagt, dass diese Anerkennung längst überfällig war. „Fast jeder der
langjährigen Trainer von Reining und Quarter Horses lernte von ihm, egal ob sie
bei ihm arbeiteten oder ihn bei Problemen kontaktierten. So sehe ich diese
Ehrung als gerechtfertigt.“
Bild 1: John Hoyt blickt auf eine lange, hervorragende Karriere in
der Arena und als Mentor zurück.
Die
frühen Jahre
Hoyt wurde am 14. April 1929 in Arcadia geborgen. Arcadia war damals
eine kleine Stadt mit vielen Orangenbäumen – eine gehobene Wohngegend mit
Ranches, die Pferde für die nahegelegene Rennbahn in Santa Anita züchteten. Sein
Vater verließ die Familie, als Hoyt noch ein Kind war, und ließ seine Frau mit
sechs Kindern alleine. Hoyt erzählt, dass er bereits als Kind in seinem
Nachbarn, Guy Corpe, einen Mentor fand, der Pferde züchtete und mit ihnen
handelte. „Er war wie ein zweiter Vater für mich“, sagt Hoyt. „Ich begann
bereits in jungen Jahren, für ihn zu arbeiten. – Ich war so an die zehn Jahre
alt.“ Corpes Schwiegersohn, Don „Pooch“ Leiber, war Quarter Horse-Trainer,
sechsmaliger California State Champion Reiner und sehr anerkannt in der Region.
Weiters arbeitete Hoyt auch mit Red Lott und Jimmy Williams, dem legendären
Stock Horse Trainer zusammen, der seinen Ruhm im Springsport erlangte. Doch es
war Pooch, der den 10-jährigen Hoyt auf Rennpferde setzte. Bereits im Alter von
13 Jahren arbeitete John als Jockey auf kleinen Rennbahnen. Corpe sammelte seine
Preisgelder, da John noch zu jung war, diese zu verwalten. Mit Eintritt der
Pubertät endete Johns Karriere im Rennsport. Als Teenie fand er Arbeit bei einer
Horse Riding Akademie in Monrovia und freundete sich dort mit einem jungen
Cowboy namens Dick Doyle an. Zusammen arbeiteten die beiden bei Rodeos. John
Hoyt startete das erste Mal mit 16 Jahren bei einem Rodeo in Ontario,
Kalifornien, das er auch gewann. Er hatte nicht erwartet, so bald Preisgelder in
dieser Disziplin zu gewinnen. Sobald er sich ein eigenes Pferd leisten konnte,
ergänzte er seine Vielseitigkeit mit Roping Events.
Ein großer Erfolg war der Titel im Kälber-Roping bei der Grand National
Livestock Show und dem Rodeo bei der Cow Palace in San Francisco. Trotzdem waren
die Preisgelder nicht besonders hoch; Hoyt lebte vorwiegend vom Trainieren von
Pferden.
Arizona Cowboy
„Als ich 19 Jahre alt war, erzählte mir ein Freund über die
Möglichkeit, Pferde in Arizona zu trainieren. Er erzählte, dass die Besitzer
gute Pferde und Rinder hatten und ich dort Roping trainieren könnte.“ Er bekam
den Job bei der Double F Ranch in Dragoon, Arizona, im Jahr 1949. Er arbeitete
für einen wohlhabenden Geschäftsmann, William Shirley Fulton, dessen
Hauptinteresse der nativen amerikanischen Archäologie galt, und dessen Frau, die
sich hauptsächlich mit Pferden beschäftigte. „Ich nahm den Job an und dachte,
ich würde den Winter über dort arbeiten, um danach wieder in die Rodeo-Welt
zurückzukehren. Doch die Fultons waren so nette und angenehme Arbeitgeber. Ich
blieb zehn Jahre bei ihnen“, sagt er.
Rose hatte ein Auge für Pferde, speziell für Quarter Horses mit
guten Blutlinien. Sie war aktiv bei der Organisation der Arizona Quarter Horse
Association tätig, wo ihr Name immer noch einen sehr hohen Stellenwert hat.
Einer der Zuchthengste der Fultons war Red Man, ein Nachkomme von Joe Hancock,
der viele erfolgreiche Nachkommen gezeugt hatte. Rose kaufte auch einige
Nachkommen von anderen bekannten Ranches wie der Four Sixes Ranch in Texas, der
W.T. Waggoner Ranch und der King Ranch. Mit Unterbrechung von zwei Jahren für
den Militärdienst blieb Hoyt in der Zeit von 1949 bis 1958 bei den Fultons, wo
er alle deren Showpferde trainierte.
Im Jahr 1956 fand die erste Championship Show der Arizona Quarter
Horse Association statt, und Hoyt gewann den All Around-Titel mit Canyon Tony,
einem Pferd aus der Hancock-Linie. Im Jahr 1957 hatte Hoyt kein Allround-Pferd
zur Verfügung, doch er kam im Jahr 1958 mit dem 3-jährigen Canyon Tom, einem
Vollbruder von Canyon Tony, zurück. „Dieses Pferd war sensationell. Er war ein
Halter-Pferd. Er machte tolle Runs und Stopps. Ich gewann mit ihm die Reining-
und Cow Horse-Bewerbe und das Roping. – Man konnte mit diesem Pferd einfach
alles machen“, erinnert er sich an Canyon Tom bei einem Interview mit dem
Quarter Horse Journal im Jahr 2007. „Er wurde drei Jahre in Folge der Arizona
All Around Champion.“
„Die Canyon-Pferde hatten einen sehr guten Charakter“, erinnert sich
Hoyt. „Ich war froh, so viele gute Pferde in Arizona reiten zu dürfen. Die Leute
sagten damals, ich könnte sogar einem Büffel fliegende Wechsel beibringen. Doch
ich war nicht dieser Meinung. Um zu gewinnen, musste man ein gutes Pferd
reiten.“
Bild 2: John (Mitte) mit seinen Freunden Rick Johns (links) und
Billy Steele bei einem AQHA Event
Bild 3:
Hintere Reihe von links nach rechts: Tim, Little John; mittlere
Reihe: Frank, Grace, John und Elizabeth; im Vordergrund Justine
Hoyts guter Ruf war gesichert, da viele Leute viele gute Pferde zu
ihm brachten, nachdem er die Fultons verlassen hatte, um sein eigenes
Trainingsunternehmen als Freelance-Trainer zu gründen. Innerhalb von 21 Jahren
hatte er die All Around Awards der Arizona Quarter Horse Association gewonnen
und 18 weitere Titel errungen.
Sein
eigenes Reich
Im Jahr 1960 mietete Hoyt eine Trainingsranch in Phoenix, wo er 20
Jahre lang Schüler trainierte und unterstützte. Einer seiner Schüler war
Darnall, der für eine Arbeitsperiode für Hoyt auf der ABC Ranch in Arizona
arbeitete. Randy Paul, später ein 1 Million Dollar-Reiter, dessen Vater Jim ein
guter Freund von Hoyt war, und Al Dunning, dessen Karriere als einer von Hoyts
Reitschülern begann. „Tatsache ist, dass ich ohne John niemals darauf gekommen
wäre, Pferde zu trainieren“, sagt Dunning. „Damals wunderte ich mich, dass man
davon leben könnte. Ich dachte damals eher an᾽s Studieren und daran, irgendwo
Personaldirektor zu werden. Doch John zeigte mir, was man mit richtigem Training
erreichen kann. Er lehrte mir, wie ein Pferd zu denken, alle vier Beine des
Pferdes zu spüren. Ich ging damals noch zur Schule, doch ich beschloss
daraufhin, dass dies das war, was ich in Zukunft machen wollte.“
Johns erste Frau, Jane, starb bei einem tragischen Autounfall und
ließ ihn mit vier Kindern – Elizabeth, Tim, John und Frank – alleine. Grace
hatte ebenfalls eine Tochter – Justine. Nachdem die beiden 1977 heirateten,
übersiedelte die ganze Familie nach Aubrey, Texas, einem Ort, den John als gut
für sein Business erachtete. Sein Sohn John kam damals mit, Tim folgte etwas
später.
Texanischer Trainer
„Als wir nach Aubrey übersiedelten, dachte ich, es würde ein oder
drei Monate dauern, bis alles wieder laufen würde, daher brachte ich einige
junge Pferde zum Trainieren mit. Ich brauchte jedoch zwei Jahre, bis ich diese
mitgebrachten Pferde ausgebildet hatte, da ich von Anfang an einen vollen Stall
mit Kundenpferden hatte.“ Hoyts guter Ruf war auch dort bekannt. Ein Grund
dafür, meint er, war die erste Quarter Horse World Show in Lexington, Kentucky,
wo er ein Pferd namens San Bonito Bob startete und mit ihm 1974 den
Weltmeistertitel im Senior Western Riding gewann.
„Als die Leute mitbekamen, dass ich hierher übersiedelt war,
brachten sie mir sofort ihre Pferde zum Training“, sagt er. Als sich die
Pferdeszene mehr und mehr spezialisierte, konzentrierte sich Hoyt vermehrt auf
Reined Cow Horse Events und Reining Events. Im Jahr 1983 übersiedelten John,
Grace und Justine nach Lone Oak, um auf der Robert Caruth Ranch zu leben. Dort
ritt er Steve Strongs Pferd Bueno Chex Imp, mit dem er die AQHA World
Championship Working Cow Horse-Klasse und den Honor Roll Working Cow Horse-Titel
gewann.
Bild 4+5: John gewann das NRHA Legends Invitational mit Hob Nob Kip
– hier bei der Überreichung der Trophy und rechts beim Spin.
Bild 6+7: Diese Bild wurde 1987 bei der NRHA Futurity aufgenommen. –
V.l.n.r.: Grace, Greg Darnalls Tochter Danielle, Jean Gaudet, Lady Kiper, John,
Bob Caruth und Greg Darnall.
Kleines Foto: John und Lady Kiper beim Stopp
Doch es war ein kleiner Hengst in Besitz von Caruth, der Hoyts Leben
und die Richtung, die er gehen würde, veränderte. Der Hengst, Skipity Kiper, war
bei der AQHA World Show ein großer Gewinner. Er siegte in einigen
Reining-Bewerben. Hoyt begann, ihn in der Reining und in Working Cow
Horse-Bewerben zu starten. „Seine Slides waren so lang, dass Jean Gaudet, der
ein großartiger Freund und Hufschmied war, Stollen an die Hufeisen schraubte,
damit das Pferd beim Rinderbewerb keine Slides machte“, sagt Grace. „Für den
Reining-Bewerb wurden diese dann wieder entfernt, damit er seinen Job machen
konnte.“ „Er war bekannt als großartiges Sliding-Pferd, er senkte einfach seine
Hinterhand und machte lange Sliding Stops. Er war ein kleines Pferd mit einem
großen Herzen“, erinnert sie sich.
Bild 8: Top Non Pro-Reiter Ron Thompson (rechts) wurde von John
gefördert.
Bild 9: John und Grace haben eine lange, gemeinsame Geschichte in
der Pferdewelt.
Caruth startete vorwiegend in Pleasure- und Horsemanship-Bewerben,
während sich Hoyt besonders für eine Stute von Skipity Kiper interessierte. Ihr
Name war Lady Kiper, und er wollte sie bei der NRHA Futurity starten. Die Stute
wurde in beiden Vorrunden platziert. – Die erste Vorrunde gewann sie, in der
zweiten Vorrunde wurde sie Zweite. Sie gewann 12.000 Dollar Final-Preisgelder. –
Dies war der höchste Gewinn, den Hoyt jemals bei einem Event gewonnen hatte.
Ziel
Von diesem Tag an konzentrierte sich Hoyt vorwiegend auf
NRHA-Bewerbe. Hoyt überredete Grace, 1988 zum NRHA Derby in St. Paul, Minnesota,
zu fahren. Dies wurde ihr beider größter Erfolg. Grace gewann die Non Pro-Klasse
des Derbys mit Whats Your Major und Hoyt gewann mit Lady Kiper die Limited
Open-Zusatzklasse, wurde Zweiter in der Open Reining, die vom großartigen Bill
Horn gewonnen wurde. Kiper wurde danach Zuchtstute von vielen wunderbaren
Reiningpferden, eines davon war Hob Nob Kip. Hoyt ritt ihn ein und gewann mit
ihm die Colorado Snaffle Bit Futurity und siegte mit ihm in verschiedenen
Reining-Bewerben. Mit ihm gewann Hoyt auch die NRHA Legends Invitational-Klasse
im Jahr 1995. „Es war großartig, diese Klasse zu gewinnen“, sagt John und denkt
an diesen besonderen Tag zurück, an dem er andere namhafte Trainer wie Bob
Anthony und Clayton Woosley, beide Mitglieder der Hall of Fame, besiegte. „Es
war toll gegen solch großartige Reiter zu starten.“
Wenn er sich heute die verdienten Preisgeldsummen von Topreitern wie
Shawn Flarida und Craig Schmersal ansieht, schüttelt er den Kopf. „Zu meiner
Zeit waren die Preisgelder bei Turnieren nicht so hoch, und als Trainer bekam
man auch nicht solch hohe Summen bezahlt. Als ich mit der Arbeit begann,
verdiente ich 1,50 Dollar pro Woche für die Stallarbeit. Wenn man dann 500
Dollar an Preisgeld bei einem Bewerb gewann, war dies ein hohes Preisgeld“,
lacht er. „Ich verdiente in meinem Beruf nicht viel Geld, doch ich liebte die
Arbeit mit den Pferden so sehr, dass ich nichts anderes machen wollte.“ Sein
Vermächtnis ist nicht sein Bankkonto, sondern die große Anzahl an Freunden, die
er in diesen vielen Jahren kennen lernte, und viele Dutzende an Pferden, die
durch sein Training hervorragende Pferde wurden.
Hoyt sagt, dass seine Aufnahme in die NRHA Hall of Fame für ihn eine
Anerkennung ist, mit der er nie gerechnet hatte. „Es war sehr überraschend für
mich! Dies haben all meine guten Freunde für mich in die Wege geleitet.“ „Ich
denke, ich habe ein gesegnetes Leben. Man kann darüber reden. Und wenn man dies
alles getan hat, dann ist es fix in den Erinnerungen eines Menschen. Ich glaube,
ich habe alles erreicht, was ich in meinem Leben erreichen wollte.“
Und das hast du wirklich, John. Du kannst nun auf deiner Veranda
sitzen und über das wunderschöne, texanische Pferdeland blicken. Du musst dich
niemals fragen: „Was wäre gewesen, wenn…?“. Du hast deinen Traum gelebt – jeden
Tag!