Chexi Jumper – Von Monstern und Ungeheuern

Text: Romana Kerner

mit Respekt für Jumping Chex Flash

 

 

Ich habe gehört, dass viele von euch Menschen Black Beauty und sein Leben kennen. Ich habe auch gehört, dass Black Beauty ein englisches Reitpferd war, schwarz wie die Nacht und ganz und gar britisch. Ich bin ganz anders – weiß wie Schnee, ein cooles Westernpferd mit amerikanischer Abstammung und indianischen Wurzeln. Und ich hab mir in meinen Appaloosa-Kopf gesetzt, ein wenig aus meinem Leben zu erzählen – wo doch die Cowboys in Europa nach und nach Einzug halten und wir Westernpferde immer beliebter werden. 

 

Wer’s noch nicht weiß, dem sag ich’s jetzt: Ich bin ein Genießer! Meine Lieblingsbeschäftigung ist das Herumstehen. Ich hab’s gern, wenn die Sonne auf meinen Rücken scheint und ein warmes Lüftchen um meine rosa Nüstern weht. Manchmal suche ich nach kleinen süßen Pflanzensprösslingen oder beobachte die anderen Exemplare meiner Art. Natürlich interessieren mich ganz besonders die Stuten – wäre da nicht das kleine Problem, dass ich nicht mehr so wild auf sie bin wie in jungen Jahren. Das kann ich mir gar nicht erklären! Na ja, da sind sicherlich wieder die Menschen daran schuld – aber nicht mein Mensch: Ich kenn sie nämlich noch nicht so lange!

Wenn die anderen wieder einmal wie wild herumlaufen, dann heb ich zuerst einmal meinen Kopf, um die Gefahr ausfindig zu machen. Zumeist gibt’s aber keine, also denk ich nicht dran, mich zu bewegen. Warum auch? Außerdem muss ich ja auch Energien sparen! Immerhin will mein Mensch immer wieder auf meinen Rücken steigen und verschiedene Spiele mit mir spielen. Da muss ich fit sein!

Die einzige Gefahr, die mich auf der grünen Koppel bedroht, ist das 6-äugige Monster: Es hat zwei kleine, leuchtende Augen, die nach vorne blicken; vorne seitlich hat es noch zwei weitere kleine und hinten seitlich zwei riesige Augen. Es rattert unheimlich laut, wenn es sich bewegt und manchmal spuckt es etwas Graues, Übelriechendes aus. Es ist nicht von meiner Art, aber es lässt den Menschen oft auf seinen Rücken steigen. Hie und da befindet es sich auch in der Sandkoppel und hilft, das Wasser über den Boden zu verteilen und den Sand weicher zu machen. Das ist dann immer eine Wohltat für meine Beine!

Wenn ich also dieses Monster sehe – egal, ob es sich bewegt oder stillsteht –, da beweg sogar ich mich! Es ist sicherlich gefährlicher, als jede andere Bedrohung, vor der meine Appaloosa-Urahnen flüchten mussten.

Letztens haben mein Mensch und ich das 6-äugige Monster gemeinsam getroffen. Es stand ganz ruhig in der Ecke der Sandkoppel. Vielleicht hat es geschlafen. Auf jeden Fall haben die beiden kleinen Augen nicht geleuchtet, es hat auch nicht gerattert. Ich habe trotzdem den Kopf hochgerissen und die Augen weit aufgerissen und mich geweigert, auch nur einen weiteren Schritt näher zu gehen.

Mein Mensch ist aber von der mutigen Sorte und hat sich furchtlos genähert. Und somit folgte ich ihr schließlich – immerhin kann ich ihr vertrauen! Als wir ganz nahe waren, legte sie ihre Hand auf das 6-äugige Monster und schaute mich an. Ich habe dann ganz langsam den Kopf gesenkt und vorsichtshalber laut geschnaubt. Das war ganz wichtig! Ich musste zeigen, dass ich große Angst hatte! Daraufhin hat sie mich liebevoll am Hals getätschelt und mich zwischen den Ohren gekrault. Wer kann denn da noch widerspenstig sein!

Als ich weggehen durfte, war ich trotzdem froh – aber auch verwundert: Mein Mensch hat dieses Monster beim Namen genannt. Dieses gefährliche Ding hat doch tatsächlich einen eigenen Namen! – Es heißt Traktor. Na, da find ich meinen Namen aber viel schöner.

Name hin oder her, für mich bleibt es das 6-äugige Monster. Und wenn ich alleine bin, dann fürchte ich mich davor. Sicher ist sicher!

Vor einiger Zeit muss mein Mensch herausgefunden haben, dass das 6-äugige Monster auf der grünen Koppel sehr selten auftaucht und ich mich daher fast immer meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Herumstehen, widme. Also sorgte sie für Abwechslung. Und somit machte ich Bekanntschaft mit den Flugungeheuern. Die sind in einem runden Ding eingesperrt. Dort werde ich auch hineingeführt und muss dann zwischen zwei dieser Ungeheuer schön brav dahintrotten. Immer im Kreis, ohne Pause und ohne Grasfressen! Diese Ungeheuer machen äußerst komische Laute – sie sind sehr angsteinflößend. Und wehe, wenn ich nicht brav gehe. Wenn ich zu langsam bin, dann beißt mich eines der Flugungeheuer in den Hintern, bin ich zu schnell, dann zwickt mich das andere in die Nase. Die ersten paar Male hab ich versucht stehenzubleiben, um ein Grasbüschel auszureißen, bei dem ich sehr oft vorbeigekommen bin. Nach einigen Bissen in den Hintern hab ich das allerdings wieder aufgegeben. Ich bin ja nicht dumm!

Irgendwann haben sich die Flugungeheuer etwas Ungehöriges geleistet: Sie haben meinen Menschen angegriffen! Sie ist wild herumgehupft und hat dann ganz schroffe Worte gesagt. Ich habe mich sofort ganz still verhalten. Sicher ist sicher!

Normalerweise redet sie nur so, wenn ich wieder einmal etwas eindeutig Verbotenes gemacht habe. Man kann ja nie wissen...!

Sie hat mich dann sofort aus dem runden Ding und von der Gefahr befreit. Ich glaube, es war ihr nicht bewusst, welcher Bedrohung sie mich ausgesetzt hatte, ohne dass sie dabei war, um mich zu schützen. Seitdem seh ich nur mehr von Weitem, wie sich meine Artgenossen kühn und tapfer den Flugungeheuern aussetzen. Eines davon hat sich einmal sogar hingeworfen, um den Attacken auszuweichen. Wahnsinn! Auf diese Idee bin ich natürlich nicht gekommen. Ich werf mich halt nicht auf so einen Boden. Viel zu hart für mich!

Auf jeden Fall muss ich nur mehr ganz selten zu den Flugungeheuern. Und wenn, dann ist mein Mensch dabei und beschützt mich. Ich bin mir sicher, dass sie etwas ganz Besonderes ist, denn sobald sie dabei ist, trauen sich die Ungeheuer nicht, mich zu beißen und zu zwicken.

Aber ich muss schon sagen: Die Menschen sind sehr eigenartig... ob nun Monster oder Ungeheuer: Für alles haben sie einen Namen, die Flugungeheuer haben sogar einen ganz langen. Sie heißen Schritt-Maschine-Walker!