Berühmte Quarter Horses & Vererber

Eine Serie für QH-Züchter & -Enthusiasten

Übersetzung & Bearbeitung: Heinz Langer

 

Topsail Cody 1977- 2002

Teil I

 

Das höchste Ziel in der Pferdezucht ist und war es immer, die jeweils nächste Generation gegenüber der letzten - wenigstens ein wenig, wenn nicht noch mehr - zu verbessern!

In der Quarter Horse-Familie, die mit Bill Cody (WN 6/09 u. 1/10) ihren Anfang nahm und über Joe Cody (WN 2/10 u. 3/10) ihre Fortsetzung fand, ist dies mit Topdsail Cody ideal gelungen!

Topsail Cody – ein Mitglied der dritten Generation der Familie – setzte den vorgegebenen Trend fort. Und noch mehr als seine Vorfahren war er selbst durch diese starken, genetischen Eigenschaften geprägt und gab diese an seine Nachkommen weiter!

Topsail Cody wurde von C.T. „Tom“ Fuller gezüchtet und kam am 11. März 1977 auf dessen malerischen Willow Brook Farms nahe Catasauqua, PA., zur Welt. Das Pferd wurde von Joe Cody gezeugt, seine Mutter war Doc Bar Linda, eine direkte Tochter von Doc Bar. Die ersten beiden Drittel seines Lebens war Topsail im Besitz von Bob Loomis, dem uns allen bekannten NRHA Hall of Fame-Mitglied und Buchautor aus Marietta, Oklahoma, bei dem einige sehr erfolgreiche AWA-Mitglieder ihre „ersten Sporen“ verdient haben.

Bob Loomis᾽ Beziehung zu Joe Cody reicht lange zurück, wie interessierte Leser der Western News und Quarter Horse-Liebhaber wissen. „Ich habe Reining Horses mehr als 35 Jahre lang gezüchtet, trainiert und geshowt“, erzählt Bob Loomis. „Ich begann 1976, Reiningpferde für Mr. Fuller zu arbeiten. Er und Joe Cody waren wahrscheinlich die wichtigsten Individuen meiner Karriere.“

„Ich lebte damals in Bee, Nebraska. Zu jener Zeit waren High Proof und Benito Paprika die ersten beiden Pferde, die Mr. Fuller zu mir ins Training schickte. 1977 gewann ich beim All American Quarter Horse Congress in Columbus, Ohio, mit High Proof die Open Reining und mit Benito Paprika die NRHA Futurity. Und von da an waren meine Beziehung und mein Respekt zu den Joe Cody-Pferden geweckt.“

Im Herbst 1978 reiste Loomis wieder zur Willow Brook Farm, um die Nachkommen von Joe Cody zu reiten und zu bewerten, welche als Futurity Prospects in Frage kämen. Damals warf der Horseman aus Nebraska das erste Mal ein Auge auf den chestnut-farbenen Jährling, der sein Leben für immer verändern sollte. „Damals ritt Dick Herr die 2-jährigen Pferde von Mr. Fuller ein“, sagte Loomis. „Danach kam ich und suchte mir eines der Pferde aus, das ich trainieren wollte. Es war eine perfekte Sache für mich. Dieser Ablauf brachte uns allen einen Vorteil.“

„Nach meinem Erfolg beim Congress 1977 war ich vollends von den Nachkommen von Joe Cody überzeugt. Sie sind großartige Stopper. Sie nehmen dabei die Schultern hoch und bohren ihre Hinterhand beim Stopp in den Sand. Und sie haben mehr Herz und Ehrgeiz als die Pferde der anderen Zuchtlinien, die ich bisher geritten habe.“

Genauso wie sich Loomis für das Training und Showing von Reining-Pferden interessiert, ist auch das Züchten von top Reining-Pferden für ihn von großem Interesse. „Ich begann mit dem Züchten mit einem Hengst namens Red Bee Moore. Danach setzte ich den Sohn von Okie Leo für die Zucht ein. Etwas später wurde ich Besitzer von Boss᾽ Nowata Star. Er war der Beste der drei Zuchthengste. Der bay-farbige Hengst wurde 1972 geboren, sein Vater war Range Boss und seine Mutter Fritzy’s Star von Nowata Star; er war ein sehr gutes Pferd. Er gewann mehr als 3.000 Dollar an NRHA Preisgeldern und wurde 1976 AQHA Reserve World Champion Junior Reining Horse. „Doch ich wusste, dass er nicht das ultimative Pferd für mich für die Pferdezucht war. Also hielt ich meine Augen weiterhin offen.“

Im Herbst 1978 wurde Loomis endlich fündig.

Die verschiedenen Arten von Cody

„Meist sehen die Nachkommen von Joe Cody einander sehr ähnlich. Meist sind es kompakt gebaute sorrel-farbene Pferde mit einem kleinen Stern auf der Stirn. Manchmal gibt es auch buckskin-farbene Nachkommen, da eine große Anzahl von buckskin-Stuten von Mr. Fuller eingekreuzt worden waren. Doch meist sind es Sorrels und sehen sich alle sehr ähnlich. „Als ich 1978 in Pennsylvania Mr. Fullers 2-jährige Pferde ausprobierte, ging ich auch auf die Weide der Jährlinge. Diese war voll von Nachkommen von Joe Cody. Ein größeres, etwas feiner gebautes chestnut-farbiges Jungpferd mit Blesse galoppierte auf mich zu und inspizierte mich. Es war ein etwas anderer Joe Cody-Nachkomme. Je mehr ich dieses Pferd betrachtete, desto mehr gefiel es mir. Es war Topsail Cody. Sein Vater war Joe Cody, doch seine Mutter war Doc Bar Linda. Sie ist eine Tochter von Doc Bar – die einzige Doc Bar-Stute, die jemals von Joe Cody gedeckt wurde. Sie war verantwortlich für Topsails etwas anderes Aussehen und seine besonderen athletischen Eigenschaften.“ Einige Jahre zuvor war die Stute von Tom Fuller gekauft und in Joe Codys Stutenherde integriert worden.

Doc Bar Linda, eine 1967 geborene chestnut-Stute aus Betty’s Mount von Music Mount war ein hervorragendes Showpferd. Meist wurde sie in Youth-Bewerben von Robin Severinsen Merrill aus Branchville, N.J. (Tochter von Doc Severinsen, der den Musik-Grammy gewann), gestartet und zeigte sich durchaus als temperamentvolles Turnierpferd. „Linda war eine starke Stute“, erinnert sich Merrill, die mit ihrem Ehemann Frank die Windward Stutenranch in Purcell, Oklahoma, besitzt. „Sie war etwas heißblütig. Man hatte das Gefühl, auf einer Stange Dynamit zu reiten. Man wusste nie, wann sie losstarten würde. Man musste sie immer korrekt auf das nächste Manöver vorbereiten. Am besten ließ man sie einige Meilen laufen, bevor man mit ihr in eine Arena einritt. Sie war mehr als ein durchschnittliches Pferd und hatte viel Potenzial. Sie war sehr sensibel und sehr feinfühlig. Sie war wunderbar in der Reining zu reiten und hatte auch sehr gute Anlagen für die Rinderarbeit. Dabei war sie richtig glücklich. Durch Linda lernte ich sehr viel über das Reiten und das Starten von Pferden bei Turnieren. Ich lernte, Geduld zu haben und behutsam mit meinen zügelführenden Händen zu sein. So wie mir Mr. Fullers Trainer Bob Anthony, der damals mein Mentor war, sagte: ‚Es ist nicht immer einfach, ein Pferd zu reiten, denn die guten Pferde haben auch so manche Macken.‘ Linda hatte auch einige dieser Macken. Doch sie hatte großes Talent und lernte, dieses richtig einzusetzen.“ Mit Robin im Sattel wurde Doc Bar Linda 1972 AQHA Youth World Champion Hunter under Saddle. Zusätzlich war sie erfolgreich in Halter-, Showmanship-, Western Horsemanship- und Hunter under Saddle-Bewerben. Sie war auch Youth AQHA Champion und sammelte 537 Open-, Youth Performance- und Halter-Punkte in Bewerben.

Aufgrund dieser hervorragenden Zuchtlinie und seinem Aussehen überlegte Bob Loomis nicht lange und beschloss, Topsail nach Nebraska mitzunehmen. Der Hengst wurde vorerst an Loomis᾽ Bruder verkauft. „1978 war mein Bruder Ed sehr intensiv im Zuchtbereich tätig. Da er seinen Hengst bei einem Stallbrand verloren hatte, beschloss ich, diesen Junghengst für ihn zu kaufen.“

 

 

Bild 2:

Topsail Cody hatte einen Vater, der in der Hall of Fame aufgenommen worden war, und eine ebenfalls großartige Mutterstute. Doc Bar Line, hier mit seiner Reiterin Robin Severinsen, war eine hervorragende Show-Stute, die bekannt für ihr Talent und ihren wunderbaren Charakter war.

 

 

„Ich ritt ihn an, als er zwei Jahre alt war und schickte ihn dann nach Hause. Eds Tochter ritt ihn dann den ganzen Sommer viele Kilometer im Gelände und startete ihn in einigen Western Pleasure-Bewerben.“ Im Frühling 1980 holte Loomis Topsail zurück, um mit ihm weiter zu trainieren. Erst jetzt stellte er fest, dass er einen großen Fehler gemacht hatte.

 

 

Bild 3:

Hier ein anderes Bild von Linda und Robin. Diese Stute gab ihrem Sohn Topsail Cody einen großen Anteil an physischem Talent und genetischer Stärke mit.

 

 

Der perfekte Schüler

„Als ich mit Topsail ernsthaft begann, Reining zu trainieren, dauerte es nicht mehr als 30 Tage, bis ich feststellte, dass es das beste Pferd war, das ich je geritten hatte. Er war super sensibel und klar im Kopf. Und er machte unvergleichliche Stopps. So rief ich Ed an und erzählte ihm dies. Ich sagte ihm auch, dass ich Topsail von ihm zurückkaufen wollte, und fragte ihn, was er für ihn haben wollte. Ed nannte mir vier Mal einen Preis. Ich blinzelte dabei nicht einmal und sagte ihm, dass ich am Abend mit einem Scheck vorbei kommen würde.“

Als er mit Topsail Cody wieder zurück war, begriff Loomis, dass er mit ihm noch ein großes Hindernis zu bewältigen hatte. Dieses hatte nichts mit dem Talent oder der Trainingsfähigkeit des jungen Hengstes zu tun – ganz im Gegenteil. In diesem Jahr wurde die NRHA Futurity im Oktober während des Quarter Horse Kongresses ausgetragen. Loomis sagte sich: „Im Mai des Jahres, als Topsail drei Jahre alt wurde, war er bereits fertig für die Futurity. Ich habe noch nie zuvor ein Pferd gehabt, das binnen so kurzer Zeit bereit für eine Show war. Ich wusste nicht, was ich bis Oktober nun machen sollte. Also beschloss ich, ihn nun nicht mehr hart zu trainieren, da ich ihn nicht überfordern wollte. Wir konzentrierten uns auf das Pleasure-Reiten und achteten darauf, sein Interesse fürs Training zu erhalten. Somit war er im Oktober immer noch frisch und bereit für die Show.“

 

 

Bild 4:

Nach dem Sieg in der Junior Reining bei der AQHA World Championship 1981 ging Topsail Cody turniermäßig in Pension und startete seine erfolgreiche Karriere als Zuchthengst.

 

 

Bild 5:

Ein Paar, das Championgeschichte schrieb: Topsail Cody, der führende Reining Horse-Zuchthengst, und Bobbi Jo Loomis, die zukünftige Miss Rodeo USA

 

 

Bild 6:

Cee Blair Sailor, Topsails Top-Preisgeld-Gewinner, verdiente mehr als 94.000 Dollar und wurde 1995 in die NRHA Hall of Fame aufgenommen.

 

 

Vor der NRHA Futurity 1980 startete Loomis mit Topsail in zwei AQHA Shows, die er beide gewann. In der ersten Runde der Futurity erreichte das Paar einen Score von 230. Dieser war gut genug, um sich an der Spitze zu platzieren. Im zweiten Umlauf erreichten die beiden einen Score von 232,5 – genauso wie eine Top-Reining-Stute mit dem Namen Miss Cee Blair. Im dritten Umlauf gewann Bob dann mit Topsail mit einem Score von 234 und sicherte sich damit die Championship.

Das nächste Ziel für das Duo war die AQHA World Show 1981. Hier gewann Topsail jede Runde und das Finale der Junior Reining und wurde anschließend gleich in Turnierpension geschickt. Unbesiegt in seiner kurzen, aber brillanten Reining-Karriere gewann er die Futurity Championship, eine World Championship und verdiente Preisgelder von 29.236 Dollar bei NRHA Bewerben und 24 Performance-Punkte bei AQHA Bewerben. Die Aufgabe, die ihm nun bevorstand, war, seine Zuchtlinie durch ausgezeichnete Nachkommen zu sichern.