Eine Serie für QH-Züchter & -Enthusiasten
Übersetzung & Bearbeitung: Heinz Langer
Teil I
Das höchste Ziel in der Pferdezucht ist und war es immer, die jeweils nächste
Generation gegenüber der letzten - wenigstens ein wenig, wenn nicht noch mehr -
zu verbessern!
In der Quarter Horse-Familie, die mit Bill Cody (WN 6/09 u. 1/10) ihren
Anfang nahm und über Joe Cody (WN 2/10 u. 3/10) ihre Fortsetzung fand,
ist dies mit Topdsail Cody ideal gelungen!
Topsail Cody – ein Mitglied der dritten Generation der Familie – setzte den
vorgegebenen Trend fort. Und noch mehr als seine Vorfahren war er selbst durch
diese starken, genetischen Eigenschaften geprägt und gab diese an seine
Nachkommen weiter!
Topsail Cody wurde von C.T. „Tom“ Fuller gezüchtet und kam am 11. März 1977 auf
dessen malerischen Willow Brook Farms nahe Catasauqua, PA., zur Welt. Das Pferd
wurde von Joe Cody gezeugt, seine Mutter war Doc Bar Linda, eine direkte Tochter
von Doc Bar. Die ersten beiden Drittel seines Lebens war Topsail im Besitz von
Bob Loomis, dem uns allen bekannten NRHA Hall of Fame-Mitglied und Buchautor aus
Marietta, Oklahoma, bei dem einige sehr erfolgreiche AWA-Mitglieder ihre „ersten
Sporen“ verdient haben.
Bob Loomis᾽ Beziehung zu Joe Cody reicht lange zurück, wie interessierte Leser
der Western News und Quarter Horse-Liebhaber wissen. „Ich habe Reining Horses
mehr als 35 Jahre lang gezüchtet, trainiert und geshowt“, erzählt Bob Loomis.
„Ich begann 1976, Reiningpferde für Mr. Fuller zu arbeiten. Er und Joe Cody
waren wahrscheinlich die wichtigsten Individuen meiner Karriere.“
„Ich lebte damals in Bee, Nebraska. Zu jener Zeit waren High Proof und Benito
Paprika die ersten beiden Pferde, die Mr. Fuller zu mir ins Training schickte.
1977 gewann ich beim All American Quarter Horse Congress in Columbus, Ohio, mit
High Proof die Open Reining und mit Benito Paprika die NRHA Futurity. Und von da
an waren meine Beziehung und mein Respekt zu den Joe Cody-Pferden geweckt.“
Im Herbst 1978 reiste Loomis wieder zur Willow Brook Farm, um die Nachkommen von
Joe Cody zu reiten und zu bewerten, welche als Futurity Prospects in Frage
kämen. Damals warf der Horseman aus Nebraska das erste Mal ein Auge auf den
chestnut-farbenen Jährling, der sein Leben für immer verändern sollte. „Damals
ritt Dick Herr die 2-jährigen Pferde von Mr. Fuller ein“, sagte Loomis. „Danach
kam ich und suchte mir eines der Pferde aus, das ich trainieren wollte. Es war
eine perfekte Sache für mich. Dieser Ablauf brachte uns allen einen Vorteil.“
„Nach meinem Erfolg beim Congress 1977 war ich vollends von den Nachkommen von
Joe Cody überzeugt. Sie sind großartige Stopper. Sie nehmen dabei die Schultern
hoch und bohren ihre Hinterhand beim Stopp in den Sand. Und sie haben mehr Herz
und Ehrgeiz als die Pferde der anderen Zuchtlinien, die ich bisher geritten
habe.“
Genauso wie sich Loomis für das Training und Showing von Reining-Pferden
interessiert, ist auch das Züchten von top Reining-Pferden für ihn von großem
Interesse. „Ich begann mit dem Züchten mit einem Hengst namens Red Bee Moore.
Danach setzte ich den Sohn von Okie Leo für die Zucht ein. Etwas später wurde
ich Besitzer von Boss᾽ Nowata Star. Er war der Beste der drei Zuchthengste. Der
bay-farbige Hengst wurde 1972 geboren, sein Vater war Range Boss und seine
Mutter Fritzy’s Star von Nowata Star; er war ein sehr gutes Pferd. Er gewann
mehr als 3.000 Dollar an NRHA Preisgeldern und wurde 1976 AQHA Reserve World
Champion Junior Reining Horse. „Doch ich wusste, dass er nicht das ultimative
Pferd für mich für die Pferdezucht war. Also hielt ich meine Augen weiterhin
offen.“
Im Herbst 1978 wurde Loomis endlich fündig.
Die verschiedenen Arten von Cody
„Meist sehen die Nachkommen von Joe Cody einander sehr ähnlich. Meist sind es
kompakt gebaute sorrel-farbene Pferde mit einem kleinen Stern auf der Stirn.
Manchmal gibt es auch buckskin-farbene Nachkommen, da eine große Anzahl von
buckskin-Stuten von Mr. Fuller eingekreuzt worden waren. Doch meist sind es
Sorrels und sehen sich alle sehr ähnlich. „Als ich 1978 in Pennsylvania Mr.
Fullers 2-jährige Pferde ausprobierte, ging ich auch auf die Weide der
Jährlinge. Diese war voll von Nachkommen von Joe Cody. Ein größeres, etwas
feiner gebautes chestnut-farbiges Jungpferd mit Blesse galoppierte auf mich zu
und inspizierte mich. Es war ein etwas anderer Joe Cody-Nachkomme. Je mehr ich
dieses Pferd betrachtete, desto mehr gefiel es mir. Es war Topsail Cody. Sein
Vater war Joe Cody, doch seine Mutter war Doc Bar Linda. Sie ist eine Tochter
von Doc Bar – die einzige Doc Bar-Stute, die jemals von Joe Cody gedeckt wurde.
Sie war verantwortlich für Topsails etwas anderes Aussehen und seine besonderen
athletischen Eigenschaften.“ Einige Jahre zuvor war die Stute von Tom Fuller
gekauft und in Joe Codys Stutenherde integriert worden.
Doc Bar Linda, eine 1967 geborene chestnut-Stute aus Betty’s Mount von Music
Mount war ein hervorragendes Showpferd. Meist wurde sie in Youth-Bewerben von
Robin Severinsen Merrill aus Branchville, N.J. (Tochter von Doc Severinsen, der
den Musik-Grammy gewann), gestartet und zeigte sich durchaus als
temperamentvolles Turnierpferd. „Linda war eine starke Stute“, erinnert sich
Merrill, die mit ihrem Ehemann Frank die Windward Stutenranch in Purcell,
Oklahoma, besitzt. „Sie war etwas heißblütig. Man hatte das Gefühl, auf einer
Stange Dynamit zu reiten. Man wusste nie, wann sie losstarten würde. Man musste
sie immer korrekt auf das nächste Manöver vorbereiten. Am besten ließ man sie
einige Meilen laufen, bevor man mit ihr in eine Arena einritt. Sie war mehr als
ein durchschnittliches Pferd und hatte viel Potenzial. Sie war sehr sensibel und
sehr feinfühlig. Sie war wunderbar in der Reining zu reiten und hatte auch sehr
gute Anlagen für die Rinderarbeit. Dabei war sie richtig glücklich. Durch Linda
lernte ich sehr viel über das Reiten und das Starten von Pferden bei Turnieren.
Ich lernte, Geduld zu haben und behutsam mit meinen zügelführenden Händen zu
sein. So wie mir Mr. Fullers Trainer Bob Anthony, der damals mein Mentor war,
sagte: ‚Es ist nicht immer einfach, ein Pferd zu reiten, denn die guten Pferde
haben auch so manche Macken.‘ Linda hatte auch einige dieser Macken. Doch sie
hatte großes Talent und lernte, dieses richtig einzusetzen.“
Mit Robin im Sattel wurde Doc Bar Linda 1972 AQHA Youth World Champion Hunter
under Saddle.
Zusätzlich war sie erfolgreich in Halter-, Showmanship-, Western Horsemanship-
und Hunter under Saddle-Bewerben. Sie war auch Youth AQHA Champion und sammelte
537 Open-, Youth Performance- und Halter-Punkte in Bewerben.
Aufgrund dieser hervorragenden Zuchtlinie und seinem Aussehen überlegte Bob
Loomis nicht lange und beschloss, Topsail nach Nebraska mitzunehmen. Der Hengst
wurde vorerst an Loomis᾽ Bruder verkauft. „1978 war mein Bruder Ed sehr intensiv
im Zuchtbereich tätig. Da er seinen Hengst bei einem Stallbrand verloren hatte,
beschloss ich, diesen Junghengst für ihn zu kaufen.“
Bild 2:
Topsail Cody hatte einen Vater, der in der Hall of Fame aufgenommen worden war,
und eine ebenfalls großartige Mutterstute. Doc Bar Line, hier mit seiner
Reiterin Robin Severinsen, war eine hervorragende Show-Stute, die bekannt für
ihr Talent und ihren wunderbaren Charakter war.
„Ich ritt ihn an, als er zwei Jahre alt war und schickte ihn dann nach Hause.
Eds Tochter ritt ihn dann den ganzen Sommer viele Kilometer im Gelände und
startete ihn in einigen Western Pleasure-Bewerben.“ Im Frühling 1980 holte
Loomis Topsail zurück, um mit ihm weiter zu trainieren. Erst jetzt stellte er
fest, dass er einen großen Fehler gemacht hatte.
Bild 3:
Hier ein anderes Bild von Linda und Robin. Diese Stute gab ihrem Sohn Topsail
Cody einen großen Anteil an physischem Talent und genetischer Stärke mit.
Der perfekte Schüler
„Als ich mit Topsail ernsthaft begann, Reining zu trainieren, dauerte es nicht
mehr als 30 Tage, bis ich feststellte, dass es das beste Pferd war, das ich je
geritten hatte. Er war super sensibel und klar im Kopf. Und er machte
unvergleichliche Stopps. So rief ich Ed an und erzählte ihm dies. Ich sagte ihm
auch, dass ich Topsail von ihm zurückkaufen wollte, und fragte ihn, was er für
ihn haben wollte. Ed nannte mir vier Mal einen Preis. Ich blinzelte dabei nicht
einmal und sagte ihm, dass ich am Abend mit einem Scheck vorbei kommen würde.“
Als er mit Topsail Cody wieder zurück war, begriff Loomis, dass er mit ihm noch
ein großes Hindernis zu bewältigen hatte. Dieses hatte nichts mit dem Talent
oder der Trainingsfähigkeit des jungen Hengstes zu tun – ganz im Gegenteil. In
diesem Jahr wurde die NRHA Futurity im Oktober während des Quarter Horse
Kongresses ausgetragen. Loomis sagte sich: „Im Mai des Jahres, als Topsail drei
Jahre alt wurde, war er bereits fertig für die Futurity. Ich habe noch nie zuvor
ein Pferd gehabt, das binnen so kurzer Zeit bereit für eine Show war. Ich wusste
nicht, was ich bis Oktober nun machen sollte. Also beschloss ich, ihn nun nicht
mehr hart zu trainieren, da ich ihn nicht überfordern wollte. Wir konzentrierten
uns auf das Pleasure-Reiten und achteten darauf, sein Interesse fürs Training zu
erhalten. Somit war er im Oktober immer noch frisch und bereit für die Show.“
Bild 4:
Nach dem Sieg in der Junior Reining bei der AQHA World Championship 1981 ging
Topsail Cody turniermäßig in Pension und startete seine erfolgreiche Karriere
als Zuchthengst.
Bild 5:
Ein Paar, das Championgeschichte schrieb: Topsail Cody, der führende Reining
Horse-Zuchthengst, und Bobbi Jo Loomis, die zukünftige Miss Rodeo USA
Bild 6:
Cee Blair Sailor, Topsails Top-Preisgeld-Gewinner, verdiente mehr als 94.000
Dollar und wurde 1995 in die NRHA Hall of Fame aufgenommen.
Vor der NRHA Futurity 1980 startete Loomis mit Topsail in zwei AQHA Shows, die
er beide gewann. In der ersten Runde der Futurity erreichte das Paar einen Score
von 230. Dieser war gut genug, um sich an der Spitze zu platzieren. Im zweiten
Umlauf erreichten die beiden einen Score von 232,5 – genauso wie eine
Top-Reining-Stute mit dem Namen Miss Cee Blair. Im dritten Umlauf gewann Bob
dann mit Topsail mit einem Score von 234 und sicherte sich damit die
Championship.
Das nächste Ziel für das Duo war die AQHA World Show 1981. Hier gewann Topsail
jede Runde und das Finale der Junior Reining und wurde anschließend gleich in
Turnierpension geschickt. Unbesiegt in seiner kurzen, aber brillanten
Reining-Karriere gewann er die Futurity Championship, eine World Championship
und verdiente Preisgelder von 29.236 Dollar bei NRHA Bewerben und 24
Performance-Punkte bei AQHA Bewerben. Die Aufgabe, die ihm nun bevorstand, war,
seine Zuchtlinie durch ausgezeichnete Nachkommen zu sichern.