Chexi Jumper

Text Romana Kerner

 

Mit Respekt für

Jumping

Chex

Flash

 

 

Ich habe gehört, daß viele von euch Menschen Black Beauty und sein Leben kennen. Ich habe auch gehört, daß Black Beauty ein englisches Reitpferd war, schwarz wie die Nacht und ganz und gar britisch. Ich bin ganz anders – weiß wie Schnee, ein cooles Westernpferd mit amerikanischer Abstammung und indianischen Wurzeln. Und ich hab mir in meinen Appaloosa-Kopf gesetzt, ein wenig aus meinem Leben zu erzählen – wo doch die Cowboys in Europa nach und nach Einzug halten und wir Westernpferde immer beliebter werden. 

 

Meine Menschin auf Reisen ... das hör ich gar nicht gerne, denn immer passiert irgendwas. Und alleine – lass ich sie schon gar nicht mehr wegfahren! Viel zu gefährlich ist die Welt da draußen. Aber – mal ganz von vorne ...

Letztens, zu Beginn der heißen Zeit, hat sie sich verabschiedet von mir uns ist in ein fernes Land mit ganz hohen Bergen und vielen verschiedenen Sprachen gefahren, an einem Ort, wo die – wart, wie hat sie das genau g'sagt ... ach ja – die Europameisterschaft im Zirkelreiten war. Sie hat auch erzählt, dass dort ein ganz berühmter Mensch sein wird, einer der sich furchtlos im 4-rädrigen Monster fortbewegt und sich viel schneller fahren traut als ich galoppieren kann. Na, das würd ich gerne prüfen, ob das stimmt, aber – wie bereits bekannt – sie hat mich ja nicht mitgenommen, zur Schumi-Westernshow.

Dort war alles gut, alles super, alles faszinierend, aber auf ihrem Heimweg zum Schlafen, da ist es dann passiert: Sie kreuzte die Wege von bösen Räubern, die nichts Anderes im Kopf hatten, als ihr alles zu entreißen, was sie bei sich hatte. Und ich nicht dabei! Stellt euch das vor ... ich hätt diese bösen Buben gebissen und getreten und so furchteinflößend gewiehert, dass sie freiwillig alles zurückgegeben hätten. ... aber: Ich war ja nicht da und meine Menschin somit schutzlos. Doch sie ist gesund und munter nach Hause gekommen – wiha, bin ich froh!

Bei der nächsten Reise war ich dann natürlich dabei – eh klar. Ich mach doch nicht zweimal den gleichen Fehler! Das haben sich Papa- und Mama-Menschin sicherlich auch gedacht, denn auch sie waren mit von der Partie, als wir uns alle gegen Süden aufmachten, in eine kleine Ortschaft namens Poppendorf.

Ich sag nur: Das Ortschafterl gibt's anscheinend öfters in meiner Umgebung, denn wir kamen an diesem Tag zweimal ans Ziel. Soweit ich weiß, waren wir zuerst in einem Land namens Steiermark, und dann sind wir in das so-genannte Burgenland gefahren. Und dazwischen, ja da is es rund 'gangen! Zuerst is es draußen dunkel geworden, ja fast so dunkel, dass ich geglaubt hab, es ist Schlafenszeit. Dann hat ein Wind begonnen, so unangenehm, dass ich richtig froh war, nicht auf meiner kleinen Prärie sein zu müssen ... und geregnet hat's auch. Und dann – das glaubt mir jetzt sicherlich keiner – ja dann hat ein Irrer begonnen, auf uns mit riesigen Eisbällen zu schießen! Laut waren die! Einer ist sogar in meine fahrende Höhle hineingeflogen! Sonst hab ich mich aber gut geschützt gefühlt – und meine Menschin sicherlich auch, denn ich hab ihr immer wieder ganz laut Mut zugewiehert ... und ich war ja dabei und daher für sie da.

Als ich dann aussteigen durfte, nach einer langen, lauten und holprigen Fahrt, hab ich mich total zusammengerissen und mir die Strapazen der Anreise nicht ansehen lassen. Immerhin musste ich ein riesengroßes Netz voller Heu auffressen!

... und das natürlich nur, um bei Kräften zu bleiben. Wer weiß, vielleicht wären die Räuber wieder gekommen! Da hätte ich dann beißen und treten und wiehern müssen wie das einst meine Vorfahren gemacht haben.

Wir gehen so schnell nicht mehr auf Reisen, das hat zumindest meine Menschin gesagt. Mal sehen, wie lange das tatsächlich so sein wird ...

Habt auch ihr Reiseabenteuer, dann schickt sie doch an mich!

chexi_jumper@hotmail.com