10 Schritte zu gesteigertem Selbstvertrauen

Folge diesem einfachen Weg zur Selbstsicherheit im Sattel und erreiche dadurch deine Ziele.

 

Text: Irene Harris, EdD

Übersetzung: Sonja Grünauer

 

 

Bild 1: Champion-Reiter wie Carol Metcalf strahlen Selbstvertrauen aus, wenn sie im Sattel sitzen.

 

 

 

Selbstvertrauen. Manche Reiter haben es, manche haben es nicht. Manche Menschen haben Selbstvertrauen, wenn sie in eine Pferdeherde gehen, doch dann verlässt es sie, wenn sie wieder aus der Herde heraus gehen. Manche Reiter haben 2007 Selbstvertrauen, doch verlieren sie es 2008. Egal ob du nun ein Open oder ein Non-Pro Reiter bist, ob du erst seit fünf Jahren oder schon seit 50 Jahren reitest, du wirst wissen, wie sich Selbstvertrauen anfühlt. Du weißt, wie stark dieses magische und oft schwer zu beschreibende Gefühl sein kann. In der Welt des Turnierreitsports ist das Selbstvertrauen des Reiters ein sehr wichtiger Bestandteil, um Erfolg zu haben. Reiter mit Selbstvertrauen kommunizieren mit ihren Pferden viel besser. Die Manöver werden präziser geritten, da sie die Herausforderung annehmen. Das Pferd wird zum perfekten Partner, weil es das Vertrauen seines Reiters fühlt. Ohne Vertrauen wird es ein Reiter bereits schwer haben, bis in den Showring zu kommen.

Was ist Selbstvertrauen?

Selbstvertrauen kann als Gefühl oder auch als Seelenzustand beschrieben werden. Man weiß, man hat die Möglichkeit, eine spezielle Aufgabe gut zu bewältigen. Vertrauen zu haben oder nicht zu haben, kann nicht nur die Leistung des Reiters beeinflussen, sondern auch sein Selbstwertgefühl. Es ist die Art und Weise, wie man sich selbst sieht und dadurch auch auf andere Menschen wirkt. Beeinflusst werden auch die Ziele, die man als Reiter hat, und die Motivation zum Training und zu Wettbewerben. Viele Reiter verstehen, wie wichtig Selbstvertrauen ist, doch leider wissen viele nicht, wie man dieses bekommt und auch behalten kann.

Woher kommt es?

Das Gefühl des Vertrauens ist situationsabhängig. Ein besonders deutliches Beispiel ist der Reiter, der seinem Pferd daheim völlig vertraut, doch in einer anderen Umgebung – wie in einem Showpen – kommt das Vertrauen plötzlich abhanden. Das Vertrauen kann auch in gewohnter Umgebung unterschiedlich sein, abhängig davon, wie ein Reiter eine ungewohnte Situation bewältigt. Für manche Turnierreiter kann das Beobachten der Ritte der Konkurrenten verschiedene Auswirkungen – positive oder auch negative – auf ihr Selbstvertrauen haben. Wenn viele der Konkurrenten einen hohen Score erreichen, kann es sein, dass man sich denkt „das kann ich auch schaffen“ oder es kann auch demotivierend sein. Eine Meinung, die man oft zu hören bekommt ist, dass „Gewinnen das Selbstvertrauen stärkt“; viele Beispiele in verschiedenen Sportarten bestätigen dies. Doch heißt das, dass nur das Siegen die einzige Möglichkeit ist, Selbstvertrauen zu gewinnen? Glücklicherweise lautet die Antwort „nein“. Vertrauen ist kein Charakterzug, sondern eine Wahlmöglichkeit. Was kann also ein Reiter machen, um sein Selbstvertrauen zu verbessern? Die nachfolgenden Vorschläge helfen dir, die richtige Wahl zu treffen, um mehr Vertrauen zu bekommen. Man braucht Disziplin und einen guten Willen, um dies zu erreichen – aber es ist zu schaffen.

 

 

 

Bild 2: Jeder Turnierteilnehmer möchte, dass sein Ritt perfekt wird. Doch sollte man sich realistische Ziele setzen, um Erfolg zu haben und dadurch das Selbstvertrauen stärken.

 

 

 

Die 10 Schritte

1. Mache einen Vorbereitungsplan

Eine solide Vorbereitung ist der beste Weg, um das Vertrauen zu erhöhen. Vorbereitung in jeder athletischen Sportart erfordert diszipliniertes Training. Im Pferdesport bedeutet dies Training in allen Teilbereichen des Bewerbes, um auf alle möglichen Situationen vorbereitet zu sein. Wenn man weiß, dass man genug Zeit damit verbracht hat, alle Manöver ausreichend zu trainieren, hat man auch mehr Selbstvertrauen, wenn man in den Bewerb reitet. Wenn du die Fähigkeiten deines Pferdes perfekt trainiert hast, wird dein Ritt auch in Stress-Situationen wie bei einem Turnier erfolgreich sein. Besonders Manöver, die übermäßig oft trainiert wurden, geben dem Reiter entsprechendes Vertrauen, diese korrekt präsentieren zu können. Wenn ein Reiter beispielsweise für Sliding Stopps mehr Selbstvertrauen benötigt, würde er gerne dieses Manöver mehr als 50 Mal trainieren. – Doch dies ist wohl mit ein und demselben Pferd kaum möglich. Daher ist es besonders wichtig, dieses Manöver anstatt durch oftmaliges Wiederholen mit besonderer Konzentration zu trainieren.

Forderst du dein Pferd auf, sich beim Training zu bemühen, solltest du selbst auch mental für ein intensives Training bereit sein. Arbeite beim täglichen Training mit Selbstdisziplin.

2. Positive Selbstbestätigung

Das Selbstvertrauen schwankt oft aus verschiedenen Gründen. Möglicherweise hast du eine neue Herausforderung vor dir, wie z.B. nach einem Misserfolg wieder in den Show Pen zu gehen oder zu versuchen, die schlechten Performance-Ergebnisse zu verbessern. In diesem Fall könnte es sein, dass eine Stimme in deinem Unterbewusstsein dich verunsichert. Und so beginnst du dich selbst zu fragen: „Ich bin schon lange nicht mehr bei einem Turnier gestartet. Werde ich es überhaupt schaffen, eine gute Leistung zu bringen?“ „Ich habe schon lange keine Preisgelder mehr gewonnen, habe ich überhaupt noch das Können dafür?“ „Dies ist das erste Pferd, mit dem ich trainiert habe. Werde ich bei der Show mit ihm überhaupt eine Chance haben?“ Diese Stimme des Unterbewusstseins kann durchaus negativen Einfluss auf dich haben und erinnert dich an jeden Fehler, der dir in der Vergangenheit unterlaufen ist und was in Zukunft schief laufen könnte. Diese Stimme kann immer wieder kommen und an deinem Selbstbewusstsein rütteln.

 

 

 

Bild 3: Jeder Turnierteilnehmer möchte perfekt reiten. Doch wenn man sich unrealistische Erwartungen setzt, kann dies das Vertrauen in sich selbst zerstören und macht es schwerer, Erfolg zu haben.

 

 

 

Bild 4: Wenn man in die Arena einreitet, sollte man die Gedanken an frühere Fehler draußen lassen.

 

 

 

Hat man einmal negative Gedanken und es kommt diese Stimme des Unterbewusstseins hinzu, kann diese in einem inneren Monolog weitergehen, was sehr destruktiv sein kann. Wenn man dies zu sehr beachtet, kann dies zum Verlust des Selbstwertgefühls führen. Man stellt seine Fähigkeiten in Frage.

Der Schlüssel ist, gegen diese negative Stimme und die negativen Gedanken anzukämpfen und sich positiv eingestellt dem Training und der Aufgabe zu stellen. Wenn deine innere Stimme sagt „Ich bin schon lange nicht mehr bei einem Turnier gestartet.  Werde ich es überhaupt schaffen, eine gute Leistung zu bringen?“, dann solltest du mental antworten: „Ich bin zwar schon länger nicht mehr bei einem Turnier gestartet, doch ich weiß, dass ich es schaffen kann. Ich bin ein guter Reiter.“ Antworte der Stimme auf die Frage „Ich habe schon lange keine Preisgelder mehr gewonnen, hab ich überhaupt noch das Können dafür?“ einfach so: „Trotzdem habe ich gute Chancen, erfolgreich zu sein. Ich bin ein großartiger Wettkämpfer.“ Und wenn die Stimme sagt: „Dies ist das erste Pferd, mit dem ich trainiert habe. Werde ich bei der Show mit ihm überhaupt eine Chance haben?“, dann antworte: „Ich bin ein großartiger Trainer und ich kann auch ein großartiger Wettkämpfer sein.“ Achte darauf, positive Formulierungen zu verwenden, um der Stimme des Unterbewusstseins jederzeit zu widersprechen.

3. Wähle den Optimismus

Forscher, die sich mit den Begriffen Optimismus und Pessimismus beschäftigten, haben herausgefunden, dass optimistisch denkende Menschen mehr mit ihrem Talent erreichen können. Eine der Möglichkeiten, festzustellen, ob jemand optimistisch oder pessimistisch eingestellt ist, ist, wie er seine Chance bei einem Event einschätzt. Pessimisten sehen ihre Fehler in jedem Teil eines Bewerbes. Auch Optimisten machen die gleichen Fehler, doch sie sehen diese anders – nämlich als kurzfristigen Rückschlag.

In nachfolgendem Beispiel ist beiden Reitern der erste Stopp misslungen. Der Pessimist sagt: „Ich werde es nicht schaffen, meinen ersten Stopp in einer Reining korrekt zu reiten.“ Der Optimist sagt:“Heute ist mir mein erster Stopp nicht gut gelungen.“ Wenn diese beiden Reiter in einem Cutting-Bewerb die Kuh verlieren, sagt der Pessimist: „Ich bin bei der Kuh immer zu spät dran.“ Der Optimist sagt: „Oh, bei der ersten Kuh war ich einfach zu spät an der rechten Seite.“ Der Pessimist gibt sich selbst keine Chance, sein Selbstvertrauen zu verbessern, denn er sieht überall ein Problem. Der Optimist hat auch seine Rückschläge, doch er sucht sich die Möglichkeiten, es nächstes Mal besser zu machen, und sieht seine Niederlage als Momentaufnahme. Du solltest also ein Optimist sein!

4. Setze dir realistische Erwartungen

Reiter mit Selbstbewusstsein werden erfolgreich sein, doch wenn sie sich zu hohe Erwartungen setzen, wird es für sie schwierig sein, Erfolg zu haben. Erinnere dich, dass man nicht siegen muss, um sein Selbstbewusstsein zu steigern, doch man sollte dieses gute Gefühl kennen. Erfolg könnte ein Stopp ohne Penalty oder das Halten einer Kuh beim Cutting bedeuten – nicht unbedingt den Sieg in diesem Event! Um dein Selbstvertrauen zu bilden und Erfolg zu haben, solltest du deine Erwartungen so setzen, dass sie deinem Können entsprechen.

5. Versuche nicht, perfekt zu sein

Jeder Reiter versucht, einen perfekten Run zu machen. Doch Perfektionisten machen sich meist selbst schlecht und haben Probleme mit ihrem Selbstvertrauen. Wenn du erwartest, dass du und dein Pferd immer perfekt sind, bist du eher frustriert und entmutigt, wenn es einmal nicht der Fall ist. Vergiss Perfektion, versuche einfach gute Leistungen zu bringen.

6. Fehler dürfen passieren

Fehler gibt es in jeder Sportart; beim Reitsport ist es nicht anders. Ob es ein Fehler in der verlangten Gangart, ein misslungener Stopp, das Verlieren einer Kuh beim Cutting oder das Verreiten im Parcours ist, solche Fehler können passieren. Sicherlich können solche Fehler Punkte kosten und dich aus den Preisgeldrängen in diesem speziellen Bewerb werfen. Doch der gravierendere Aspekt ist, dass das Selbstbewusstsein des Reiters dadurch kleiner wird und das auch noch lange, nachdem dieser Fehler passiert ist. Manche Reiter denken noch Jahre danach an diesen Fehler. Sie befürchten auch bei kommenden Starts, dass es wieder zu diesem Fehler kommen könnte. Man sollte bedenken, dass man eigentlich aus Fehlern lernen kann. Wenn man weiß, wie man mit Fehlern umgehen soll, dann kann man entsprechend reagieren, wenn sie passieren, was wiederum dazu führt, dass man mehr Selbstbewusstsein bekommt. Lerne aus den Fehlern, lerne jedoch auch, diese zuzulassen.

7. Richtig mit Emotionen umgehen

Positive Emotionen geben ein gutes Gefühl bei dem, was wir tun. Sich gut zu fühlen, stärkt wiederum das Selbstvertrauen. Wenn wir uns bei etwas, was wir tun, gut fühlen, haben wir auch Vertrauen in das, was wir tun. Nütze positive Emotionen wie Glücksgefühl, Freude und Aufregung, um dein Selbstvertrauen zu steigern.

 

 

 

Bild 5: Durch das Nützen positiver Emotionen, können Reiter bei der Show ihre Chancen auf Erfolg vergrößern.

Bild 6: Schlechtes Wetter oder andere unangenehme Situationen müssen nicht unbedingt ein schlechtes Abschneiden in einem Bewerb bedeuten.

 

 

 

8. Übe unvorhergesehene Situationen

Bei einem Turnier zu starten, kann einen Reiter mit manchen unvorhergesehenen Situationen konfrontieren. Die Reiter und Pferde müssen mit unangenehmen Dingen wie schlechtem Wetter, Verletzungen, schwierigen Patterns oder schwierigen Kälbern klar kommen. Wenn man lernt, mit all diesen Situationen zurechtzukommen und seine positive Einstellung zu wahren, dann steigert dies das Selbstbewusstsein. Schaffe beim Training solche unangenehmen Situationen. Das kann das Arbeiten mit einer schwierigen Kuh sein, die dich und dein Pferd testen will. Bringe Störfaktoren in die Arena, damit du dein Pferd und dich selbst daran gewöhnen kannst, trotzdem ein korrektes Reiningpattern zu zeigen. Stelle dich mit deinem Pferd so vielen verschiedenen physischen und mentalen Herausforderungen wie nur möglich. Je härter du im Nehmen beim Training daheim bist, desto besser wirst du deinen Turnierstart bewältigen können und desto mehr Selbstvertrauen wirst du haben, um die verschiedenen Situationen zu bewältigen.

9. Frage nach Feedback

Wenn du erfolgreich reitest, wird das Feedback, das du von Mitbewerbern und Freunden bekommst, durchaus positiv sein. Hast du jedoch zu kämpfen, wirst du von diesen Leuten gute Ratschläge bekommen, damit deine Performance besser wird. Egal, ob ein Kommentar von einem Freund kommt, der es gut meint, oder vom Ehepartner oder einem Trainer, manchmal wird diese Kritik nervend sein und von dir nicht als konstruktive Kritik gesehen werden. Nimmst du dies zu persönlich, wird dies dein Selbstverständnis und dein Selbstwertgefühl vermindern. Lerne, jeden Kommentar über deinen Ritt zu akzeptieren, und nimm dir Zeit, diese Kommentare zu beurteilen. Wenn du auch selbst deinen Ritt kritisch siehst, vermeide Überreaktionen. Sei offen für Kritik und versuche daraus zu lernen, ohne dies persönlich zu sehen.

10. Finde einen Lehrer

Es gibt viele Beispiele in der Welt des Sports, in denen ein Mensch andere inspiriert hat, großartige Leistungen zu erbringen. Unterschätze daher nicht die Notwendigkeit von inspirierenden Menschen in deiner Umgebung. Menschen sind soziale Geschöpfe und reagieren auf die Energie, die von anderen Menschen ausgeht. Ist dies eine positive Energie, so liefert uns dies Freude und steigert unser Selbstvertrauen. Besonders bemerkenswert bei Performance-Pferden ist, egal ob es sich um Cutting, Reining oder Cow Horses handelt, die Anzahl von großartigen Pferden, die vielen ihrer Reiter und Trainern Selbstvertrauen gegeben haben. So wie ein großartiger Coach Athleten inspirieren kann, einen höheren Level zu erreichen, denken viele Reiter im Hinblick ihrer Karriere daran, dass ihnen ein Pferd die Inspiration und das Selbstvertrauen gegeben hat, eine höhere Level zu erreichen. Diese Pferde sind nicht nur außergewöhnliche Athleten, sondern auch unsere besten Lehrer.