Jubiläumsritt von der Wild
Mountain Ranch in die Westernstadt Pullman City!
17.-23. Mai 2010
Zum 10.
Mal reitet der Wanderreiter Tober Gust mit einer Gruppe begeisterter Reiter von
seiner Ranch in die legendäre Westernstadt Pullman City in Bayern. Fünf
Tagesritte mit einer Strecke von 200 km sind zu bewältigen.
Trotz
miserabler Wettervorhersagen treffen sich die acht Reiter frohen Mutes am 17.
Mai auf der Wild Mountain Ranch. Der nachmittägliche Proberitt verläuft
gemütlich. Nach einem deftigen Abendessen startet der offizielle Teil des
Wanderrittes mit einer Reitbesprechung für die kommenden Tage. Die Taschen
werden gepackt, die letzten Vorbereitungen getroffen, denn am nächsten Tag soll
es früh losgehen.
Beim
Aufstehen schaut das Wetter viel versprechend aus. Sogar ein Stück blauer Himmel
und ein wenig Sonne blinzeln zwischen den Wolken hervor. Wir starten planmäßig
um 8:15 Uhr in Richtung Weitersfelden – St. Oswald.
Doch
schon nach kurzer Zeit beginnt es sich einzutrüben. Nach einer Stunde veranlasst
uns heftiger Regen, schleunigst sämtliches Regenzeug herauszusuchen und
anzuziehen. Die Pferde sind unruhig, die Sättel werden nass. Es ist nicht
einfach, sich in voller Montur bei starkem Wind und mit noch wenig Routine die
Regenhosen über Schuhe und Hosen zu ziehen. Gleichzeitig soll man die Pferde
davon abzuhalten, sich selbständig zu machen. Dann soll man sich so schnell wie
möglich wieder in den Sattel schwingen, bevor dieser völlig durchnässt ist.
Gute
drei Stunden reiten wir durch peitschenden, strömenden Regen bei nur vier Grad.
Wir sehnen uns nach einer trockenen Pause und heißem Tee. In Anbetracht der
Wetterprognosen und der Tatsache, dass dies erst der Anfang unseres Rittes ist,
sind wir einigermaßen kleinlaut und ein wenig mutlos.
Bei der
Reiterherberge Greindl in Unter-Marreith werden wir sehr herzlich zum
Mittagessen empfangen. Die Pferde kommen in Boxen und können genug Heu fressen.
Wir werden professionell trockengelegt. Lisi bringt uns trockene Schuhe und
einiges zum Wechseln. Das Reiterstüberl ist warm begeheizt. Nach einem
ordentlichen Mittagessen und einem Schnapserl
steigt unsere Moral wieder.
Auch
der Wettergott ist uns hold. Der Nachmittag verläuft ziemlich trocken, auch der
Wind legt sich.
Als wir
am Reiterhof Stöglehner in Rainbach ankommen, geht’s uns schon wieder gut. Wir
sind froh, die erste Etappe hinter uns gebracht zu haben. Nach dem Abendessen
sitzen wir gemütlich am offenen Kamin und trocknen unsere nassen Sachen.
Lediglich die Tatsache, dass am nächsten Tag zu Mittag ein Picknick im Freien
geplant ist, lässt uns vor dem Schlafengehen inbrünstig zum Wettergott beten.
Unser
Abendgebet wird erhört. Zu Mittag ist es bereits teilweise sonnig und angenehm.
Am Sternstein machen wir Rast und gönnen unserem Hinterteil ein wenig Ruhe.
Immer wieder tauchen im Wald riesige Windräder auf. Ihre Flügel drehen sich
unablässig und erzeugen oft beängstigende Geräusche. Am Nachmittag beginnt es
wieder einzutrüben, aber es gelingt uns, noch vor dem nächsten Regenguss das
Ziel dieser Tagesetappe in Afiesl zu erreichen. Unsere Gastgeberin, Rosi vom
Lenznhof, verwöhnt uns mit gebackenen Knödeln, einer echten Delikatesse!
Die
nächste Etappe führt uns durch ein bewaldetes Gebiet entlang der Staatsgrenze zu
Tschechien. Wir reiten vorbei an teilweise verfallenen Gehöften und Mühlen.
Dunst und Nebelschwaden in dieser sehr urtümlichen Umgebung erzeugen eine fast
mystische Stimmung. Die Pferde haben inzwischen ihren Rhythmus gefunden. Ihr
stetiger, flotter Schritt lässt uns meditativ in Gedanken schweifen. Wir
genießen es, uns nicht nur körperlich, sondern auch geistig immer weiter von
Alltagsorgen und Mühen zu entfernen. Wir begegnen keiner Menschenseele und
genießen ein Gefühl des Allein- und Eins-seins mit unseren Pferden.
Kurz
vor dem Ende der heutigen Etappe in Vorder-Nebelberg treffen wir unsere
Begleitkutsche, die einen anderen Weg bisher genommen hat, und begrüßen sie mit
freudigem Hallo. Wir sind froh, dass wir einen großen Teil unseres Gepäcks auf
die Kutsche verladen können.
Der
vierte Tag führt uns bei Wegscheid über die Grenze nach Bayern. Wir wissen, dass
dies unsere längste Etappe sein wird. Ehrgeizig machen wir uns mit einem flotten
Schritt auf den Weg. Den ganzen Vormittag über begleiten uns abwechselnd Sonne
und Wolken. Doch als wir uns am Nachmittag frohgemut nach einem herrlichen
Grillhenderl wieder auf den Weg machen, nieselt es doch wieder etwas
ungemütlich. Aber nach soviel Abwechslung kann uns nichts mehr erschüttern.
Am
späten Nachmittag erreichen wir Tannöd bei Büchlberg. Einen gemütlichen Abend
mit Musik und Gesang lassen wir erst zur Mitternachtsstunde ausklingen.
Am
letzten Reittag begleiten uns noch zwei befreundete Reiter aus Büchlberg auf
unserem Weg in die Westernstadt. Jetzt trennen uns nur mehr rund 30 läppische
Kilometer von unserem großen Ziel! Einmal noch ein steiler Aufstieg, den unsere
mittlerweile geländeerprobten Pferde spielend meistern. Es ist mittlerweile warm
geworden, die Pferde schwitzen entsprechend, aber eine kurze Graspause bringt
sie rasch wieder auf Touren.
Stolz
und glücklich erreichen zehn Reiter und eine Kutsche am frühen Nachmittag die
Westernstadt Pullman City! Nach den gemeinsam gemeisterten Strapazen kommen bei
vielen Emotionen hoch. – Wir fallen einander um den Hals.
Bei der
History-Show am späten Nachmittag sind wir der krönende Abschluss. Die Zuschauer
applaudieren uns, als wir als tapfere Wanderreiter aus dem Mühlviertel
angekündigt werden. 200 km haben unsere tüchtigen Pferde mit uns bewältigt. Sie
spüren unsere freudig stolze Aufregung und präsentieren sich tänzelnd dem
Publikum. Laut juchzend galoppieren wir durch die Mainstreet. – Wir haben einen
tollen Ritt geschafft, an den wir uns noch lange erinnern werden.
Vielen
Dank, lieber Gust, für diese besondere Woche!
Ursula Haimerl