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Trainingsratschläge, Strategien und Tipps von Top-Trainern

„Whoa-Back“-Übungen für geschmeidiges Reiten

 

Text: Sandy Collier und Jennifer Forsberg-Meyer

Fotos: Darrell Dodds

Übersetzung: Sonja Grünauer

 

Wende diese einfache Übung von World Champion-Trainerin Sandy Collier an, um die Reaktion deines Pferdes auf die direkte Zügelhilfe zu verbessern und sein Stopps zu perfektionieren.

 

 

Bild 1: Direkt vom Stopp ins Rückwärtsrichten überzugehen fördert, bei deinem Pferd die Reaktion auf leichten Zügeldruck und fordert es auf, seine Hinterhand zu aktivieren. Diese Fähigkeiten sind für geschmeidige Bewegungen in allen Disziplinen gefordert.

 

 

Nachdem du gelernt hast, korrekte Zirkel zu galoppieren um dein Pferd aufzufordern, auf dich zu achten und es zwischen den Zügeln zu halten, kann man zu dieser Übung weitergehen – die „Whoa-Back“ genannt wird – um dem Pferd beizubringen, sich zu entspannen, seinen Rücken rund zu machen und seine Hinterhand zu aktivieren.

„Entspannter Gesichtsausdruck“ des Pferdes ist ein häufig angewendeter Begriff in der Reiterei – ein anderer Ausdruck für „nicht auf’s Bit lehnen“. Er bedeutet einfach ausgedrückt, dass das Pferd auf die leichtesten Zügelhilfen entspannt und schnell reagiert. Hat dein Pferd einen entspannten Gesichtsausdruck, ist es aufmerksam auf deine Hilfengebung und wartet auf das nächste Kommando. Somit muss man nur leicht den Zügel anheben, um dem Pferd das nächste Kommando zu übermitteln. Dies ist einer der Schlüsselpunkte, um ein Pferd rittig zu halten. Das Pferd macht automatisch den Rücken rund, während es mit der Hinterhand vermehrt untertritt. Die „Whoa-Back“-Übung – bei der du dein Pferd stoppst und sofort danach rückwärts gehen lässt – fördert all diese Eigenschaften, die für die Geschmeidigkeit in den Bewerben erwartet wird. Zusätzlich fördert diese Übung die Qualität der Stopps, ohne diese übermäßig üben zu müssen.

1. Nach dem Aufwärmen des Pferdes galoppiere es auf einer geraden Linie und reite es „ans Gebiss heran“, indem du mit beiden Beinen Druck ausübst und einen leichten Kontakt mit den Zügeln am Pferdemaul hältst. Dann forderst du dein Pferd zum Stoppen auf, indem du dich tief in den Sattel setzt (ohne dabei deinen Oberkörper zu weit nach hinten und deine Beine zu weit nach vor zu nehmen) und deine Hände an den Zügeln schließt – mit dem gleichzeitigen Stimmkommando „whoa“. Reagiert dein Pferd nicht korrekt auf die Hilfen, so wie das Pferd auf  dem großen Bild, wird es in den Stopp hineinlaufen. Oder es reißt seinen Kopf in die Höhe (siehe kleines Bild), während es stoppt. Die Lösung dieser beiden Probleme ist, dem Pferd beizubringen, entspannt zu stoppen – und dies ist der Grund dieser Übung.

2. Nachdem dein Pferd vollständig gestoppt hat, bleib tief im Sattel sitzen und fordere es zum Rückwärtsgehen auf. Mache dies nicht einfach nur mit Ziehen an den Zügeln, denn dies fördert nur den Widerstand des Pferdes. Stattdessen bilde mit deinen Händen eine Art Schranken, indem du sie sanft und dennoch konsequent mit leichtem Druck am Maul des Pferdes hältst. Gleichzeitig übst du sanften Druck mit den Schenkeln ans Pferd aus, um eine Reaktion auszulösen. Das Pferd tendiert zum Vorwärtsgehen, doch der Schranken verhindert dies – das Pferd sollte dann stattdessen rückwärts gehen. Übe anfangs nur sanften Schenkeldruck aus, damit das Pferd die Möglichkeit bekommt, auf dein Kommando zu reagieren. Dann verstärkst du den Schenkeldruck (ohne den Druck am Zügel zu erhöhen), bis das Pferd richtig reagiert. Auf dem oberen Foto widersetzt sich das Pferd der Aufforderung zum Rückwärtsgehen, indem es seinen Kopf hoch nimmt, sich gegen die Zügelhilfen wehrt und sein Gewicht nicht auf die Hinterhand verlagert. Mein Lösungsvorschlag wäre, den Zügelkontakt aufrecht zu erhalten und den Schenkeldruck solange einzusetzen bis…

3. …das Pferd sich entspannt und auf die Hilfengebung reagiert, indem es sein Hinterhand tiefer nimmt und gerade rückwärts geht. Beachte, wie das Pferd auf dem unteren Foto seinen Rücken rund macht – im Gegensatz zum oberen Foto. Richte das Pferd für drei oder vier Tritte rückwärts, bis du das Gefühl hast, dass es willig mit wenig Zügeldruck rückwärts tritt. Dann lass mit deinen Hilfen nach und erlaube ihm zu stoppen mit dem Kommando „whoa“. Nachdem das Pferd gestoppt hat, nimmst du wieder kurz die Zügel hoch und erhöhst wieder den Schenkeldruck, damit das Pferd das Back-up fortsetzt. Nach einigen Tritten rückwärts fordere das Pferd auf, korrekt vorwärts anzugaloppieren. Wende das Kommando „whoa“ auch dann an, wenn du beim Rückwärts-Gehen stoppst. Dadurch lernt dein Pferd immer in korrekter Position zu stoppen, sobald es das Kommando hört. Achte darauf, deine Zügel immer in der gleichen Weise aufzunehmen, damit das Pferd die gleichbleibende Zügelhilfe richtig verstehen kann.

4. Nach dem Galoppieren und dem darauffolgenden Stopp, fordere ich mein Pferd wieder auf, rückwärts zu gehen. Mein Pferd folgt meiner Aufforderung willig, ohne dass für den Zuschauer eine Zügelhilfe zu sehen ist. Achte darauf, dass deine Zügel- und Schenkelhilfen auf beiden Seiten mit dem gleichen Druck erfolgen, damit es dein Pferd leichter hat, beim Back-up gerade zu bleiben. Wenn das Pferd mit seiner Hinterhand vermehrt nach rechts geht, dann nimm deinen rechten Schenkel etwas weiter nach hinten und drücke damit etwas energischer ans Pferd, damit es sich wieder gerade richtet.

5. Im Laufe der Zeit und durch regelmäßiges Wiederholen dieser Back-up-Übung wird dein Pferd seine Stopps verbessern, so wie du es hier bei meinem Pferd siehst. Beachte, wie sich die Körperhaltung des Pferdes im Vergleich zu den anderen Fotos positiv verändert hat. Dies erklärt, dass gute Rückwärts-Hilfen zu guten Stopps führen genauso wie die verbesserte Reaktion deines Pferdes auf deine Hilfen.

Wie profitierst du am besten von dieser Übung?

„Dein Pferd sollte bereits eine Basisausbildung haben und Neck-Rein-Pressure kennen, in den Gangarten vorwärts geritten werden und dem Schenkel weichen können. Bleibe ruhig und entspannt bei den Übungen und sei geduldig. Gib deinem Pferd die Möglichkeit, das neu Gelernte mental zu verarbeiten und zu verstehen.  Achte darauf, die Übungen in beide Richtungen zu machen. Wichtig ist, dass du auf einem Platz mit gutem Boden trainierst.

 

Sandy Collier, die einzige Frau, die die National Reined Cow Horse Association Snaffle Bit Futurity gewinnen konnte, trainiert Reining- und Cow Horse-Pferde auf ihrer Ranch in Buellton, Kalifornien. Sie ist bei Clinics sehr gefragt und hat zwei bekannte Videos produziert: „Sandy Collier’s Magic Bag of Tricks“ und „More Tricks“.