Impressionen einer Sightseeing-Tour durch den Wilden Westen der USA
Teil
X
Fotos: Gerda Langer
Text:
Heinz Langer
Am
Morgen des 21. September 2008 beladen wir in Deadwood wieder unser „Packpferd“,
sprich: Leihauto, und setzen unsere Reise über Sturgis und Rapid City in
Richtung Badlands fort.
Nach
endlos scheinender Fahrt durch wellige Präriegegenden, begleitet von großen
Herden nordamerikanischer Antilopen, den gabelförmig gehörnten Pronghorns,
einzelner Rinder- und Pferdeherden sowie unzähliger Präriehunde erreichen wir
schließlich den durch zahlreiche Werbeschilder angekündigten Wall Drug Store,
der sich als kurioses, straßenblockgroßes Shopping-Imperium entpuppt,
einzelstehend mitten in der sonst fast unbewohnten Prärie. Es ist eine riesige
Mischung aus vollklimatisierten Restaurants, Galerien, Geschäften mit
Verkaufsschlagern, wie Gold aus den Black Hills, aller Art von Westernkleidung,
Cowboystiefeln, Sattelartikeln, indianischen Töpferwaren, Waffen und anderen
Lakota-Artefakten. Es gibt hier nichts, was es an Touristenattraktionen nicht zu
kaufen gibt, und dementsprechend ist auch der Besucherandrang. – Ein typisch
amerikanisches Phänomen, wie etwa das einzeln stehende Opernhaus, mitten in der
Wüste von Nevada, auf das wir auf einer anderen US-Reise stießen!
Wir
genießen die Western-Atmosphäre, kaufen ein und fahren weiter.
Endlich nähern wir uns dem Badlands National Park, dessen beeindruckende, öde
Landschaften aus Kevin Kostners oscarprämierten Filmhit „Der mit dem Wolf tanzt“
vielen Kinobesuchern und Fernsehern bekannt sein dürften. Noch heute wird dieses
Land zwischen Cheyenne und White River, das sich wie eine gezackte Insel aus den
Prärien erhebt, als „schlechtes Land“ bezeichnet. So wie es die französischen
Pelzjäger auf ihrem Weg zu den Bibergründen des Westens „les mauvaises terres“
nannten und die Indianer „mako sica“.
Doch
wir sehen die Badlands als Wunderland aus erodierten Hügeln aus Vulkanasche und
Sedimentablagerungen, mit rötlichbraunen und hellen Bändern, aus dem
Gewittergüsse und kontinuierliche Winde scharfe Kanten, spitze Türmchen und
Zinnen geschaffen haben, in dem sich enge Canyons urplötzlich in ausgedehnte,
flache Areale mit Präriegras öffnen. – Ein Paradies für Landschaftsfotografen.
Diese
kargen Grasflächen – angeblich nur im kurzen Frühjahr saftig, sonst ausgedörrt –
sind Fragmente des riesigen Prärielandes, das den Großteil der westlichen
Prärien bis zu den Rocky Mountains bedeckte und auf dem 60 Millionen Bisons
lebten. Rund 500 dieser mächtigen Tiere – „Tatanka“ in der Sprache der
Lakota-Indianer (bei uns Sioux genannt) – grasen im Park. Präriehunde legen ihre
unterirdischen Kolonien gern auf den Weidegründen der Bisons an, weil diese das
Land frei von Buschwerk halten, umgekehrt sprießen auf den Erdaushüben der
Präriehundekolonien stets frische Gräser.
Den
North Unit, den nördlichen und schönsten Teil des Nationalparks, durchquert die
45 Kilometer lange Badlands Loop Road. Mondähnlich, ja außerirdisch wie keine
andere Landschaft, erscheint uns das karge Hügelland. Der Charakter des Badlands
National Parks präsentiert sich an jedem der neun Aussichtspunkte entlang der
Route vollkommen anders. Direkt hinter dem Parkeingang bietet der Big Badlands
Overlook ein brillantes Panorama der bunt gestreiften Hügel, lässt den Blick
über die zivilisationslose Szenerie gleiten, die scheinbar unbeschadet die Jahre
überdauert hat.
An
sonnigen Tagen, wie bei unserem Besuch, bei dem die Sonne vom blauen Himmel
strahlt, schwelgt das ganze Land besonders am frühen Morgen oder spät am
Nachmittag in den schönsten Erdfarben von Weiß (Vulkanasche) über Beige und Grau
(Sand und Kies) bis hin zu Rot und Orange (Eisenoxyd). Wie zur Einführung
geleitet uns der Door Trail durch die „Tür“ einer Felswand mitten hinein in die
wild erodierten Badlands.
Einen
ähnlichen Eindruck vermittelt nur wenige Meter weiter auch der kurze Window
Trail, der zu einem natürlichen Fenster in der Felswand mit hervorragendem Blick
auf die ausgewaschenen Canyons führt. Dagegen besitzt der 800 Meter lange Cliff
Shelf Nature Trail einen völlig anderen Charakter. Er durchschreitet eine
kleine, bewaldete Prärieoase, die erfolgreich der ausgedörrten Prärie trotzt.
Angenehme Abkühlung in der Mittagshitze bringt ein Besuch im nahe gelegenen Ben
Reifel Visitor Center, das mit naturwissenschaftlichen Ausstellungen und
audiovisuellen Programmen die Geologie des Parks erläutert. Die ausgestellten
Fossilien stammen von den tollen Fundstellen im Park. Vor etwa 35 bis 23
Millionen Jahren existierte hier statt der lebenswidrigen Badlands ein
subtropisches Marschland, in dem u.a. Säbelzahntiger und Riesennashörner lebten.
Hinter dem Pinnacles Overlook bietet sich ein kurzer Abstecher zur Roberts
Prairie Dog Town. Die putzigen Präriehunde lassen sich hier vom Wegrand aus
bestens beobachten.
Danach verlassen wir den Park, um durch die grasige Einsamkeit des Buffalo Gap
National Grassland nach Wall zurückzukehren. Zu Recht hat der winzige Ort mit
dem riesigen Einkaufszentrum seinen Namen von den südlich gelegenen Badlands,
die wie ein rauer Festungswall aufragen.
Wir
passieren noch einmal die mit 60.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt South Dakotas,
versäumen es aber nicht, das interessante Journey Museum kurz zu besuchen.
Abgesehen von geologischen Ausstellungen, beschäftigen sich hier historische
Ausstellungen mit den frühen Jägern und Sammlern, die am Ende der letzten
Eiszeit in den Black Hills ihre Nahrung fanden. Man berichtet auch von den
Goldsuchern und Siedlern, die das indianische Territorium überrannten, um ihre
Claims und ihr Farmland abzustecken, und damit die Indianerkriege am Little
Bighorn River und das Massaker am Wounded Knee hervorriefen.
Das
Museum erläutert auch die Kultur der Prärieindianer, insbesondere der
Lakota-Sioux. Für diesen westlichen Stamm waren die heiligen Black Hills das
„Zentrum des Universums“.
Nun
ist es nicht mehr weit nach Keystone, der kleinen Touristenstadt im Herzen der
Black Hills, wo wir unser nächstes Hotel suchen werden. Die Stadt hat mit ihren
Geschäften an malerischen Straßen, mit einer historischen Dampfeisenbahn, einer
Goldmine, der Rushmore Cave und nicht zuletzt dem Mount Rushmore einiges zu
bieten, über das ich in der nächsten WN-Ausgabe berichten möchte.