Mark Rashid
Wird es funktionieren? Oder: Warum wir heute keine Problempferde mehr haben!
Es ist seltsam, was einem so alles durch den Kopf geht, wenn man die Tür zu
einem Teil seines Lebens hinter sich schließt und sich fertig macht, durch eine
neue Tür zu gehen. Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich den Berg an
Sattelzeug betrachtete, der auf dem Boden des
110
Jahre alten Stalls aufgehäuft lag, der so lange mein Büro und mein Heim
außerhalb meines Zuhauses gewesen war. Seit einer Stunde ging ich im Stall umher
und sammelte alles ein, was mir gehörte. Stück für Stück hatte ich da
weggenommen, wo es jahrelang seinen Platz gehabt hatte
und es auf den
Haufen neben der Tür gelegt. Bald würde ich
alles in meinen Pickup laden und damit
wegfahren.
Der Haufen bestand aus dem Werkzeug für meinen Beruf: Sättel und Sattelpads,
Halfter, Führstricke, Zäume, Lederzügel, ein paar lange Zügel für das Fahren vom
Boden aus, meinen Reitmantel, Chaps, Handschuhe, Beschlag- und Lederwerkzeug,
Lassos und Baumwollstricke in allen Größen und Längen. Ich legte den letzten
Führstrick über einen meiner Sättel, trat einen Schritt zurück und betrachtete
kopfschüttelnd den Stapel - kopfschüttelnd, weil ich selbst kaum fassen konnte,
was sich ereignet hatte.
Über acht Jahre lang hatte ich in der einen oder anderen Funktion auf dieser
Gäste-Ranch gearbeitet. Angefangen hatte ich als eine Art Sicherheitsberater und
war dann Vollzeitausbilder geworden. Ein Jahr später wurde ich zum Vormann
befördert, und wieder ein Jahr später war ich mit meiner Familie vom Stadtrand
in ein Haus auf dem Ranchgelände gezogen. Wir hatten etwas über vier Jahre auf
der Ranch gelebt, aber damit war nun ganz plötzlich Schluss. Am Tag nach dem
Saisonende wurde ich vor die neuen Besitzer zitiert und prompt gefeuert. Die
neuen Besitzer – strenggläubige Christen – erklärten mir, ihrer Ansicht nach
hätte ich an den christlichen Aktivitäten, die sie den Sommer über für
Angestellte und Gäste angeboten hatten, nicht genügend teilgenommen. Auch wenn
ich ein, wie sie es nannten, erstklassiges Pferdeprogramm für sie aufgestellt
hätte, könnte ich nicht länger zur „Familie“ gehören. Wir hatten sechzig Tage
Zeit, die Ranch zu verlassen.
Als ich noch einmal durch den Stall ging und mich vergewisserte, dass ich alles
beisammen hatte, wanderten meine Gedanken zu den allerersten Tagen hier zurück.
Der damalige Besitzer hatte mich angestellt, um die Ranchpferde und das
Reitprogramm auf Vordermann zu bringen. Es hatte einige Unfälle mit den Pferden
gegeben, deshalb wollte er mehr Sicherheit im Programm und dabei gleichzeitig
insgesamt mehr Qualität in seinem Angebot für die Gäste. Der Besitzer wusste,
dass ich vorher auf einigen anderen Ranchs für das Reitprogramm verantwortlich
gewesen war und die Pferde dort zuverlässiger für die Gäste geworden waren. Die
Sicherheit hatte sich dort derart verbessert, dass praktisch keine Unfälle mehr
vorgekommen waren. Das war die Art Programm, die ihm vorschwebte, und er hoffte,
dass ich ihm dabei helfen konnte.
Der größte Aktivposten, den ich meinem Gefühl nach einzubringen hatte, war meine
Erfahrung mit dem alten Mann vor vielen Jahren. Die Zeit bei ihm hatte mir
gezeigt, wie einfach die Dinge in einem Reitbetrieb laufen konnten. Viele
Betriebe, die ihr Geld mit dem Vermieten von Pferden verdienen, kümmern sich
sehr wenig um ihre Pferde. Die Grundmentalität dort heißt: Schmeiß den Sattel
drauf und ab geht᾽s!
Die Pferde sind nur Mittel zum Zweck, und sehr oft sind es die Pferde, die am
lautesten gegen diese Art von Einsatz protestieren: Sie lassen sich nicht mehr
fangen, gehen durch, bocken ihre Reiter herunter, streifen sie an Bäumen ab,
scheuen zum ungelegensten Zeitpunkt oder sind ganz einfach insgesamt
widerspenstig. Ich war schon immer der Ansicht gewesen, dass sich all das am
besten vermeiden ließ, wenn man die Pferde mit ruhiger Konsequenz behandelte und
ihnen zeigte, dass man ihnen vertraute, ihre Würde anerkannte und sie
respektierte, wie es der alte Mann bei seinen Pferden gehalten hatte. Auf diese
Art und Weise konnten sich die Dinge anders entwickeln, auch in einem
Verleihstall.
Zuerst brauchten wir die richtige Art von Personal auf der Ranch. Es mussten
Leute mit Pferdeerfahrung sein, aber sie mussten auch die richtige
Einstellung
haben. Wir brauchten Leute, die bereit waren, im
Zweifelsfall
meistens zugunsten des Pferdes zu entscheiden und im Falle eines Problems mit
einem Pferd dieses zu durchdenken, anstatt nur darauf zu reagieren. Wir wollten
Leute, die etwas im Kopf, aber auch eine weiche Hand und ein gutes Herz hatten.
Es mussten kurz gesagt Menschen sein, für die das Pferd immer an erster Stelle
stand. Einige der Besten kamen später Jahr für Jahr wieder und arbeiten jetzt
selbstständig mit Pferden.
Nachdem wir die richtigen Leute angestellt hatten, war es an der Zeit, der Ranch
selbst ein paar Verschönerungen angedeihen zu lassen. Wir bauten eine neue
Sattelkammer, ein neues Büro und einen neuen Abfohlstall, neue
Vier-Balken-Zäune, zusätzliche Corrals, zwei neue Roundpens und eine Reitbahn.
Im Schatten großer Kiefern wurden neue Anbindebalken eingerichtet, damit die
Pferde, die nicht auf den Weiden waren, tagsüber vor Sonne und Regen geschützt
waren. Schlussendlich wusste jeder, dass die Ranch jederzeit fleckenlos sauber
zu sein hatte. Pferdeäpfel wurden entfernt, sobald sie den Boden berührten, die
Stallgasse wurde täglich mindestens dreimal gekehrt und das gesamte Areal
einschließlich der Zufahrt und der Trails, soweit sie in Sichtweite lagen, jeden
Tag mindestens einmal gerecht.
Die Zäune in gutem Zustand und den Platz sauber zu halten, gab den Angestellten
ein Gefühl von Stolz, das sie nicht missen wollten. Dies trug auch dazu bei,
dass ihnen der Enthusiasmus in der täglichen Arbeit nicht verloren ging. Dieser
Stolz hielt nicht nur einen ganzen Sommer, sondern wurde von einer Mannschaft an
die nächste weitergegeben.
Als das Personal zur Stelle und der Platz in Ordnung war, wurde es Zeit, mit den
Pferden zu arbeiten. So ziemlich das Erste, was wir taten, war, jedem Pferd sein
eigenes Sattel- und Zaumzeug zuzuordnen. Wissen Sie, vorher war es so gewesen:
Wenn ein Gast einen Ritt gebucht hatte, sah sich der Wrangler diesen Gast einen
Tag vorher an, teilte ihm einen bestimmten Sattel zu und legte diesen Sattel
dann dem erstbesten Pferd auf, das ihm gerade in den Weg kam. Die Folge war,
dass die Pferde ständig mit Sätteln gingen, die ihnen nicht passten und deshalb
dauernd unter Satteldruck litten.
Wir legten so lange systematisch einen Sattel nach dem anderen auf ein Pferd
nach dem anderen, bis wir den gefunden hatten, der dem Pferd am besten passte.
Dieser Sattel gehörte dann zur individuellen Ausrüstung dieses bestimmten
Pferdes. Mit der Trense hielten wir es genauso. In der Sattelkammer hatte jeder
Sattel seinen Platz, und zwar in alphabetischer Reihenfolge der Pferdenamen. Die
Trensen hingen, ebenfalls alphabetisch geordnet, in einem
zweiten Raum, sodass sie leicht zu finden und Verwechslungen ausgeschlossen
waren.
Nachdem diese Frage geklärt war, wendeten wir uns körperlichen Problemen zu. Dr.
Dave Siemans, ein Pferdechiropraktiker, mit dem ich seit vielen Jahren
zusammenarbeitete, renkte alle Pferde mit Rücken-, Genick-, Hüft- oder
Schulterproblemen ein. Wir ließen alle Pferde tierärztlich untersuchen,
entwurmen und die Zähne raspeln.
Wir wechselten auch den Futtermittelhändler, um Heu zu erhalten, das reich an
Proteinen, Kohlehydraten und anderen Nährstoffen war. Und statt des einfachen
Quetschhafers mit relativ wenig Nährwert bekamen die Pferde nun ein speziell auf
ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Futter. Nach diesen Veränderungen stellten wir
einen sichtbaren Unterschied fest. Die Pferde fingen an zuzunehmen und hielten
dieses Gewicht. Sie hatten mehr Energie und schienen williger zu arbeiten.
Dann sahen wir uns die Hufe an. Die meisten Pferde machten Schwierigkeiten
beim
Beschlagen. Viele hatten wegen der unpassenden
Sättel
Rückenprobleme, und weil ihnen der Rücken weh
tat,
hatten sie Hüft- und Schulterprobleme. Weil sie Hüft- und Schulterprobleme
hatten, verkrampfen sie sich, wenn sie beim Schmied waren. Da sie Schmerzen
hatten, zogen sie oft den Huf weg, wenn der Schmied gerade bei der Arbeit war.
Das zweite Problem war der Schmied, der bis jetzt auf die Ranch gekommen war.
Der Typ war ein guter Schmied, hatte aber wenig Feingefühl oder Geduld. Wenn ein
Pferd mehr als einmal den Fuß wegzog, dauerte es nicht lang, bis es einen Tritt
in den Bauch oder einen Hieb mit der Raspel abbekam. Die Pferde hatten Angst,
wenn der Schmied kam. Oft begannen die Probleme schon, bevor er auch nur
angefangen hatte.
Wir fanden einen neuen Schmied, der nicht nur sein Handwerk verstand, sondern
auch mit Pferden umgehen konnte. Er nahm sich so viel Zeit, wie er eben
brauchte, um ein Pferd zu beschlagen, ohne dass er mit ihnen kämpfte. Er achtete
darauf, dass die Eisen passten und die Pferde in sich im Gleichgewicht waren,
wenn er fertig war. Ohne Rückenschmerzen und mit dem neuen Schmied schmolzen die
meisten unserer Beschlagprobleme einfach so dahin.
Mit den Pferden, die immer noch Schwierigkeiten damit hatten, ihre Füße beim
Beschlagen hochzuhalten, arbeiteten wir in aller Ruhe. Manchmal verbrachten wir
Tage oder sogar Wochen damit, dem Pferd die Füße nur jeweils ein bisschen höher
anzuheben. Bei ein paar Pferden mussten wir anfangs damit zufrieden sein, den
Huf nur ein paar Zentimeter vom Boden abzuheben und darauf aufzubauen, bis wir
die Füße schließlich normal aufheben und für den Schmied in der richtigen
Stellung halten konnten. Mit diesen Pferden ließen wir uns so viel Zeit, wie sie
brauchten, um zu lernen, wie sie ihre Füße halten mussten. Der Schmied durfte
nicht an sie heran, bevor wir nicht sicher waren, dass sie dazu bereit waren. –
Wir wollten ihnen einen Fehlbeschlag ersparen.
Nachdem wir so die meisten „Nebensachen“ aus dem Weg geräumt hatten, konnten wir
uns endlich daran machen, die Pferde auszubilden oder zu korrigieren, damit sie
das taten, was wir von ihnen erwarteten. Wie gesagt, es war das Ziel des
Besitzers und auch unser eigenes, Pferde zu haben, welche die ganze Sommersaison
über gleichmäßig rittig und willig blieben. Damit war es an der Zeit, dass ich,
die Wrangler und die Pferde damit begannen, die Beziehung zu entwickeln, die all
dies in sich vereinen würde.
Die Betonung lag auf „weich“. Was auch geschah, die Wrangler hatten „weich“ zu
bleiben, wenn sie die Pferde ritten. Weiche Hände, geschmeidiger Sitz, weich
anliegende Schenkel. Nie und aus gar keinem Grund wurde geschlagen, getreten
oder gebrüllt. Die Strafe dafür war ein zweitägiges Arbeitsverbot. Kam es noch
einmal vor, folgte die Kündigung. Beide Strafen wurden nie notwendig.
Es war nicht immer einfach, bei der Arbeit mit den Pferden ruhig zu bleiben,
weil so viele von ihnen mit den Jahren so weit „verbraucht“ worden waren, dass
sie nun unempfindlich waren für jede Art von Hilfe. Wir verfolgten jedoch
konsequent unsere Ziele… und die Pferde reagierten.
Die Wrangler waren angewiesen, mit den weichsten Hilfen, die möglich waren, zu
reiten, oft nur mit einem leichten Anlegen der Schenkel zum Anreiten und einer
leichten Gewichtsverlagerung in Verbindung mit einem zarten Zügelannehmen zum
Stoppen. Außerdem waren sie angewiesen, auf den leisesten Versuch von Seiten des
Pferdes zu achten, ihn zu bemerken und sofort mit einem Nachlassen des Drucks zu
beantworten. Das lernten alle sehr schnell und sehr gut. Nachdem sie von allen
jeden Tag auf dieselbe Art und Weise geritten wurden,
fingen
sie innerhalb weniger Wochen an, darauf zu
reagieren.
Ehe wir richtig wussten, was geschah, waren alle
unsere
Pferde einschließlich der sehr alten, die schon seit Jahren im Betrieb
mitgingen, so sensibel geworden, dass sie auf die leisesten Hilfen und Signale
reagierten.
Wir hatten unseren Pferden beigebracht, auf leise Hilfen zu reagieren, aber eine
Frage blieb offen: Wie konnten wir sie auf diesem Stand halten, besonders wenn
sie den Sommer über hunderte verschiedene Reiter tragen mussten? Die Antwort war
einfach. Alle mussten konsequent bleiben. Anstatt von unseren Pferden zu
erwarten, dass sie auf die widersprüchlichen Hilfen eingingen, die jeder neue
Reiter zwangsläufig geben würde, brachten wir jedem Reiter bei, auf welche Weise
er mit seinem Pferd kommunizieren sollte.
Jede Woche, wenn eine neue Gruppe von Gästen auf die Ranch kam, hielten wir eine
Informationsstunde in der Reitbahn ab. Dabei erklärten wir, wie unsere Pferde
ausgebildet waren und was wir von unseren Gästen als Reiter unserer Pferde
erwarteten. Wir demonstrierten im Sattel den richtigen Sitz und die richtige
Handhaltung, damit sie im Gleichgewicht blieben. Wir zeigten ihnen die Hilfen
für Schritt, Stopp, Trab, Galopp und Abwenden anhand irgendeines Pferdes aus
unserem Stall. Nach dieser Demonstration stiegen alle Gäste in den Sattel und
übten in der Bahn, diese Hilfen zu geben und wieder einzustellen, wenn die
Pferde darauf reagiert hatten, damit sie weiterhin sensibel blieben.
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass nach dieser Informationsstunde viele Leute
nicht nur Trailritte buchten, sondern sich auch für den Reitunterricht
einschrieben, den wir ebenfalls anboten. Nur wenige hatten bisher Pferde kennen
gelernt, die so ruhig und sensibel waren wie unsere, deshalb wollten sie mehr
darüber erfahren, wie wir das bewerkstelligt hatten und wie sie ihre eigenen
reiterlichen Fähigkeiten verbessern konnten. Nach ein paar Jahren war unser
Reitunterricht sogar gefragter als die Trailritte, die wir anboten. Und das will
etwas heißen, wenn man bedenkt, dass die meisten unserer Trails mitten durch den
Rocky Mountains-Nationalpark führten.
Unser Ziel war es gewesen, eines der besten Reitprogramme weit und breit
aufzustellen, aber für mich gab es noch ein größeres, wichtigeres Ziel – ein
gegenseitiges Vertrauensverhältnis zwischen uns und unseren Pferden aufzubauen.
Ich dachte, wenn wir gegenseitig Vertrauen hätten, würden unsere Pferde ihre
Arbeit tun wollen, anstatt das Gefühl zu haben, dass ihnen nichts anderes
übrig blieb. Ich wollte sie als willige Partner bei der Arbeit haben, darum
musste ich ihnen diese Arbeit so leicht wie nur möglich machen. Das bedeutete,
die Pferde in die richtige geistige Verfassung zu bringen, sodass sie keine
Notwendigkeit sahen, mit uns zu kämpfen. In diese geistige Verfassung brachten
wir sie, indem wir sie lehrten, weich zu sein. Halten konnten wir sie in dieser
Verfassung, indem wir unsere Gäste lehrten, weich zu sein.
Trotzdem gehörte noch mehr dazu. Die ganze Zeit hatte ich das Gefühl, dass wir,
um einen wirklichen Erfolg zu erzielen, noch viel konsequenter sein müssten. Bis
dahin hatten wir uns hauptsächlich auf „oberflächliche“ Dinge gestützt, um unser
Ziel zu erreichen. Missverstehen Sie mich bitte nicht, ich finde alles, was wir
getan haben, sehr wichtig, aber ich hatte auch das Gefühl, dass alles
hauptsächlich darauf beruhte, dass die Pferde bestimmte Dinge lernten oder
wieder auffrischten. Um alles zusammenzubringen, müssten wir an die
„Ausstrahlung“ des gesamten Betriebes gehen.
Meiner Erfahrung nach hat jeder Ort, der mit Pferden zu tun hat, sei es ein
Pensionsstall, ein Ausbildungsstall, eine Gäste-Ranch oder ein Hinterhof, eine
bestimmte Ausstrahlung. Meistens kann ich sie schon spüren, sobald ich aus dem
Pickup aussteige. Bei dem alten Mann zum Beispiel spürte man ein ruhiges
Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Menschen und Pferden. Es war das Gefühl,
dass alle auf der gleichen Wellenlänge lagen und sie sich gegenseitig helfen
konnten. Im Gegensatz dazu war ich auch schon in Ställen, in denen die Spannung
zwischen Pferden und Menschen oder auch zwischen den Menschen selbst so
handgreiflich war, dass man sie mit dem Messer schneiden konnte.
Ich glaube, dass eine Reihe von Faktoren eine Rolle dabei spielen, welche
Ausstrahlung ein Ort hat, dass aber die Hauptrolle den Menschen zukommt, die
dort arbeiten oder leben. Was sie tun und wie sie es tun, bildet die Grundlage
für die Atmosphäre, die der Ort hat. Meiner Meinung nach hat die Ausstrahlung
eines Ortes viel damit zu tun, wie die Pferde reagieren, wenn mit ihnen
gearbeitet wird. An einem Ort mit einem ruhigen Zusammengehörigkeitsgefühl, wie
es bei dem alten Mann der Fall gewesen war, schienen die Pferde immer willig und
einfach im Umgang zu sein. Wo dagegen Stress und Anspannung das Feld
beherrschen, reagieren die Pferde entsprechend: mit Anspannung und viel
aufgestautem Stress, der manchmal nicht mehr unter Kontrolle zu halten war.
Als ich auf der Ranch anfing, hätte ich gesagt, dass unser
Betrieb
irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden lag.
So richtig
zum Wohlfühlen war er nicht, aber er war auch
nicht
unerträglich. Deshalb gehörte es zu meinen Prioritäten, zu versuchen, ob wir
eine bessere Atmosphäre für uns und unsere Pferde schaffen könnten.
Wir waren der Sache schon ein Gutteil näher gekommen durch die Leute, die wir
angestellt hatten. Es waren alles gute Pferdeleute, ohne die großen Egos, die so
oft Probleme schaffen. Alle waren gewissenhafte Arbeiter und wurden fast sofort
gute Freunde. Jeder war bereit, jedem zu helfen, wenn Not am Mann war. Es
herrschte ein Verwandtschaftsgefühl, das bei vielen bis zum heutigen Tag anhält.
Dass unser Personal so gut war, machte alles Übrige einfach.
Ich glaube, zu der Atmosphäre auf dem Hof des alten Mannes hatte auch am meisten
die Tatsache beigetragen, dass er selten bis nie ein großes Getue gemacht hatte.
Meines Wissens hatte er nie jemand angebrüllt, und er kämpfte nicht mit seinen
Pferden. Infolgedessen war etwas um ihn, das sagte, selbst wenn
etwas Schlimmes passieren würde, wäre es irgendwie
okay. Er machte es den Pferden leicht, auf ihn zählen und ihm vertrauen zu
können, wenn etwas schiefging. Und das war das Gefühl, das wir auf der Ranch
schaffen wollten.
Die Hauptsache war schon da, dank unseres hervorragenden Personals. Das Übrige
würde sich mit der Zeit einstellen und würde sich in der Art und Weise zeigen,
wie wir mit den Alltagssituationen fertig wurden.