Eine
Serie für QH-Züchter & -Enthusiasten
Übersetzung & Bearbeitung: Heinz Langer
Joe Cody
(1952-1989)
Teil II
Wenn man Mitte
der frühen 1950er-Jahre eine ganze Anzahl von Quarter Horses showte, so
entsprach Joe Codys AQHA Show Record nicht notwendigerweise dem Umfang seiner
tatsächlichen Platzierungen. Oft wurden damals nämlich die Resultate aus einer
Gegend nicht rechtzeitig oder unvollständig an die AQHA geschickt. Offiziell
wurde Joe nur mit 10 Halterpunkten ausgezeichnet, ohne Grands und Reserves, was
keinesfalls seiner wirklichen Leistung entsprach. In einer Ausgabe des „The
Quarter Horse Journal“ vom November 1955 wurde nämlich bestätigt, dass die
Roberts Ranch mit Joe Cody tatsächlich 10 erste, 7 zweite, 5 dritte und 3
Reserve Champion-Titel in Halter erreicht hatte.
Joes
offizieller Rekord in Performance Shows lag in Cutting bei 46 Punkten und neun
Siegen. In Reining erreichte er 4 Punkte und einen Sieg. Drei von Joes vier
Reiningpunkten erschienen in seinem offiziellen Sieg vom 24. Jänner 1960
anlässlich der AQHA Show in Trenton, New Jersey. Der AQHA-Rekord offenbarte,
dass er seinen ersten Reining Point bei einer Show in Abilene, Texas, im Jahr
1954 errang. Außerdem wurde er Champion Reining Horse der Show.
Beide
Ergebnisse bestätigten auch den AQHA Championship-Run des Sorrel-Hengstes, den
er im Jänner 1955 höchst eindrucksvoll auf der Southwestern Exhibition and
Livestock Show in Fort Worth lief. Hier erreichte er Gleichstand als Dritter
unter 51 Bewerbern in der Junior Cutting Show und bekam 4 Punkte.
Nach seinem
Sieg in der AQHA Championship im März 1958 wurde Joe nur mehr wenig geshowt und
schließlich an Virginia Eper Harper aus Long Island, New Jersey, verkauft.
Obwohl Doc
Spence den Verkauf zunächst unterstützte, bedauerte er den Verlust von Joe Cody
nachher doch.
„Dad liebte
beide, Lee Cody und Joe Cody“, sagte Sam Ed. „Doch Mr. Roberts neigte dazu, Lee
zu bevorzugen, da er mehr Möglichkeiten als Show und Cutting Horse bot. Ich bin
sicher, dass Dad Joe wegen seiner Grundabstammung bevorzugte und überzeugt war,
dass er das bessere Nachzuchtpferd wäre.“
„Ich war ein
Teenager, als wir auf die Roberts Ranch übersiedelten“, fährt er fort. „Ich
durfte mit Joe Cody mehrmals cutten. Ich erinnere mich besonders an ein Mal, als
ich 16 war. Ich hatte eine nette Kuh für Joe aus der Herde geholt. An
einem Punkt machte sie eine blitzschnelle Bewegung, um unter ihm am Zaun
durchzutauchen. Joe ging effektiv bis zum Boden in die Knie, um die Kuh zu
blockieren. Es war das erste Mal, dass ich ein Cuttingpferd dies jemals tun sah.
Es war und blieb eine der spektakulärsten Erfahrungen, die ich je im Sattel
erleben durfte.“
„Joe Cody war
so cowy wie man sich das nur
vorstellen kann. Joes Cowsense war für
meinen Vater stets eine Quelle des Stolzes.“
Eastcoast-Triumphe
Sobald Joe Cody
auf der Indian Field Ranch nahe dem Montauk Point an der östlichsten Spitze Long
Islands sein neues Heim gefunden hatte, setzte Mrs. Harper seine Show-Karriere
fort. Ausschließlich in Performance vorgestellt, errang Joe 5 erste, 8 zweite
und einen dritten Platz in AQHA approved Cutting Shows. Einmal showte man ihn in
Reining und er platzierte sich als Erster.
Mrs. Haper
zeigte Joe auch in NCHA Events. Er gewann zweimal die NCHA Trophy, die dem Top
Horse der East Coast Cutting Horse Association verliehen wurde, und gewann dabei
2.251 Dollar an NCHA-Gewinnen.
1961 wurde er
ehrenvoller Quarter Horse-Abgesandter, als Mrs. Harper den Hengst anlässlich
einer Einladung des Bermuda-Governments auf die Landwirtschaftsmesse in Cutting
und Reining vorstellte, wo er Menschenmassen zu Begeisterungsstürmen riss.
Im August 1964
wurde Joe Cody zum dritten und letzten Mal verkauft. Sein neuer Eigentümer, C.T.
„Tom“ Fuller aus Catasauqua, Pennsylvania, war einige Jahre zuvor auf Drängen
seiner pferdenärrischen Tochter ins Quarter Horse-Geschäft eingestiegen.
Mit Joe Codys
Ankunft auf Fullers Willow Brook Farms begannen, aus einer Kombination von
menschlichem und equidem Talent, die Quarter Horse-Rekordbücher, erneut
geschrieben zu werden. Damit fing die Ära einer der vollkommensten Performance
Horse-Dynastien aller Zeiten an.
Kurz nachdem er
ihn erworben hatte, brachte Fuller Joe nach Syracuse, N.Y., um ihn bei der
Herbst-Pferdeschau vorzustellen. Der zwölfjährige Hengst übertraf sich selbst
und seine favorisierte Stallgefährtin, Hardy᾽s
Jessie, indem er in Cutting unangefochten siegte!
Auf Willow
Brook etablierte sich Joe Cody noch viel mehr als Deckhengst und Top-Vererber,
nicht nur von Cutting Horses, sondern vor allem auch von unvergleichlichen
Reinern! Schon bevor Joe Cody an die Ostküste gekommen war, hatte er sich als
Sire bewährt. Nachdem er beständig die zweite Geige nach Lee Cody gespielt
hatte, zeugte er Janna Cody, eine Dun-Stute von 1958 und Superior Halter Horse,
sowie Jose Mellis, einen 1958er Chestnut-Wallach, der Superior Cutting Horse
wurde.
Von Joes beiden
ersten ostküstenseitigen Fohlenjahrgängen, bevor Fuller ihn erwarb, kamen seine
ersten beiden Super-Reining-Stars. Sappho
Cody, eine Dunstute aus 1959,
und Easter Cody, eine dun Stute
des Jahrgangs 1960, waren Vollschwestern aus der Hapgood᾽s
Sal, einer 1948er dun Stute von Sappho᾽s
Bertie.
Beide Stuten
wurden von Marion Harper Jr. aus New York, gezüchtet und als Jährlinge an C.T.
Fuller verkauft. Warum sie als Reiner ausgebildet wurden, ist mit zwei Worten zu
erklären: Bob Antony
(einer der namhaftesten Trainer der Reining-Anfangszeit).
„Ich geriet in
den 1960er-Jahren einfach ins QH-Business, weil meine Tochter Holly Pferde um
sich herum haben wollte“, erzählt Tom Fuller. „Nachdem ich einige Pferde für sie
gekauft hatte, suchte ich jemanden, der sich um die Pferde kümmern sollte. So
stieß ich auf Bob Antony, und es entstand eine Art Schneeballsystem. Bob war ein
Quarter Horse Man, dessen vorrangigstes Interesse Reining war, sodass das Willow
Brook-Programm diese Richtung nahm.“
Als Sappho Cody
und Easter Codey auf die Fuller-Farm kamen, nahm sie Antony bereitwillig ins
Training, um sie auf ihre Show-Karriere vorzubereiten.
Sappho showte
er 1963 zu ihrer ersten AQHA Championship, und Easter gewann im folgenden Jahr
denselben Titel. 1963 gewann Sappho ein Superior in Reining und wurde AQHA
High-Point Reining Horse. Easter holte sich dieselben Ehrungen 1965 und wurde
1966 und 1967 AQHA High-Point Working Cow Horse.
Im Herbst 1964
gelangte Joe Cody, der Vater ihrer Champion-Stuten, in den Besitz von Willow
Brook bzw. C.T. Fuller und Bob Antony. Der Deal war vollbracht. Der Rest ist
Geschichte.
Sal
Cody,
eine dun Stute von 1961, war das dritte Mitglied der Joe Cody-Hapgood᾽s
Sal-Familie. Gezogen von Virginia Harper, wurde sie von Willow Brook Farms
gekauft und 1963 von Bob Antony als AQHA Champion vorgestellt. Der sorrel
Stallion aus der Paprika Nicha, von Burnett Hancock, erreichte ein Superior in
Reining und wurde 1966 AQHA High-Point Reining Stallion.
Josie
Cody,
eine sorrel Stute von 1963 aus der Twisty Whiz, und
Bo Cody, ein 1963 sorrel
Gelding, aus der Go Silvertone, erwarben ihre AQHA Championship. Whiz
vervollständigte seine Karriere als Superior in Cutting.
Noch mehr
großartige Pferde kamen in schneller Folge: Paprika Cody, eine 1964er
Vollschwester von Workman᾽s
Joe, wurde 1968 AQHA High-Point Junior Reining Horse und Overall High-Point
Reining Horse. Sie wurde auch AQHA Champion und Superior Reining Horse.
Big
Red Cody,
ein 1965 kastrierter Vollbruder von Paprika Cody und Workman᾽s
Joe, war 1975 AQHA High-Point Hunter under Saddle Gelding und Superior in Youth
und Open Hunter under Saddle.
Big Bob
Cody,
ein vierter Performer aus der Joe Cody-Paprika Nicha-Kombination, war AQHA
Reserve World Champion Senior Reining Horse.
Baby
K Cody
und
Mano Cody wurden AQHA Champions.
Mando
Cody
wurde Superior in Trail.
Jettarrow
Cody
gewann sein Superior in Youth Western Pleasure und Western Horsemanship.
Sapphire
Cody,
eine 1967 buckskin Stute, aus der Hapgood᾽s
Sal, folgte ihren drei Vollschwestern in Buch der Rekorde als 1971 AQHA
High-Point Junior Reining Horse und Overall High-Point Reining Horse. Sie gewann
auch das Superior in Reining.
Tawny
Cody,
eine 1968 dun Mare, aus der Tiara Bar, von Steel Bars, wurde Joe Codys siebentes
High-Point oder World Champion Reining Horse, als sie 1974 AQHA World Champion
Senior Reining Horse wurde. Sie war auch AQHA Champion.
Kafka,
ein 1969 brauner Wallach, aus der Beth Ann Jing, war 1973 AQHA High-Point
Junior und All-Ages Hunter under Saddle, 1974 AQHA Reserve World Champion
Senior Hunter under Saddle Horse, Youth AQHA Performance Champion sowie Earner
von 5 Youth Superior und 715 AQHA Points.
Cody
Squaw,
eine 1969 sorrel Stute, aus der Squaw Ballerina, wurde Superior Youth Western
Pleasure Horse und bekam 228 AQHA-Punkte zugesprochen.
Red God,
ein 1969 sorrel Gelding, aus der Tiera Bar, war 1973 AQHA High-Point Junior
Reining Horse, Overall High-Point Reining Horse und AQHA Champion sowie Superior
Reining Horse.
Papt᾽s
Pal,
ein 1969 sorrel Gelding, aus der May Band, war 1979 Youth AQHA Reserve World
Champion Reining Horse.
Rachel Forrest,
eine chestnut Stute, a. d. Liz Five, errang ein Superior in Trail.
High Proof,
ein 1970 sorrel Wallach, a. d. Liz Five, wurde 1974 AQHA World Champion Junior
Reining Horse, 1975 NRHA Open Horse of the Year und 1976 AQHA World Champion
Senior Champion Senior Reining Horse.
Solar
Cody, 1970 geboren, bekam ein
Superior in Western Pleasure.
Cheyenne
Joe Cody, ein weiteres Fohlen von
1970, bekam ein Superior
in Trail.
Barbie
Cody, ein anderes Fohlen von 1970,
wurde Superior in Youth Western Horsemanship.
Guitar
Mama, eine 1972 palomino Stute, a.
d. Woffold᾽s
Sable, war 1976 AQHA World Champion Junior Reining Horse.
Cody Nine,
ein 1974 bay Hengst, a. d. Paprika Nicha, war 1978 World Champion Junior Reining
Horse.
Jody
Cody Power,
eine 1975 sorrel Stute, a. d. Honey Power, wurde 1979 AQHA Reserve World
Champion Junior Reining Horse.
Croton
Cody,
ein 1972 sorrel Hengst, a. d. Crotonette, war AQHA Champion und Superior Western
Pleasure Horse.
Guru
Cody, ein 1972 sorrel Wallach, bekam
ein Superior in Hunter under Saddle.
Cassandra
Cody, eine Stute a. d. Dudes Baby
Doll, v. Blondy᾽s
Dude, gewann 1979 die NRHA Futurity.
Und schließlich...
Topsail Cody, ein
chestnut Stallion von 1977, a. d. Doc Bar Linda, v. Doc Bar, gewann die NRHA
Futurity
1980.
Er war AQHA World Champion Junior Reining Horse 1981 und wurde 1996 in die NRHA
Hall of Fame eingetragen. Unter Bob
Loomis zur Legende geworden, war
Topsail Cody der letzte Performer, den Joe Cody gezeugt hatte!
Nach
der Decksaison 1976 wurde Joe Cody in den verdienten Ruhestand geschickt. Er
wurde in einem Doppelstall mit großzügiger Weide (Willow) untergebracht, die
seinem Langzeitheim den Namen gab. Als Weidegefährtin gab man ihm die alte Stute
Wofford᾽s
Sable zur Gesellschaft, die einst Holly Fullers Reitpferd und die Mutter der
World Champion Reiningstute Guitar Mama gewesen war. Als Sable 1984 starb, nahm
ihren Platz die 35-jährige Shetlandponystute Dream Girl ein.
Joe
Cody verstarb am 1. Juli 1989 im Alter von 37 Jahren. Er starb am Morgen des
Tages, als das Joe Cody Classic, eine dreitägige Reining Show ihm zu Ehren, auf
Willow Brook Farms ausgetragen wurde. Am Abend dieses Tages wurde er auf dem
Hügel begraben, von dem aus die ganze Farm zu überblicken war.
Joe
Codys Schlussrekord als Vererber ist unglaublich. In Halter verdienten sich
seine Nachkommen 1 Superior und 455 Punkte. In Performance errangen156 von ihnen
30 Superiors, 80 ROMs und 5.600,5 Points. Neun von Joe Codys Söhnen und Töchtern
wurden sechs AQHA Weltmeister- und vier Vizeweltmeister-Titel zuerkannt, während
sechs von ihnen High-Point Awards ernten konnten. Zwei Nachkommen waren NRHA
Futuritysieger und mehr als 30 NRHA Money Earners. Und die nachfolgende
Generation wurde genauso gut oder noch besser.
Der
zuvor genannte Topsail Cody wurde ebenfalls ein legendärer Sire (siehe Artikel
in der nächsten WN). Zu Beginn des Jahres 2001zeugte er Nachkommen mit mehr als
einer Million Dollar Gewinnsumme!
Weitere Söhne, wie Corona Cody, Bonac Cody, Heza Banjoe, Cody Nine, Kid Five
Cody und Three Star Cody zeugten ebenfalls NRHA Money Earners.
Im
Dezember 1999 brachten Joe Codys Töchter sechs AQHA World Champions, vier
Reserve World Champions, sechs AQHA Champions und 33 Superior Halter und
Performance Award Winners mit insgesamt 7.758 Punkten zur Welt. Sie produzierten
darüber hinaus, Gewinner von mit 411.336 Dollar in NRHA Competitions und 79.038
Dollar in NCHA Events.
Joe
Cody schuf sein eigenes Denkmal, zuerst selbst als Top-Performer und später als
legendärer Reining Horse Sire.
Im
Andenken an seine Verdienste wurde er 1995 in die AQHA Hall of Fame und 1996 in
die NRHA Hall of Fame aufgenommen.
Joe
Cody veränderte grundlegend die Quarter Horse-Zucht und die Reining
Horse-Industrie zum Besten. Seine Großmutter würde stolz auf ihn sein.
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