Ist dein Pferd fit
für den Wanderritt?
Nütze diese
Tipps, um dein Pferd fit für Ausritte zu machen
Text: Holly
Clanahan und Becky Newell
Fotos: Randee
S. Fox
Übersetzung:
Sonja Grünauer
Nach einem
3-Stunden-Ritt durch die Wildnis von Virginia kollabierte eines der Pferde
unserer Reitgruppe. Vor diesem Ritt war es fast ein Jahr nicht mehr geritten
worden. Die Besitzer von Old Trusty hatten ihn in letzter Minute für diesen
langen Ausritt aus dem Stall geholt. Er war für solch einen langen Ausritt nicht
in entsprechender Kondition und hielt die hohen Temperaturen und den hohen Grad
an Luftfeuchtigkeit nicht aus. Old Trusty war dehydriert – seine Besitzer und
der Tierarzt verbrachten den ganzen Abend im Stall, bis sie sicher waren, dass
er durchkommen würde. Nach diesem Zwischenfall realisierten wir, dass viele
Leute nicht verstehen, dass sowohl Reiter als auch Pferd für längere Ausritte
konditioniert sein sollten. Man steigt ja auch nicht auf ein Pferd, um einen
3-stündigen Ausritt zu machen, nachdem man den ganzen Winter nur auf der Couch
vorm Fernseher gesessen ist, oder? Warum sollte man dies also von seinem Pferd
erwarten?
Wir befragten
unsere Leser und sprachen mit Dr. Thomas Lenz, einem Tierarzt des AQHA
Kooperations-Partners Bayer Corporation, wie man sein Pferd für längere Ausritte
in Form bringen kann. Hier sind die Tipps, die vorgeschlagen wurden:
Vergewissere
dich, dass dein Pferd regelmäßig geimpft und entwurmt wurde. Erkundige dich beim
Tierarzt über spezifische Krankheiten, die in jenem Teil des Landes auftreten,
wo der Ausritt hinführen soll.
Drei oder vier
Wochen sollten ausreichend sein, um ein Pferd in entsprechende Kondition für
längere Ausritte zu bringen. Doch dies kann von Pferd zu Pferd auch etwas
variieren.
Intervalltraining gibt dem Pferd die Möglichkeit, sich zwischen den Intervallen
immer wieder auszuruhen; Strecke und Geschwindigkeit sind variierbar. Ein Ritt
über 5 bis 8 Kilometer ist ein lockeres Training. Wenn man diesen mit flotteren
Schrittphasen kombiniert, wäre das eine gute Idee. Reite am ersten Tag 5
Kilometer, 6 Kilometer am zweiten Tag, 7 Kilometer am dritten Tag, um dann am
vierten Tag auf 8 Kilometer zu steigern. Danach solltest du deinem Pferd einige
Tage Ruhe gönnen. Ein gut trainiertes Pferd sollte problemlos 15-20 Kilometer in
flottem Schritt gehen können, ohne außer Atem zu sein oder zu ermüden.
Variiere das
Terrain und die Umgebung, um Langeweile des Pferdes vorzubeugen.
Beim Ausritt
oder beim Training achte darauf, den ersten und den letzten Kilometer im Schritt
zu gehen, um es zuerst aufzuwärmen und danach abzukühlen.
Die Hufpflege
variiert abhängig vom Boden, auf dem du reitest, und der Qualität des Hufhorns
deines Pferdes. Pferde mit dünnen Sohlen sollten immer beschlagen sein. Der Huf
eines Pferdes sollte während des Rittes öfters kontrolliert werden, Steine
müssen entfernt werden, um eventuell auftretende Probleme zu vermeiden.
Gib deinem
Pferd die Möglichkeit, während des Rittes bei Pausen zu urinieren. Steige dafür
ab und lasse dein Pferd in einem Wiesenbereich stehen.
Heu kann man
jederzeit bei einem Trail-Ritt füttern. Verwende ein Heunetz, damit das Heu
nicht von Wind verweht oder vom Pferd vertreten wird. Binde das Heunetz hoch
genug an, damit das Pferd sich darin nicht mit den Beinen verfangen kann.
Wenn du vor dem
Ritt Kraftfutter fütterst, achte darauf, dies mindestens zwei Stunden vor Beginn
des Ausrittes zu machen, damit das Pferd die Möglichkeit hat, das Futter zu
verdauen. Auch nach dem Ritt sollte zwei Stunden bis zur Fütterung mit
Kraftfutter gewartet werden.
Während der
Pausen solltest du deinem Pferd Wasser anbieten. Ein Pferd mit einem
Körpergewicht von 600 kg trinkt zirka 18 bis 50 Liter Wasser pro Tag. Hart
arbeitende Pferde verlieren jedoch zwischen 6 und 12 Liter Flüssigkeit pro
Stunde durchs Schwitzen.
Trinkt dein
Pferd eher zögernd, lass dich von Pferden begleiten, die auch aus Bächen
trinken. Dann wird dein Pferd dies sehr schnell lernen. Gib deinem Pferd bei
jedem Bach oder See die Möglichkeit, Wasser zu trinken.
Nach der
Rückkehr in den Stall bzw. ins Quartier biete deinem Pferd wieder Wasser an und
gib ihm die Möglichkeit zu grasen. Manche Pferde mögen es, wenn man dem Wasser
Kool-Aid oder Jell-O beimischt. Dies solltest du jedoch einige Tage vor dem Ritt
bereits einmal ausprobieren, damit sich dein Pferd an den Geschmack gewöhnen
kann.
Während und
nach dem langen Ritt solltest du die Sattel- und Gurtlage deines Pferdes
überprüfen, um sicher zu gehen, dass das Sattelzeug gut passt. Man sollte keine
trockenen Stellen am Rücken und im Bereich des Sattelgurtes sehen können. Diese
trockenen Bereiche zeigen zu starke Druckpunkte vom Sattel auf den Rücken des
Pferdes an, wenn das Pferd schwitzt.
Um zu
überprüfen, ob dein Pferd dehydriert ist, hebe die Haut im Bereich der
Pferdeschulter mit Daumen und Zeigefinger für einen Moment an. Nach dem
Loslassen zähle die Sekunden, bis sich die Haut des Pferdes an dieser Stelle
wieder glättet. Die Haut sollte sich sofort in seinen Normalzustand begeben.
Dauert es zwei Sekunden, braucht dein Pferd dringend Elektrolyte.
Elektrolyte
(Sodium, Kalium und Kalzium-Salze) ergänzen den Flüssigkeitshaushalt des Pferdes
und sollten an jedem Tag eines Mehrtagesrittes verabreicht werden, vor allem
dann, wenn es ein anstrengender Ritt ist und die Temperaturen hoch sind. Man
kann die Elektrolyte am besten dem Trinkwasser beifügen oder auch in Form einer
Paste geben.
Besonders
übergewichtige Pferde, jene die nicht in konditionell guter Verfassung sind oder
Pferde, die von kühleren Regionen in wärmere transportiert werden, neigen eher
zum Überhitzen.
Kühle dein
Pferd mit Wasser ab und bürste es nach einem langen Ritt.
Errechnen vom
Hitze-Index
Der Hitze-Index
hilft dir, rechtzeitig zu erkennen, wenn dein Pferd ein Problem mit der
Temperatur bekommt. Um den Hitze-Index zu errechnen, addiere zur Temperatur in
Fahrenheit den Prozentsatz an relativer Luftfeuchtigkeit. Ist die Summe geringer
als 120, sollte dein Pferd kein Problem haben. Ist die Summe zwischen 130 und
150, wird dein Pferd zwar schwitzen, jedoch keine ernsthaften Probleme bekommen.
Ist die Summe jedoch höher als 180, solltest du dein Pferd nicht mehr arbeiten.
Bild 1: Wenn
dein Pferd eher zögernd beim Trinken ist, lass dich von Pferden begleiten, die
gerne aus dem Bach trinken; auch dein Pferd wird dies schnell lernen. Gib deinem
Pferd die Möglichkeit, bei jedem Bach oder See zu trinken.
Bild 2: Bei
einem Trail-Ritt solltest du mehrmals am Tag die Hufe deines Pferdes auskratzen.
Bild 3: Gib
deinem Pferd frühestens zwei Stunden nach Ende des Rittes Kraftfutter. Heu
kannst du ihm jederzeit füttern.
Anzeichen für
Probleme
Symptome für
Überhitzung sind generelle Muskelschwäche, schnellere Atmung (normale Atmung
8-16 Atemzüge pro Minute) und eine erhöhte Körpertemperatur (normale Temperatur
37,5 bis 38,2 °C). Das Pferd schwitzt sehr stark, obwohl sich seine Haut kühl
anfühlt, ist seine Körpertemperatur erhöht, auch wenn es bereits einige Zeit
gerastet hat. Wird es bei hohen Temperaturen weiter körperlich gefordert, erhöht
sich seine Körpertemperatur noch mehr und seine Haut fühlt sich dann auch heiß
an. Es wird seine Körperkoordination verlieren und eventuell kollabieren. Dies
ist lebensgefährlich! Man sollte in diesem Fall sofort einen Tierarzt rufen.
Bringe das Pferd sofort in den Schatten und versuche, dem Pferd die Beine
vorsichtig zu kühlen. Vermeide jedoch sehr kaltes Wasser. Biete deinem Pferd in
15-Minuten-Abständen kleine Mengen Wasser an.
Fühle den Puls
Ein einfacher
Weg, um den Fortschritt im Konditionstraining deines Pferdes zu kontrollieren,
ist die regelmäßige Kontrolle des Pulsschlages. Prüfe, wie hoch der Puls bei
Arbeit ist und wie lange es dauert, bis der Puls wieder in die Normalfrequenz
geht, nachdem die Arbeit beendet wurde. Am besten macht man dies mit einem
billigen Stethoskop. Prüfe den Puls deines Pferdes allerdings nicht, während es
frisst, da man dabei nur sehr schwer den Herzschlag hören kann bzw. dieser
während dem Fressen erhöht ist.
Vor dem Beginn
des Trainings, wenn dein Pferd ruhig steht, positioniere das Stethoskop im
Bereich hinter dem linken Ellbogen des Pferdes und zähle den Herzschlag für 15
Sekunden. Multipliziere die gezählte Anzahl mit vier und du erhältst den
Herzschlag pro Minute. Normalerweise ist dieser im Ruhezustand eines Pferdes
zwischen 35 und 45 pro Minute. 10 Minuten nach dem Ende des Trainings prüfst du
den Puls erneut und dann nach 20 Minuten. Ein Pferd ist fit, wenn es sich
innerhalb von 10 Minuten wieder auf den Normalzustand einpendelt. Pendelt sich
der Puls innerhalb von 20 Minuten nicht auf den Normalzustand ein, solltest du
weiter am Konditionstraining arbeiten.