Eine Serie für QH-Züchter &
-Enthusiasten
Übersetzung & Bearbeitung: Heinz
Langer
Joe Cody
(1952-1989)
Teil I
Seit
Joe Cody von seinem Vater Bill Cody, dem ersten AQHA Honor Roll Halter Horse,
gezeugt worden war, schien es logisch, dass Joe für eine Halterkarriere
vorgesehen war.
Stattdessen landete er in der Performance-Arena, wo er zum Top-Cutting-Horse
seiner Zeit avancierte. Danach wurde er zum All Time Leading Sire von
Performance Horses, speziell von Reining Horses.
Joe
Cody, ein 1952 geborener sorrel-farbener Hengst, aus der Taboo, einer Tochter
des berühmten King P-234, wurde von Tom Cochran aus Belton, Texas, gezüchtet.
Bill
Cody, über den ich in den letzten beiden Ausgaben der Western News berichtet
habe, war der große King Ranch-gezogene Halter Champion und Vererber und Taboo,
als direkte Tochter von King P-234, kam ebenfalls aus einer berühmten und hoch
geachteten Linie. In jeder Studie über Joe Codys Abstammung wird auch seine
Großmutter mütterlicherseits hervorgehoben und was sie ihrem Enkel als
genetisches Kennzeichen hinterlassen hat.
Billie Bo war eine 1934 geborene, braune Sute, von Billy Bowlegs, aus einer
Phelps-Stute. Gezogen von dem allen Insidern wohlbekannten und in der AQHA Hall
of Fame verewigten Horseman und Züchter George Clegg aus Alice, Texas, wurde sie
1930 an Doc Spence aus Belton, Texas, verkauft. Spence war zu jener Zeit ein
sehr bekannter Rodeoreiter, und so wurde Billie sofort als Roping-, Bulldogging-
und Match Racing Horse eingesetzt. Nebenbei verwendete Spences Frau, Bennie Lee,
die vielseitige Stute auch als Barrel Racing-Pferd.
Doc
und Bennie Lees Sohn, Sam Ed Spence – ein ehemaliger Mitarbeiter des Quarter
Horse Journals und Sekretär der American Paint Horse Association – erinnert sich
noch sehr gut an Joe Codys Großmutter.
„Als
Vater Billie von Mr. Clegg brachte“, erzählt er, „war sie eines der ersten
Quarter Horses in unserer Gegend. Sie war eine Old DJ-gezogene Stute und zeigte
viel Vollblut in ihrer Erscheinung. Dad ritt Billie jahrelang auf Rodeos,
überall im Südwesten bis weit hinein nach dem fernöstlichen Florida. Eines
Jahres in Kissimmee, Florida, es war 1944 oder 1955, startete er sie in etlichen
Match Races gegen einige Thouroughbreds. Sie gewann die Vorläufe und
qualifizierte sich für das Finale. Am Tag vor dem Rennen hatte Vater sie in
einem harten Bulldogging gestartet, und sie war von einem Stier an der Schulter
verletzt worden. Wie auch immer, Dad startete Billie am nächsten Tag beim
Rennen, das sie trotz der Verletzung mit einigen Längen vor den Vollblütern
gewann.“
„Dr.
Darrell Sprott aus Killeen, Texas, der beste Freund meines Vaters“, fährt er
fort, „registrierte Billie Bo für Vater bei der AQHA, als er aus dem 2.
Weltkrieg zurückkam. Billie war für uns immer eine Legende. Es ist schön zu
sehen, dass sich ihr Blutanteil in der Quarter Horse-Zucht gegenwärtig noch
bemerkbar macht.“
1942,
als sich Doc Spence nach einem Deckhengst für seine Rodeostute umsah, fuhr er
mit Billie 350 Meilen südwestwärts nach Rocksprings, Texas, zu Jess Hankins und
seinem berühmten Hengst King P-234.
„Als
Dad zu King fuhr, um Billie decken zu lassen“, erzählt Sam Ed weiter, „lag die
Decktaxe bei nur 50 $. Hankins besaß King nur fünf Jahre lang und war damals
gerade dabei, King als Deckhengst aufzubauen und ihm einen Namen zu machen.
Nicht lange danach stieg der Deckbetrag um ein Vielfaches.“
Im
Frühling 1943 brachte Billie Bo ein braunes Stutfohlen namens Taboo, nach King,
zur Welt. Tom Cochran, ein Nachbar von Spence, kaufte das King-Filly als
Einjährige.
Squaw
H, eine andere King-Tochter, die ebenfalls eine Rennlegende in Südtexas wurde,
war ein Jahr älter als Taboo und begann gerade ihre Rennkarriere. Ungeachtet des
Einflusses von Squaws frühen Starts, nahm Cochran seine King-Stute ins
Renntraining.
Taboos offizieller AQHA Performance-Rekord offenbart dies insofern, als sie von
fünf Starts, mit einem Speedindex von 65, einmal gewann, einmal Zweite und
dreimal Dritte wurde. In der Februarausgabe des Quarter Horse Journals von 1956
wird Taboo als außerordentliche Renn-QH-Stute beschrieben, die in Del Rio,
Arizona, und anderen Staaten erfolgreich Rennen lief. Darunter lief sie in Del
Rio Bahnrekord und gewann von neunzehn Starts nur ein einziges Mal nicht.
Egal,
welche Version ihrer Rennkarriere genauer erscheint, eines ist gewiss. Wie ihre
Mutter, war Taboo mit einer Menge Speed und allen athletischen Vorzügen
gesegnet.
Als
Taboo 1950 ihre Rennkarriere hinter sich hatte, war es an der Zeit, sie als
Zuchtstute zu einzusetzen. Der Hengst, den Cochran auswählte, sie zu decken, war
zunächst King Raffles (TB). Aus dieser Anpaarung kam 1951 der Chestnuthengst Tab
Raffles zur Welt. Als nächstes und einziges Mal fiel die Wahl auf Bill Cody,
wobei das Resultat Joe Cody war.
Scheinbar unentschlossen, ob sie Rennpferde oder Arena-Performer aus Taboo
züchten sollten, ließen Cochran und sein Mitbesitzer an Taboo, George Glascock
aus Cresson, Texas, die Stute sowohl mit Rennpferdvererbern, wie Lightning Bar
und Hy Belamy, als auch mit performancegezogenen Vererbern, wie Fourble Joe und
Wimpy Leo, decken. Aus diesen Bemühungen entstand lediglich ein einziges
bedeutendes Performance Horse, nämlich die 1964 geborene Stute Taboo Leo, von
Wimpy Leo, mit einem Speedindex von 75.
Einige von Taboos Fohlen wurden gute Vererber. So zeugte Tab Raff vier ROM
Arena-Performers und Taboo Bar, eine 1957er, bay Stute, von Lightning Bar, zwei
ROM Rennpferde.
Doch
der einzige Superstar, den Taboo produzierte, war Joe Cody. Und wie es
das Schicksal wollte, wurde er vom Züchter seiner Mutter zu seinen
beeindruckendsten Leistungen gebracht und geshowt.
Kurz
nachdem Joe Cody geboren wurde, wurde er von Watt Hardin aus Aledo, Texas,
erworben, dem Mann, der Bill Cody von der King Ranch gekauft hatte.
Im
July 1954, als Joe 15 Monate alt war, verkaufte Hardin ihn an F. Roberts aus
Joaquin, Texas. Roberts hatte vorher Lee Cody, einen 1950 geborenen sorrel
Stallion, von Bill Cody, aus der Rodgers Rocky, von Hardin und Sam Rogers aus
Fort Worth gekauft.
Mit
dem Erwerb von Joe besaß Roberts nun zwei von Bill Codys prominentesten Söhnen.
„Mein
Vater arbeitete im Herbst 1954 als Ranch Manager und Trainer für Mr. Roberts“,
erzählte Sam Ed Spence. „Lee Cody und Joe Cody wurden gleichzeitig unter dem
Sattel gestartet und geshowt. Willis Bennet erledigte das meiste Training auf
Lee und er, Jack Hat, Eldon McCloud und L.N. Sykes, trainierten Joe.“
„Mein
Dad showte beide Pferde auf den AQHA Championships. Mit Lee gewann er zunächst
Ende 1954 und mit Joe am 1. Jänner 1955. Die beiden Hengste waren die ersten
AQHA Champions, die Bill Cody gezeugt hatte. Zur Zeit, als er seine Championship
gewann, war Joe Cody der jüngste Champion in der Geschichte der Association.
Diese ersten vollen drei Jahre, die er für Mr. Roberts arbeitete – 1955 bis 1957
– waren wahrscheinlich die erfolgreichsten Jahre, die mein Dad als Trainer und
Showman erlebt hatte.“
„Als
Dad für Mr. Roberts zu arbeiten begann, brachte er einen Wallach namens Knocky
mit, der als appendixregistriertes Halbblut aufschien. Er verkaufte einen halben
Anteil an dem Pferd an Mr. Roberts und ritt ihn danach zu den Honor Roll-Titeln
in Reining und Calf Roping, einer Leistung, die vorher niemand mit ein und
demselben Pferd je zustande gebracht hatte. Er ritt Knocky darüber hinaus auch
noch zum AQHA Championship-Titel und einem Superior in Reining.
Danach, 1957, showte er Lee Cody auf den neunten Platz der NCHA Top Ten. Dad war
ein „Top Hand“ in der Arbeit mit Pferden. Mr. Roberts bestätigte ihm dies und
versprach, ihm nur Top-Pferde zum Training zu geben. Unter diesen Pferden war
natürlich auch Joe Cody! – Aber darüber erfahrt ihr mehr in der nächsten Ausgabe
der Western News!
Fotos:
1.)
Joe
Cody, hier als älterer Hengst auf Willow Brook Farms in Catasauqua, Pennsylvania
2.)
Pedigree:
Solis
Wimpy
P-1
Panda
Bill Cody
Old Sorrel
Pesetita
Peseta
Joe Cody (1952-1989)
Zantanon
King P-234
Jabalina
Taboo
Billy Bowlegs
Billie Bo
Phelps Mare
3.)
Originaldeckanzeige aus der Novemberausgabe 1955 des Quarter Horse Journal, in
der Robert F. Roberts erstmals versuchte, seine beiden AQH-Hengste, Lee Cody und
Joe Cody, erfolgreich zu vermarkten.
(möglichst groß, damit auch der englische Text lesbar ist).
4.)
Doc
Spence mit Billie Bo, der Großmutter von Joe Cody beim Calf Roping. Dieses
seltene Foto wurde Mitte der 1940er-Jahre in Zentraltexas aufgenommen. Doc
verwendete Billie Bo auch für Bulldogging.
5.)
Eine
seltene Conformationstudie von Joe Cody im Alter von 9 Monaten als Hengstfohlen.
6.)
Obwohl er der Begründer einer Familie berühmter Reining Horses war, war Joe Cody
selbst ein Cuttingspezialist – „Performance bleibt Performance!“ – und setzte
auch hervorragende Halter-Qualitäten. (Siehe Joe Codys Vater, Bill Cody)
7.)
Janna
Cody war der erste Nachkomme von Joe Cody, die sich als Show Horse hervortat.
Die 1958 geborene dun Stute, a.d. Miss Black Jacket, wurde 1962 AQHA Champion
und Superior Halter Horse.