Spuren im Schnee

 

VON GILA-SILVANA WOHLMANN

 

Obwohl es bereits Ende Februar war, herrschte noch immer tiefer Winter ber dem Land. Eine harte Zeit fr alle Reiter, vor allem fr diejenigen, die nicht das Glck hatten, ber eine eigene Reithalle zu verfgen. Die kleine Ranch von Linda und Franz war so eine. Die beiden hatten sich vor einigen Jahren liebevoll einen alten Bauernhof mit viel Mhe restauriert und die alten dusteren Kuhstlle zu schnen hellen Pferdeboxen umgebaut. Zuerst hatten sie nur die eigenen Pferde eingestellt, schon bald erkannten sie aber, dass es eigentlich schade ist, dass ein so groes Areal ber nur so wenige elegante Vierbeiner verfgt. So inserierten sie, dass sie ber freie Boxen verfgen wrden und bei gnstigem Preis beste artgerechte Haltung anbieten wrden.

Die ersten Einsteller lieen nicht lange auf sich warten und nach knapp einem Jahr hatte sich hier eine nette kleine Gruppe von Western- und Wanderreitern zusammengefunden. Diese waren wirklich wetterfest und nutzten jede freie Minute, um diese im Sattel verbringen zu knnen. Deren Motto war: Es gibt keine schlechtes Wetter, es gibt nur nicht passende Kleidung.

Auch Cathrina und Isabel hatten hier ihre Vierbeiner vor einigen Monaten hergebracht, weil ihnen die gemtliche Atmosphre des kleinen Stalls so zusagte. Cathrina besa einen zehnjhrigen Appaloosa-Wallach und Isabel ber eine mittlerweile 20-jhrige, aber dafr umso ruhigere Quarter Horse-Stute. Da sie gerade ein paar schulautonome Tage hatten, beschlossen die beiden, sich in ihre warme Winterreitkleidung zu schmeien und gut eingewickelt, einen kleinen Ausritt zu machen. Natrlich wollten sie diesen zeitlich so anlegen, dass sie nicht in die Finsternis kommen wrden. Auerdem trugen sie ins Ausrittbuch, welches im Reiterstberl auflag, ein, welche Route sie whlen wrden.

Gesagt-getan: Die beiden sattelten ihre Westernpferde und ritten am frhen Nachmittag los: Es war zwar sehr kalt, aber der Schnee glitzerte und es war glcklicherweise windstill, so dass die beiden in einen gemtlichen Nachmittag hineinritten. Natrlich hatten ihre Pferde Schneegrips drinnen, sodass diese nicht aufstckelten und kleine Stollen verminderten die Gefahr des Ausrutschens. Und so ritten sie lange Feldwege entlang, passierten einen Waldrand und dann ging es wieder weiter ber Feldwege. Die Luft war eisig, doch hatten sie ihre Gesichter mit Schals vermummt, sodass ihnen die Klte nicht viel auf der Haut anhaben konnte. Dicke Handschuhe und noch dickere Winterreitstiefel sowie eine flauschig-warme berhose wrmten ihren Krper. Sie whlten aber die Gangart beim Reiten immer so, dass die Pferde, die ja ber ein dickes Winterfell verfgten, nicht zu sehr zu schwitzen begannen, denn sie wollten keine Verkhlung ihrer Lieblinge riskieren. So mancher Feldhase oder auch mancher Vogel, der im Schnee auf Futtersuche war, wurde durch das Stapfen der Hufe im Schnee aufgescheucht. Die beiden Pferde von Kathrin und Isabel nahmen dies glcklicherweise mit Gelassenheit. Als es langsam dusterer wurde, die Sonne sich hinter Schneewolken versteckte und ein eisiger Wind aufkam, beschlossen die beiden, umzukehren. Sie whlten die Abkrzung ber den kleinen Fhrenwald. Als sie diesen querten, hrten sie auf einmal etwas.

Auch die Pferde spitzten pltzlich die Ohren und wurden leicht unruhig. Hast Du auch etwas gehrt?, fragte Cathrina ihre Freundin. Diese antwortete: Ja, irgendetwas raschelt da vorne. Siehst Du auch die Pferde haben es gehrt. Abermals tnzelten die sonst so ruhigen Rsser den schneebedeckten Waldweg entlang. Dann auf einmal preschte aus dem Gestrpp ein aufgebrachtes Pferd hervor. Es trug einen Englisch-Sattel und hatte sich mit einem Vorderbein in einem Zgel verfangen. Whow, whow. Bleib doch stehen, versuchte Cathrina den aufgebrachten groen braunen Wallach zu beruhigen. Dieser hopste jetzt leicht unbeholfen mit dem Zgel um das Bein gewickelt umher. Cathrina stieg langsam ab von ihrem Tier und bergab dessen Zgel Isabel, die auf ihrem Pferd sitzen blieb. Cathrina nahm ein Pferdeleckerli auf ihrer Jackentasche und versuchte, den Braunen zu locken. Ganz langsam und ruhig nherte sie sich ihm. Die Fremde schien dem groen Wallach nicht ganz geheuer, er blhte seine Nstern und seine Augen waren weit geffnet. Dennoch: Der verfhrerische Geruch des Minze- Bonbons berzeugte ihn und er kam auf Cathrina zu. Whrend er nach dem Leckerli schnappte, erwischte Cathrina den Zgel und es gelang ihr, sein Bein aus dem Zgel zu befreien. Irgendwo muss doch der dazugehrige Reiter sein?, stellte Isabel indes berechtigterweise in den Raum. Ja, erwiderte Cathrina und beruhigte den noch immer leicht nervsen, verschwitzten Vierbeiner: Keine Sorge. Wir werden Deinen Besitzer finden.

Uns so verfolgten sie Isabell mit Cathrinas Wallach als Handpferd und Cathrina mit dem Braunen an der Hand - die fremden Hufspuren im Schnee. Auf diese Weise wollten sie den mglichweise gestrzten und vielleicht sogar verletzten Reiter finden. Leider wurde es zunehmend dunkler, denn die Dmmerung und die darauffolgende Nacht nherte sich mit Riesenschritten.

Es wird dunkel, warf Isabell ein und meinte: Es wird fr uns gefhrlich werden, wenn wir nicht bald umkehren. Aber Cathrina gab sich kmpferisch: Wir mssen den Reiter finden, egal wie lange es dauert. Genau in diesem Moment hrten die beiden ein Wimmern gar nicht so weit entfernt. Wieder spitzten alle Pferde ihre Ohren, denn auch sie hatten das Gerusch vornehmen. Hallo, rief Cathrina. Ist da jemand?

Hilfe, ertnte es auf einmal. Das kommt von vorne, von der alten Brcke beim Bach. Sie eilten mit den Pferden dorthin. Und wirklich: Unter auf der Bschung mit den Beinen im eiskalten Wasser lag eine junge Reiterin vom Reitsportclub im Nachbardorf. Sie sagte: Bitte helft mir, ich glaube, ich habe mein Bein gebrochen. M e in Pferd ist auf einer E isplatte ausgerutscht und dann sind wir gestrzt. Isabel nahm sofort ihr Handy zur Hand und verstndigte den Notruf und natrlich auch den Stall von der jungen Reiterin ebenso wie die Betreiber ihrer Ranch, damit sich keiner weitere Sorgen machen msste. Dann beruhigten sie das Mdchen. Isabel sattelte Cathrinas Pferd ab und deckte die unterkhlte Reiterin mit dem Westernpad zu.

Nur wenig spter sah man schon in der Ferne des lichten Waldes ein Blaulicht aufscheinen und es dauerte auch nicht lange, dass zwei Notfallsanitter mit einer Trage herbeieilten. Nach der Erstversorgung wurde die Verletzte zum Notarztwagen gebracht, der sie dann ins Krankenhaus transportierte. Einstweilen waren auch schon die Betreiber ihrer Ranch mit groen Taschenlampen herbeigekommen, um ihren Einstellern den sicheren Weg zurck ins den Stall zu zeigen. Dabei hatten sie sie auch den Reitlehrer des Reitsportclubs mitgebracht, der mit ihnen gemeinsam das Pferd der Verletzten in deren Stall zurckritt.

Vor einem Reitunfall ist keiner - auch noch so erfahrene Reiter !!! - gefeit, doch das Mdchen hat leider einige Dinge nicht beachtet, die wichtig werden knnen, wenn man einen Ausritt unternimmt.

Was htte die Reiterin besser machen knnen? Wisst Ihr es?

 

Hier einige Tipps: 1) Mglichst nie alleine ausreiten!!!

2) Immer die Strecke in etwas bekannt geben, die man vorhat, zu reiten.

3) Immer ein Handy mithaben, damit man um Hilfe rufen kann. Dieses aber immer am Krper tragen und nicht in die Satteltasche, weil wenn das Pferd weg ist, ist auch das Handy weg. Notfallnummern einspeichern.

4) Mglichst eisige Stellen meiden bzw. das Tempo den Bo denverhltnissen anpassen.

5) Auf guten Winterbeschlag nicht vergessen Schneegrips und ev. kleine Stollen. (An alle Reining-Fans: Slider-Eisen sind zwar toll fr die Halle zum Reiningtrainieren, aber nichts fr rutschiges Gelnde).

6) kleines Erste-Hilfe-Tascherl am Grtel montieren.

 

Diese Liste kann noch fortgesetzt werden, dies waren nur einige Tipps von Eurer Wanderreitfhrerin Gila: Ich wnsche Euch einen unfallfreien Ritt im Gelnde, am Reitplat i, in der Halle oder wo auch immer. Nicht vergessen: Zuerst Kopf einschalten und dann erst losreiten!