TSCHECHIEN EINE REISE WERT

Ein Bericht von Verena Hackel

 

Steter Tropfen hhlt den Stein. Irgendwann gibt Margit seufzend nach: Also gut, wir fahren nach Tschechien. Bevor sie es sich anders berlegt, setzte ich mich an den Computer und finde im Internet die Green Valley Ranch, nicht allzu weit vom Grenzbergang Wullowitz entfernt. Die Ranch liegt in der Nhe von Rozmberk, einem idyllischen Stdtchen, umgeben von unberhrter Natur und dem Flusslauf der Moldau. Wir beschlieen, im Juni vier Tage mit unseren Pferden dort zu verbringen: Margit mit Larissa, ihr Mann Gerhard mit Lakota und ich mit Nikodemus.

Bei unserer Ankunft regnet es in Strmen, es ist fr diese Jahreszeit ziemlich khl. Es kann eigentlich nur mehr besser werden. Die Pferde werden in groen Boxen untergebracht, und wir beziehen unsere Zimmer, einfach, aber gemtlich.

Am nchsten Tag scheint zu unserer Freude die Sonne. Wir brechen am Vormittag auf. Hans, der freundliche Ranchbesitzer, ist etwas skeptisch: Normalerweise begleitet er seine Gste, allein ist noch nie jemand losgezogen. Da ich gerne individuell unterwegs bin, habe ich mir schon vorab Karten besorgt. Wir bleiben vorerst auf Wanderwegen, diese sind gut markiert und leicht zu finden. Wir reiten Richtung Norden, manchmal auch entlang der Moldau, und sind bald begeistert von der Landschaft. Hier ist alles berdimensional: weite Wiesen und riesige Wlder mit hohen, buschigen Farnen. Zu Mittag kehren wir in einem netten Gasthaus ein, die Pferde drfen auf der Wiese dahinter grasen. Es dauert schier unendlich bis das Essen kommt, wir mssen uns an die tschechische Langsamkeit erst gewhnen. Am Nachmittag trudeln wir zufrieden auf der Ranch ein, versorgen die Pferde und machen einen Ausflug nach Krumau.

Die Stadt Krumau ist ein Unesco-Kulturerbe und blickt auf eine lange, ereignisreiche Geschichte zurck. Wir spazieren durch schmale Gsschen und knnen uns an den wunderschnen, alten Gebuden nicht satt sehen.

Auch an den weiteren Tagen erkunden wir die Gegend auf eigene Faust. Wir reiten durch eine malerische Landschaft, durchstreifen tiefe Wlder, gelegentlich reiten wir durch Drfer inmitten von Wiesen und Feldern. In dieser weitgehend ursprnglich gebliebenen Kulturlandschaft hat man das Gefhl, dass die Menschen noch in echtem Einklang mit der Natur leben und arbeiten. Immer wieder sehen wir groe Kuhherden. Die Tiere leben meist ganzjhrig im Freien, als Schutz gegen Wind und Wetter dienen kleine Wldchen. Hans warnt uns eindringlich davor, solche Weiden zu durchreiten. Aufgrund der natrlichen Haltung sind diese Khe mehr Wildtiere als domestizierte Haustiere. Wir genieen die Natur, lassen die Seele baumeln und den stressigen Alltag hinter uns. Auch unsere Pferde sind entspannt, nur die vielen Kanus auf der Moldau haben sie anfangs etwas irritiert.

Niko leistet sich am dritten Tag einen kleinen Fauxpas. Er bricht aus der bis oben vergitterten Box aus. Er kommt mir in der Frh frhlich in der Stallgasse entgegen, entsetzt sehe ich die schiefe, aus der Verankerung gerissene Boxentr. Hans schaut nachdenklich meinen so friedlich wirkenden Haflinger an und kommt zu dem Schluss, dass die Boxentr ohnehin schon defekt gewesen sein msste. Ich verschweige dezent, dass wir ihn auch manchmal den Ausbrecherknig nennen. Sehr zu meinem Leidwesen geht auch mein Pferd gerne seinen eigenen Weg.

Jede Reise hat ihren Anfang und ihr unweigerliches Ende: Der Abschied fllt uns schwer. Am liebsten wrden wir noch ein paar Tage bleiben, aber eins ist sicher: Wir kommen wieder!

Fr Interessierte: www.wanderreiten.cz - Hier findet man alle Infos und Kontaktdaten. Auf der Green Valley Ranch kann man mit dem eigenem Pferd Urlaub machen oder mit einem der braven Criollos der Ranch unter der Fhrung von Hans die Gegend erkunden.

So long, happy Trails,

Verena