Spirits of the West

 

Impressionen einer Sightseeing-Tour von Gerda (ca. 7.000 Fotos) & Heinz Langer (ca. 7.000 km Autofahrt und Text) durch den Nordwesten der USA

Teil IX

Nach der bernachtung in Buffalo Bills historischem Hauptwohnsitz, Cody, Wyoming, setzen wir am 17.9.2008 unsere Reise ber den Chief Joseph Szenic Highway und spter ber den Beartooth Highway, im Nordosten des Yellowstone National Park, in Richtung Billings, Montana, fort.

Der spektakulre Chief Joseph Highway wurde nach dem Huptling der Nez Perce-Indianer benannt. Die Strae bietet unzhlige fantastische Ausblicke auf die bizarre Bergwelt ringsum.

Die Nez Perce (ursprngliche Zchter der Appaloosa Horses) versuchten im 19. Jh. mit 600 Stammesmitgliedern und 2.000 Pferden, der 7. US-Kavallerie nach Kanada zu entfliehen, wurden aber an der Grenze von der Canadian Royal Mounted Police in die Vereinigten Staaten zurckgeschickt, wo sie von den blau uniformierten Reitern des General Oliver Howard, nach der Resignation von Chief Joseph, gefangen genommen und in ein Reservat verwiesen wurden.

Der Chief Joseph Highway windet sich durch den Shoshone National Forest. Die Route fhrt entlang der Cathedral Cliffs durch das Sunlight Basin und weiter ber den Dead Indian Pass.

Vom Chief Joseph Trail zweigt der Beartooth Highway ab. Die fantastische Bergstrae zum Beartooth Pass (Brenzahnpass), brigens die hchstgelegene asphaltierte Strae in den Rocky Mountains (3.337m), erffnet atemberaubende Blicke auf die Wlder der Absoraka Beartooth Wilderness. Auf der nur von Anfang April bis Mitte Oktober fr den Verkehr freigegebenen Strae kurven wir hinauf zu baumlosen, alpinen Hhen mit herrlichen Bergseen und -wiesen und grandiosem Panorama.

Nach ewiglanger Fahrt durch eine selten wilde Gegend geht der beim Aufbruch in Cody noch volle Tankinhalt langsam zur Neige. Tankstellen haben im Wilden Westen Seltenheitswert. Man tankt stets bei jeder Gelegenheit, auch wenn der Tank noch zu Dreiviertel voll ist. Mit viel Bauchweh erreichen wir schlielich doch eine Zapfsule, die neben einem einsamen Gemischtwarenladen hoch oben, mitten in der Wildnis, ihr trostloses Dasein fristet. Die einladende Aufschrift an der schief hngenden Eingangstr warnt vor dem Eindringen von Grizzlybren und empfiehlt, letztere (die Tr) unbedingt immer fest zu schlieen. Die Frau des alten Trappers, dem der seltsame Laden am Ende der Welt gehrt, bedient die vorsintflutliche Zapfsule mit vielen Umstnden, aber der Tank ist wieder voll. Es kann wieder weitergehen.

ber Bridger bentzen wir einen vierspurigen Freeway, auf dem uns eine interessante berraschung erwartet. Die sehr stark befahrene Autobahn wird von einem etwa 30 m breiten Grasstreifen zum Wald hin begrenzt. Auf diesem Grasstreifen treiben ganze sieben Cowboys eine Rinderherde von ca. 200 Stck in unsere Gegenrichtung, ohne dass nur eines der Rinder die Fahrbahn betritt. Zur Absicherung wird das Ganze von einem im Schritttempo fahrenden Pickup begleitet, dessen Fahrer mit einer aus dem Fenster geschwenkten roten Fahne die motorisierten Verkehrsteilnehmer zur Vorsicht mahnt.

Schlielich erreichen wir Billings. Die heute 90.000 Einwohner zhlende Stadt wurde 1882 als Eisenbahnsttzpunkt gegrndet. Zunchst lebte man von Rindern, die aus dem Norden Montanas hier zusammengetrieben und dann zur Verladestation in Billings gebracht wurden. Ab den 1970er-Jahren kamen Erdl und Erdgasfrderung dazu und machten Billings zur grten Stadt Montanas. Wir nehmen hier Quartier, um am nchsten Morgen nach Sheridan weiterzufahren.

Um mglichst viele Eindrcke zu bekommen, bentzen wir oft unasphaltierte Landstraen. So fahren wir auf einer lchrigen Piste durch die Crow Indian Reservation. Knapp nach der Siedlung Pryor begegnen wir im hgeligen Gelnde einem Rindertreck. Das Weidevieh wird im September aus den hheren Regionen auf die Winterweiden hinunter getrieben. Es ist unbersehbar, dass die beiden Cowgirls mit ihren Aussies, die wir zunchst treffen, berittene Touristinnen sind. So gelingt es ihnen nicht, die Klber, die ja in der Wildnis zur Welt gekommen und noch nie ein Auto gesehen haben, daran zu hindern, unseren Fahrweg zu queren, teilweise zu strzen und in Panik zu geraten. Doch ein Handyanruf gengt. Minuten spter nhert sich der Trailboss im gestreckten Galopp. Geschickt versteht er es, in Deckung der Hgel zu galoppieren, um von den Klbern nicht gesehen zu werden. Pltzlich ist er vor uns und treibt allein und unvergleichlich geschickt die Klber vom Weg weg, zurck zur Herde. Diese Szene mitzuerleben, ist fr mich so faszinierend, dass ich beschliee, bei nchster Gelegenheit, selbst zu Pferd einen derartigen Rindertreck mitzumachen. Ich habe doch einige Erfahrung mit unseren schottischen Highland-Rindern zu Hause im Wienerwald und mit meiner sechsjhrigen Teilnahme bei Cutting Shows und Trainings, die ich auch heute noch mit Begeisterung und einem neuen Cuttingpferd mitmache.

Auf der sogenannten Medicine Wheel Passage geht es weiter ber die Bighorn Mountains zur Bighorn Canyon National Recreation Area und durch das Gebiet der National Wildhorse Range. Zahlreiche Mythen ranken sich um die weit ber hundert Wildpferde, die dieses 14.000 ha groe Areal bevlkern. Am wahrscheinlichsten scheint, dass ein Rancher nach Aufgabe seiner Farm die Pferde einfach dort gelassen hat. Dagegen behaupten andere, die Herde sei frhen Pionieren entflohen und bereits um 1700 hierher geraten.

Die Strae berquert auf malerischer Route weiter die Bighorn Mountains und fhrt direkt nach Sheridan.

Sheridan, unser nchstes Etappenziel, hat 16.000 Einwohner und ist ein typisches Prriestdtchen auf halbem Weg zwischen Yellowstone und Black Hills. Der Ort hat sich den Charakter einer Westernstadt wie aus dem Bilderbuch bewahrt und wurde deshalb von einem amerikanischen Fachmagazin zur Top-Western Town of America gekrt. Die Main Street wird von kleinen Lden, Westernfachgeschften, Bars und diversen Lokalen gesumt. Berhmt und auf alle Flle einen Einkaufsbesuch wert ist die King᾽s Saddlery. Hier kaufen nicht nur Cowboys, sondern auch Rodeo-Teilnehmer ihre Ausrstung.

Dan King (1923-2007) begann seine Karriere als Cowboy, um sich nach dem 2. Weltkrieg als Sattelmacher selbstndig zu machen. Seit den 1960er-Jahren liefen allerdings die im Untergeschoss des Geschftes produzierten Ropes (Lassos) den kunstvoll verzierten Stteln den Rang ab und machten das Unternehmen amerikaweit berhmt. ber 30.000 solcher Ropes werden im Jahr verkauft.

In einem dem Laden angeschlossenen Bau befindet sich Don King᾽s sehenswertes Museum. Prall gefllt mit Cowboy-Memorabilien aller Art, vor allem Stteln, zum Teil seltenen und historischen Chaps, Sporen, Waffen und indianischen Artefakten, lsst King hier die Geschichte der Horsemen und Indianer der Gegend eindrucksvoll Revue passieren. Nebenbei kann man gebte Sattler bei der Arbeit beobachten und von ihnen gute Tricks und Empfehlungen verraten bekommen, die sie den interessierten Besuchern in freundlicher Art bermitteln. Ein Eldorado fr alle Western-Fans und-Reiter! Wir machen bei einem langen Besuch und bei Einkufen reichlich Gebrauch davon.

Wir bernachten in Sheridan, um am nchsten Vormittag noch weiter hier einzukaufen und danach in Richtung Little Bighorn Battlefield weiterzureisen.