Ein Horseman werden
Bevor dein Pferd mit Galoppwechseln beginnt, musst du andere Dinge trainieren.
Alle diese Informationen ber die Schritt-fr-Schritt-Methoden helfen dir, deine Beziehung zum Pferd zu verbessern. Die bungen und die Grundphilosophie dieses Trainings helfen dir, eine gemeinsame Sprache mit dem Pferd zu finden. Zuerst sollte man jedoch ein richtiger Horseman werden.
Text: AQHAs Fundamentals of Horsemanship
bersetzung: Sonja Grnauer
Egal welche Aktivitten du mit Pferden machst und egal welche Ziele und Motive du dabei hast, wir alle haben das gleiche vor: diese schwer definierbare Harmonie zwischen Mensch und Pferd, die aus einem tiefen Grundverstndnis kommt. Kommunikation ist subtil, beidseitiger Respekt und Vertrauen finden eine perfekte Balance. Die Verbindung zwischen Mensch und Pferd ist nicht nur physisch, sondern auch mental und emotional. Der Weg zu dieser Harmonie ist nicht leicht und erfordert viel persnlichen Einsatz, ein Weg mit Momenten tiefer Zufriedenheit aber auch Momenten von schwerer Frustration. Man braucht eine gewisse Entschlossenheit, Ausdauer und den Willen zuzuhren und zu lernen, denn dies fhrt zum Erfolg. Dies ist der Weg, ein Horseman zu werden.
Auf diesem Weg werden wir erkennen, wie sich die Horsemanship verndert hat. Es handelt sich heute nicht mehr um ein Lehrfach, sondern um einen Weg, das Leben mit Pferden in Harmonie zu gestalten und zu erkennen, wie sie lernen, handeln und reagieren.
Die erste Gewohnheit, die wir ndern mssen, ist die Art und Weise, wie wir versuchen, ein Pferd zu verstehen. Du musst die Dinge vom Standpunkt des Pferdes aus sehen, was leichter gesagt als getan ist. Ein richtiger Horseman fllt in einer Menschenmenge so auf, dass er sich in vielen Dingen was das Satteln, Zumen, Fhren des Pferdes und seinen allgemeinen Umgang mit Pferden betrifft anders verhlt. Denkt jemand, man msste an sich selbst nichts ndern, dann ist das Pferd gezwungen, permanent die Lcke zu fllen, die unsere Inkompetenz aufgrund unserer Ignoranz hinterlsst. Manche Reiter kompensieren dies durch ihre Art, gut zu reiten, und erkennen daher nicht die Notwendigkeit, etwas zu ndern und dieses Missverstndnis bleibt dann bestehen. Hier fehlt das Basiswissen. Der Reiter glaubt, dass er alle anfallenden Probleme ohne das Basiswissen bewltigen kann. Doch die Lcke besteht weiterhin. Probleme werden unweigerlich auftreten, wenn der Reiter nicht versteht, dass er seine Gewohnheiten ndern sollte, um seinen Erfolg zu verbessern.
Als Beispiel kann man eine Mathematik-Klasse sehen, in der alle Schler auer Dennis die vom Lehrer gestellte Aufgabe verstehen. Der Lehrer gibt Dennis einige weitere Hinweise und bemht sich sehr, Dennis die Aufgabe zu erklren, doch dieser versteht die Gleichung noch immer nicht. Dennis᾽ Wille ist nicht genug, dass er die Rechenaufgabe begreift. Der Schler ist dadurch genervt und schmt sich vor dem Rest der Klasse. Er traut sich nicht einmal mehr, in Richtung der Schultafel zu sehen, und gibt die Hoffnung auf, die Gleichung irgendwann zu begreifen. Der Lehrer erkennt, dass Dennis mehr Hilfe bentigt und individuell untersttzt werden muss, um die Gleichung lsen zu knnen. Wrde der Lehrer nicht entsprechend handeln, htte der Schler kein Erfolgserlebnis und wrde sich als Versager fhlen. Dadurch knnte Dennis auch den nachfolgenden Lernstoff nur schwer bewltigen.
Der Lehrer wei, dass Dennis auf einer Ranch lebt. Bei der Erklrung des Rechenbeispiels greift er daher auf Bilder aus dem alltglichen Leben von Dennis zurck, wie z.B. Rinder. Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division bekommen fr den Jungen eine neue Bedeutung. Eine Herde wird aufgrund des Alters der Tiere sortiert, einige werden verkauft, andere wieder gekauft. Einige Rinder haben Klber, andere wiederum nicht. Diese fr Dennis gewohnten Dinge in die Rechenaufgabe einzubauen, geben ihm einen pltzlich vllig anderen Blickwinkel auf die Aufgabe. Alles erscheint ihm pltzlich logisch, und Dennis kann problemlos die Gleichung an der Schultafel lsen.
Der Lehrer wei, warum:
- abndern der Lehrmethode abgestimmt auf den Schler;
- kurze Pausen machen, um zu vermeiden, dass Dennis einen Misserfolg hat;
- Einfallsreichtum, um das Problem des Schlers zu definieren;
- eigene Herausforderung: Kann mein Schler die Gleichung nicht lsen, dann ist es auch teilweise meine Schuld;
- den Dialog mit dem Schler suchen, um ihn zum weiteren Lernen zu motivieren und sein Selbstvertrauen zu strken.
Ist der Lehrer nicht darauf vorbereitet, seine Lehrmethode dem einzelnen Schler anzupassen, scheitert nicht nur der Schler, sondern auch der Lehrer hat seine Aufgabe nicht erfllt. Das wichtigste Ziel eines Lehrers sollte sein, dass mglichst eine groe Anzahl seiner Schler die ihnen gestellten Aufgaben lsen kann, den Lehrstoff versteht und dieses Fach erfolgreich abschlieen kann. In diesem Fall zeigte der Lehrer professionelles Auftreten, indem er versuchte, die Aufgabe seinem Schler auf mglichst einfache und begreifbare Weise zu erklren.
Die Horsemanship-Methoden, die in Fundamentals of Horsemanship beschrieben werden, zeigen schrittweise klare und effektive Lernsituationen. Die bungen sind eine Hilfestellung, damit du ein Horseman werden kannst. Sie sollten nicht als fixe Regeln angesehen werden.
* Sei flexibel in jeder Situation! Wichtig ist nur, dass du den Sinn der bung verstehst. Ich bemhe mich immer, bei den bungen Fortschritte zu machen, und verweile nicht zu lange bei jeder bung.
* Konzentriere dich auf die Verbesserung und nicht auf die Perfektion. Es ist jedoch wichtig, die Wurzel des Problems zu finden und daran zu arbeiten.
* Lass dich nicht dazu verleiten, einige Schritte auszulassen. Bei dieser Arbeit ist es wichtig, die richtige Balance zwischen Konsequenz und Abwechslung zu finden. Es ist notwendig, mit dem Pferd auf dessen Level zu arbeiten und nicht auf jenem Level, den du dir bereits vorstellst. Stelle deinem Pferd interessante Aufgaben, damit es motiviert mitarbeitet.
* Vergiss nie, auf die Bedrfnisse deines Pferdes zu hren bzw. darauf zu achten, und du wirst dich in dein Pferd hineinversetzen knnen.
Das Fhrseil schwingen
Das Ziel dieser bung ist, das Vertrauen deines Pferdes zu strken, die Desensibilisierung zu variieren, dem Pferd beizubringen zu denken, bevor es reagiert, und ihm beizubringen, dass es sich nicht vor dem Fhrseil frchten muss.
Du konfrontierst dein Pferd mit einem neuen Problem, fr welches es immer die gleiche Lsung gibt: entspannen. Mit dieser bung bringst du dem Pferd bei, bei jedem auftretendem Problem den Weg der Entspannung zu suchen. Jede Aufgabe ist unterschiedlich, das Konzept ist das gleiche.
Ein Pferd, das bei Seilkontakt oder Bewegung des Fhrseils nicht schreckhaft ist, egal ob es gerade gefhrt oder geritten wird, wird auch nicht panisch, wenn man das Seil vor oder neben ihm bewegt. Dies macht das Leben fr euch beide weitaus einfacher und hilft dem Pferd, die Dinge der Menschen rundherum zu akzeptieren.
Wie macht man dies?
Stehe seitlich von deinem Pferd im Bereich seiner Schulter und schwinge das Seil entlang seiner Seite, danach schleife es ber den Boden. Mache groe, rhythmische Bewegungen und schwinge das Seil ber den Rcken des Pferdes und im Bereich seiner Beine. Mache entspannte Krperbewegungen, sei jedoch vorsichtig. Befindet sich das Seil im toten Winkel des Pferdes, kann das Pferd mit Ausschlagen reagieren. Steigere schrittweise das Vertrauen deines Pferdes und belohne es mit Pausen. Dein Pferd darf niemals seine Hinterhand gegen dich wenden. Versucht es, vorwrts zu drngen, dann blockiere es, indem du die Hand hebst, in der du das Fhrseil hltst. Halte dabei deinen Arm gerade.
Was sollte man nicht tun?
- Schlage das Pferd nicht mit dem Fhrseil.
- Mache keine unkoordinierten Bewegungen.
- Vermeide angespannte, Furcht einflende, bertriebene Krpersprache.
- Stoppe nicht im falschen Moment. Stoppe, wenn das Pferd mit seiner Reaktion endet und nicht, weil es gerade reagiert.
- Verwende kein zu langes oder zu kurzes Seil. Ein ca. 3 Meter langes Seil aus guter Qualitt ist optimal.
- Vermeide einen Ruck am Halfter, wenn du das Seil schwingst.